Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 20 (18.5.1894)
- Date
- 1894-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SRcffia« abzuwarteu und die Annahme de» Judenchnm» von a.llen Völkern der Erde. Dawollen wir gar nicht leugnen, daß viele Jude» mit erhöhter Freudigkeit auf dtm Acker Palistiua'S arbeiten Würden; ja wer-n sie ihn nur erst hätten und er ihnen Früchte trüge. Diese Broschüre ist wieder «ine Seifenblase der Zionisten, sie glänzt und leuchtet in allen Farben, aber wenn man sie nur anhaucht, zergeht sie. Der einzelne Jude mag. ob er nun in Rußland, Oesterreich oder wo sonst immer wohat, wenn eg ihm in seiner Heimath absolut nicht behagt, zusehe», ob er in einem andern Lande nicht eia behaglicheres Dasein finde. Aber nur keine Massenauswanderung. Wie die Juden in Deutschland, so haben auch die Juden in Rußland die Aufgabe, die Regierung und die Mitbürger für sich zu gewinnen und die Borurtheile zu entwaffne». Die Völker können vorübergehend von Agitatoren irre geleitet werden, zumal überall die Massen schwer leiden und mit gierigen Blicken zusrhen, wie die oberen Zehntausend sich ergötzen. Dadurch erhöht sich unsere Pflicht, die Jrrrgeleireten aufzuklärrn und anderer» seiis uns zu bessern und zu bilden, um den Widersachern jeden Borwand zu nehmen. Unsere elenden Brüder aus Jerusalem Hinweisen, hat ungefähr ebenso viel Sinn, als wenn wir einem Menschen, der hungernd über unsere Schwelle tritt und Brod verlangt, einen schönen Vers vorlesen wollten. Diejenigen, die in Deutschland die Zionsschwärmrrei unterstützen, laten eine schwere Verantwortung auf sich. B. R. Die Schächtfrage vor der Bayerischen Volk-Vertretung. *) Besprochen von Rabbiner vr.Immanuel Deutsch-Sohrau C;6 Zweimal im Laufe eines Monats, am S. und 28. Februar 1894. hat die Echächtfrage die Bayerische Volksvertretung beschäftigt. Der Petition« - Ausschuß der Bayerischen Abgeordneten - Kammer hatte sich an jedem dieser Tage mit der ״Sclächtfrage" auseinanderzusetzen. Referent in dieser Abgelegenheit war der dem Centrum augehürende katholische Pfarrer vr. Friedrich Frank, Correserrnt der socialdrmokratische Abgeordnete Löwrnstein. Der eingehende Bericht LeS gelehrten, ehrwürdigen Referenten, welcher mit wahrer Meisterschaft das hier in Betracht kommende, weitschichtigc Material beherrscht, welcher theoretisch und praktisch über alle Seiten der Schächtfrage auf das Eingehendste Andere zu orientiren versteht, hatte das eine Mal den Erfolg, daß der Petitions-AuSschuß den Antrag einstimmig annahm: Die Petition ist ״nicht geeignet zur Erörterung im Plenum, da zu einem Vorgehen im Sinne der Petenten (das ״Schächten" im deutschen Reiche und zunächst speciell in Bayern zu verbieten) ein Anlaß nicht gegeben ist und nach der Erklärung der königlichen Staatsregicrung hinsichtlich der Vorbereitungen auf das Schächten die bestimmtesten Anordnungen getroffen sind." (S. 9.) Das zweite Mal beschloß der Petitions-Ausschuß gleichfalls einstimmig: Die Petition ist ״nicht geeignet *) Dir Schächtfrage vor brr Bayerischen Bolktvrrtretmm. Von -Mr, Friedrich Frank, Lav-tagS - Abgeordneter. 2. Last. Wümbura ׳ rsö-1. Lerikon 8. 48 S. * ' “ . schlag vor der Bluteutziehung) ein genügender IKrnnd nicht als gegeben erscheint." CS.. 4L) Dieser Verhandlung über die Schächtfrage vor drm'PetitionS-AuSschuffe der Baierischen' Volksvertretung hat eine typisch« Bedeutung., Bekanntlich haben Antisemiten und Conservative einen ganz analogen Antrag dein deutschen Reichstage unterbreitet. Wenn die ׳ unzweideutige, radicale Abweisung diese- Anträgein München den Werth einer Generalprobe hat. wollen wir nur wünschen und hoffen, daß auch in Berlin die Sache der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Religion»- und Gerechtigkeit, der Religion»- und GewiffenSfreihrit einen so überzeugtcn und überzeugenden, einen ebenso beredten, gewandten und gewissenhafte» Anwalt finde, wie der Referent Dr. Frank vor dem PetitionS-AüSschusse sich au», gewiesen. Wir haben vor Kurzem (in'Nr. IS dieses Blattes) Veranlassung genommen, auf Dembo'S llassischr, ׳ unanfechtbare Ausführungen über das ״Schächten" näher einzugehen. Wir können es uns daher versagen, diejenigen Punkte hervorzuhebcn, über welche Frank in gleicher Weise . wie Dembo sich auszusprechen hatte. Daß hier ein christlicher Priester in beredter Weise zu Worte kommt, ein würdiger, gewissenhafter, Wahrheit liebender, grpnnungstüchtiger, überzeugunzstreuer Priester, da» hat zur Erörterung und Klärung der in Deutschland acut gewordenen Schächtfrage nach allen hier ln Betracht kommenden GesichtSpunk:en auf da» Wesentlichste beigetrage«. So - peinlich auch den Menschenfreund, welcher drr-Wahrheit, Gerechtigkeit, der Religion»- und GewiffenSfreihrit ohne Vorbehalt das Wort redet, die wüste und wilde Agitation gegen das Schächten berühren muß,. so sollen doch zur Steuer der Wahrheit auch die erfreulichen und ermuthigendeu Momente hier nicht übersehen, werden. Herr vr. Frank bemerkt mit Recht (€. 4j: ״In neuester Zeit sind die Thierschutzvereint in der Agitation gegen da» Schächten etwas mehr in den Hintergrund getreten und haben e» den Antisemiten überlaffen, den Kampf für Beseitigung de» EchächtenS fortzusetzen." Die Thierschutzverrine, soweit sie nicht gewillt sind, Dhierschutz mit Antisemitrnschmutz zu verquicken, gelangen allgemach zur Einsicht, daß sie auf falscher Fährte sind, wenn sie das rituelle Schlachtverfahren als inhuman und unzweckmäßig verdächtigen. Erfreulich fft es ferner, daß die 283 Gutachten, welche da- Berliner ״Comite zur Abwehr antisemitischer Angriffe" jüngst gesammelt und veröffentlicht hat. daß namentlich io erster und letzter Reche die unwiderleglicheu Feststellungen Dembo'S, aus welch« nicht oft genug rühmend hingewiesen werden kann, ihre volle Schuldigkeit gethan, daß sie — so zu sage» — ihre erste Feuerprobe glänzend br standen haben; denn, wo die Schächtfrage vom Standpunkte der Humanität, der Hygiene und der Zweckmäßigkeit klar zu legen war, versäumt Frank es nie, in geschickter Gruppirung de» ihm reichhaltig zu Gebote stehenden Materials aus seine und uusere klassischen Zeugen, auf die Feststellungen, wie sie in Dembo'S Schrift und den 283 Gutachten niedergelegt sind, sich zu berufen. Alle den verschiedensten Parteigruppe» angehöreoden Mitglieder des Petitions»AuSschuneS acceptirrn ohne jeden Vorbehalt die Argumente de- Referenten. Die aatisemiti» scheu Petenten begnügen fich aber nicht mit halber Arbeit. Sie sind gar nicht einzuschüchtern. Sie sind stark im Behaupten. Wären sie ebenso stark im Beweise«, wie im Behaupten, daun hätten sie wohl gewonnene» Spiel. Eie behaupten mit schirr verblüffender Sicherheit, daß das Schlachten nach jüdischem RituS für die Israeliten keine rel^iöse Satzung sei. Hier haben die Detenten in dem gelehrte« Referenten, in dem hochwürdige» Theologen» chrea' Meister gesunde«. Diese Frage zu streife» hatte« weder die 283 Gutachter «och Dembo Veraulaffuag. Hier zerpflückt imd zerfasert Freu! jede» der schillernde» Schein-