Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Zunz hat rin Tagebuch zurückgelassen anttt Kern Titel: ,DaS Buch Zuuz künftigen ehrlichen Leuten gewidmet." Die»Tagebuch führt un« bi» zu seinem 86. Lebensjahre. Der Tilel bekundet die gerechte Erbitterung, die ihn nie verlaffen hat, nachdem Gleichgültigkeit, Jntriguen und allerhand andere böse Geister ihm sein Leben verbitterl haben. Außerdem hat er sorgfältig Briefe, die er empfing, aufbewahrt, Abschriften der Inhaltsangaben der Briese, die er fortschickte, angefertigr. Diese Sammlungen find jetzt Eigenthum des freisinnigen Rabbjnerseminar» in Berlin. Aus der Korrespondenz über rin Amt in Königsberg notiren wir den Satz des 26jährigen Zunz: ,Konfirmationen sind einzuführen, worin aber da» Bekenotniß kri«e»fallzu beschwören ist.- Zunz war ans der richtigen Fährt,. Die so schöne und erbauliche Feier der Konfirmation ist vielfach dadurch in Verfall gerathen, weil man die Jugend schwöreil ließ Gebote zu beobachten, die sie eine Stunde hernach übertrat. — In Königsberg erzielte er keine Anstellung. ,Schlug ihm auch diese Hoffnung fehl, so erfüllte sich doch eine anderesagt Maybaum. Die Berliner Gemeind« erlaubte ihm nämlich zu predigen, ohne ihm etwa» dafür zu bezahlen Die Gemeinde war großmüchig genug, ihm dies länger als rin Jahr zu gestatten, ohne die Frage der Besoldung auch nur in Erwägung zu ziehen. Zuuz verlobte fich, und er mußte sich entschließen, selbst diese Frage anzuregen; er wurde nun zwar angestellt, aber er erfuhr soviel Aerger, daß er kurze Zeit darauf sein Amt niederlegte. Auch die Direktion der Gemeindeschule, die ihm später übertragen wurde, wurde ihm entwunden und Baruch A »erbach übertragen. Zunz mußte einem Auerbach weichen, eS war, wie sich Zunz einmal witzig «»«gedrückt hat, eine Jrrthum von A bis Z. Eine Reihe von Jahren hatte Zunz seinen Unterhalt nicht aus eineui jüdischen Amte, sondern als Redakteur der Spener'schen Zeitung, in der er die auswärtigen Angelegenheilen bearbeitete. Das war damals, wo in inner« Fragen das Dreinreden den Bürgern verboten war, der wichtigere Theil der RedaktionSgeschäfte. Aber als die Spenersche Zeitung nach den politischen Stürmen, wrich« der Juli-Revolution von 1830 auch in Deutschland folgten, im Jahre 1831 die Richtung änderte, fühlte sich Zunz in seinem Gewissen verpflichtet, seine Stellung aufzugeben und er war nun ganz brodlos. Zunz» der eben die ,Gottesdienstlichen Borträgeveröffentlicht hatte, sieht sich nach einer Buchhalterstelle um. Er schreibt an Steinheim: ״Ich will Privatstunden geben; ich nehme eine Stelle an von 1500 Mark an; hier ekelt mich Alles an, auch kann ich eS nicht länger so aushatten. Der kleine Borrath geht zu Ende, und kein reicher Jude unterstützt die Wiffenschaft; ich hatte daS früher nicht geglaubt, daß ein Mensch, der etwas gelernt hat, so schwer den kümmrrlichen Unterhalt findet; ich brauche noch dazu sehr wenig. Ich wünsche, daß hiervon Nicht» gegenüber Dritten verlautbare.- In dieser Roth eröffnet sich chm die Aussicht ans da» Oberrabbinat in Darmstadt. Maybaum berichtet darüber au»fnhrtichst. Biele Monate wird Zunz hingehalten, gehetzt, gefoltert, und endlich wird er zu Gunsten eine» andern Auerb^ch abgewiesen. Zunz bewirbt sich' um da»- Amt und schreibt ehrli Weise, daß er sich zutraue, die talmudische Doktrin erlaubten und verbotenen Speise» u. Aehnl.. noch rasch ziz ׳ lerne»; auch sei» Lebenswandel muß i» dieser keinen Anstoß geboten haben, während e» andererseit»' ist, daß später sehr orthodoxe Herren fich. in suugen manch« verbotene Kost sehr gut habe» schmeck« Johlsou und Rießer setzen Himmel und Erde in um ihm irf» Amt zu verhelfen; aber Oettinger in berichtet über ihn in hochmütigen, wegwerfenden Worte» »r so scheitert auch diese Hoffnung. Ein neue» Bild: ZuNz wird nach langem Prediger eine» Verein» in Prag; er hatte bi»-zu dem mente der Abreise nach Prag noch die Hoffnung, man ihn'in Berlin zorückhalten; die Berliner jedoch halte an Sorgen al» um Zunz. Aber die BerhLltniffe, die ZnuL Prag vorfand, waren so unfertig, daß er doch nach Aufenthalt in Prag nach Berlin zurückging und da»' amt in der böhmischen Hauptstadt Michael Sach» überli Zunz hatte in Berlin bald Gelegenheit zu zeigen, diese weltfremd« AlterthumSwifsenschast, die er trieb, auch eminentem praktischem Nutzen sein könne. Die Regie hatte den Jnden da» Führen -christlicher«Namen verboten.' Zunz schrieb auf Beranlaffung de» Vorstände» rin Büchb ,Die Namen der Juden-, eine grundgelehrte Schrift, nachwies, daß dir christlichen Name« jüdische sinh. Nun sollte zum Dank Zunz zum ,Beglaübten der.Geme gewählt werden, d. h. es sollte nach der Ansicht Jacobsohn'»-,' Lehmann'» (au» Glogau, de» bekannten Redakteurs .de»! gazin« für Litteratur de» Ausland») und Benda'S ihm Sinecure übertragen werden, die ihm ein mäßige» Ans--,; kommen sicherte und ihm die Möglichkeit sorgloser Arbeit währte. Aber dir Mehrheit de» Borstande« wählte Zunz einen ,Makler, der an der Börse seine Rolle au**j gespielt hatte.- י Was Maybaum zur Bertheidigung dieser, Mehrheit vov^ bringt, ist durchaus unbefriedigend. Zweifellos war die Stelle! für Zunz zu niedrig; aber Zunz fühlte die Schande und der Mann war doch wahrlich Nicht de» Ehrgefühl׳׳! baar. Auch seine Freunde wollten ihn nicht erniedrigen» e sie für ihn agitirten; fie wollten ihn davor schützen, daß ehrenvoll verhungere; die Jnstrukttou für den ,Beglaubten-, die nach Maybaum'» Ansicht eine» Zunz nicht würdig war, für Zunz, wie so viele Instruktionen rin todter Bu gewesen; e« war einfach unerhört, daß, nachdem Zuuz seine Gelehrsamkeit so glänzend im Dienst de» praktisch-poli»? tischen Lebenbewährt hatte, wieder einmal zurückgewiesettS^ wurde zu Gunsten eine» Makler», der sonst Schiffbruch ge»׳ litten hätte. Maybaum ist vielleicht bestochen, weil die- ׳ Söhne und Nachkommen dieser BorstandSmehrheit noch heuteinBerlinangeseheneLeutesind. Die,Unangemessenheit" der Stelle war offenbar eine faul« Ausrede. L. S. Frankl hatte in Wien ritt, ähnliche» Amt. Später wurde Zunz Direktor de» Lehrerseminars»;/: Soweit reichen die von Maybaum gelieferten Berichte. Daß die Berhandlungen betreff» der Leitung des Seminars" sich nicht wieder zerschlugen, ist offenbar da» Verdienst LehmanckS, der die Berhandlungen führt« und al» literarisch«»: Mann Zunz zu würdigen wußte.