Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 14 (6.4.1894)
- Date
- 1894-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 106 — b<* Humor», die unbedingte Verherrlichung und die «nbedingte Derurteilong de- Talmud», die schineu Hoffnungen, dir schönem Entwürfe, der schönste Ruhm der Gegenwart Sie tranoit gloria mnndi Die Schrift des Prof. Stra 1i' bezw. der deutsche Teil der dort S. 106—130 verzeichnten Litteratur, wird asten, weiche deutsch lesen könne» und diese Publikationen ohne jenen blinden Eifer lesen wollen, der etwa dir in StracksSchrift vorkommenden Rabbinen wieder in Aabinnen (weibliche Raben) verwandelt — über Entstehung, Umfang, Inhalt und Autorität de« Talmud« genügenden Ausschluß geben. Ma« wir an Strack« Arbeit besonder« schätzen, ist da« in ihr augenfällig hervorlretmde gewissenhafte Streben, dieselbe sachlich, gründlich und wiffenschaftlich auszuführen. Die in seinen Veröffentlichungen zum Ausdruck kommende Vor» vehmheit de« Denke»,« und Empfinden« erinnert an dm fel. Delitzsch, den wir in liebender Verehmug zu dm tugmd» haften Richtjuden (cbaaide ummoth ha-olam) zählen, welche nach dem Ausspruch unserer Meisen Anteil an der zukünftigm Welt haben. - Wenn Herr Prof. Sir.ick (K.,p. VII, Z t) sagt, daß auf der Seite der gesetzeSlreum Juden vom .heiligm Thalmud" n»t Ausdrücken der höchste» Verehrung gesprochm wird, so möchte ich dagegm doch bemerkm, daß auf jmer Seite bei aller Pietät gegm die Tradition nicht seltm auch unbefangene Würdigung derselben bezeugt ward und wird. Ach erinnere nur an das Urteil de« Gaou R. Samuel ben Ltzosni, eine« Manne« aus dem 11. Jahrhundert, jene« hochberühmteu Schuloberhaupte«, deffm Rechtgläubigkeit auch ein hyperorthodoxer Jude nicht antaste» wird: ,Man muß nie fine Meinung hegen, die dem gefunden Menschenverstände widerspricht, wenn auch tzieseMeinung die Autorität der Rabtzinen in derGemara für sich hat." Gewiß, auch aus jener Seite wußten und wiffm nicht wenige, daß, wie in dem Schrifttum jeder*) Religion«» genaffmschast, auch in der Thalmudlitteratur — neben einer überreichen Fülle erquickmdrr, aus alle Menschen ohne Klauben«-, Stammes» und StandeSuuterschied bezüglicher Humanitätslehrm und anderer, gleichfalls dem Fortschritt höherer Bildung und Gesittung dienmden Vorschriften — anfechtbare Stellm, wie namentlich auch die Notgesetze, mt» haltm sind. Da« vermag freilich die Pietät gegen da» thal» mudische Schrifttum da nicht zu mindern, wo man die Ort»- Verhältnisse und dm Zeitgeist der Entstehung jmer Stellm kennt und erwägt, daß dieselben dem Landesgesetz (dina demalchuta dina!), l׳e.zn׳. dem g:s»nde» Mrnschmverstand« und der fortgeschriuenen Ecktimii's gegmüber bedmtung«lo» geworden sind. Für da» Verzeichnis der Monographim zum Berständni» de« R. T. (Rap. VM. § 7, e) sind wir Herrn Prof. Strack zu vielem Dank verpflichtet. Was werdm nur die antiie- »itischen Scheinchriften dazu sagm, daß eine stattliche Zahl christlicher Gelehrter zu vollem Berständni» de« .arischen" R. X. ,semitische" Hebraica und Thalmadica zu berückfichtigm für nötig erachtet, ja, daß sogar die ,teutsche" Sprache dazu mißbraucht wir», ,rabbinische Quellen und Parallelen zu um» testammtlichm Schriststelleo" darzubieterü Die Welt geht unter! Auch da« ,arische" N. T. ist ,verjudet"! In wie hohem Grade e« da» ist, möchte ich Uneingeweihte» am ,Vaterunser" zeigen, da« in letzter Zeit sode,_ sprochm, aber in seinem jüdischen Ursprung so wenig beleuchtet wlrrbe. Nicht nur der Eharafter de» ,Vaterunser" ist jüdisch, sagt Gfrörer, brr bekanntlich kein Jude war, sondern auch die einzelnm Sätze, die in verschiedenen jüdischen Gebeten wiederkehrm. Erweisen wir unsererseits diese Behatlpiung Gfrörer« durch je eine der zahlreichm mtsprechmden Stellen des jüdischm Schrifttum«, wie. ste uu«. gerade deitommt: ' ,Unser Bater im Himmel" ----- Abiua 8cbe-da«chama)im (Sotab S, IS; vergl. in der Eulogie vor Sch'ma: ׳ Unser ' Later, barmherziger Bater). ,Geheiligt werde Dein Name" — Jithkadd&ach Bch’ineh rabba (in Kaddisch - Gebet). ״Zu un» komme Dein Reich" ---- Wejanilich malcfiutek (das.) oder im Muffaph-Gebel der hohm Feiertage: Galleb kl>od nalcbutecba alenu. ,Dein Wille geschehe wie im Himmel also a!1ch auf Er dm" ----- laasotb renon'eba blebab «cdalem (im Festgebet um Einigung der Menschheit; vergl. Thalmud, Traktat Berachoth 29 b, wo berichtet wird, daß Rabbi Elieser zu betm pflegte: Dein Wille geschehe im Himmel, und Herzen-frieden werde denen, die Dich auf Erden ehrfürchten. — Vgl. auch Ps. 13b, 6.) ,Unser täglich Brot gieb un« heut׳ ----- stepbarnaasena b'cbabad(imTischgebet:vergl.Ratnpbemleckem c hacki, Prov. 30, 8). ,Und vergieb un« unsere Schuld, wie wir vergeben unieru Schuldigen!" — S’lacb lana abinn pp. (im Achtzehu-Gebet; unmittelbar auf diese« folgt: Mein Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem, meine Lippen vor trügerischen Reden, und denen, die mich schmähen, laß meine Seele schweigen. Bergl. Berachoth 17 a). ,Und führe un« nicht in Versuchung, sondern erlöse uu» von dem Nebel" Weal t'bienn . . . lide nissajon pp. au» der.. Morgengebet, vergl. Berachoth 60 b, bezw. 16 b, vgl. auch Ps. 121,7 ,Der Herr bewahre Dich vor jedem Uebel".) ,Denn dein ist da» Reich pp." ----- Ri ha^malcbat achel’cha hi pp. (au• de« täglichen Schlußgebet Alena; nach dem Jecusal. Talmud bildeten den Schluß aller öffent» lichen Gebete die Worte: Raruch schem k’bod malcbnto * leolam wafid ----- Gepriesen sei der Name der Herrlichkeit eine» Reiche« für und für). Ich würde e» bedauern» wenn diese Parallelen unsere Antisemiten veranlaffe» sollten, von der Verrichtung de»;ft» «itischen" Vaterunser-Gebet« adzuftehen; audererseit« würde ich mich daiait trösten, daß Seine Majestät der *Kaiser dieses Gebet echtjüdischen Geiste» und Gehalt« be« chrtst» ׳ lichen Soldaten empfohlen hat. *) Wir «ochr» u*i hier«» ״dristbig. z, jeder «ftand««» »feit des nun»« ul der chrwuchr» gttttwtw «tu P«w«a z» ,kseri. S» fthr 1*״•* «Mb «Nildxd«. »ir »erde, «4 Wer. »»de». »»diich tamtu nt Ue»«r,MWH. m» de» L^endtzmz Wen» Fürste» ans de« Dhrw», wie nufer Kaiser Sil-!sel«!1, «1d Fürsten im Reich Wh Wiffeuschaft, wie P«f. Ktrack, so iwrnrteilDsret bi^Vwedl»», de» deutsche« Vatkr«