Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-Ctabl JSwlin, g« Verwaltung dikrch die StntuugS-Deputationen und mit der Anordnung, 'daßdie Ziusen in jedem Zahre am Sterbetage an verschämte Arme zur Bert Heilung komme» sollen, 50,000 Mark an die Baruch Auerbach'schr Waisen-ErziehongSanstalt, 20,000 Mark an das jüdische LrankenhauS, 12,000 Mark 'an die AlterversorgmigSanstalt der jüdischen Gemeinde, 10.000 Mark an die Kaiser Wil- Helm- und Augusta-Stiftung, 10,000 Mark an daS Kur- Hospital in Kolberg. Ferner sind bedacht worden: das Asyl für Obdachlose, die Gesellschaft für jüdische Handwerker und Künnler, die Äckerbauschule in Hannover, der Verein junger Kausieutc von Berlin und viele Andere. Sodann haben die .Söhne dcs Verstorbenen, die Herren Hermann R. ־ und Berthold Israel, 250,000 Mark zur Errichtung eines PensionSfonds für die Angestellten rhreS Hauses gestiftet, welchein sie, um das Andenken ihres Vater, zu ehren, die Bezeichnung ׳ Jacob Jsrael-Stistung" beigelegt haben. Aus Bereut (Westpr.), 6, April, berichtet die ״Danz. Ztg." : Gestern früh gegen 7 Uhr wuide die Bevölkerung unserer Stadt in große Aufregung versetzt, die sich auch heute in den niederen Volkskreiseu noch nicht gelegt hat. Mit Windeseile durchflog nämlich das Gerücht die Stadt, ein neun Jahre altes Christenmädchen sei von einem Juden für rstuelle ZweHe geschlachtet worden und Masse» von Menschen wälzten fich nach dem Hause hin, in welchem das Kind vcrschwunden sei» sollte. Selbst die Polizei wurde zum Einschreiten wegen Wiedererlangung des" Kindes angegangen. Der richtige Tatbestand, der bald daraus festgestellt wurde, und der zu dieser Aulregung die Veranlassung geboten. war folgender: Der Fleischer Werner, jüdischer Konfession, hatte von der Witiwe Hermann, katholischer Konfession, in ihrer Wohnung eine kleine Ziege gekauft und war die neunjährige Tochter der Hermann von ihrer Mutter beauftragt worden, das Tier dem Werner hinzubringen und dkn Rest des Kaufpreises, in Empfang zu nehmen. DaS Kind aber verkaufte untenvegs die Ziege anderweit und brachte sie nicht zu dem Fleischer Werner, was diesen wiederum veranlasste, bei der Wittwe Herniann lvegen des langen Ausbleibens der gekauften Ziege nachzusehen. Herbei geriet die Hermann in.Aufregung und schrie: ,mein Kind ist fort, die Juden haben es geschlachtet", lief spornstreichs nach der Wohuung W8 Fleischers Werner, klopfte an Thür und Fenster, ihr Kind verlangend. .Im nächsten Augenblicke hatten sich wohl nahe, on hundert Menschen vor dem Hause angesammelt,, die drohende Mienen machten, das gefangengeglaubte Kind' zu befreien, um so mehr, als auch Zeugen auftraten, die ,gesehen haben wollten", daß das Kind der Hermann in das Werner'sche Hau» früh hineingeganzen war. Die-Mutter des Kindes griff t-ie Frau de? Werner an und schrie, sie Möge ihr das Kind herausacben, sie habe ihr Kind und wolle «S schlachten zu Ostern. Schließlich lief die Frau H. aufs RathcruS und verlangte vom Bürgermeister Befreiung ihres Kindes. Als sie hier auf das Unsinnige ihres Tuns hingewiesen wurde, beruhigte sie sich schließlich, zumal sich auch daS Kind, das bis dahin in einer anderen Straße gewesen und die Ziege verkauft hatte, eingefunden. Bei der eingeleiteten polizeilichen Untersuchung hat die H. angegeben, sie habe geglaubt, die Juden hätten das Kind geschlachtet oder schlachten wollen, um daS Blut davon zu bekommen: sie habe mehrmals »aus Zeitungen gehört", daß solches geschieht. Was der Fanatismus nicht alles zu Wege bringt! Wäre dar Kind nicht bald wieder zu Hause gewesen, wer weiß zu welchen Ausschreitungen es gekpmmen wäre. Die antisemitischen Blätter sind es, die dieses unsinnige inenschenmörderischc Blmmärchen durch stet» neue Erfindun g en im niederen Lolke zu erhalten und zu nähren trachten. (Siehe S?.״Prag"). , r^eu• 8•' April. Vorgestern (Freitag) Abend fand in der festlich geschmückten Synagoge die Einführung des Rabbiner» Herrn Dr. Samuel statt. Bor Beginn des Gottesdienstes verstmunekten sich der Vorstand und die ReprLfentauicu iin Sitzungssaal« des Gemeindehauses und geleitete.» Herrn Dr. Samuel in feierlichem Zuge in» Totte-Hau». Hier hielt der Vorsitzende de- Vorstandes, Herr Js. S. Hirschland, folgende Ansprache an den Herrn Rabbiner: »Nachdem die Repräsentanten unter Zustimmung de» Borstände» Sie »um Rabbiner der Synagoacngemeinde gewäblt haben und die Bestätigung der Königlichen Regierung eingetroffen, ist der ernste Augenblick gekommen, da Sie Ihre verantwortungsvolle Thätigkeit beginnen können. Da» Vertrauen, da» Ihnen die Ge« meinde cntgeaenbringt, ist ein großes. Wir sind aber überzeugt, daß Sie dasselbe in vollstem Maße rechtfertigen, daß Sie Ihre» Amtes mit Treue und Hingebung walten, daß Sie un« ein geistiger Führer in allen Fahrnissen des Leben», ein leuchtenden» Borbild in Gottesfurcht und religiösem Lebenswandel sein werden. Wir zweifeln nicht, daß eS Ihnen dadurch gelingen wird, sich die Herzen der Gemeindemitglieder zu gewinnen: die Herzen aller, ob jung oder alt, ob hoch oder niedrig, sowie das bei Ihrem Vorgänger, dem verehrten Herrn Blumenfeld, der Fall war. der nun noch oieljährigersegensreicher Thätigkeit an dieser Stelle seine Wirksamkeit veS Alters wegen eingestellt. In dieser feierlichen Stunde ist cs un» Pflicht, seiner dankbaren Herzen« zu gedenken. Als eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, das wissen wir, werden Sie auch betrachten, in den Herzen der Gemeindemitlieder die Baterlandsliebe zu erhalten und zu erwecken, die KönigStreur, die Liebe zu Kaiser und Reich." In seiner Erwiderung gao Herr Dr. Samuel den Gefühlen de» Dankes gegen Gott, gegen den Vorstand und die Gemeinne beredten Ausdruck, wies aus die Bedeutung deS verantwortungsvollen Annes hin und bat um Nachsicht, wenn seine Kräfte nicht immer ausreichen sollten, allen Anfordcrungen gerecht zu werden. Mit einem Gebet für Kaiser und Reich schloß die einfache aber erhebende Feier. In seiner AntriltSpredig: ain gestrigen Sabbat hatte Herr Dr. Samuel als Text die Worte des scheidenden Moses gewählt: »Sei stark und fest." Die Predigt, bei deren Schluß er ganz besonder« die Verdienste seines Amtsvorgängers, des Herrn Blumenfeld, würdigte, machte auf die zahlreichen Andächtigen einen tiefen erhebenden Eindruck. Dresden. Dem jüngst erschienenenBerwaltungrbericht der isr. Gemeinde pro 1893 entnehmen wir, daß dieselbe 492 stimmberechtizte Mi!glieder zählt Der kl iue Rückgang erklärt sich durch Ableben, Wegzug, Austritt und Streichung (von 4 wegen S!e» rruckstandes (?), und eines wegen Verlustes der Ehrenrechte.). Größer war der Rückgang der dir Religionsschule besuch nden Kinder von 269 auf 247, welche in 6 Knaben- und 6 Mädchenklass n von 5 Lehrkrä'ten unterrichtet wurden. An Cultusstcuer ist (pro 1894) &ie Summe von 24,000 Mark aufzubringen. DaS an S elle der Mischebearchs ringeführte Spendenbuch hat sich bewährt, es sind durch dasselbe 2729 Mk. Speiiden für die 10 Wohlthätigkeiisvereine eingcgangen. Aus den in den Genieindcrat-Sitzungeic verhandelten Gegenstände sind folgende von weiterem Interesse. In der Schächt frage hatten, nachdem da» Mmsterium de» Innern die von den drei Gemeinden Dresden, Leipzig und Chemnitz beantragte Vorlegung an das CultuS- Ministerium zur Prüfung der Ritualfrage im Vorjahre abgelehnt, die Rabbiner der drei Gemeinden sich direkt an daS Cu lt uSMinisterium gewendet. Darauf erfolgte — nachdem der am Schluß deS Vorjahres gefaßte Beschluß, .in dieser Angelegenheit keinen wetteren Schritt zu thun, aufgehoben worden — eine and!rweite Rücksprache von Bertretern unserer Gemeinde mit denen der Schwestergemeinde Leipzig, deren Vorschläge: auf Konen b.ider Gemeinden anderweite Gutachten fachwissenschaftlicher Autoritäten durch die Herren Rabbiner zu beschaffen, und vom Ministerium des Innern eine Abschrift der seiner ablehnenden Berordnung zu Grunde liegenden thierärztlichen Gutachten zu erbitten, im Gemeinderat Annahme fanden. Die Mittheilung der Abschrift wurde aber vom Ministerium abgelehnt. In einer Stadtverordneteusitzung hatte ein Bericht tu