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Israelitische Wochenschrift · 1894-05-04 · 18 (4.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
18 (4.5.1894)
Date
1894-05-04
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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geboug ausgezeichneten Frauen tapfer secuudirt, so daß nicht» Wichtige» vmr bezahlten Kräften selbstständig au»- geführt wird. Ueber Herrn Dr. Behrendt, welcher seit SO Jahren die ärztlich« Leitung der Anstalt in seinen sicheren und wohlbewährteu Händen hält, find wohl alle Ansichten einig, daß er ein hervorragender Psychiatiler und ernster Gelehrter ist. welcher der Anstalt zur Zierde gereicht. Dem Berichte ist auch eia Situationsplan beigegrben, welcher e» Jedem leicht anschaulich macht, daß in dem weitausgedehnten Räumlichkeiten die Gegensätze au»eiuander gehalten werden können, und daß Jedermann, der einen lieben Unglücklichen der Anstalt überweisen will — sei e» Einen, der nur leicht verstimmt ist und Familienanschluß genießt, sei e» eine« Schwerkranken — über da» Schicksal derselben vollkommen beruhigt sein darf. Der Bericht wird gewiß nicht verfehlen, der vorzüglich geleiteten und eiagerichtete« Anstalt neue Freunde zuzuführen. Dr S. A»ü Oberfchleste» 38. April. Den »Oberschles. Anzeiger" entnehmen wir folgende Mittheilungen über antisemitische Ausschreitungen, von denen die eine leicht zu einem grvßern Exceß hätte auSarten können. Die ״König»- hütter Zeitung" berichtet darüber: Durch das Gerücht, die jüdische Händlerin EzernajewSki in OLwiecim habe auSSömgShütte ein kleines Sind dorthin gebracht, um e« für die jüdische« Ostern abzuschlachten, ist in vor. Woche in Oswiecim eine Revolte Hervargerufen worden. Hunderte von Landleutrn sammelten sich vor den Hausern der dortigen Juden au. uud die Behörde mußte, um AuSschreitungeu zu verhindern, die Gendarmerie au« der ganzen Umgegend zusammmrnrufen. Eine bei der Händlerin Czernajewski voraenommene Haussuchung förderte ein — Zicklein zu Tage, welches die Händlerin zum hi , zu Tage, welche« Osterbraten von hier nach Hause mstgenommen hatte." Und wenn da» Zicklein nicht gefunden, sonder« schon verzehrt worden wäre — wer weiß wa» die durch die Agitalioa erhitzte Phantasie da zu Stande gebracht hätte! So hatte da« Zicklein die Gemüther beruhigt — drum sei chm wiederholt da» ednä-xLHu-Lied angestimmt: Ein Zicklein, rin Zicklein! — Der andere Fall spielt im Eisenbahnwagen- Bor Kurzem fuhr eine größere Reifmesellschast in einem Aestauratiottsw aggon der Schnellzuge» von Lemberg nach Srakau- Unter den Passagieren befanden sich auch einige oberschlestsch- Saufleute, worunter ein Sattowitzer Namen» S Am geöffneten Fenster de» Waggons laßen ein Herr und eine Dame- Da in Folge der Oeffnung des FäisterS Zugluft im Waggon herrschte, so bat der Sattowitzer Kaufmann S. um Schließung de» 'Fensters. Der an letzterem sitzende Herr verweigerte die» mir dem Bemerken, die Luft sei chm durch die Anwesenheit der Jude« verpestet Darauf sordate S den Herrn auf, die Redensart zurückzunehmen und das Fenster zu Mießen. Als beides wiederhott verweigert wurde, nannte S. den bettestenden unbekannten Herrn einen — Flegel. Dieser antwortete sofort mit einer Ohrfeige, worauf sich zwischen beiden Gegnern eine regelrechte Prügelei ents pann, brSBlut floß. Um dem veiulichen Vorfall eikl Ende zu machen, zog ein Paffagier die Nochbremse. Der Zug hielt, der Kondukteur erscheint und entscheidet naturgemäß, baß der am Fenster sitzende Herr auf «erlangen de» anderen laut Betrieb»- rezlement da» Fenster zu schließen hatte oder die Schließung gestatten mußte. Zn Krakau wurde über de« Vorfall eiu Protokoll ausgenommen. wobei sich herausstellte, daß der antisemitische Herr ein Fürst R. aus Galizien, der Träger eine» berühmten Na warkamen» ük# »er Pr»dt«tz Pose« Ahlwardt trat neuerlich in Srojanke für ein« antisemitische Eaodidatur auf. Der Lehrer Lehmann und einige andere Herren au« Krojaule traten ihm öffentlich entgegen. Nach einer Entgegnuag de« Herrn Ahlwardt meldete sich ein jüdischer Handwerker, der Serbermeister MargoliuSki zu« Wort. Der biedere Meister meinte. Ahlwardt behaupte,, daß die Juden kein Handwerk betreiben und nicht arbeiten wollen. Daß er, Redner, arbeiten könne, beweis« seine schwielig« Faust, er verstehe e» sehr wohl, rin Fell zu gerbe», er sei gern berät,.«» Herrn Ahlwardt zp beweisen. - — In Forst (Lausitz) sprach er zpm hundertsten Male über 'den ״Berzwefflungtkampf der arischen Völker mit dem Jodenthum." Er kündigte für die nächsten Tage neue Enthüllung«« (da» Gebotene' war 'auch wirtlich zu »HD an. La», er jetzt über die Vorgänge bei der Reutengüterbildnng veröffentlichen werde, sei dergrt, daß die Judenflintrn-Anaelegeuhat dagegen nur eine Kleinigkeit sei. Er werde sich nicht, wie damals» auf eiuige hundert Zeuge« verlasie», sondern werde ״ein Aktenstück neben dem ander«, alltz amtlich gestempelt, veröffentlichen". - — Im Reichstage wollte der Ahlwardt. bekanntlich einen mft ,Aktenstücken" gefüllten Mübelsvaae» * herbeischaffen; e» kam dabei «der nur' eine ״lächerliche Maut" Hera«». Der Ahlwardt wird sich darüber uüch in-der An-, klage «egen, Beleidigung de» Minister« Miqoel (neue Auflage dr» Prozrffe» Plack - Schweinhagen) zu äußern haben. GtwttHort, IS. April.' (Lr.»Corr.) Letztm Freitag wurde der tm 82. Lebensjahre verstorben« Recht«a»walt Dr. Jul. Jordan }uc letzten Ruhe bestattet. Außer zahlreichen SoufessionSgeuoffen beteiligten sich am Telette Vertreter au« den Kreesen der Juristen, Anwälte uud der Bankwelt. Die Grabrede hielt Rabb. Dr. Stößel «ad schilderte darin die edle« Eigenschaften de» Verstorbenen. — Sestern fand die Einführung de» in letzter Woche aufgezogenen und festlich empfangenen Kirchenrat» Radb. Dr. Kro «er in di« hiesige Synagoge statt. Dem Gotte»- dienste wohnten auch Direktor Dr. v. Finkh und die "Eitglieder der iSral. Oberkirchrnbehükde an Nach einem Festaesaüg de» Eynagogenchor»*) hielt Radb. £r Stößel eiu« Anspräche zur Begrüßung de» ueuernanntea Kirchenrat». Dr. Nronrr hielt seine Antrittsrede über die Beantwoxtuug der Fragen: Wa» erwarten Sievou mir und wa» habe ich vonJhne» zu erwarte«? Die Beantwortung 'beider »erd« sich am besten finde» in der Beantwortung auf eine S. Frage: Wa». erwarlet der Allmächtige von un« beide«? Dieser Antwort legte 'der Redner die Worte de» Propheten zu Grunde: >Aufgehen soll für Euch die Sonne der Gerecht«- . feit und Heilung soll ia ihre« Fittigen sein." Die große Redegewandtheit wurde von de» Zuhörern bewundert. Hoffentlicht hält die Begeisterung lange an. Nach einigen Kundgebungen in den Tageszeitungen erwarten die. Württembergs Juden, daß sie der neue Kirchemcat auf der Bahn de» religiöse» Fortschritt» weiter führen werde. Oesterreich-Uugaru. . .. (SUtt, 30. April. Der durch den Prozeß gegen de« verurthrilten Paulu» Meyer zu einer traurigen Berühmtheit gelangte Pfarrer von Weinhau», Josef D eck er t, verkündete, jüngst von der» Kanzel: »Ich Hab«, meine Brüder In Lhristck," »vor einig« Zett hier im GotteShaule drei Predigten über »Türkrunot und Juden- Herrschaft" gehalten- Dieselben find nun in Broschürenform erschiene« und bei der Sirchenthürsum Preise von 10 krzu habe«. Auch Hab« ich eis! .Gebet gleich jenem, welche» die Wiener Lhristen um Hilfe vor den Türke« betete«, verfaßt, welche» sich nennt, ״Da» Vaterunser in der Judennot." Auch diese» Gebet er- HLU mau km der Sirchenthüre «meinen Kreuzer per Stück." . Dasselbe lautet wie folgt : »Vater unser, der du bist tm Himmel," steh herab auf bte_ bucklige Erde, welch« unter de» Suechtichast krummer Jude« seufzt.' »Geheiligt werde dein Name", in und außer dem Tempel, au» dem du die Schnorrer, Schacherer, Trödler und Wechfrlfilscher mft dem Strick vertrieben hast- »Au un» komme deig ReiH" den« uns«» Reich'ist Unter der Herrschaft Sa Fremdling« arm ge» «Erde«. daß-Gott erbarm! »Dein Will« geschehe im Himmel und׳, auf Exdeu." nicht der Wiltz Rothschild» und seiner Leute, welche " kt Herr Lrrrespoabatt Nt Orgel» (•rlci 1■ tniirrtiitim 111 11» n 1 ~ ״) Ana beglemmgk^o»«

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