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Israelitische Wochenschrift · 1894-03-30 · 13 (30.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 102 — naturgemäß eine sthr unsaubere Arbeit gebeil würde, so. leiste» wir auf die Erledigung einer solcher journalistischen Aufgabe Verzicht und begnügen uns Hamit, Hie und da.in dem.Garten der antisemitischen Preßfre—iheit ein besonders stark duftende» Blüinlein zu pflücken, um es vor das Forum der Oeffentlichkeit zu bringen. Die ״Blüte", mit der wir nns heute zu befassen haben, betrifft eine ganze gewöhnliche — und wie' die angestellten Erhebungen ergeben haben - jeder Thotsächlichkeit entbehrenden Ehrabschneiderei, Berläumdung und Geschäftsschädigung. Ter ״Badische Volksbote" (No. 14) schreibt nämlich: Frankfurt a. M- ״Eine achtbare hiesige Wittwe suchte für ihre Tochter eine Stelle als Verkäuferin und ging sie unter anderem auch zu dem Juden F. Ehrenfeld, der auf der Zeil ein Luxuswaaren-Gcschäft betreibt. Dieser war auch bereit das Mädchen anzunehmcn und sagte der Wittwe, das er 12 Mark per Monat bezahlen würde als Gebalt. Al» die Wittwe hierauf erklärte, daß eine Verkäuferin damit nicht einmal ihre Kleider und׳ Schuhe beftre'ten könne, da diese imnier anständig angezoaen sein müßte, antwortete der Jude ganz lakonisch: ״Ja Ihre Tochter ist um S Uhr in meinem Geschäft fertig und kann sie sich ja dann noch nach anderem Verdienst, umsehcn, das heißt mit andern Worten, sie kann sich, preisgeben und als Diana auf der Zeil sich Herumtreiben. Ja. solch eine Frechheit besitzen hier in Neu-Jerusalemschon diese Platte süße!" Gegen den Redakteur dieses Blattes, sowohl wie gegen den Redakteur des auf gleichen Boden stehenden Münchcner ״Deutschen Volksblatt" hat der Beleidigte Klage angestrengt, deren Ergebnis kaum erfreulich für die beiden ״Helden" ausfallen dürste. Aus Württemberg. 22. März(Or.-Cor.) Rabbinats- Verweser Dr. B. Einstein in Laupheim wurde zum Rabbiner in Landau gewählt und wird nach den Festtagen seine Stelle dort anlreten. — Gelegentlich des Geburtslagsfestcs Sr.Maj. des Königs erhielt Sanitätsrat Dt. Königshöfer das Ritterkreuz des Friednchsordens und Hofrat Eduarb Pfeifer wurde zum Geh. Hofrat ernannt. — Infolge einer Eingabe des Vereins israel. Lehret Württembergs uni eine beffere Belohnung des VorbeterdiensteS hat die Israel. Oberkirchenbehörde Erhebungen über die bisherigen Verhältnisse angestellt, und dürfte einer günstigen Entscheidung der Hohen Behörde cntgegengesehen werden. Auch die Reureguliernng der Stolgebühren der Rabbiner und Vorfänger beabsichtigt die Israel. Oberkirchenbehorde bei dem K. Ministerium zu beantragen, nachdem die derzeit bestehenden Bestiinmungen in Anbetracht der seit deren Festsetzung eingetretenen Aenderung der maßgebenden Grundlagen, insbesondere der Verininderung -des Geldwerts, vielfach nicht mehr im richtigen Verhältnis zu dem den israel. Religionsdienern obobliegenden Leistungen stehen. Oefterreich-Ungaru. ^Wien, 14. März. Unter zahlreicher Betheiligung aller Kreise der Gesellschaft ist heute Ludwig August Frankl, der alte Achtundvierziger, der seinen Idealen bis zum letzten Athenizuge treu geblieben, zu Grabe geleitet worden. Um 10,/ז Uhr wurde der einfache Sarg aus der 4 Treppen hohen Wohnung auf den Wagen getragen. In endloser Wagenreihe folgten die Trauergäste. Auf dem Friedhofe angelangt hielt der Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann an der Bahre in der Ceremonienhalle folgenden warmempfundenen Nachruf: ״Ein langes und glückliches Leben war dem weit und breit bekannten und von vielen verehrten Manne beschieden und dieses glückliche Leben wurde durch einen ebenso glücklichen Tod abgeschloffen. Sein Weg lief auf der Sonnenseite des Daseins, auf welcher keiner von den Schatten zu finden ist, die sc manches Leben verfinstern. Auf einer kaum von ernstlicher Sorge getrübten Irgend folgten Mauncsjahre, in welcher es ihm vergönnt war, kchmststellerischen Ruhm an seinen Namen zu knüpfen und durch seine Liebe äswürdigkeit die Freundschaft der Besten zu vereinigen. Sein Alter, blieb frei von körperlichen Gebrechen und wetteiferte an geistiger Frische mit der seiner Jugend- Sein.Ende aber!stacht das Bild von der Nacht de» Todes zu Schanden- Denn sonniger kann kein Ende sein als das seinige' gewesen- Am Hellen Miha» bei angeregtepi Gespräch, im Kreise seiner Familie,' während des Gastmahles dahinsinken. das. heißt beinahe nicht sterben, das heißt über ldic Grenze, welche das Diesseits vom Jenseits scheidet, hinüberschlummern So muß deny an dieser Bahre jede Klage verstummen, sondern hier gilt per weise Satz des Predigers und seine noch weisere Auslegung: ״Glücklich da« Ende, wenn Alles,vom Anfang, an glücklich war": wenn wir aber vom Ende auf den Anfang zurückblicken, dann müssen wir es anerkennen: er hat vom Anfang an darnach gestrebt, durch unermüdliche Lhätigkeit, durch eine verständige Anwendung der ihm von Gott verliehenen Gaben und durch eine würdige Leben»- ' sührung sein Glück zu verdienen- Setten bat es wohl einen Dichter gegeben, der Ideales mit Praktisaem so zu vereinen verstand, daß schwer zu entscheiden ist. - auf welcher von beiden Gebiete» er mehr zu Hause war. Aber so viel ist jedenfalls gewiß: Zu den Dichtern, die bei der Thei-, luug der Erde zu spät gekommen sind, hat er nicht gehört. Er' hat es weit gebracht, zu großen Erfolgen,' zu hohen Ehren, zueiner behaglichen Lebensstellung, aber was für ihn der oft beneidete Erfolg und die oft mißgönnte Ehre war. das war Bielei» ein Gewinn und man kann׳ die berechtigte Eigenliebe nicht schöner, als er es gethan, mit PatriotiSnius, Begeisterung 'der Nächstenliebe verbknde».. Ich brauche die segensreichen Institute und die Denkmale nicht' erst zu neunen, ‘ die unsere Stadt allein seinen unermüdlichen Bemühungen zu danken hat. So. ist ein reiches Leben, das zugleich Andere bereichert hat, hier.abgcschloffen- Was ihm selbst aber als kostbarer Besitz und höchster Reichtum galt pnd gelten durfte, daß war sein Familienleben. -Eine Gattin, dis wie wenige auf die Bestrebungen des Gatten einzugehen ver- ׳ stand und durch eigene Tüchttgkeit und rühmliche Leistungen An-!heil an seinem Ruhme sich zu erringen wußte und di« bei allen - öffentlichen Wirken dennoch gleichsam die häusliche Vorsehung ׳ des Gatten blieb, tüchtige und geachtete Kinder und ein Enkeskind, die bildeten den Reichtum, welchen'er gewiß über olle Erfolge und. alle Ehren stellte. Mögen sie sich in den. Bewußtsein ttösten, ihn mit diesem Reichtum beglückt und dadurch sein Leben solange verschönt zu haben. Er aber ziehe hin in, Frieden!" Als der Sarg in's Grab gesenkt war sprachen der Vice» Präsident der ״Concordia", RegierungSrath Winternitz, und Namens der Schillerstiftung Dr. Alfr. v. Berger warme und erhebende Worte der Annerkennung für alles was der Verstorbene als Dichter und teuer Sohn des Vaterlandes gewirkt und geleistet. Der Führer einer in Studententracht erschienenen Deputa״ tion eines Corps sprach bewegt ein kurzes AbschiedSworl, damit schloß die Trauerseier. (Siehe die ״Erinnerungen an L. A. Frankl" im beiliegenden Jüd. Litteraturblatt.) Aus Ungar», 27. März (Or.-Cor.) Es war eine schwierige Aufgabe, angesichts des Ablebens de« gefeierten Patrioten Ludwig Kossu'th die Mitte zu Hallen zwischen der Hingabe an die Krone und den Willen der begeisterten . Nation, um den großen Tobten würdig in heimatlicher Erde zu bestatten. Denn der berühmte Verstorbene, der um die Freiheit des Volkes, die Regeneration des Lande» unum» gänzliche Verdienste hat und einer der größten staatSmännischen Redner der Neuzeit war, stand nicht auf dem Boden der staatsrechtlichen Stellung Ungarn'S und der Monarchie. Glücklicher Weise hat die Regierung und da» Perlament den schicklichen Ausdruck für des Volkes Herz und, Schmerz gefuoden, ohne dabei der Liebe und Ehrfurcht - von der Krone den geringsten Abbruch zu thun. Da« Judenthum unsere» Landes aber giebt den Tobten die pietätsvolle Ehre und wird hierbei nie die Rücksicht für Staatsregierung und Staatsoberhaupt ver- '

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