Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 19 (11.5.1894)
- Date
- 1894-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Begeisterung von uns verlangen, als hätten sie Sebah und Zalmunah schon besiegt. Hierzu kommt noch, daß wohl kaum ein Einziger der ehrwürdigen Herren, welche im Ch.-Parlament spielten, mit chren Ausführungen und Artikeln den ungeteiltem Beisall der maßgebenden Factoren seiner resp. Kirche finden wird, von den jüdischen selbstgewühlten Deputierten wenigstens steht dar zweifellos fei:, was weiter unten deS Näheren beleuchtet werden soll, während wir vorerst die auSgesprocheneu Ansichten der Anhänger anderer Religionen streifen wollen, ohne uns aber auf eine Kritik der Religion selbst rinzulaiscn. Das Wesen des Buddhismus darf als bekannt vorausgesetzt werden; die ca. 50 Sekten, über welche er verfügt, haben einige Vertreter gesandt, von denen einer die buddhistische Lehre also darstellle, wie wir sie kennen, d. h. als Leugnung einer göttlichen Schöpferkraft und Subftiruierung des Natursroffes, welcher in dem ewigen Wechsel von Sad׳,e und Geist in die Erscheinung tritt; das in dem Wesen schlummernde Verlangen bringt ihm Leiden, welche erst mit dem Eingehen in die absolute Ruhe des Nirvana enden. Nun behauptet aber ein anderer buddh. Gelehrter, daß Buddha Gottheiten, welche dem Gesetze von Ursache und Wirkung unterworfen sind, nicht leugnet, nur den Gott-Schöpfer. Da wir aber nur Schöpfer oder Geschaffenes kennen, so muß nach dieser Theorie die Gottheit auch geschaffen, oder was dasselbe ist. aus dem Dharnw hergesrellt sein. Das ist Matcriallsmus und Pessimismus und wo dies in Abrede gestellt wird, handelt es sich nur um Wortklauberei, und es ist uns nicht ersichtlich, wo die Brücke geschlagen werden soll, welche vom Buddhismus zum Monotheismus führt, da doch ein solches Parlament sicherlich die Ausgleichung der Gegensätze bezweckt. Daß die Buddhisten gegen die Intentionen ihre- Meisters diesen nach seinem Tode göttlich verehrten und den brahmanischen Gottheiten gleichsteüten, ist ein Moment mehr, die Annäherung zu hinterlreiben; ja selbst ihre allgemeine Nächstenliebe ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Denn abgesehen von der Sage vom Prinzen Kunala, welcher 250 Jahre nach Gaulama (Buddha) lebte, die eine geteilte Beurteilung erfährt, ist die Erzählung de» von Brahmadala vertriebenen Königs Leidelang, welche als Illustration zu dem Lehrsätze: .Nicht durch Feindschaft kommt Feindschaft zur Ruhe, durch Nichtfeindschaft kommt Feindschaft zur Ruhe" dient, nicht» weiter als der schlaue Rach des Egoismus, daß Verzeihen eine vorteilhaftere Politik sei, als sich zu rächen. Die gewundene Erklärung der Idol - Anbeter, welche der bildlichen Darstellung der Gottheit ebenso bedürfen, wie deS Athmens zum Leben, das Objekt selbst aber fortwerfen, sobald es seinen Zweck erfüllt hat, dürste bei den gebildeten Kasten, welche aus Opportunität gr-nfbarer Symbole des Allrrfüllendeu sich bedienen, wohl zutreffqn. Die Consequen: und die Pietät jedoch ist auf Seiten der großen Menge, ebenso auch der größere Mangel au — Heuchlern. Nach Dölliuger stimmt obige Erklärung auch nicht ganz, denn die Erlaubnis, «in göttliche- Symbol a. D. sogar fortzuwerfen. macht da» vorhandene Gesetz, welch»» die Beschimpfung derselben mit schweren Strafen belegt, überflüssig. Jedoch soll die Toleranz der Hindu» gegen andere Glaubenslehren nicht angezweifelt werden; eS steht fest, daß die Verfolgung eine» Menschen um der Glauben»- verschietenheit willen tharsächlich keine heidnische Erfindun, ist. . , » 'Confucius »ar mehr Politiker als RcligwnSitifter und deshalb ist da» Schauspiel, welcher seine Anhänger'boten. beispiellos in der Religionsgeschichte. Bon allen alten untergegangenen ReligionDsystemeu können wix lesen, daß ihr Aufhören mit einem gewiffea Heroismus vor sich ging: die Chinesen aber, die nach einer ״Religion^ sich .sehnten, haben mit einem für unser Gefühl empörenden Gleichmut dem Verdrängen 1^י«זש NationallehrerS durch den ihnen fremden Buddhismus zugejchauk. Consucius befandet sich zu seinen heutigen Verehrern un- > 'gefähr in demselben Verhältnis wie Plato zu den Griechen, weshalb ihr» Vertretung bei einem .ReligivnS-Pyrlament" etwas deplaciert war. ' . ׳ Da wir das Eingehen auf das innere Wesen der, Religionen an sich vermeiden wollen und die Einrichtungen sowie Unterscheidungsmerkmale der verschiedenen christlichen Consessioneu allgemein bekannt sind, so gehen wir über die Artikel und oratorischen Leistungen sowohl dieser als auch der Repräsentanten der heidnischen Testen hinweg, und gönnen dem Priester deS Zoroäster seine Illusion, Laß Zoroäster keinen Dualismus predige, Ahriman und Ormüzd demnach »inen Monotheismus darstellen, und de-' streiten auch nicht, daß eine Generation von Zhikko-Gott- Heiken dir Vorfahren der Japanesen gewesen und'die Vor- . nehmsten unter ihnett chie Kaiserfamilie zu ihrer Verwandtschast zählen — credo quia absurdum est —, freuen uns auch der FriedeoShvffnungen der Shinto«, die wir von Herzen theilen, und lauschen auf dir un» besonder» interessierrnden Wrisheitsorakel der jüdischen ״Parlamentarier". Hier müssen wir zunächst vorausschicken, daß der Berichterstaiter etwas incorrect angiebt, »die Juden" hätten den thätigsten Anteil an dem Parlament genommen. ES soll gewiß nicht bestritten werden, daß die Juden stets br- - reit seien, die gebotene Friedenshand der Bruderreligione« ' mik" Freuden zu ergreifen, aber ebensowenig wie e» sich hier aus -obenan geführten Gründen ihatsächlich um einen Re- ׳ ligions-Congrest handelt, kann auch von Vertretern der j jüdischen Religion die Rede sein. Dr. Adler-London, j der da» Meeting mft einer schriftlichen Kundgebung degrüßte, ist nicht der Wortführer der jüdischen Religion, J noch viel weniger die amerikanischen jüdische» Geistlichen. | Wir wissen nicht, ob hervorragende Männer des Juden- .י 1UU1S anderer Zunge um ihre Ansicht beftagt worden waren, צ ob sie ihre Beteiligung ablehnten bezw. ihre abweichende | Stellung bekundet haben, oder — wa» wahrscheinlicher ist — 3 ob wir hier mit einem Act amerrkanischer Willkür und 2 Urberhebung zu rechnen haben, welche sich selbst genügte 4 und allenfalls noch die stainm» und sprachverwandteo Eng» 1 läader als gleichberechtigt anerkannten. Dr. Köhler | war der Einzige, welcher etwa» Greifbare» bot mit seiner G Begründung, daß dir Auerkenuung der > Vaterschaft Gotte» .JJ spezififch-jüdisch sei, daß da» Judentum stet» betont habe.