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Israelitische Wochenschrift · 1894-05-11 · 19 (11.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
19 (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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gehoben, daß die mildere Ansicht nur von einer Minder» zahl vertreten wird. Der Berichterstatter läßt »ich sagen: ״L4 spielt niemand, um zu verlier««" und läßt mich ״dadurch Gewinner und Verlierer gleichzustellen suchen": daneben bemerkt er, es sei ״aber doch eia gewaltiger Unterschied, ob jemand nicht spielt, um zu verlieren, oder ob er spielt, um zu gewinnen, und in dem letztem Fall« warm die Juden." Meine Worte lautetm oeim doch etwa« anderb, nämlich: ״Unter diesen!vettern Begriff de» Raube» stellt der Echulchan >mch da» Glitck-spiel, wobei zwischen Gewinner und Berlierer nicht weiter unterschieden wird. Genau genommen, begeht freilich eine Lermdgensschädigun; nur der Gewinner; aber auch der Berlierer macht sich wenigste!» eines Bersucheb nach derselbm Richtung hin schuldig: spielt ja doch niemand in der Absicht, zu vctUextn." Fälle, in denen Juden von Christen betrogen worden, sind nach des Referenten Wissen nicht vorhanden. Daß es auch christliche Betrüger in stattlicher Zahl gab und noch giebk, wird er wohl einräumen, ohne erst auf stattsttsche und forensische Berichte hiogewiesen zu werden. Solche Betrüger umgarnen nur ihre Milchristen, vor den Bckennern der jüdischen Religion als solchen haben sie tiefe Scheu und bleiben diesen fern. Nichtwissen und Scheu — beides wundersam. Wl« der Referent talmudische Sätze aus ihrem Zusammenhänge reißt und dann sie einzeln würdigt, wie er ferner aus angeblichem Schem Schlüsse zieht, irie ihn die glcißnerische Verbeugung, die er meiner Ruhe, Gelehrteneigenjchast und Achtungswürdigkeit (selbstverständlich, so «eit sie einem Juden zukommt) im Eingang seiner Berrachtungen macht,*) nicht hindert, im weiteren Verlaus die Ticse meines sittlichen Bewußtseins gegenüber dem deutsch-christlichen Moralbegriff in einer nur ihn selbst treffenden Art zu verdächtigen, dies und Achnlichrs ist wohl jetzt, nach sattsamcr Veranschaulichung der dem Referenten eigenen Tarslellungswrise, nicht mehr auffällig und daher nicht mehr zu meinem Thema gehörig. Anders verhält es sich mit der Schlußbemerkung des Referats. Sie ist nicht nur an sich ausfällig, sondern auch vielseits intecessirend. Dem von mir angeführten und erklärten?oort der Toßesla: ״Raub an einem Nichtjudcn wiegt scywerer, als an einem Juden, u. z. wegen der Entheiligung des Gotlesna:.1ens;d. h. wegen der Gefahr.daß ausder Unhciligkeil eines Juden auf die Unheiligkeit des jüdischen Gortesbcgriffs geschlossen werden könnte", — sögt der Referent bei: ״Das wird für uns Deutsche und Christen schlechterd.ngs nicht faßlich sein; unser Gollcsbegr.ff ist unerschütterlich, wie unser Gott." Diese Hinzusügung ist von besondercm Interesse für mich, aber auch von großem, allgemeinem Interesse. Wir hören die Stimme eines Antisemiten über einen Gegenstand, bei dem es sich ganz wesentlich um sittliche Auffassung dreht; und diese Stimme schallt in allen antisemitischeu Kreisen wieder. Wenn meine Leser bei meinen Darlegungen mir mir darin Übereinkommen, daß der antisemiti« sche Begriff von Sittlichkeit, sich als rin, in seinem Wesen von dem christlichen und deutschen Begriffe durchaus verschiedeuer erweist, so würde ich darin — und das ist mein besonderes Interesse — bestätigt sehen, daß meine Ansicht: ״Es giebt keine gebildeten Antisemiten im christlichen und deutschen Sinne" richtig ist. Außerdem dürfen wir — und das ist das allgemeine Interesse — diejenige relative Befriedigung empfinden, die uns jeder Beweis gewährt, daß wir uns auf dem rechten Wege befinden. Hier würde uoS — die bona fides des Referenten vorausgesetzt — von einem in guter Absicht handelnden Antisemiten der Beweis in die Hand gegeben sein, daß unsere Bezeichnung auch der arglosen aatisemstischen Klaffen als Minierer des 1 Auf da» Lob von Antise»ii«u kann ich wirklich verzichte»; NM eine» reich-kanzlerischen AutSrvck zn gebrauchen, ikl »« »>r fast ״heimlich, vo» jener Sette gelobt zu «erde». Christenthums und Deuffchthums eine durchaus berechtigte ist. Zur Bach«! Der Referent meint, das Verbot der Entheiligung de» SotteSnamen«, welche veranlassen könnte, daß au» der Un- Heiligkeit eine» Gottesbekenners auf die Unheiligkeit seine» GotteSbegriffS geschloffen wird, dürfte für Deutsche und Christen schlechterdings nicht faßlich sein; ich aber mein.», daß man, um ein Gebildeter im christlichen und deutschen Sinne zu sein, wenigsten» Kenntniß de» Neuen Testaments besitzen muß. Wer diese besitzt, der weiß, daß Pelru» in seiner ersten Epistel (2, 12) den Sendbo:-!-. e mp stehlt, einen guten Wandel zu führen, damit die, welche Arges von ihnen al» von Uebelthätern reden, ihre guten Werk« sehe« und Gott preisen am Tage der Heimsuchung; der weiß ferner, daß es in der Bergpredigt (Math. 5, 16) heißt: Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie euere guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Und daS Wort des ״Vaterunser": Geheiliget werde dein Name! — das ist dem Referenten ״schlechterdings nicht faßlich"? Diejenigen Juden und Christen, welche den idealen Gehalt diese» echijüdischen und echtchristlichen Wortes nicht w.nigstenS ahnen, bedauere ich auS Herzensgruud . . . Unser Gottcsbegriff ist unerschütterlich, wie unser Gott — ruft der Referent aus. Woher haben denn eigentlich die Christen ihren GotteSbegriff, etwa aus der grirchischeu, der germanischen oder einer andern Mythologie? Ich sollte doch meinen: durch Vermittelung des christlichen Heilandes; der abir bezeugt Joh. 4, 22 selbst: ״Wir wissen, was wir anbeten, denn das Heil kommt von den Juden." Dies haben auch gebildete deutsche Christen verschiedener Zeilen rückhaltlos bekundet. So sagt Prof. Dr. Rudolf von R aum e r, ein hervorragender Forscher, dem wohl niemand Unkenntnlß oder Unterschätzung de» Urgrrmanenthum» zuschreiben wird, in seiner Schrift ״Vom deutschen Geiste", (U. Auflage, Erlangen, S. 158): ״Ohne allen Vergleich am wichligsten unter den fremden Einflüssen, die das deutsche Volk erfahren hat, ist der von den Semiten ausgegangene." Und Johannes Scherr streibt in einem Auffay über ״Mohammed und dessen Werk": ״Noch bis zu dieser Stunde trägt das Antlitz der zivilisirten oder genauer gesprochen, europäisch-amerikanischen'christlichen und der mohammrdani- 'chen Welt die geistige Signatur, welche ihr der semitische, zuerst durch die hebräischen Propheten zu einer sittlichen Macht ausgebildete Monotheiqpus verliehen hat." Und schon fast hundert Jahre früher schrieb der, durch sein Unglück bekannter gewordene edle Chr. Fr. Schubart in seiner Baterlandschronik: ״Die wahre Aufklärung, die chren strömenden Glanz in die Ewigkeit hinauswirft, haben wir — nicht den Griechen und Römern, sondern den Juden zu veidanken." Dr. Philipp Kroner-Berlia. Bericht über die sechste «onferenz der jitd. Steligionslehrer de» «stprenffifche« Gemeinve» Berbande». «» 2. April 18#4 ״ a״i,»»«r, Pr. (Schluß.) In der sich anschließenden Debatte, wnrden besonders die Schwierigkeiten betont, die der Einführung des Bibellesens in den Lehrplan der einzelnen Schulen entgegen stehen. Die zur. Bersügung stehende Jett reiche schon für die vorhandenen Unterrichtszweige kaum aus, auch biete die Voraussetzung, daß jedes Kind eine deutsche Bibel besitzen mutz, eine schwere materielle Belastung der Eltern. Wo die Verhältnisse so ungünstig liegen, soll sich der Lehrer damit begnügen, von Zeit zu Zeit selbst einmal aus der Bibel vorzulesen. Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: . Die 6. Konferenz der jüd- ReltgionSlrhrer Ostpreußen» erblickt in dem Bibellesen als UnterrichtSgegenkandb«r jüd. Religionsschul« gegenwärtig für de«'größten'Tell der jüd. Schulen

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