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Israelitische Wochenschrift · 1894-03-30 · 13 (30.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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wünscht, in ei: °s stillen Klause bei seinen Folianten» 6ei sein!« vergilbten Mm uScripten z> weilen und Vie Büustetne antiquarischer Gelehrsamkeit zu liefern, um auf den festen Fundamenten gediegener Spr'.co- und Sachkunde eine gute Kenntniß, besonders des talmudischen Alterthums und sodann des jüdischeu Mittelalters herzurichten. Es giebt Gelehrte, die auch wenn sie wissenschaftlich arbeiten, dennoch nach dem lieben großen Publikum hinüberschiele» und gern »allgemein interessant" sei» möchten. Jedoch der bei weitem.größte Teil der Arbeiten PerleS; ist nur für den Gelehrten lesbar und interessant, dieser aber wird aufs Höchste überrasch: durch den Nachweis, wie Worte, Sagen und. Bräuche von einem Lande, von einem Sprachgebiete zum andern hinüberspringen: nur wer auf weiten Gebieten des Alterthums wie Perles heimisch war, wer so wie er durch energischen Fleiß und durch eine erstaunlich schnelle Fassungsgabt überall rasch heiniisch werden konnte, war zu diesem Nachweise fähig, seine Arbeiten sind Jahrzehnte hindurch gleichsam das Rückgrat der Fraukel-Graetz'schen Monatsschrift. Denken wir an die segensreiche Wirksamkeit deS Rabin.rs in zivei Großgemeinden, so möchten wir eS als eine günstige Fügung preisen, daß der harte Zwäng des Lebens ihn bestimmt ha!, gegen seine Neigung ein öffentliches Amt zu übernehmen : erwägen wir, welche'rrichewissenschaftliche Frucht die eng bemessene Muße getragen hat,, die ihm sein Amt gelassen, so bedaueni wir es, daß dieser Manu sich nickt ganz der Wisscnschait hat widmen können In Posen wie in München ries er den xenius locj zu Hilfe bei der gelehrten Arbeit. Posen ist die alte Gemcinde mir großen Traditionen, dort schrieb er eine Geschichte der Gemeinde, die ganz auf der Höhe der Bedeutung steht, die Posen für die Entwicklung des Judenthums hat, in München ist das Gemeindelebcn jung; aber München birgt eine Fülle vo!r hebräischen Handschriften. Perles gehört zu den vorzüglichsten Schatzgräbern, die bisher dort das Gold geholt habeu. Pcrles ist in Ungarn geboren, aber damals, als erdort seine Schnlbionng genoß, wurden die ungarischen Sonderbestrebungen niedergchalten und die Erziehung war nicht viel anders als aus rein deutschem Boden. Das Breslauer Seminar Hane in den ersten Jahren seiner Existenz ein wunderbares Glück sowohl ׳mit seinen Lehrern wie mit semen Schülern Erlesene Geister waren die Lehrer uno die Aussaat siel auf den günstigsten Boden. Perles gehört;u den Ersten, denen das Lehrerkollegium des Seminars das Rabbinerdiplom überreicht hat, und׳ er ist einer der Besten, der Tüchtigsten geblieben Posen und München, wi׳ verschieden sind d׳ese Wirkung?- kreise, in Posen giebi cs alte Traditionen, die respektirr - werden müssen, gab es, als Perles dahin kam. viele.mit jüd schein Wissen ausgestaltkte Männer. Perles guter Takt leitete ihn so sicher, daß er gegen die Traditionen nicht vew stieß; seine Begabung war so groß, sein Charakter so rein׳ und edel, daß er Allen genügte, daß er, als er nach zehnjähriger Wirksamkeit aus Posen schied, crne liefe auch heute noch nicht., erloschene Erinnerung zurückgelassen hat. In München fand er ganz andere Berhälmisse, eine ganz wider« Bevölkerung vor, eine Gemeinde, die rapid? 'wuchs, die aus den verschiedensten Elementen sich zusammnz» setzt« Aber er hatte den' Schlüssel, der ihm die Herze» öffnete, das Perles'sche Hau» »var besonder» für ׳alle Akte der Wohlthütigkeit und, für allegeistige Streben der Mittel- Punkt der Gemeinde. ' . . . .Tie jüdische Theologie empfindet tief den Verlust, den dieser-vorzeitige Tod ihr geschlagen. Jakob Grimm sagt , in . seiner Rede auf Lachmann- .,den Jubiläen, die da« Alter unserer Gelehrten.mit Langweile bedrohen, ist er entronnen" — das ist ein bitterer Humor;, wir halten.so gern ihm an Jubiläen zugejubelt, wir hätten sogern den Lebenden gefeiert, dessen Größe wie LachmannS darauf beruht, daß er inannig-- fache Sprachgebiete beherrschte und' aus der Verbindung, dieser Gebiete in seinem Geiste Neues schuf. Die Worte, die seinen Ruht» verkünden, werden nicht ver- Hallen, die Werke, -die von seinem Geiste zeugen,. werde«' nicht verfallen; er war gesegnet und er war ein Segen. Sowxit man jüdische Gelehrsamkeit ehrt, wird sein Tod beklagt und fein Andenken gefeiert. B.. H. Gesetz oder Willkür? (Schluß.) , ' Als lctz.en Trumps spielt der Berfasser natürlich dtn internatidnalcn Zusammenhang der Juden als Glaubensgenosse» aus.. Dieser Zusammenhang besteht lediglich darin, daß die Juden'' ihren bedrückten Glaubensgcnosien beizuitehen versuchen, ohne Unterschied, ob sie im AuS'ande oder im Jnlande bedrückt werden.׳ Ist solche Hilfelcistnng etwa tadelnSwcrth, oder widerspricht sie׳ den Grundsätzen des Christenthums? Kann sie im Ernste ein ausreichender Grunb sein, die Juden dem dcuDhen Polke zu entfremden? ES ist nicht daran z« zweifeln, daß wenn in irgend' einem Lande Christcnvcrfolgungcn vor sich gehen sollten, .die gesammte Christenheit sich vervstichtet halten würde, den bedrängten Glaubensgenossen bcizuspringen. Und mit vollem Recht! Warum soll dar Gleiche den Juden verdacht und ihnen als eine Entfrcmdung von der Nation, zu der sic gehören, angerechnet werden? Tie katholischen Ehristen in Deutschland haben mit ibrcM aus-' ländischen religiösen Oberhaupts, mit der einheitlichen Organisation der Kirche und der gcsammten Hierarchie, - niit ihren. Orden und Missionen viel weiter verzweigte, festere und stärkere internationale Band«, als die Juden, die weder ein religiöses Ober, honw auf Erden, noch eine Airchenvcrsassung, noch ein MissionSweien'besitzen. Daß der Jude mit seinem bedrängten׳ Glaubensgenossen fühlt und ihm beistcht, dürfte christlicher sein,-als. wenn ein Christ ihm daraus einen Vorwurf macht und ihn' darum als einen Fremdling behandelt winen will- Es ist übrigens zum Glück ganz und gar nicht zutreffend, daß die Juden der großen Masse des deutschen Volkes äls ein fremdes Element erscheinen. Dies gilt, abgesehen von-denjenigen Personen, deren Gewerbe. der Antisemitismus ist, nur von solchen Kreisen, denen die Konkurrenz ihrer jüdischen Mitbürger unbequem ist. Dem Einzelnen sind auch immer nur die jüdischetr - Konkurrenten seines eigenen Faches oder Gewerbes zuwider, ' gegen den Wettbewerb der Juden in anderen Fächern bat rt an sich gar nichts einzuwenden. Erst wenn sich die durch den'Wett» ׳ bewerb ihrer jüdischen Mitbürger aus dem langjährigen Schlummer Gcciffenen zu neuen Anstrengungen anfraffen müssen, und wenn sich die Klagen darüber von Fach, zu Fach., von G<- werbe zu Gewerbe fortpflanzen, entsteht, der Gedankeeiner gemciuschafllichen Aktion gegen die unbequemen Störenfriede, — " der Antisemitismus stritt handelnd auf den Schauplatz'! So und. nicht anders verlaufen die Dinge für das Auge cineS nnbe-' vangenen Beobachters. '! Doch kehren wir zu dem Berfasscr zurück- Seinc ganze 1 Ar..

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