Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 20 (18.5.1894)
- Date
- 1894-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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E» sind im Jahr« 1893 entnommen von Besuchern »hae Unterschied der Eonsession 565 866 Portionen» Hauptsächlich sind begehrt gewesen : Mittagessen k 10 Pf. und zwar 142 014 Portionen, - .. 804 50 ״ ״ ״ 15 ״ Boullio» ״ 384 57 ״ ״ ״ 5 ״ »affee 798 42 , ״ ״ 3 ״ Suppen 742 69 ״ ״ ״ 6 ״ , Kartoffeln und Häring 45 337 ״ Ä11 nothleidendeArme wurden vertheilt 89784Porlionen, hauptsächliche Bedarfsartikel waren: Rindfleisch 56 Ctr. Fische 16'/, Ctr. Riiidrrsett 33'/, ״ Salz 40 ״ Weizenmehl 85'״,׳ Bohnrn330'/« ״ Kartoffeln 1757'/» ״ Erbsen 262'/♦ ״ Würstchen 59384 Stück. Um Jedem, auch selbst dem Aermsten, Gelrgenhe.t zu geben, sich Mittags und Abends zu sättigen, ist der Preis einer- Portion Mittagessen auf 5 Pf. festgesetzt, und ist der. Andrang hierzu ein ganz bedeutender. Zuwendungen für den Wohlihätigkeitssond» werden erbeten an die Verwaltung der israelitischen Volksküche, H.'rmann Abraham hier, Alte Jacovstraße 57/59?) Berlin. Die Jakob Jsrael'sche Stiftung im Betrage von 100000 Mark erklärt der Berliner Magistrat annehmen zu wollen. Aus den Zinsen dieses Kapitals,׳welches der SlifiuagS-Deputation deS Magistrats zur Berwa.lang überwiesen worden ist, sollen in ihren Verhältnissen unverschuldet zurückgekommcne Einwohner Berlins, ohne Rück» sicht auf die Consession, alljährlich am 20. März, dem Sterbetage des wommercienrorh» Jacob Israel, in Beträgen von nicht unter 100 M. und bis höchstens 300 M., unter» stützt werden. N. C. Berlin, 14. Mai. (Or.-Corr.) Angeregt durch den Artikel ״Auffälligkeiten" in Nr. 19 Ihres ge» schätzten Blattes erlaube rch mir über das ״Würfelspiel" fol» gende Bemerkung: Daß im Allgemeinem Niemand spielt um zu verlieren, liegt für Jedermann klar auf der Hand. Was nun da» Würfelspiel im Besonderen betrifft, so ist dasselbe rirler Orten, aber ganz besonders in Berlincr Kneipen, in denen ja virlfach grade die Antisemiten mit ihrem ״urteulonischen" Durste eine dominirende Rolle spielen, sehr beliebt. In Berlin wird fast allerwegen gewürfelt, oder, wie der terminus leekmeus heißt ״geknobelt." Ich möchte an Diejenigen, welche zur Gefolgschaft der Stöcker, Ahlwardt und Genossen gehören, die bescheidene Anfrage richren, ob sie gegebenen Falleum dir Ehre — wenn sie überhaupt eine solche besitzen — oder ob sie darum ״Knobeln", um die oft nicht unbedeutenden, eines Urgermanen würdige, Zeche zu gewinmen, d. h. also wenn ich mich eines ortsüblichen Ausdruckes bedienen darf — ob sie nicht lediglich würfeln, um den Gegner ״hineinzulegen"? — U. «. w. g. Au» ML«che» geht ׳uns von authentischer Seite die Mittheilung zu, daß der Boriiand der israelitischen Cultus» gemeinde beschlossen hat. von einer öffentlichen Ausschreibung der" erledigten Rabbinerstelle abzuschrn und sich auf anderwelligem Wege die Kenntnis beachtenswerter Persönlichkeiten zu beschaffen. Wir dürfen diesen Beschluß al» eine Neuerung begrüßen, die einer hervorragenden Gemeinde wie München würdig ist und hoffen, daß dies Beispiel Schule machen wird. DaS AuSschrriben einer Stelle in kleinen,Ge» meinden tit gewiß nicht zu verwerfen; bei großen jedoch, die nicht mehr nötig haben, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, macht «ine derartige öffentliche Konkurrenz-Eröffnung *) Wir Mnociftn - auch auf den Bericht über die Feier des ^Eederabeud" in dem beiliegende» ״Familtenbtail." - den Eindruck einer Einladung zu einem Jahrmärkte» an dem sich Kauf» und Berkauflustige, oder auch nur Schau' «gierige beteiligt!! können. Di« großen Gemeinden kannten früher diesr wenig zarte und würdige Art der Erwerbung eine» religiösen Führer» nicht, sondern sie sandten demjenigen, der infolge von veriraucnSwürdigen Empfehlungen als geeignet erachtet ward, Len ״Rabbinats׳ (Rabbonus-)Brief zu, eine Einrichtung, die von beiden Setten wohlthuend em- Pfunden wurde und die gegenseitige Achtung erhöhte. Die Wucht von rinlaufenden Bewerbungen infolge von Aus» schrribungen erschwert die gründliche Sichtung und die Erfahrung lehrt, daß würdige Elemente» die vom Schwengel der großen Glocke entfernt stehen, zurückbleibcn und die kräftigsten Lungen häufig als Sieger hrrvorgehen. — Die richtige Würdigung der Art, wie die Nachfolge eine» Perle» und da» wichtige Rabbinat einer Münchener Gemeinde er» lcdigt werden muß, hat obigen Beschluß gezeitigt, um dessenwillen wir dir Münchener Verwaltung beglückwünschen können. Böttingen. Wie das ״Gött. Tagrbl." meldet, hat der AnrisemiliSmu» bereits zu einer Gefährdung der milk» tärischen Disziplin «eführt. Bei de» hier eingezogenrn Londwehrrkuten ereignete sich der Fall, daß ein Landwehr, mann einem jüdischen Unterossizire, der ihm e ne Anordnung gab. den Gehorsam verweigerte mit der Begründung, er lasse sich von Judrn keine Befehle geben. Natürlich wurde er wegen Insubordination sofort in Haft geführt. (Da» Vergehen der Ä^-Horsamr.Verweigerung wirs mit Dunkelarrest nicht unter vierzehn Tagen oder Grsängniß bis zu drei Jahren, falls eS vor versammelter Mannschaft erfolgt, mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft.) Breslau, 8. Mai. (Or.׳Co:r.) In Oberschlesien herrscht unter den Juden große Erregung. Ein Rabbincr soll, wie man sagt, eine Einladung erhalten haben zum Empfang des Fürstbischofs Kopp am Bahnhof, jedoch mit der ausdrücklichen Bitte, nicht im Ornat zu erscheinen. Der Rabbiner aber. Len die Lorbeeren seiner Breslauer Collegen nicht ruhen ließen, kümmerte sich um diesen Wink nicht, sondern erschien im Ornat und hielt sogar eine von Devotion triefende Ansprache; er durchbrach damit das ganze Programm und hat weder sich noch die Juden da» durch jn den Rnf der Bescheidenheit gebracht. Die christlichen Kreise sind darüber verschnupft, und dieser Schnupfen wirkt nun ansteckend auf die jüdischen Kreise. U«S dem RegieruugSbez rke Bromderg, 9. Mar. (Or.-Corr.) Mit einer gewissen Scheu r> statte ich Ihnen heute Bericht über eine Affaire, die um so peinlicher berührt, als sie ein gar grelles Licht wirft aus gewisse ungesunde Verhältnisse in unserem eigenen Lager unv unseren Feinden wieder neuer Stoff zu neuen Anklagen bargedotrn wird. Ein Verschweigen solcher Thatsachen, die jeden rechtlich denkenden Menschen mit Beschämung erfüllen müssen, kann nur schädlich wirken; eine Be,öffe.1tlichung dagegen kann insofern heilsam stin, als sie nach den verschiedensten Seiten hin belehren» und warnend wirken wird. Die Affaire, die prstern Gegenstand einer Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer war, ist folgende: Am 23. September 1890 stellte die isr. Gemeinde zu L. den Kantor R. auf die Dauer von 5 Jahren, und zwar vom 15. Oktober 1890 ab, als Kantor an. Der Vertrag über diese Anstellung wurde von der königl. Regierung zu Bromberg bestätigt. Bereits am 27. Mrrz 1891 wurde der Vertrag mit dem Kontor R. bis zum 15. Oktober 1900 verlängert. Diese Prolongation, bei welcher sieden Repräsrntonten und zwei Vorsteher der Synagogrngemeinde L an» wesend waren, wurde im Vrotokollbuch, wie ivtgk, beurkundet: ״Ferner wird beschlossen, dem Kantor R. eine Prolongation seine» Kontraktes bizum Jahre 1900 zu gewähren . . . und zwar erhält der Kantor R. vom 15. Oktober 1898 ab bizum 15. Oftober 1900 ein garantirtrS Gehalt von