Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 13 (30.3.1894)
- Date
- 1894-03-30
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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101 — unb hitrdri bU (tinnirfungnt bti J»bnuhu«s aa&unptijfn, uafcrc vollste ttnertcnnuag aus. (Folg«, btt Unterichrifnn bet vier Vorfitzcnbe» nnb be» Sch ristführ« re.) Wird man auch jetzt noch den Mut hohen, die verehrten Gesinnungsgenossen zu verleugnen? Berlin den 21 März. Der Kommerzienrat Herr Jacob Israel ist in vergangener Nacht im Alter von 71 Jahren gesiorben Schon frühzeitig war er durch die Vrrhälmiffe gezivungen, in daS von seinem Bater dort nunmehr neunzig Jahren. begründete Geschäft einzutreten. Seiner eifrigen Mitarbeiterschaft gelang eS, der 'Firma R. Israel Ächtung und Vertrauen in weiten Kreisen zu erringen und so das Fundament zu legen für die heutige Blüte des Geschäftes. Bereits im Jahre 1850 übertrug ihm der Bater die alleinige Leitung deS Hauses. Im Jahre 1860 trat sein Bruder Herr Moritz Israel ihm als Stütze zur Seile. Am 1. Januar 1893 nahmen die Brüder Israel die Söhne deS Verstorbenen, die Herren Hernian und Berthold Israel, in die Firma auf. Am 10 März 1885 konnte Herr Jacob Israel bereit» auf eine fünfzigjährige segensreiche Thängkeit zurückblicken. Unter Teilnähme weiter kaufmännischer und iudustrieller Kreise siud dem hervorragend pflichttreuen Manne Ehrungen reichlich zu Teil geworden. Seine Wohltbätigkeit ist Bielen zu Gute gekommen, stets war er bereit, helfend und ratend beizuspringen. Eine Reihe׳ milder Stiftungen trägt seinen Namen. Vornehmlich hat er seine Kräfte der Baruch Auerbachschen Äaisen-Srzirhungo- Anstalt gewidmet, deren Kassenverwaltung er dreißig Jahre führte. Zu der Trauerfeier ain Freitag Nachmittag hatten sich in seiner Wohnung Tausende von Trauernden emgefunven. Der einfache Holzsarg war am südlichen Ende des schwarz drapirien Erkerzimmer» in der ersten Etage aujgebahrt und entbehrte jedoch jeglichen Schmuckes, während ein Palinenhain die Hintere Wand bedeckte. Aus silbernen Kandelabern ergoß sich ein vielflammiger Kerzenschein auf die versammelte Trauergemeinde. Nachdem der Pjalmvers: ,War vom Staube ist, gehet heim zuin Staubeerklungen war, entrollte Herr Rabbiner Dr. Üngerleider in begeisterten Worten ein tief ergreifende» Eharakterbild de» Dahingeschiedenen, anknüpfend an den salomontschen Spruch: ,Der Gerechte tvandelt in Frömmigkeit und Unschuld, Heil seinen Freunden und Nachkommen.- — Seine festen Grundsätze haben ihn soweit gefördert, daß der Name Israel weit über die Ganzen des Vaterlandes hinaus geehrt wird; gerecht und bieder in seiner Lebensweise war er von nie versiegendem Fleißeu. Bescheidenheit beseelt, deren höchste Pflicht in der Bezeugung von Humanität gipfelt«. Rach Beendigung der Feier sang der Synagogen- Ehor des Direktor Wolff: ,Kehre ein meine Leele", worauf der Sarg in den verdeckten Wagen herabgetragen wurde. Hierauf setzte sich ein endloser Zug in Bewegung, und zwar folgten die Söhne und nächsten Verwandten neben dem zahlreichen Personal, deren erste Vertreter kostbare Palmenwedel trugen, zu Fuße nach. — Der Eonduct schritt die Linden entlang und pasfirte daS Geschäftshaus, dessen Fagadr elektrisch erleuchtet war und pietäwolle schwarze Draperie zeigte. Ueberall bildeten Zuschauer Spalier in den Straßen, die der Zug passirte. In der Schönhauser Allee hatten sich Tausende noch vor Ankunft der Leidtragenden eingesunden und wurde Hierselbst von Zöglingen der Auerbach'schen «aisenanstalt, deren Ehrea-Vorsltzenoer der Verstorbene gewesen, Psalmen gesungen. Rach Beendigung der ceremoniellen Pflichten erfolgte die Beisetzung in der Familiengruft. Das Aadenkeu de« Mannes, dessen Leben ein Segen war, wird stets gesegnet sein! »ertt». 28. März- (Entscheidung des OberverwaltungSgemenlde Einspruch und nach deffen Zurückwetmug Klage- Er de» antragte au« einem zweifachen Grunde Herabsetzung der Steuer. äunächst wollte er der Gemeind« nur da» Recht zugefteben, die e Kosten für Synagoge und Kultus, nicht aber auch für humanitäre Anstalten von ihren Mitgliedern durch Umlage aufbringen zu lasten. Außerdem dürfe er aber nur von seinem Ber» liner Enikommen besteuert werde». Er habe einen zweiten Wohnsitz in Wannser und sei deshalb auch der Potsdamer Sonagogenaemeinde steuerpflichtig: ebenso werde er auch in Polen besteuert. Deshalb müsse sich me Berliner Gemeinde mit der Besteuerung einer bestimmten EinkommenSquote begnügen. Zwar enthielten darüber weder da« Gesetz oom 23. Juli 1847, noch da» Semeindeftatut klare Borfchrlften: aber eben deshalb müßten die Bestimmnngen der Synodal-Ordnuag und de» Kommunal» abgabengesetze» analog angewendet werden. S» sei also der Veranlagung nicht die Staat»-, sondern die Gemeindesteuer zu Grunde zu legen Der Bezirksausschuß zu Berlin erkannte auf Kiageabwrismlg, da für dir Besteuerung lediglich daS Statut maßgebend, nach diesem aber die Slenerforderun» berechtigt sei. In seiner Revision machte der Kläger geltend, daß da» Verbot der Doppelbesteuerung ein allgemeiner Grundsatz de» Steuerrechts sei, der auch ohne ausdrückliche Vorschrift anzuwenden sei. Der ll. Senat de» Oberverwaltungsgerichts erkannte am 23. Februar cr. auf Bestätigung der Vorentscheidung Der Gerichtshof führte au», daß Steuergcsetze eine analoge Anwendung überhaupt nicht zuließen Da« Statut der beklagten Gemeinde möge mit den Grundsätzen de» neuen SteuerrechtS nicht in Einklang stehen. Dar könne aber wohl ein Grund sein, dasselbe zu ändern, be» rechtige dagegen nicht zu einer Abweichung von seinen Vorschriften. VV. Stettin, 22. März. (Or.-Eor.) Der hiesige,Israel. WohlthäiigkekS-BcerdigungSverein", der schon über 70 Jahr« besteht, verdient wie kein anderer die Sympathie aller Gemeindemitglieder und hoffentlich kommt eS mit der Zeit dahin, daß ihm auch alle beitreten. ,Von der Wlege bi» zum Grabe" sorgt der Verein für alle HülfSbedürftigen und Kranken» er lindert Not und Schmerz, er unterstützt die Armen und alles diese» in der Stille, ohne da» Jenumd davon erfährt. Der soeben ausgegebene Jahresbericht ist wieder ein Beweis dafür, eS wurden verausgabt für Unter» stützungen 4341,75 Mk., für Beerdigungen 2094,10 Mk., für Medizin 53,97 Mk. und sonstige Unkosten Mk. 749,90 Mk. Erfreulicherweise waren die Einnahmen größer, wie in de« Vorjahren, so daß daS Krundcapitak nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. ES wurden vereinnahmt: Beiträge 3850,50 Mk., Spenden 1355,92 Mt-, für Beerdigungen 2594 Mk., Zinsen 741 Mk., Aufnahme-Gebühren 72 Mk. bleibt ein Lassen- Bestand von 2354.83 Mk. gegen 981,13 Mk. im Vorjahre. Das Grundvermögen besteht jetzt au» cr. 21,000 Mk. Hannover. Zu den bedeutendsten unter den neueren Künstlern gehört unser GlaubenSgenoffe der Bildhauer Julius G. Jordan, ein jetzt in München lebender Hannoveraner. Seine Arbeiten haben auf der letzten Kunst-Ausstellung dahier großen Beifall erweckt. Die hiesigen Zeitungen schreiben FolgendeS darüber: .In der Anordnung der Kunstwerke ist insofern eine Neue» rung zu verzeichnen, als die plastischen Werke zumeist in einer gesonderten Adtheilung deS EinaangSsaaleS ausgestellt sind, wo sie sich zwischen Bta-ltpflanzen besonder» günstig auSnehmen. Ist die Zahl dieser Werke nur Nein, so darf ihre Qualität schon nach einem ganz oberflächlichen Uebervllck als eine ganz ausnahmsweise treffliche bezeichnet werden- Zu diesem anSaezeichneten Andruck tragen vor allem die Werke von Julius G. Jordan in München beideffen im Besitze der bayerischen Hauptstadt befindliche Büste de» Geheimraths v. Prttenkofer eia Kunstgrbilde ersten Range» zu nennen ist. Neben diesem in Marmor auSgeführten Werke finden sich noch acht in Bronze und Marmor ausgeführte Figuren und Büsten von desselben Bildhauer» Hand: Die Büste eine» jungen FaunS, der verschmitzt auf die zwei Sperlinge blickt, die sich uuf seiner Schulter zanken, in Bronze gegossen, die Pythia auf dem Dreifuß, sitzend, die Äugen geschloffen, die rechte Hand in prophetischer Erläse auSftreckend. Die Seherin, die den Böl» kern ihre Geschicke verkündet, ganz von ihrem aeheiamißoollen Berns ergriffen. »Sk (Franziska»" zeigt dagegen die Begeisterung deS in Visionen versunkenen Büßers m einer vollendet durchge» bildeten Marmorbüste. »Unschuld," eia Mädchenkopf in Marmor, ist ein sehr interessanter Studienkovf. Zwei Skizzen. Kunst und Wissenschaft darstellend find al» Ärückenschmuck gedacht, würdm aber noch bester als Standbilder vor einem Museum ihren Platz finden. An» Bnden schreibt uns unser Mitarbeiter: Dem jchier unerschöpfliche« Born antisemitischen WahrheitShafle» entsteigen täglich so viel Gemeinheiten, daß man einen ,Täglichen Anzeiger" füllen könnt«. Da da« aber