Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 12 (23.3.1894)
- Date
- 1894-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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zweckmäßig erachtete Hinzukümlng weiterer konfessioneller Le» krSftiguogrfnrmelo entbehrlich- Inzwischen hat der preußische Justizminister sich in einer Verfügung vom 18. Dezember 188» dahin ausgesprochen, das Bedenken gegen die Zulässigkeit konfessioneller Zu» sätze zu der Eidesformel sich aus der Strafprozeßordnung rcnicht herleiten lasien, falls solche Zusätze mit dem Wesen des Eides vereinbar seien, oder nicht auf eine Verneinung der in den Eidesworten enthaltenen Beteuerung hinaus laufen.. In Ueberelustimmung hiermit hat das Reichsgericht durch Er» kenntniS vom 24. ׳Januar 1884 den Grundsatz ausgestellt, daß ein von einem Zeugen zu der von ihm nachaesprocheneu Jgesetzlichen Eidesformel aus eigenem Autöebe beigefSgter kon» essioneller Zusatz, der «ine weitere Beteuerung der Wahrheit enthält, den Eid nicht unwirksam macht. A. Dresden im März (Or-Er.) Ruch das ,protcstantische Spanien", wie Sachsen genannt ־wirb, hat seine Judenfrage in der II. Kammer erledigt. Wer mit den sächfischen Verhältnisien nicht vertraut ist, der wird der Meinung sein, welche hohe einflußreichen Stellen die Juden Sachsens rinehnien müssen, da mau auch hier die Judenfrage in Er» Wägung bringt. Aber mit mchten! Nicht e i n jüdischer Ab» geordneter, nicht e i n jüdischer Stadtverordneter rst in Sachsen vorhanden. Nicht e i n jüdischer Lehrer ist an einer ösirntlichen Schule thätig. Nur e i n jüdischer GerichtSraih ist als Ausnahme anzuführcn, der die Regel der Nichtanstellüng der jüd. Juristen zu bestätigen scheint. Da» Schächtverbor in Sachsen beiveist, was man nach den Jude» zu .fragen" Hai. — Nicht ein Freisinniger ist in der 49. Sitzung am 26. Febr. für die Rechte der Juden eingetreten, sie führten ein beredte» Schw igeu, sonvern ein Socialdemokrat der Aba. Stolle ergriff das Wort. Der sächsische Fortschritt hielt sich sehr passiv! — Der Abg. Stolle richtete an d׳e Regierung die Frage, wie dieselbe über Art 33 der Verfasiung denkt. Stolle ES sei eine konservative Erklärung im Lande durch Gemeindevorftände und Gemeindepolizeiorgane kolportttt worden und dieselben seien zum Sammeln der Unterschriften her» angezogen worden. Die Erklärung richte sich unter anderem auch gegen Art. 33der Verfassung, der die Rechtsgleichheit aller re» ngiüsen Anschauungen garantire, indem man den Ausschluß aller Richtschristcn von allen öffentlichen Aemtern fordere- ES giedt in, Lande eine Strömung, die die Freiheit des Bekenntnisse» antasten wolle und er — Redner — wünsche zu wiffeu, ob die Staatsregierung solche Ziele billige oder nkcht." Der staatsminister v. M e tz s ch erwidert: ,Ich habe a« und für sich grundsätzlich zu erklären, daß die Regierung. e» an und für sich nicht für angängig und für-zulässig erachtet.. daß' seiten der politischen Parteien überhaupt, mögen sie einer Richtung angehören, welcher sie wollen, Gemeindedeamte urtb über- Haupt Beamte gebraucht werden, um für Parteiintereffen thätig za sein. ES hat der Abg Stolle weiter gefragt, wie sich die Regierung dazu stelle, wenn leiten der konseroatwen Partei der Antrag gestellt werde oder das Programm ausgestellt würde, das An- Hänger des israelitischen Glaubens nicht zu StaatSSmtern und wohl auch nicht zur Advokatur zugelassen werden sollten M- H.l für sich nicht in der Lage mich darüber auSzu- Sch bin an und sprechen: das würde mehr eine auSznakademische Erörterung tem. e-־ _ . ... — .ll» ung im Staatsdienste Sache der betreffenden Ressorrministcrien ist und daß an und für sich nach dieser Richtung, die Berechtignng einer Einsprache von anderer Seite nicht ohne weitere» an» erkannt werden kann * (Die Bemerkung der Minister» ״bafc nieniand ein Recht auf Anstellung im Staate hat" ist schon-früher vom Minister v. Abecken gemacht worden: aber vecr v- Metzsch wiederholt sie — an und für fich-s Ist aber Km so? Kann man Bürgern, die ihre Qualifiratiou und moralische Befähigung erbracht haben, ihre»־ Glaubenswegen die Anstellung zu - einem StartSämteversagen? Wird durch solche Anschauung und Handhabung der Rechtsstaat befestigt? Ist die» mit der־ christlichen Religion vcr inbar? Sagt nicht ausdrücklich die heilige Schrift: ,Wenn ciu Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen, wird, dann sollt ihrih» üticht beeinträchtigen. Er soll bei Euch wohnen,^ Wie n» Einheimischer,, und du sollst jhn lidhen, wie ' dich selbst." (S. B. M. Lap. .19. 39.) Bet baa Jndenkönig Saul bekleidete ein E d o m i t t r " etn Hofamt 1. B, Sam 22,■9. Die Mutter de» Rehabcam war eine Ammoniterin. 1. B. der König« 14,91. vud.die ,^ Stammmutter drSLöu g; David war eine Moabiter,». Die Ko»7 servativen und die Antisemiten wünschen die alten Zeiten wieder. Sie wünschen dir «item Zetten, von drc־ Zschocke sagt: ,Die Geschichte von dem Schicksal der AitgeßLxjge» de» mosaische« Glaube»» ist die Beschichte von der PchUNch de»^ Menschengeschlechtes. Wer sie mit Würde und gründlicher - Ausführung schreiben wollte,, müßte zum Menschenfeind da» rüber werden! Denn, welcher Mann von Gefühl könnte sei« Lebe»Untersuchungen und Darstellungen weihni, dir alle» Grausenoolle und Ekelhafte 'umfaßt, wg» menschlicher Aber—- S"' '•-־■־'“־ - - ״״״ - - SB r wollen aber trotzdem, wie da» jüdische Gesetz be-. lühlt, treu und gewiffenhaft unsere Pflichten als Bürger de» Staates erfüllen.׳ Wir ,vollen uns an unseren Feinden rächen, indem wir uns zu vervollkommenen fachen. A«A OderfchilsO*«. 13- März. (Or^Eor.) Die verwältung der Israelitischen Kinderheilstätte zu Könia»dorf-I a S t e m bversmdet eben ihren 4 Jahresbericht für das Jahr 1893- Diese ächt jüdische wie acht humane Anstalt erfreut sich eine» unverkcnn» baren Aufschwunges. Ihre einzigen Fundamente ruhen in dem edel fühlende» jüdischen Herzen und in der «!ldthätigro jüdischen Hand. - Ausschließlich ־freiwillige Liebesgaben ermöglichen den Bestand dieser Städte der werkthätigen Aebe. Solche Liebes»- spenden bat der Bericht in fortfchreileoder Progression von'A —Z. ׳ von Aachen bi» Zittau, zu verzeichnen. 72 Kinder, 99 Knaben nnd 42 Mädchen, im Alter von 5-10 Jahren au» den Peovinzta Schlesien, Posen, Brandenburg und an» dem Königreiche Sachse» waren von Mitte Mai bi» Mme September 1886in der Anstalt untergebracht. Ve meisten fanden dort, wa» sie suchten» radical« Heilung oder doch wesentlich« Besserung. Der ärztliche Bericht den aus da» Gewiffenhafteste und Liebevollfte von einer mit der Pflege von Kindern und Kranken wohl vertrauten jungen Däme be» aufsichtigt und behütet- Günstige Heilerfolge wurde» erzielt in' den verschiedenen Stadien umannigfachen Formen der Strophulose. bei verschiedenen LähmungSerscheinnngen. beim Veitstanz, bei Bleichsucht Und Blutleere, bei Reeoavalescanren und bei,dürftigen», in der körperlichen Entwickelung zurückgebliebenen Kindern- Die meisten derselben nahmeq um «ehrere Pfund an Körpergewicht» an Fülle und Rundung der Formen zu. Die bleichen Wangen rötheten sich. Aussehen und Gesammtdefiudenbekundeten oel allen diesen kleinen Badegästen die erwünschten, günstigen Erfolge- Von diesen 72Pfleglingen erhielten 23 ganz unentgeltliche Aufnahme ' (ganze Freistellen)» 27 halbe Freistellen. Die Hälfte »er Selbstkosten , wurde für dieselben entrichtet. 22 Kinder wurden gegen Entrichtung eines SotzcS^welcher annähernd deu Selbstkosten gleich kam, auf» , genommen. Worte wehmütiger Liebe und dankbarer Laoerkenaung widmet der Bericht an hervorragender Stelle de« ersten LnkaUS- Arzte^ dem im März 1888 in Breslau bingeschiedeneu Dr. mcd- Samuel Karfunkel. Ihm wttd nachgerühmt: »Durch sei« reir^ ärztliche, Hxfahrung., durch seine wohlwollende Gesinnung stall 1 . gewesen. »»denken bewahren. — Vor einigen Wochen wurde in der seit etwa 2 Jahren lle» zahlreiche Lichte und da» vom Kaufmann Aron ade geschenkt«־ kostbare Thorahmänteichev- ‘ ' — Für CultuSdeamte in kleinen Gemeinde« ift e« ooaWlchtigkett, Larauf hinzuwessea. daß ste» fall« st« Berstcherunasmarkeu in die , Quittungsbücher rinllebe«, beim Eintritt de» TO. Lebensjahre»^ Anspruch auf die Ätter»rente und später auch auf die Invalidität»«• ד reute erheben können. Ein solcher Fall liegt jetzt au» Nicolai^' var. Der dorttg« Vertreter und SÄchty, welcher seid Emanirung de» Gesetze» ü«r ble' Alter«- und Invalidität» »Bersicherua» die?, LerficherungSmarken einklebte, stellte den Anttag auf Äewähruag ' der Alter»- und InvalibitLtSrente- Er. stttlte -unter Beweis, da» er kein künstlerisch auSgebildeter «aMor. sondern nur einfacher.. Borbeter sei. - Die Qualität de» Schächter» entspricht glrichfall»ץ den Anforderungen deSErf-tzSS über die AltttSoersicherung LokÄuf, hin wurde fein Anttag berücksichtigt und ihm eine angemessen