Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 14 (6.4.1894)
- Date
- 1894-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Drdern, tau;.*ffatcft uuserrHoffnuag, d«ß afaaff ie «1t• frrm ttuecn Vaterland« endlich doch da» Licht fiegea wird Aber die Finsterni», über den Wahn die Wahrheit. Dr. Philipp Kroner-Berlin. D«- @«le der ko«ser»«tive» P«rtei. 8«a Dr. Stu g er-Tobleiij. Den Rekrolog auf da» unselige Ende der konservativen Panel haben die Wähler in der Landbevölkerung de» Wahl» kreise» Meseritz-Bomft bei der letzten Nachwahl zum Reich»- tag geschrieben, und die Inschrift auf deren Leichenstein be» mühen sich die Wähler in Könitz und Jnowrazlaw zu ver» fasten, und wenn noch einige Druckfehler übrigbleiben, die Zukunft wird die Eorrertur schon gründlich besorgen. Die verschiedensten Verkleidungen, welche die lendenlahmen Konservauveu Vornahmen, konnten ihre Schwächen nur nothdürftig verhüllen; ob sie sich nun Agrarier, Bund der Landwirte, Vimettallisten nannten, oder den Kampf für den Altar (als Deckmantel für ihre Heuchelei) und den T h r o n — fall» er ihnen die gewünschten Zölle bewilligt — vorschühten, einerlei, sie haben der rohesten Demagogie nur Handlangerdienste geleistet. Sie haben gegen den russischen Handelsvertrag mit allen, selbst den verwerflichsten Mitteln bis auf» Messer gekämpft, sie haben für 1 3#. 60 Pfg. ihren ,Patriotismus verkauft, und ihre Helfershelfer im Streite treten bei den ,notleidenden" Landwirten, um deretwillen sie angeblich ge» kämpit, die Erbschaft an, sie aber können die Erbschaft»- steuer bezahlen. Sie haben eS gut geheißen, daß ihr einstiger Spiritus reatör v. Puttkamer die Wahlmache durch Unterbeamten — >Ge»darmen, Schulzen, Polizisten rc., welche zu Professoren der Wahlgeometrie erhoben wurden — besorgen ließ; heute geht diesen unteren Beamten ein Ekel an vor der schalen conservativen Limonade und sie bereiten sich, unterstützt von den Antiseniiten, auf eigene Faust eine gepfefferte Kost für ihren derben Magen. Sie sahen in dem Landrath den officiellen Bertreter ihrer Partei, der selbstverständlich als solcher ihre Interessen als die der ,gesetzgebenden" Fraktion 1u vertreten hatte, da von Zeit zu Zeit die eine und die andere der übrigen Fraktion als ,Reichsfeind«" in Acht und Bann gethan wurde. Heute ist dem konservativen Vater der antisemitische Adopliv- Wechselbalg über den Kopf gewachsen und die Rangen rufen bereits ihrem landräthlichen gutkonservativen Erzieher zu: ,Wenn es Ihnen bei unS nicht paßt, können Sie ja gehenI" Und kein Mensch wundert sich darüber, denn die Herren Landräthe, welche den größten Theil des Jahre» als Abgrordnete in Berlin wohnen, haben ihren Kreiseskindern, deren Erziehung inzwischen dem Dienstmädchen .KreiSsecretär" obgelegen, ihre eigene Ueberflüsfigkeit gar zu überzeugend vor die Augen gerückt. Sir haben den Pfarrer von der Kanzel in die Volks- Versammlungen herobgezerrt, damit er dort durch sein geistliebe» Uebergewicht ihre der Konservativen — Geschäfte besorge. Die Herren Pfarrer litfjen sich von den hoch» möanden Herren zu Schleppträgerdiensten verwenden, dafür giebt ihnen jetzt die Menge einen Fußstoß mit den! höhnischen, undankbaren, aber durchaus gerechten Zuruf: ,Sie können auf der Kanzel reden, aber nicht hier." Und der ganze Thor brüllt de» Schützern von Thron und Altar, die dre Menge gewöhnt haben,, stch al» Stützen der Regierung anuisehenund sich nicht gescheut haben, die Person de« König» selbst al» Schill» zu benützen, dröhnend 'in die Ohren: ,Wir fragen »ach keinem Landrath, nach keiner Regierung, wir find Männer de« Volke»." Diese Brut haben Üt Männer großgeiogen. welche für ihre Partei den Wahlspruch auSgabea: ,Lieber zehn Ahlwardt», al» einen Freisinnigen" sie haben Wind gesäet und .»äffen mm Sturm ernten, sie haben den Gaffenjungevton hoffähig gemacht und müsse» nun selbst vor dem Shoking-Geheul sich die Ohren verstopfen, sie habe» mit eigener Hand die Weiden geschaitten, mit denen sie jetzt gezüchtigt werden. Unheil genug haben sie durch da» anfängliche Gutheiße« und die spätere Asfimilierung mit den Helden de» Radän gestiftet, besonder« dir ,. . . Führer" v. Hammerstein-Woßu, Wackerbart. Langen, Pfeil u. s. w. — aber fie^haben eS mit der unauslöschliche« Schmach bezahll, daß ihre Kinder von ihnen nicht dasselbe werden sagen können, wa» sie ihren Altvordecen nachrühmen, sie hätten niemals ihre noble Gesinnung verläugnrt, die DehorS niemals verletzt, auch ihreu äußeren Mensche« niemals in den Schmutz gewälzt. Sie haben erreicht, daß die nächste Beamten-Gnieration, durch das ihnen injicirte mittelalterliche Gift verdorben, sich nach einem Lethefluß wird umschauen müssen, um Bergeffenheit m trinke» ,׳ e» ist ihnen gelungen, den gewiß nicht antisemitischen Justizminister zur Rücksichtnahme gegen sie zu zwingen und einigen jüdischen intelligente» jungen Männern da» Lebenslicht der Tarriere auSzublasen. Sie haben dafür gesorgt, daß die jüdische Beute ihnen nicht entrissen und durch NamenSveräuderuug unkenntlich gemacht werde — ein Erfolg, den auch wir preisen, wenn auch die Jäger blut» dürftige Absichten hatten. Vielleicht werden sie mtt ersterbenden Kräften noch manchen Donnerkeil auf unsere Häupter herabziehen, oder in der Meinung, eS zu thun, Segen stiften; ihren unaufhaltlainen Niedergang werden sie dadurch um keinen Augenblick verzögern. Wenn vor Kurzem noch der Herr ,notleidende" Landwirt Jakobköter mit Krokodilsthränen im Auge beklagte, daß im ,verjudeten" Berlin keine konservative Kneipe vorhanden sei — wo die edlen Herren und ihre nothleidenden Söhne ihr Geld vergeuden und verprassen können —, so dürfte bald die Zeit kommen — und ein scharfer Luftzug von oben wäre der Gnadenstoß — da die lichtscheuen Herren gar kein Bedürfnis und keine Veranlaffung mehr haben iverden, Berlin aufzusuchen. Ihre Mandate werden sie nach und nach ihren Spießgesellen über» lasten müssen: denn — alle Schuld rächt sich auf Erden! Wir lasten dem obigen, die polittsche Situation mit sarkasttscher Feder zeichnenden Leitartikel unsere» sehr ge» schätzten Mitarbeiters einen dasselbe Thema behandelnden Passus aus der ,Politischen Uebersicht" der ,Franks. Ztg." folgen: Wie die Krähen dem Sämann, so folgen die Antisemiten den Konservativen, wo diese einen ihrer Wahlkreise beackern und haben stch dafür in Herrn v. Mosch einen eigenen Kandidaten zügelest, der als Junker gegen den Junker zu stechen hat, Wa» jüngst im Bezirk Meseritz-Bomst vor stch ging, wird stch demnächst im Krrise Flatow-Schlochau wiederholen: die Sn» ttsemiten find dort eingebrochen, um dir konservattve Heerde zu verführen, wa» ihnen oho« Zweifel ohne grobe Mühe gelingen wird. Sie brauchen uur die von der »Sreuzzeitung" neuerdiug» für da» Agrarirrtum auSgegebrnr Parole: ,BernichtungSkampf gegen den kavilallsttschen Liberalismus" dem Bauern und Kleinbürger verständlich zu machen, und darauf verstehen ste stch indem ste stch für den jenen Leuten nicht recht verständlichen Be» griff bestimmte Kreise der Bürger al» Objekte de» Vernichtung»- kämpfe» bezeichnen. Wa» die ,Krruzztg.' tavltalisttschen Libero» lirmus nennt, benamsen die Ahlwardtbrüder kurzweg,Juden" und fügen namentlich da, wo ste e« mit Bauern zu thun haben, noch gerne Funker" hinzu, denu in diesem verkörpert stch ja auch der KavttaliSmu» für da» Landvolk im Osten. Wa» Wunder, wenn die Wähler da «leich -u Tausenden de« Konservative» dm Stimmdieuft kündig« und den Antisemiten in'« Garn geh«? Der ,Kreuzzig " wird bereit» unheimlich bet der Jagdgenoffeuschast, die für sich We Beute beansprucht, «ad e« wird wohl nicht mehr lang« dauern, bi» au» der Tivoli-Fanfare eia« Ehamad«