Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492344-5935089-5962325--1994-5376251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
startendes Mitglied sich gehässig über die große Zahl und den Einfluß der Schülerinnen jüdischen BekenntniffeS in den HSHeren Töchterschulen geäußert, unter Betonung der Bescheidenheit,״ als der Cardinaltugrnd deutscher Mädchen. Sein Stadtverordneter. sondern nur Herr Stadtrath Dr. Nake trat ihm entgegen. Auf ein deshalb vom Gemeiuderajh beschlossen» besuch an den Städtrath erwiderte dieser dem Borstand, Laß er mit ihm lebhaft den erwähnten Vorfall und insbesondere die von einem Stadtverordneten dabei gethanen verletzenden und geradezu gehässigen Acugerungen bedauere, daß sie thatsächlicher Angaben ermangeln, daß aber im Inte esse dec Schule und des friedlichen und freundschaftlichen Verhältniffe» zwischen den Schülerinnen drinaend zu wünschen sei, daß der Vorfall so bald und so vollständig wie möglich in Vergessenheit gerat he. Ein neues in dem bekannten hiesigen antisemitischen Berlage erschienenes Spottbild gab dem Gemeinderath Anlaß, durch den Vorstand bei der Kgl. Polizeidirect-on auf Verbot de» öffentlichen AuShängenS vorstellig zu werden. Die Sgl. Polizeidirection.erließ das Verbot, das aber auf Beschwerde des Verlegers von der Kgl KceiShaup-Mannschaft aufgehoben wurde, und dem trat auch das Sgl. Milk'sterium des Innern bei.. Ist auch der Erfolg nicht immer auf seiner Seite' gewesen, so hat doch der Gemeinderath in rühriger Weise seine Pflicht gethan. Die Wohlthätigkeitsanstalten stehen in Blüthe.zu den alten Stiftungen sind neue hinzugetreten, die Zeugniß von dem bewährten WohlihätigkeirSsinn in Israel oblegen. Karlsruhe. (Schluß.) 8 18. Die von der Synode beschlossenen kirchlichen ~ ' Beitritt di Gegenstandes _ , . __ MMieder der Religionskonferenz. Er verkünd« dieselben mit ausdrücklicher Bezugnahme auf die erfolgte Zustimmung der Shnode. Für alle kirchlichen Satzungen, rocm« nicht den GotteSdienst, die sonstigen Kultusbandlungen und den ReligionSunterriLt betreffen, ist vor deren Verkündung die Genehmigung der Sroßherzoalichen Staatsregierung einzuholcn. Dieser Genehmi-' aung bedürfen ferner alle Beschlüsse der Synode über Senderungen ln der kirchlichen Oraanisation und über Erhebung kirchlicher Steuern. — 8 19- Beschlüsse der Synode, welche Form oder Inhalt der Gottesdienste zum Gegenstände haben, oder Aenderungen sonstiger dermalen zu Recht und bestehender religiöser Semrindeeinrichtungen bezwecken, sollen in den״ einzelnen Ge- «rinden nicht gegen deren Willen durchaeführt werden. — § 20. Der Oberrat vertagt und schließt die Synode- Sr kann sie mit Zustimmung der Großherzoglichen Staatsregierung auflöse«. Im Falle der Auflösung wird die Berufung einer neu zu wählenden Synode innerhalb Jahresfrist erforderluh. — 8 21. Die nicht am Ort der Versammlung der Synode wohnenden Mitglieder erhalten Tagegelder und Vergütung der Reisekosten. DaD Nähere hierüber wird durch die Geschäftsordnung (8 12) bestimmt. — Z 22. Vor dem Schluffe -der Synode wird ein aus vier Mitgliedern derselben bestehender SynodalauSschuß gebildet. Außerdem wählt dt« Synode noch vier Ersatzmänner, welche der- Oberrat im Falle der Verhinderung eines oder mehrerer AuSschußmitgliedereinlNTust. — § 23. Die Mitglieder de» Synodalausschusses nehmen an den Berathungen und Entschließungen des Oberrat« teil: 1. über Errichtung oder Auflösung von Gemeinden: 2. über Beietznng von Stellen im Oderrate (Administration»- und Religion»- roaferenz) mit Ausnahme der Stelle des präfidirenden MinisterialkommiffärS: 3. über Entlassung von Hrchlichen Beamten und Entziehung der «efähignm amte; 4. über Angelegenheiten, für wel Verordnungen die Mitwirkung de» Synodal wird. — 8 24. Der Oberrath ist ermächtigt. - ihrer Natur nach die Zustimmung der Synode ... nmstSndntß mit dem «ynodalauSschusse und mit staaMcher Genehnnguna. sofern diele vorgelchrieben ist, provisorisch zu lreffem wenn dieselben durch die Umstände so dringend geboten find, daß Li« Berufung einer außerorbentlichen Synode nicht zu ermöglichen Er hat in diesen Fällen vor der nächsten Svnode die ichkett und Zweckmökngkeil der Maßregel zu rechtfertigen, die Laffüguag die Zustimmung der Synode nicht, so ist ohne Verzug außer Wirksamkett zu setzen- — j} 25. Die.Mit-, ־et de«SynodalauSschnffrS Wunen zu schriftlich« Lbstimmimg ihre« Wohvfitz« an» veranlaßt «erden־; sie find sedocham de» Oberrath» za versammeln, wenn mindesten« drei Miteft beantragen zu» Rabbiner- 4._t «« VMty kNNfLWr huffeS erfordert agungeu, welch« fordern« im EiawäreveUrvrri ch»U»g«r«. Wie». 6. April. Gestern hielt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus einen ,geselligen Abend' ab- BrästdeM Baron Suttner eröffnet« denselben mit einer kurzen Begrüßungsrede, in welcher er -en-anwesenden Festteilnehmer«'für das zahlreiche . Erscheinen daafte und dasselbe als ein Vertrauensvotum für die bisherig׳ Thätigkeit des Vereine» bezeichnete. Spezielle Danke»- warte widmete -er der Abordnung deS akademisch-technischen SriedenSvereine». Wir setzen, sagte er, besonderen Wert darauf, mit der studirenden Jugend m enger Fühlung zu d>eiben. Mit einem Appell an die^Jugend, die Ideen d-S Friedens, und der Gleichberechtigung in den Kreisender akademisch«« Hörer zu provagiren, schloß Baron Suttner seine beifällig aufgenommene Rede. ES gelangte hierauf eine Reihe von ZuftimmungS-Kundgedungen zur Verlesung. Herr Hoftat Lothn agtl telegraphkte aus San Remo: > . . ,Zu meinem Leidwesen räumlich heute von Ihne» getrennt, reiche ich im Geiste den Männern die Hand, welche dein schweren und maßlos vergiftetem aller ־hohen und heiligen Kampf führen, ln dem es gilt, ׳die vollste Energie für die Gerechtigkeit und die .. höchsten Guter der Menschheit emzusetzen und die schmachvollen . Angriffe gegen einen Teil unserer, allen anderen Staatsbürgern aleschstebenden Mitmenschen abzuwehren.' Consistorialrat Dr Schöpf au» Salzburg sendete einen Brief, in welchem er seinen Standpuntt gegenüber -der antisemittschen Frage mit folgenden Worte kennzelchnete: .Möge iin Clerüs die Ueberzeuguag allae-. . mein werden, daß kein katholischer Priester, der seine Mission - versteht, Antisemit sein kann» denn durch den An-tseMitiSmuS wird das Fundament des Christentum», der alte Bund, unterminirt.' » - , Abg. Superintendent Dr. Haas« sagte eingangs seiner Rede, die stürmischen Beifall weckte: - ' . ,Der Verein, welchem wir angchüren. heißt nicht umsonst Verein zur Abwehrd» Antisemitismus und nicht Verein zur Vekämpfunz d«S Antisemitismus. Wer annrhmen wollt«,־ daß wir die Snttsemiten belehren oder bekehren wollen, würde sich - einem großem Jrrtume hingeben. Da» ist die barste Unmöglichk»it- Wenn Jemand sich in eine Leidenschaft bi» zur streu Idee - verrannt, wenn sein Zustand a-gefangen hat. ein pathologischer - zu werden, so ist er Vernnnftgründen nicht mehr, zugänglich. Wenn wir unsere Aufgabe, un» in den Dienst der Humanität und Eivilisation de» Jahrhunderts zu stellen, gerecht werden wollen, müsien wir Vorsorge tragen, daß daft Gift de» AntisemittSmu« nicht weffer um sich greife, daß dft Bevölkerung nicht immer'weiter von.dieser Haßldee anaefteffen und'verleitet werde, sich an der Pietät, an der gesunden Moral und am Patriotismus, im besten Sinne Le» Worte» genommen, zu versündigen. Wir * find Menschen, unb als solche, al« Kinder Eine» Gotte» reichen . wir unS Alle die Sand unherleichtern uns da» von so viel MÜHsal UNd Elend beschwerte Leben.' Aba. Profeffor S u e ß sagte in seiner laut bejubelten Rede ,SS find'Zeiten gekommen, in welchem man verzweifeln möchte an dem Fortschritt menschlichen Erkenntnis. Und doch schreitet die Meuschhett, allerdings langsam, kaum merklich vor. Doch Gesetze uod Verfassungen find bald gemacht und leicht wieder -geändert. Dir Interessen sind schon viel schwerer zu bekämpfen, noch schwerer Sitten- und Vorurteile. Da hilft nicht» al« Einigkcit und Ausdauer. Ihr Verein schafft einen Boden, ein Ziel, zu welchem sich alle sonst weit auseinander strebenden fortschnttlichen Parteien «ine» Lande» vereinige« können. Pie Gesellschaft mutz da» Unrecht, welche» der AnttsemittSmuft in sich birgt,׳ der . Einzelne muß in seinem Haus« dem entgeaentretro, wa» wir-als unrecht und unedel erkannt haben Vornehmlich sei die» die Aufgäbe der Frau.'- Redner schloß mit einem Hoch auf ein herrliche» Vorbild der Frauen, auf die weiblich« Mimy-iärm Sran vercha Suttner. — Diese dankte mit begeisternden Worten- Im wetteren Verlauf« de» Abend» sprach«« noch mehrere Herren, -von denen wir-nur noch Herr» Balduin Groller hervorbebea. welcher die gegen de« Dichter Heine gerichtete anttsemlttsche Bewegung vom ästhetischen Staadpuntttzcheleuchtete und verurtbeiltr. Bt» gegen Mitternacht währte die Versammlung^ an der auch mehrere HerreahauSmitglieder und ־ReichfttagSabgeordnete teilgenommen hatten. Pr««, 4. April. (Daft Blulm ä-rch en.) Bor einem Lrkemttnißsenat« de» hiesigen Strafgericht» hatte sich gestern der Redacteur d«S czechische» Antisemitenblatte» ,Rove * Zajmy", Jaromtr Huschick, wegen Vergehen» der Befrei tu ng falsch«: beunruhigender Nachrichten z« verantworten. Ja einer der letzte» Nummern de» Blatt» war die Mittheilung enthalten, der Schächter Hermann Löwy in Thotzen Hab« i» st.vorigen Jahre« an einer verborgenen Stelle in der dies» Ort» ^inem gewiffkn Joseph Horky, einem