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Israelitische Wochenschrift · 1894-03-30 · 13 (30.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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' •gumcntatioi} gipfelt in dem Satze, daß ein Jude 1 ם f t" unge- - «ignet sei -um Richter über Christen und Germanen- Sr erkannt em, dast diese Ttzatsoch« nicht genüge) eine grundsätzliche An»- schlicßung der Juden yom Richtcramte zu. rechtfertigen und er» klärt sogar die Ausschließung der zum Richteramt geeigneten Juden fjtr ein grobes Unrecht gegen die ,Wohlfahrt des Volkes". Aber was solltn dann die praktischen Vorschläge des Verfassers bezwecken und bedeuten? Die Auswahl'der zum Richteramte geeigneten Juden wird, gegenwärtig schon durch die Justizverwaltung getroffen: sie hat es vollkommen in der Hanl», ungeeignete Personen. nicht in das Richteramt zu berufen. Dagegen bietet der Vorschlag des Verfassers, das Mab der von vornherein zum Justizdienst zuzulassenden Juden /ruf das prozentuale Verhältnib ihrer Bevölkerung,!??» heräb-umindern, gar keine Gewähr dafür. daß gerade diejenigen Juden zum Eintritt in den Justiz- ׳ dienst gelangen, welche das ihnen .fren,de' Germgnenthum in seiner׳ besonderen Eigenart begreifen gelernt haben. Selbst wenn der Justizverwaltung tue freie Auswahl unter den Kandidaten gelassen würde, könnte dies nichts helfen, da sie die Qualifikation der Kandidaten für das Richteramt'beim ®intritt tn den Justizdienst noch gar.nicht beurtheilen kann- Der Vorschlag des BerfafferS würde also nur die Quantität der jüdischen Justizbeslisienen vermindern, aber auf die Qualität derselben ohne ‘ den geringsten Eiuflub bleiben. Und .was bat weitet die Advokatur mit der ganzen Argumentation des Verfassers zu thun? Mpb man. um ein guter Advokat zu sein: durchaus ,das Germanenthum in scjner besonderen Eigenart" begriffen haben? .Dies bat der Verfasser selbst nicht zu behaupten gewagt. Seine ' Vorschläge zielen aber, wie schon früher gezeigt, darauf.ab, die Zahl her Juden, auch für die Advokatur ans das prozentuale Maximalmah zürückzuführcn! ,Die Advokatur, soll nicht die , riusschliebliche Domäne der Juden sein!' Aber welcher Jude 'hat dies jemals beansprucht? Dab hie Juden in der Advokatur zahlreicher vertreten sind, liegt wesentlich auch daran, dab bei? Besetzung der Richterstellen mit Juden auch jetzt noch eine gewisse Zurückhaltung besteht. Dab zum Nicht er amte Juden über den Prozentsatz ihrer Bevölkerungsziffer hinaus berufen ' wordtrt seien, ist nicht erwiesen,' auch vom Verfaffer nicht be- Häuptel worden. Wohin zielen also seine Vorschläge? Die «onkutrenz der Juden im Justizdicnstc auf das denkbar geringste Mab zu beschränken) ja dieselbe nach und nach ganz zu beseitigen, mit anderen Worten das'Gesetz von 1869 und die preußische Wersaffung durch VerwaltungSmabregeln wirkungslos zu machen. -Bei der geringsten Einsicht und Ueberlegung konnte der Verfasser sich doch nicht verhehlen. Hab nach Verwirklichung seiner Vorschlüge die Juden kaum noch in der Lage sein werden, sich be- Hufs Eintritts in den praktischen Justizdienst dem Nechtsstudium zu töidmen, da sie die« nur auf die Gefahr thun könnten, nach ^Beendigung des' Studiums von dem Eintritt in den Justizdienst zurückgewiesen zu werden, mit Rücksicht darauf, dah der Prozentsatz der darin befindlichen Juden noch die richtige Lerhältuitzzahl ^ührrsteige. Um die Ehancen für die Möglichkeit des Eintritts zu /ermessen, mutzte der jüdische Student beim Beginn des Studiums .berechnen können, wie hoch sich jener Prozentsatz nach Verlaus; vvn drei bis vier Jahren stellen werde, was einfach unmöglich ist. Die Vorschläge des Verfassers würden also nicht bloS einen Schutzzoll für die nattonale Arbeit der christlich-germanischen Juristen, sondern so viel wie einen Prohibitivzoll darstellen. ES mag zum Schluffe nur noch hervorgrhoben werden, datz der von dem Verfasser für die Zulassung der Juden zum Justizdienste geforderte Matzstab ein völlig ungeeigneter, mechanischer Lud ungerechter ist- E» ist an sich schon monströs, die Betheili- ׳gung der Bekenner verschiedener Konfessionen an den einzelnen Zwesgen der menschlichen Kulturarbeit nach dem Prozentsatz ihrer ölkervimSriffer abmessen zn wollen-*) Was würde man sagen, n di« Katholiken in Preutzen das Verlangen stellten, daß so wenn lauge kein vrotestanttscher Landrath un« doch *1 Wir »ollen Jank |«a Vorbild« nehmen! angestellt werde, bi» die tu Deutschland nicht etwa Nuß» Landräthe der srAchtedencn Konfessionen im richtigen Verhältnib der Brvölk^rungSziffer ständen? Bht den Juden kommt noch binrn, dab sie von dem Hauptzweige der menschlichen Erwerb»- thätigknt, der Bebauung de» Boden»,' ihrem ursprünglichen Berufe (denn die Juden in Palästina waren rin ackerbauendes, kein handeltteibendeS Volk) durch viele Jahrhunderts gewaltsam ferngehalten worden sind, 10 datz die Bildung eines jüdischen Bauernstände», wenigstens in Deutschland, zunächst unmöglich geworden ist. Bei der Berechnung deS Prozentsatzes mütztc darum, wenn man gerecht sein will, di« gesummte christlich« Landbevölkerung anßer Bettacht bleiben- Aber diese ganze. Art mechanischer Bertheilung der Konfessionen auf die verschiedenen Berufszweige ist verwerflich. Mit demselben Rechte wie aus dem Justizdienste könnte man die Juden mit diesem Matzstabe auch aus dem ärztlichcn Berufe, aus allen liberalen Fächern, ja auch aus Hardel und Gewerbe verdrängen. Dann allerdings würde bald da» (russische) Ideal des AntisemittSmus erreicht sein! . Berlin. M. Levy. Vom ״Ccnkralvereiu deutscher Staats» bürget jüdische» (Klaubens." ES ist nicht in Abrede zu stellen, daß' der in der Ueberschrift genannte Centralverein auf der Höhe seiner Aufgäbe steht, er geht einerseits energisch gegen alle lügenhaften und verleumderischen Berichte in den antisemitischen Blättern vor, und weist sie als böswillige' Erfindungen nach, und ist anderciseits bemüht, eingebürgerte Borurtheile gegen die Juden, die sich mit einem Nimbus. von scheinbarer Wissenschaftlichkeit Luumgeben verstanden, durch öffentliche Borträge von Männern der Wissenschaft gründlich zu widerlegen. Dies war auch in der zu Dienstag, den 27. d. M., berufenen Bersammlung im Saale der ״Gesellschaft der Freunde" der Fall, woselbst der den Lesern d. Bl. durch seine Schriften wohlbekannte Prof. De. Pohlmattn aus Reuwied einen fesselnden Vortrag über ״die Juden», die körpe rl i che Arbeit" vor niehr als tausend aufmerksamen Zuhörörn hielt, aus dem hier Einiges »liiaetheilt sei: »In Rußland — so führte Redner aus — befinden sich fast alle Handwerke in den Händen von Juden und in Rumänien werden fast alle körverlichen Arbeiten von Juden auSgesührt," so zu kesen auf Seite IS des —.Anttsrmiten-Katechismus- (Heiterkeil.) Und in demselben Buche wird ferner behauptet: »Der Jude hat keine Neigung, sich durch schwere körperliche Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen." Auch in der Türkei gicbt eS zahlreiche jüdische Handwerker. In London allein giebt eS 10 000 jüdische Schneider. Aehnlich ist es in Newvork- In Rußland gab es bereits i. I. 1887 A3000 jüdische Handwerker und 8981t jüdiiche Tagelöhner wie Sttaßenkehrer, Pflasterer us. w. In Kleinasten werden die schwersten körperlicher. Arbeiten von Juden verrichtet. Die 6000 Juden, die auf der Insel Korfu leben, verdienen sich zumeist ihren Lebensunterhalt von Handarbeit. In Holland werden die schwersten körperlichen Arbeiten, wie das Aus- und Einladen ber Schiffe von Juden ausgeführt. Sackttägrr. Erdarbeiter rc. rekruttren fich in Holland zumeist aus Juden. Wenn in Deutschland die Juden nur zum kleinsten Telle Handwerker sind, so ttagen daran nicht dle Juden, sondern die Christen die Schuld. Seit länger denn tausend Jahren war es den Juden in Deutschland verboten, sich in anderer Weise al« durch den Schacher ihr Brot zu verdienen. Ist es solchergestalt vielleicht ein Wunder, wenn die Juden noch heute in Deutschland zumeist dem KauimamiSstande angehören? Seit 1818 erst ist in Deutschland auch den Juden gestattet, Handwerk und Ackerbau zu treiben- Daß ttotzdem immer noch die meistm Juden in Deutschland Saufleute sind, ist durch di« Berhältnifle vollauf begründet. Einmal konnten doch diejenigen, die bis 1818 einen anderen Beruf hatten, nicht plötzlich Handwerkerwerden, und. andererseits liegt e« in der Natur der Sache, daß Kinder »meist da« Erbe ihrer Eltern antretea. Südlich ist zu berück- ־^י" 'F" ן-■ י - anVn'i*‘-; ׳1 ׳ ׳.Qi' ׳•-V i 336807

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