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Israelitische Wochenschrift · 1894-04-20 · 16/17 (20.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
16/17 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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11 5^ , W■»*^ V'W!fJ JV ע.,י י יזלןייליייי.״- ־’1ר?י״״יי״*״י7*ח ז״״ F: hest lieber aus der neuen TageSliterawr schöpfen und mit 8. einem recht mitleidigende« Blick auf die Frommen nieder» p schauen, ungefähr wie einer, der früher lahm war und jetzt k rüstig vorwärts schreitet, auf einen Andern blickt, der der [ Krücke nicht entrathen kann.; Aber sieh« da, der Weise, den die Thora zu ihren ( Söhnen zählt, der hat gar kein fertiges System, sondern der führt sich wunderlich genug, fragend ein. ״Was bedeuten alle diese Satzungen und Vorschriften und Lehren?- so beginnt er. Das ist sehr seltsam, ein Weiser, der fragt! Antworten erwarten wir von ihm, wie möchten wir ihn sonst weise nennen? Nun ist unS allerdings auch sonst die Kunde gekommen» von eiuem großen Denker, der bis auf den heutigen Tag als ein Vorbild der Weisheit verehrt wird und besten edles Herz sogar den Giftbecher nicht scheute, um seiner Ueberzeugung treu zu bleiben: und dieser, von dem die Besten seiner Mitbürger lernten, so wird erzählt, habe nur ge» fragt und stets den Andern antworten lassen. Es muß wohl sonach in dem verständigen Fragen vielleicht die tiestte Weisheit liegen. Zn der That, der oberflächliche Geist beruhigt sich bei irgend einer Meinung, die er einmal vernommen hat, und denkt nicht weiter; aber der Weise forscht und gräbt und fragt aufs Neue, daß er immer tiefer eindringe, er giebt sich nie zu Frieden; daS Fragen ist sein Lebenselement. Ein R. Akiba konnte bis Tagesanbruch sinnen über das Pastahfest und wurde nicht müde. Solch ein Fragender, solch ein Weiser ist der Thora der liebste Sohn. Aber wie sie den tiefsten Denker beschäftigt, wie sie sogar den Ungläubigen zu sich hinüberzieheu möchte, so wendet sie sich auch an den schlichten Sinn des Volkes, und selbst ein Kind, das noch nicht zu fragen versteht, ist von ihrem Segen nicht ausgeschlossen. Ihre Lehren, ihre Bräuche sind so einfach, daß sie jedes Kind versteht, und so deutungsreich, daß sie den Weisen stets auf's Reue anregen und beschästigen, so leuchtend klar, daß sie sogar den Hohn des Verächters nicht scheuen und ihn durch des Lichtes siegende Allgewalt zu überwinden hoffen. R e u wie der Frühlingsthau, der die Flur erstischt und den Gott jeder Pflanze spendet, ist die Botschaft von der Freiheit, welche das Passah an Alle richtet. Reu uud alt — wie der Frühling selbst. _ B. L. Ei« ״Philosemit". ‘ Stöcker verkündete einmal bei Beginn einer BolkSversammluog mit großem Pathos, er sei ew ״Freund Israels-; um die Aufrichtigkeit dieser seiner Freundschaft zu beweisen, trieb er im Verlaufe seiner Red« die tollste Jude »Hetze. An das Verhalten de» genannten geistlichen Herrn erinnert aiich die mir zur Besprechung vorliegende Schrift,*) deren Verfasser ״kein Bedenken trägt, sich aii Philosemiten zu bezeichnen-, «ährend wir ״kein Bedenkentragen, uns gegen seinen ״PhilosemitiSmuSganz energisch zu verwahren. Herr Dr. Walcker bringt nämlich da» Kunststück fertig, *) Die J»drnfrage, vm» staatSwiffenschastl. Staudpnnkte .a»S betrachtet »»».Dr. Larl walcker, Dozent«« ber vtaawmtfftn- . schäfte» an der lttttverfitLt Leipzig. Kr.«. «»pel.׳ SmiderShause» 1884. den Antisemitismus scharf zu verurtheilen, zugleich aber die landläufigen Behauptungen und Forderungen der Judenfresser durch das ״philosemitische- Hinterthürchen einzuschmuggeln. Er ist so gnädig, nicht ״anzunehmen, daß ein Rabbiner lehren wird, Betrüaereien und andere Schlechttgkeilen seien Nichtjuden gegenüber erlaubt-. Hingegen scheint eS ihm denkbar, daß irgend ein Rabbiner irgend einmal eine jüdisch-chauvinistische, sittlich tadelnswerte. . . Aeußerung thut.- Und weiter: Daß die vielverläumdete ״Alliance israelite“ nicht die Aufrichtung der jüdischen Weltherr,chaft anstrebt, weiß er. Aber weil das Gerede von der furcht» baren Judenpresse, von dem internattvnalen jüdischen Ge- Heimbund, von den mit dem unheimlichen Talmud Hantirenden Rabbinern doch nicht ganz aus der Luft gegriffen sein kann, schreibt er: ״Gewisse ״jüdische- (politische, nicht theologische) Zeitungen sind geeignet, ein schiefes Bild vom Judentum zu geben, d. h. (!!) sie schreiben manchmal im Sinne der Rabbiner (!!).“ — Das Einfachste wäre: man wickelt die Rabbiner in die schändlichen Judenblätter und verbrennt sie in einen deutschnationalen Backofen. — Selbstverständlich singt Herr Dr. Walcker auch das alte Lied von den ״Zugeständissen, welche das Judentuin dem Zeitgeist machen muß'׳: Die Abschaffung der Beschneidung, de» Schächtens, die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag u. s. w. u. s. w. — Um die Berechtigung und den Nutzen dieser ״Reformen" zu beweisen, hätte sich Herr Dr. Walcker auf seinem ,.staatSmistenschaftlichen Standpunkt" etwa» mehr anstrengen müssen. Man höre: ״Die Frage, ob das Schächten eine Tierquälerei ist, oder nicht, wird von Sachverständigen" teils bejaht, teils verneint. Ich vermute (!!), daß die christlichen und jüdischen Gegner des Schächten- Recht haben." Wir ״vermuten", diese bequeme ״VermutungS"methode de» Herrn Dr. Walcker verdiene daS Prädikat״oberflächlich"; denn,wieSpinozasagt : ״lgnorantia non est argamentum“. — Die Verlegung des SabbatS auf den Sonntag ״ist auch deshalb notwendig, weil jüdische Offiziere und Soldaten sonst, mitten iui Kriege, nach altjüdischer Weise, am Sabbat den Kriegsdienst verweigern könnten". (!!!) Es wird niemand erwarten, daß ich diesen Blödsinn widerlege. Aber Herr Dr. Walcker, der 23 Jahre nach dem deutsch-französischen Kriege die obige Behauptung niederschreibt, sollte sich solcher verläumderischen Heuchelei schämen. Ich will übergrhen, daß jüdisch« Kinder ״in pro» testantische Schulen gehören-, weil sie ״in katholischen ultramontane Vorurteile einsaugenkönnten, und zur Quintessenz der Merkchens kommen. Wenn die Juden glauben, nach Durchführung der vorgeschlagenen ״Reformenlaste sie Herr Dr. Walcker in Ruhe, .so irren sie sich. Er giebt zu, daß ״viele umgetaufte jüdische Männer mit leuchtenden Augen, mit warmem Patriotismus von ihrem Preußentum Und Deutschtum reden-, behauptet aber trotzdem, die ״Juden der ganzen Welt seien durch ein starkes nationaler Band verbunden-. Ein Beweis ist nicht möglich, aber für Herrn De. Walcker auch nicht nötig. Er erläßt einfach den UkaS: ״Die Juden der ganzen Welt find durch ein starkes nailonales Band verbunden.- — Punktum! Ueber die Zugehörigkeit zu einer׳ Ration entscheidet der Besitz kultureller Eigenschaften, dir als solche nur vermittelt werden durch die Sprache. Eine gemeinsame Sprache wäre die unerläßliche Voraussetzung für den Zusammenschluß der Juden zu einer Ration. Eia« gemeinsame Sprache (abgesehen von der Gebetsprach«) fehlt de» Juden völlig. DaS stört Herrn Dr. Walcker nicht. Er stützt sich auf den ״Zionismus-, diese tollhäu-lertsche Bewegung einiger unreifen schwärmerischen Jünglinge, die (eine Heimat >md doch Heimweh habe». Was soll also geschehen? Es ist nach Herrn Dr. Walcker ״höchst wahrscheinlich, daß di« Ziomsten im 20.

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