Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 19 (11.5.1894)
- Date
- 1894-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 151 — da» einzige Mittel die Kinder mit dem Texte der ganzen Bibel bekannt zu machen, ihnen Liebe und Verehrung für da» unveränderte GotteSwort einzuflößen und damit zur Wiederbelebung der in jüd. Häusern einst allgemein verbreitete Sitte de» allsabbat« lichen BibellescnS, durch welche» die Kenntnis der Bibel unter den Erwachsenen erhalten und weiter gefördert wird, beizuttagen. Die Konferenz beschlicht da» Bibcllesen in den Rormalschnlplan mit 14lägig '1» Stunde einzustellen. 6. Ueber die Stellungnahme zum Projekt eine» allgemeinen jüd- Religionslehrer׳LcrbandeS referierte Herr Lehrer L e v i n- Tilsit. Der Redner beleuchtete die Stellung des!üb- Beamten in der Gemeinde mit scharfen Worten und sieht in einem engen Zusammenschluh aller Kollegen die einzige Möglichkeit zur allmählichen Besserung der Bcrhältnisse- Die Versammlung stimmte den Ausführungen des Referenten durch Annahme folgender Resolutton bei: Die K. Konferenz der jüd. Religionslehrer Ostvreuhcns degrüht den Plan des allgemeinen Verbandes jüd. Lehrer und Cultusbeamten Deutschlands auf das Freudigste, weil sie von demselben ^eine wesentliche Förderung ihres Standes, und der ihr anvertrauten Interessen erblickt. 7. Der nun folgende Bortrag der Herrn Rabbiners Tr. R ü is-Memrl üvrr Rcligionsunrerricht nach heutigen Z e i t ve r häl t n i ssen suchte den Zuhörern die Idee einer neuen Untrrrichtswrisr darzulegen, die sich aus eine bestimmte Definition de« Begriffes ״jüdische Re« liqion" stützt. Die Frage, welches in dir Religion, die >oir unsern Kinder lehren sollen, beantwortet der Referent bah״: Es ist diejeniqe, welche sich ans Bibel und Talmud uns unter dem Einflüsse der neuzeitlichen Verhältnisse zur ״Religion des Judentums״ herusgebildet hat und geiiliges Eigentum unseres Bolkes geworden in. Die Unterweisung in dieser Religion hat sich in drei Zweige zu gliedern: in den theoreiischen, den praktischen und den bibltschen Religiousunterrichk. Der theorettiche Religion»- unterricht bilde eine einzige Katechese über die zehn Gebote. An» diesen sind alle Glauben»- und Pflichtenlehren obzuleiten. Der praltische Religionsunterricht soll sich an Sitzdur und Kalender anlehnen und im Anschlüsse an ersleren die Liinigie lehren, im Anschlüsse a» letzteren praktische Religionsübnn en a»stellen. Der biblische Rcligionsunterricht soll die Kenntnis der Bib<l durch Darbietung einer- Auszuges aus derselbe» eistreben. Besonder» Wert legt der Referent au» das Lernen biblischer und rabbinischer Sprüche. Die Ausführungen des Referenten boten — so wenig Praktische Bedeutung sie auch weg.n der geringen Aussicht auf thatsächliche Durchführung l aben dürften — durch die reiche Fülle geistvoller und interessanter Exkursionen in das Gebiet religiöse» Gedankenlebens, doch manche wcrthvollc Anlegung und Anleitung zum eigenen Nachdenken in dieser Richtung. 8. Eine Frage von actueller Bedeutung berührte der Boitrag des Herrn Rabbiners Weinberg-Insterburg über Eiddur und Religionsunterricht. Referent empfiehlt, den Siddur als Grundlage und Ausgangs- und Mittel- Punkt de« theoretischen Religionsunterrichts anzunehmen. Dir für der Religionsunterricht nur kurz bemessene Zeit nötigt uns zu dirsrr Concentration. Sie bedeute auch keinen Rückschritt. Wer tüchtige ״Siddurgclchrte" aus seinen Klein,n zu machen vermag, hat mehr erreicht, als man jetzt in dem vielgliedrigen Religionsunterrichte zu erreichen vorgiebt. Ein solcher, aus dem Siddur bastrender Religionsunterricht entspricht auch am besten der Forderung: die Kinde: nicht für die Sch ule, sondern fürs Leben, d. h. in diesem Falle für da» Hau» und dir Synagoge vorzubrrrilen. Der Siddur wird den Kindern ein lieb.r ltzertrautrr und Freund werden, jedes Blatt und jeder Abschnitt desselben eint Quelle religiöser Erbauung und Belrhrung sür» ganze Leben. ׳ Bezüglich, der methodischen Be- Handlung verlangt der Referent» ׳ daß man zunächst eine bestimmt: geistige Reife her Kinder abwarte, ehe man den 1L- . / Siddur in btt angedeuteten Weise benutze; auch muß der theoretische Religion«.Unterricht durch einen gründlichen historischenReligionS-U-tterrichr (biblischer wie nachbiblischer Unterricht) genügend vorbereitet sein. Dann dürfte es dem Lehrer nicht schwer fallen, durch seine mit Bedacht gestellten Fragen dir religiösen Lehren anS den verschiedenen Gebetstücken zu entwickeln und die Kinder zum freudigen Aufmerken und zu seelenvoller Sammlung des Geistes und Gemülhes zu bringen. — Die Ausführungen de« Rrferenten fanden ihre rechte Beleuchtung du7ch die praktische Darlrgung derselben in Form einer Lchrprobc über das Gebet Jozer Or. 9. Herr Lehrer Ka n ter-OrtelSdurg und Herr Prediger Sturma n n-Osterode hielten darauf ebenfalls noch Lehrproben. Der erstere über das Thema ״Joseph wird von seinen Brüdern verkauft", und der letztere über das nachbiblische Thema ״Barkcchba", die beide vielen Beifall fanden. Die jüdische Verlagsbuchhandlung von Wilh.Jacobsohn u. Komp.-Breslau hatte eine Anzahl Hücher ihres Verlag» zur Ansicht gesandt, die mit empfehlenden Worten zurBertcilung gelangten. Desgleichen wurde aus die Bestrebungen d:S ״Zentralverrins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sowic"8rs Vereins zur Abwehr des Antisemitlsmus" aufmerksam gemacht und die Unterstützung des erstrren durch BlinitlSerklärung. des letzteren durch Abonnement seiner ״Mitteilungen" auswärmste empfohlen. Den Schlusj der Verhandlungen, die bis 6 Uhr abend» dauerten, und nur einmal zur Entgegennahme eines den Mitgliedern der Konferenz vom Gemeinde-Berband gereichten Frühstückes unteikrochen wurden, bildete ein Festgottrsdien» mit Chorgesang und Harmoniumbeglritung. geleitet von Herr» Oberkamor Ed. Birnbaum hier. Am Abend folgten die Mitglieder der Konferenz der Einladung des kiesigen Vereins für jüdischeGeschichte und Literatur :!.ich dem grasten Saal deS Artushofe», wo ihnen von ca. 300 Personen zuin Teil der ersten Kreise der hiesigen Gemeinde in Wort und Lied ein reicher Kranz von Ehren entq/gengetrageu wurde. Seine würdige Einleitung fand ba' Fest durch den von dem Vorsitzenden des Vereins, Her.n Kaufmann M. Minkowsky, ausgebrachten and von den Anwesenden mit Begeisterung ausgenommen en Kaisertoasl. Geistige und materielle Genüsse der vrrschiede,iste», doch nur besten Art hielten die Festteiinehmer dis in die frühe Morgenstunde in fröhlichster Stimmung zusammen. A. Levin-Tilsit. Ad. Peritz-KönigSbrrg. Deutschland. Magdeburg. Ein hier al-Hauptsäule und Vorkämpfer des Antisemitismus bekanntrc Hauptmann a. D.. der in einem Prozesse gegen ein Blatt, welche» den jüdischen Soldaten in den letzten Feldzügen Feigheit vorgeworfen hat, al-Sachverständiger vernommen werden soll, fordert öffentlich in verschiedenen Zeitungen um Lieferung des ihm nötigen Materials auf. In Folge dessen sind uns mehrere Beispiele von Bravour und besonderer militärischer Auszeichnung jüd. Soldaten mitgeteil: worden, die wir nächsten» veröffentlichen wollen. Es ist aber dringend geboten, daß dieses Material in allen jüdischen Gemeinden gesammelt und al» ehrendes Denkmal jüdischer Tapferkeit in einem besoudcrn Buche veröffentlicht werde. Es ist hie» eine Ehrrupfljcht, die zu erfüllen die höchste Zeit ist, ehe die Name» und Thaten in Vergessenh-it geralhen. Linz'lnes ist hie und da veröffentlicht 1י■1■׳ '■ ' - . rifi -״ wu^ ü .