Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 16/17 (20.4.1894)
- Date
- 1894-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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oder 21. Jahrhundert ihr Ziel(81ritnng fine« jflbl* schen Reichein Palästina) im wesentkuhen erreichen werden." Die deutschen Juden werden sich daun ׳ entscheiden muffen: Entweder treten sie zum Christeathum über, oder aber sie werden sich ,offen zu ihrer jüdischen Nationalität bekennen". In letzterem Falle können sie entweder nach Palästina auswandern oder als rechtlose Ausländer in Deutschland bleiben. Diejenigen Juden, die gewillt find, ,für das Christentum zu optieren", mögen sich nicht zu früh freuen: denn H:rr Dr. Walcker eröffnet uns die tröstliche Aussicht: ,Sollten linige Judeu den Versuch machen, unter deutscher Maske antideutsche Ideen und Interessen zu ver» treten" (so wie Herr Dr. Walcker unter ״philosemitischer" ״McSke" antisemitische ״Ideen und Interessen"), so würden sie wegen dieser Unredlichkeit gebührend zurechtgewiesen werden." Wer Judentum und Deutschtum als Gegensätze darzustellen sucht, verdient, ״wegen dieser Unredlichkeit gebührend zurechtgewiesen zu werden." Die hämische Bemerkung über Rabbiner Dr. Herxheimer, er scheine in einer seiner Schriften ״der deutschen Sprache nicht ganz mächtig", hätte wegbleiben können: denn Herr Dr. Walcker beweist in den ersten Zei.lcn seines Vorwortes, daß ihm s e l b st ein Kursus in der deutschen Grammaiik nicht schaden würde. Den ״sicialen, religiösen und nationalen Frieden", den Herr Dr. Walcker fördern zu wollen vorgiebt, erkaufen wir nicht durch feige Dahingabe unseres Wesens. Nein! Erfüllung unserer Vater« ländischen Pflichten und mutige Berfechtung unsrer schwer errungenen Rechte sind die Zeichen, die uns zum Siege führen. Ludwig Kraut. A«S der Vogelschau. Bau Dr. Singer- Eoblenz. ES geht doch nichts über den behaglichen Genuß, als stiller Zuschauer dem Streit zweier — Ehrenmänner zuzuschauen, die sich die Wahrheit sagen und, um sich reinzuwaschen, tapfer aus der Schule plaudern. Kaum haben wir uns von der Genugchuung erholt, die wir über die Klage von Li gegen Lo und Lo gegen Li — denn bei diesen Ur« germanen beruht alle« auf Gegenseitigkeit —, als die ergötzliche Komödie Weseudonk gegen den Ex-Doctor Bauer und Bauer gegen Wesendank unsere Theilnahme voll in Anspruch nimmt. Es ist aber auch zu niedlich, was diese beiden Deutschen einander zuraunten und mit welchen Liebenswürdigkeilen sie sich beworfen haben und Alles, Alles wollen sie sich gegenseitig beweisen, wenn der Gerichtshof die Ausdauer besitzt, sich in Permanenz zu erklären, oder die bei diesen Elementen beliebte BerjchleppungSmechode mit seinem Segen zu vnffehrn. Der russische Vorkämpfer für germanische Tugenden Bauer, der schon in seiner civilisierten Heimat ein Weib sein eigen nannte und es nicht verschmähte, bei einer jüdischen Witwe KosiuSky in Berlin Wechselchen zu diskontieren, welche kein Gesinnungsgenosse mehr annehmeu wollte, weil B. die beneidenswerte Eigenschaft besitzt, wenn er auf einen Baum klettrrt, auf Erden nichtmehr zu suchen zu haben, fft ent« schieden ein Genie, d. h.,' ein Pumpgenie, mit welchem er zeitlebens alle deutschen Universitätsstädte hätte unsicher machen können: vielleicht hätte er es schließlich doch zu einem gültigen Doctordiplom bringen können. Dan Mann war aber auch nichts heilig, nicht einmal der Ahlwardt - Fond. Wenn» er mit heiler Haut jetzt davon kommt» könnte er von den Zinsen seiner Schulden leben, welche sich auf mehr al« 140,090 Mark belaufen,' während er allerdings HHcheideu^^ lich behauptet, die Leichtgläubigkeit 'Derer, die me alle 2־ werden, sei nur auf 120,000 Mark zu taxieren J Die Würde dieses Blatte« vexbietei, auch nur annähernd 1 das wiederzugeben, war die beiden Kläger und Beklagten . sind, wollte sa^en, einander vorqeworfen haben; wenn nur - der zehnte Theil davon wahr ist, dann sind sie würdig, als antisemitische Häuptlinge erster Qualität zu fungiren. Und wenn ihre Collegen und Bundesbrüder auch foitfahrrn, im Schüttelfrost sich zu krümmen bei der Abichüttelung dieser' würdigen Genossin, wie cS Förster jüngst mit den Harlekins Plack-Lchwennhagen gethan, woran er den moralischen Rach - knüpfte, in Zukunit keine Namen zu nennen und in allgemeinen Redensarten zu verleumden — sie bleiben doch an den Rockschößen derer hängen, welche die heutige : Corruption geschaffen haben, uni im Trüben fischen zu können. Es ist aber interrffant, zu beobachten, wie jetzt auch antiiemuische Karrellvereiue der ״bübischen Waffen" — so bezeichnete der Nürnberger A.- B. die Zettel mit der Inschrift ״kaust nicht bei Inden" — ihrer Freunde sich zu schämen anfangen. Es ist vielleicht eine Ernüchterung ein» -j getreten, weil man erkannt hat, daß ebenso wie die russische I Unduldsamkeit auch der französische AnttsemiiismuS — ver- ‘ treten durch Drumont — nicht bei den Juden Halt macht. Letzterer insceniert jetzt zur Abwechslung eine Protestanten- Hetze und findet es ungeheuerlich, dax das ,Hugenottengelichter" an der Berwrltuug und an den öffentlichen Aemtern - gleich den Katholiken seinen An'heil hat. Schlimmer ist eS, daß gleich den preußischen Behörden auch die anderer Länder von einer gar zu zarten Rücksicht auf die Dämonen des Haffes beseelt sind. So lesen wir von Oesterreich*), daß auch dort jüdische Beamte vom Avancement fast gänzlich auSgeschloffen sind. Schade, daß Saphir nicht niedr lebt, der hätte bei dieser Gelegenst seinen Witz auffrischen können, war hier an seiner statt geichehen soll: ״Einst wurde die Frage an den Witzbold gestellt, weShalb die Spitz« de- StephanSlhurms in Wien mit einem Adler geziert >ei. Seine Antwort lautete: ״Weil man in Oesterreich die höchsten Stellen immer dem Federvieh ein* räumt. . . . *) Ja voriger Nr. unter ״SBiW (5. 119.) Berichte «uv Correspoudenzeu. Deutschland. Magdekmrg. Der Gcherme Justizrath von WilmowSki ' gab bei Eduard Trewendt m Breslau unter dem Titel: Feldbriefe 1870/71 von Karl von WilmowSki, die Memoiren seine» Liaters heraus, der bekanntlich Chef des Civilkabinet» - de» hochsel- Kaiser Wilhelm I. war. Die Feldbriefe reichen bis zum 23. Februar 1871; ihnen folgt aus der Feder des Herausgebers eine überaus gelungene Schilderung de» EharukterS d«S greisen Kaisers, die auf de» mündlichen lieberlieferwigen des vortrefflichen Mannes beruhen. Der frühere Civilcabiuetschef schreibt u. A. vom Kaiser: ״Ein gläubiger Protestant, wie er sich bereits in dem Briefe vom ׳ 3. September 1873 an den Papst ausgesprochen, begriff er nicht, wie ein Sebllder Atheist sein könne, und war tr anderseit» der rücksichtslosen ortho boxen und a.ntisemiti* - sche.n Agitation entschieden abgeneigt." Magdetzura. Gelegentlich der Klagen des Centrum» . über eine Zurücksetzung der Katholiken bei - Besetzung. der höheren Aemter, liefert die ״Kreuzztg." zu der Pari t'ätSfrage folgenden statistischen Beittag, der tmch für die sich ergebenden Prozentsätze der jüLisch»» Bevölkerung bei . >