Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 19 (11.5.1894)
- Date
- 1894-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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152 worden,*) aber er handelt sich um möglichste Vollftändigkeit. Vielleicht unterzieht sich der..Centralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens" dieser dringlichen Aufgabe durch Versendung einer Aufforderung zur Aussüllung eines beizulegenden diesbezüglichen Fragebogens an die Vorstände aller jüd. Gemeinden Deutschlands; er würde sich dadurch selbst ein Ehrendenkmal setzen für alle Zeit Die jüd. Zeitungen werden ihm sicherlich bereitwilligst hierbei fördernd zur Seite stehen. Berlin. 4. Mai. EineBriefkastennotiz, welche in der antisemitischen ״Täglichen Rundschau" vom 3V. Januar h. I. veröffentlicht wurde, hat dem Redakteur des genannten Blattcs, Oskar von Ehrenberg, sowie dem Herausgeber desselben, Dr. Friedrich Lange, eine Anklage wegen Beleidigung zugezogen, welche heute vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. unter dem Vorsitze des Landgerichlsdirektors Brausewetler;11: Verhandlung gelangte. Die beanstandete Brieskastennotiz lautet folgendermaßen: ״Dr. E. L. in Mühlhausen in Th. Ihre örtlichen Berhältnisse haben wir an dieser Stelle schon einmal erwähnt. Daß eine deutsche Stadt von 30,000 Einwohnern (und darunler nur etwa 250 Juden) nun wirklich drauf und dran ist, einen Mann jüdischer Herkunft (Stadtrat Rosenstock) zu ihrem Bürgermeister zu wählen, ist einfach ein Jammer und eine Schande dazu. Wenn aber die Bürger selbst — ihr deutsches Gewissen nicht mehr fühlen oder fühlen wollen — wir können ihnen so rasch ferne andere ־-־e'e einblasen. Dann heißt es hier, wie an so manchem anderen Orte: erst noch tiefer in den Dreck, erst noch völliger in die Knechtschaft, dann werdet Ihr auch wieder Sehnsucht spüren! Freundlichen Gruß." — Wegen dieser Notiz hatte Stadtrat Rosenstock den Strafantrag gestellt. Der Angeschuldigte Dr. Lange gab zu, die Notiz verfaßt zu haben. Der Angeschuldigte v. Ehrenberg nahm die Mitverantwortung auf sich. Staatsanwalt Flickel führte aus, daß die Not:z schwere Ehrenkiänkungen enthalt-. Er beantragte gegen jede» der Angeklagten eine oteldstrase von 300 Mark. Der Angeschuldigtc von Ehrcnberg bestritt, daß ec eine beleidigende Absicht gehabt habe und daß über- Haupt eine Beleidigung des Slrafantraguelle.s vorliege. Wenn er das Eindringen der Juden in richterliche und b-hördliche Stellen als ein׳ Gefahr für dos deutsche Volk äetrachte, so sei er nicht nur berechtigt, sondern auch ver- Lflichlet, dies zu bekämpscn. Aach Dr. Lange beantragt seine Freisprechung. Ter Ge:ichts!,os kam nach längerer Beratung zu einem Schuldigspruch gegen beide Angeklagten. Nach mehrfachen Entscheidungen des Reichsgerichts stehe der Presse nicht mehr zu. als jeder Privatperson. Es komme gar zu häufig vor, daß die Presse mit der Ehre anderer Menschen umgehe, als sei dieselbe gar nichts wert. Die in Rede stehende Notiz enthalte zweifellos schwere "hrenkränkungen des Stadtrats Rosenstock. Allerdings sei Angeklagten zugebilligt worden, daß sie in Wahr» nehmung berechtigter Interessen gehandelt hätten, denn sie konnten der Ansicht sein, daß in einem christlichen Staat auch Christen an der Spitze der Behörden stehen müssen, aoer um diese Ansicht zu vertreten, war eS nicht nötig, Personen damit zn verquicken und geg7n dieselben ehrenkränkende Ausdrücke zu gebrauchen. Die Strafe fei auf -je 50 Mark bemessen. Hannover. Der Antisemit Dr. Schuutz, der frühere /Direktor de» hiesigen Lebensmitteluntersuchungsamts, welcher stch in Langenhagen niedergelassen hatte, istvon dort plvtz-!ich verschwunden. Es wird vermutet, daß derselbe in« Aus- *) I» Philippsoos ״»«denkbuch aa d«o dealsch-sraazSfischt» Lvsg" (90m 1871; Mi» »on He« M. »panier i» de» voeiihrigeo Ls At«^»Q1ichr HWge» •ernttab«.. land gegangen ist. um sich, einer vierzehn tägigen Haft zu entziehen, welche gegen ihn erkannt worden ist. um ihn zur Herausgabe seiner drei Kinder an seine Frau zu zwingen. Dr. Schnutz ist mehrfach genannt worden wegen seiner Prügeleien mit dem. antisemitischen Reichstag« adgeorbnrten Leuß. (Er wird bereits steckbrieflich verfolgt.) — Herr Schüler von hier hielt tu Gpslar eine von über tausend Personen besuchte Volksversammlung ab, in der er — ass Antwort auf Liebermann von Sonnenbergs kurz zuvor gehaltene Hetzrede — einen 2 ständigen Bortrag: ״Der Antisemitismos im Lichte der Wahrheit." Eine Resolution, in welcher der Antisemitismus entschieden ver» urteilt wird, wurde mit Jubel gegen eine Summe ange» nommen. Mit einem Hoch auf das Etaatsbürgerrecht schloß die Versammlung. — So hat die Bürgerschaft, von Goslar den Versuch der Antisemiten, daselbst rinzudrigem, energisch zurückgeschlagen. A«S Lberschlesiev, 6. Mai. Dir in dem altbr» währten Soolt ade K ö nig sdo rff-Ja st rzemb im Jahre 1890 gegründete ״Israelitische Ki nderheilstätte" soll nunmehr om 20. Mai cr. zum fünften Mal eröffnet werden. Die beiden festen Säulen, aus denen das Werk in hoffnungsfreudiger Zuversicht errichtet wurde, göttliche Hilfe und werkthärige Menschenliebe, haben daS gemeinnützige Unternehmen in den Stürmen und Kämpfen der wechselvollen Zeiten sicher getragen und es an Straft und Segensfülle zunehmen lassen. An seiner Schwelle hält ein guter Engel Wacht, der Gruß und der Segen aus. vieler unschuldiger Kinder Mund. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufuimmt; ihre Segnungen erstrecken sich auch ans mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen, je nach den Verhältnissen bemessenen Zuschuß, der aber niemals die Selbstkosten übersteigen darf. Aufnahme finden. DaS gemeinnützige humane Werk, da« durch milde Beiträge erhalten wird, verdient darum die thaikräftige Förderung und Unterstützung edler Menschenfreunde und hegt deswegen die frohe Ueberzeugung, daß es sicherlich nur dieser An» regung bedarf, um den Kreis keiner Gönner und Wohlthäier zu vergrößern. Jeder, auch der geringste Beitrag, darf des wärmsten Dankes sicher sein. Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz, zu ertheilen gern bereit. Mönche«, 3. Mai. Die Lage der bayerischen Landrabbiner ist finanziell zumeist recht ungünstig. Sie machten daher in einer Petition an den Landtag Verschlage zu einer grundlegenden Befferung. Im Finanz» ausschuß erklärte der Minister, das er den Nothstand anerkenne, daß jedoch vorerst den Wünschen der Rabbiner aus staatsrechtlichen Gründen nicht sta «geben werden könne. Daraufhin wurden verschiedene Anträge auf Einstellung erhöhter Mittel in den Etat drS Kultusministerium» zurückgezogen und beschlossen, die Petition an die Regierung zur Keuntnißaahme hinübrrzugeben, soweit es sich um Ab- Hilfe wirklich bestehender Nothftände der Rabbiner und ihrer Relikten handelt. Oesterreich-Un-nr«. kl. Baja, 6. Mai (Or.-Corr.) Der durch literarische Theilnahme an Ihrem gesch. Bl. rühmilch bekannte hiesige praktische Arzt, Herr vr. Heinrich Lemderger, hat am 30. April d.J. sein SOjähriges Doctor-Jubiläum gefeierte AuS diesem Anlasie beglückwünschten ihn ärztliche. geistliche, lehramtliche, wiffenschaftliche und gemeindlich« Depu« tattonen. Auch unS der Ferne laugten zahlreiche Gratulattonrn rin.- Um die hiesige Religion« - Gemeinde hat der׳ Herr Jubilar durch.' ärztliche, hümanstaire, intesttktuelle nuK^