Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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119 — braven, arbeitsamen Christen, zu rituelle» Zwecken Blut ab» gezapft und demselben 3 fl. gegeb«, damit er sich von dem ' Blutverluste erhole. Durch die eingeleiteten Erhebungen wurde festgrstrllt, daß Horch ein'mit chronischem -AlkohoiiSmuS behafteter. Säufer ist, der an Hallucinationen leidet. Bet seiner Bernehmung tvtederholte er zwar zuerst die j»ben mitgetheilten Angabm, als aber die -ihn untersuchenden Llerzte an seinem keine Spur e.neS zur Blutabzapfung dienlichen Lin« griffe« aufzufinden renn achten, gestcyid er. die ganze Geschichte erfunden zu baden. Daraufhin wurde Horch wegen der Berbreitung falscher beunruhigender Nachrichten verurtheilt. Hnschek, der bereits in Wien weilen soll, war 'zur gestrigen Verhandlung nicht erschienen. Tr wurde in contumaciam zu vierzehn Tagen, mit zwei Fasttagen verschärften, Kerker« verurteilt. ׳ ., Vwvmtzest.- Bei den SSHnen Ludwig'Kossuth'S machte auch der Präsident der iSraelitifchenLandeSkanzlei Hr. Martin Schweiger seine Aufwartung. Die ungarische Judenheit — sagte Herr Schweiger»— fühlt mit den übrigen Söhnen der Ration.. Schuldet sie doch dem großen Tobten, der Einer Derjenigen.war, welche für die Gleichberechtigung der Bürger mit voller Wärme eiNgetreten sind,, ewigen!dank. Die Pester israelitische ReligionSgemnnde, die größte im Lande, bat gleich nach dem Einlangen der Trauerbotschaft beschlossen, in ihrem Tempel einen Trauergottesdienst ju* veranstalten, und im Namen und Aufträge des GemeindeyorstandeS ersuche Redner die Aamiljedes Verklärten," diesen Gottesdienst mit ihrer-Gegenwart zu beehren. — Franz Kossuth dankte im Namen feiner Famflie -in warmen Worten für diese Kundaebung der vaterländischen Judenheit ^welche — wir er mit Freuden konstatire — mit der Nation verschmolzen ist. und erklärte, er und seine Familie würden gewiß bei dem TrauergotteSdienste erscheinen. ׳ . — Vor einigen Tagen hielt die Budapester Großloge unter dem Vorsitze des GcHeimen RatheS Jvanka eine Sitzung ab, an welcher auch eine bedeutende Anzahl Freimaurer der österreichisch«, ReichShälste theilnahm. Der genannte Großmeister führte in seiner LräffnungSrehe aus, daß die Freimau^r kein Geheimnis hätten, als ihr Erkennungszeichen; ihre Pläne und Ziele seien offen; anch fei es gar nuht noth- ««ldig, diesolben zu verberaen; Zweck d«S LogmordenS sei, die Ausgleichung der religiösen unk gesellschaftlichen Verhältniste im Gerste der Duldsamkeit und Nächstenliebe durchzuführen. Die ,Brüder" wurden aufgefordert, besonderes - Augenmerk auf die klerikal-reaktionären Umtriebe zu richten, ttttfefftl*. L. V*ter»h«rg,'im April. (Or.^Lorr.) Hinsichtlich der Jainiattikulation von jüdischen Studenten bestehen gn säuuut» lichen Universitäten ganz besonder« Vorschriften. An der Petersburger Universität werden durchschnittlich nur fünf Prozent jüdischer Studenten zugelasten, im Technischen Instttnt tu Petereburg nur ein Prozent Jude« und in der Mgenieurschule (für Brücken- und Eisenbahnbau) gar keine Juden. In Odessa, Warschau und TomSk werden äugenbl«mtch zehn Prozent Juden zugelassen, aber auch nur solche, welche mindestens mit der Rote 4 (,,ziemlich gut״) vom Gymnasium kommen. Handelt eS sich dabet um russische und polnisch« Juden, so werden die erstereu bei der Aufuahme bevorzugt. . - Hi» und wieder wird aber doch der Prozentsatz der bei den Universitäten zulässiaeu jüdstchen Studenten üverschritten, und zwar, wen« deren Angehörige persönlich bet dem Minifter in Petersburg vorstellig werden. Dazu genügt allerdingS nicht eine einzige AMenz, sondern di« Bittsteller müsse« sich Monate hindurch jede Woche beim Minister meldra lassen. Ich reiste einmal auS Litthauen nach der seinen Sohn Jura studken lasten wollte. Der junge Mann konnte trotz eines guten LbiturientenzeuguisteS nirgends ünmatrikulirt iverden, da die Zahl der jüdischen Studirenden nicht überschritten werden sollte. Sechs Monate hindurch erschien der Vater, in Petersburg bei allen östentlichen Sprechstunden des Ministers — dre russischen Minister wüsten jede Woche öffenllich« Sprechstunden abhalten, bei denen keinem russischen Staatsangehörigen, auch nicht dem ärmsten, der Zutritt verweigert werden darf — und schließlich wurde der junge Mann nomatrikulirt. Juristen und Philologen, welche der russischen Staatskirche angehvren. erhalte« nach bestandener Prüfung sofort Staats- Anstellungen, Katholiken und Protestanten seltener» Juden niemals. Es veracht immer eine Reihe von Jahren, ehe man Israeliten staattche Stellungen giebt und dann auch, nur .in SuSnahmefälleu. In Petersburg werden Aacholiken, Protestanten und Juden immer, noch am ehesten anaestellt. Auch bilden ap der Petersburger Universität die katholischen und protestantischen Lehrkräfte zusammen mit einigen Juden die kleinere Hälfte des Lehrkörpers, während die weitaus größere auS echten Rüsten besteht. An der Warschauer Universität giebt eS mehrere katholisch« und protestantische Profefloren» aber feine jüdischen^ Neueste «»- vermischte Nachrichten. »evN«», 12. April Am 16. d- Mts. findet wieder eine Versammlung des ,EentralveretnS deutscher Staatsbürger jüd. Klaubens״ statt, in der der RechtSauSschuß über seine Lhätigkeit Bericht erstatten wird- »reSlan, 6. April- Der wegen eines SittlichkeitSverbrechen» zu 2 Jahren Zuchthaus und ö Jahren Ehrverlust verurtheitte Görlitzer Anttftmit Premier-Lieutenant a. D- Winter hatte gegen das Urtheil Neviston eingelegt. Dieselbe wurde aber oerworfen und Winter der Görlitzer Strafanstalt überwiesen. mmmetük. 81. März. In voriger Woche berichtete das -Büraerblatt" Über dar gewaltsame llmwerfen von mehrerm Grabsteinen auf dem hiesigen israelitischen Friedhöfe wäh» rend der Ostertage. Heute müssen wir leider einer abermaligen Rohheit ans demselben Friedhöfe erwähnen, welche in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch verübt wurde. Von einem Grabe ist ein schöner Lorbeerbaum auSgertsseu und gestohlen worden. Wir können nur wünschen, daß die Thäter, welche die Ruhe der Lobten nicht einmal achten, entdeckt werden. Auf die Ermittelung derselben in eine Belohnung von 2S Mark gesetzt. — Wie die »Neuber Zeitung" mittknilt. find auf dem jüdischen Begräbniß- Platz zu ZonS dieser Lage 4 Grabsteine zerttümmert und umgeworfen worden. Die Berüber dieses BuvenstteichS find leider nicht ausfindig gemacht worden. _ •tunrttt, 3. April. Am 1. April trat Herr Dr. Kroner auS Hannover sein hiesiges Amt als isr. Oberkirchenrat und Rabbiner an- Man hofft von ihm, daß er viele Zweige der Wie«, ü- LprU- Im Polenllub führte der Abgeordnete Dr- Byk aus, die jüdischen Beamten seien in der letzten Zeit nahezu grundsätzlich vom Avancement ausgeschlossen worden: was sogar unter Laasfe nur verschämt gleichsam unter einem Feigen» blatte zu geschehen pflegte, geschähe jetzt ganz offenkundig, da «an dir Bewerber direkt auffordere, ihre Religion zu wechseln. Auf diHeArt würden die StaatSgrundge,etze mit Füßen getreten. Der Avgeordaete Professor Roczkowski unterstützte die AuS» führungen des Dr. Byk und »tttrie eine Reihe von Fällen, w» jüdische Beamte zurückgewiesen wurden. Er apvellirte an den anwesenden Minister JaworSN, daß er Abhilfe schaffen möge- Der Minister erwiderte, daß sein Einfluß sich nur auf die Er» nennung von höheren Beamten in Galizien erstrecke. Für ihn persönlich seien nur die Tüchtigkeit und Qualifikation des Beamten maßgebend ohne Rücksicht auf Religion und polittsche lieberzeugung. Bwpawest. Wie hier wurde auch -in den meisten Gemeinden Ungarns eine svnagogale Trauerfrier für Koffuth abgehalten. — Die hiesige Gemeinde spendete SVMj fl. für das Koffuth- Denkmal. L tzwril. Stuf der gestern abgehaltenen Jahres- Versammlung des jüdischen ÄrmropflUeratheS erllärte der vorfitzende, der ParlamentSabgeordueie Benjamin L. Lohen, daß die Regierung mit dem Rath« überringekomme» sei, in Zukunft die Einwanderung völlig mittelloser polnischer und anderer Jude beschränke» »der »Sfl BpNi völlig mittelloser polnischer und anderer Juden : gau» zu »««»der«. Damit würde» die Bein, sp. Lteriel amen diese Art Einwanderer les. «Ml in WetzsaL kommen.