Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 12 (23.3.1894)
- Date
- 1894-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Amh-dex Urgermane Plack-Pod gar «kt Hat fcbu große« 'Passionen, jtt betten der nach eigener Angabe bef onder» begabte Herr sich am vorigen Sonnabend vor der Straf» latnmer in Berlin bekanntlich bekannt hat. »Der alte ehr- 'liche Piack-Podgarki-, der sich »egen gemeiner Ehrabschneiderei zu verteidigen hatte, hat als primns amniam da< AhiturieNtenexamen in der vierklafsigen Dorfschule, seiner Heimat abfolvtert tmd .wa« ich weiß, da« weiß ich. da« lasie ich mir nicht nehmen!- — Da« hat bi» jetzt noch Niemand beab- Pchttgt, tnau niuß sich nur in Acht nehmen, daß er Einem nicht etwa; nimmt, nämlich die Ehre, denn so besonder« be^ 'nabt diese Trompete de» eignen Ruhm« auch ist. von diesem Artikel könnte er noch-etwa« gebrauchen. " ׳ Eine weitere Passion ist'seine große'Gutherzigkeit, SU der er sich freimütig bekennt, j. B. wenn Jemand. ih n. um S Mart anpunipen wolle (?) und er habe (ffj nur drei, so borge er selbst bei einem Andern (???) oder versetze seine , Uhr (???£), um den Bittsteller befriedigen zu können. Ferner will er — doch wohl erst, wenn er au« Plötzensee ׳ wieder, heran« ist? — vier Wochen lang hinter dem Vaiser Herresten und selbst dessen Adjutanten in deu Aoth reiten, um Sr, Mas. seine Ansichten über die Börse zu unterbreiten. Wir glauben, in diesen Worten den verrückten Paasch zu hören und mutmaßen die versteckte Absicht, sich der Strafe zu ent» ffniu lieren, denn ei ist eine beliebte Passion der nieistett Bcrl leumder, lieber, nach de« Jrrenhau« al» hinter Schloß und Riegel zu wollen. Darau» läßt sich sogar noch neue? Capital schlagen, ivenn Ivan dann über die Mundtotinachung durch Linsperrung in- Jrrenhaueine Brvchüre schreibt. . 'Schließlich hat Herr Podgor-ki noch, eine große Passion lür Ahlwardt — die er nur mit dem Stöcker a. D. teilt — den e r iür einen Ehrenmann halt. Daist Geschmacksache; aber da solche Anerkennuna dem Ahlwardt nicht hänfig passiert und er. mit sehr starken Nerven gesegnet ist, wird er fie ge» wiß mit Dank acceptieren und wir gönnen sie dem schwerae- Prüftest Manne, der sich später bei Plack revanchieren kann, fo wäscht eine Hand die andere. Nette Passionen! Doch de« bilden Lpack vertreibend . Kommt a« <tni' die Morgen ritte - Jene halchen scheu zuiück In die Vaud, in die Tapete! Gesetz oder Willkür?!Fortsetzung.) Die Gründe, welche die Juden veranlassen, von dem Eintritt in d(e .Justizkarrtereden »umfassendsten Gebrauchzu Machen, beruhen nach dem Vers, auf zwei Lhatsachen: 1) daß »ihnen alle höheren Karrieren fast ganz verschlossen sind' und 21 »daß ihre Wohlhabenheit e« ihnen meist gestattet-. Wa«' zunächst den zweiten Grund betrifft, so lodnt e» sich kaum, darüber zu streiten^ da« Märchen'von dem Reichthum der Juden ist schon oft genug widerlegt worden. Allerdings gehören ein- »eine derselben zur sog. >w»t« »mute«, und e« flieht auch Dank ihrer Rührigkeit im Handel und Gewerbe einen zahlreichen, gut 4 situtrten Mittelstand unter ihnen, aber die große Mehrzahl ist ' entweder nur wenig bemittelt oder ar« und elend. Wenn der Vers. Lusfdaden sollte, von den LermügenSverhältnissen 'der Juden dort, wo sie noch gm glänzendsten find.' nämlich in der Httuptstodt-vön Preußen, ein treue« Bild zu erlangen, so em- - psehlen wir ihm, sich au die Srmenkommtsston der jüdischen Ge-- tpeinde in Berlin zu wenden- Aber - angenommen, brr Vers, sei Int Recht, fo kann e« doch nimmermehr al» ein Nachtheil für die Justiz aurgegeben werden, wenn sich derselben recht viel wohl- Hab», de Staatsbürger widmen, die damit den Beweis.liefern.' ..daß ihr Wohlstand eine rege Antbeilnahme an geistigen idealen Bestrebungen bet ihnen nicht gemindert hat. Jeder Christ, der »nr »einigermaßen einsichtigist, wird die« nicht leugnen können. Linea Inden aber, der da« Gegeutheil behauptete und da« Hin- - drängen seiner Stauben»genossen zur Justiz'al« einen Uebelsta'od für Üeselbe au«»eben sollte, .könnte man wohl kaum al« einsichtig degeichnm. Wa» dagegen den ersten Grund, andetrifft, den der.Lerf. sift die Neigung der Juden, in die .Jnftizkarrtereetnzntreten, herou-gefanden. so ist derselbe allerding« vollkommen zutreffend, wie er denn auch schon von anderen betheiligten und unbrtbeiUgten Beobachtern längst entdeckt und öffentlich ausgesprochen worden ist. ׳ E« gehörte allerdings kein allzugroßer Scharfsinn zu dies« Entdeckung. Die Tbatsach» und ihre. Wirkungen liegen vor Aller Augen. E« ־bebaif daruin auch keine» großen Aufwandes von Logik, um da» rechte Mittel zu finden, durch weiche» die beklagte Urberfülluog der vreußischen Justiz mit jüdffchen Elementen adgewendet werden kann- Man Lffue den Juden die ihnen gegenGese» und Verfassung versperrteaSchleusen, und man wird bald, gewahr werden,>.daß der künstlich in ein enge» «rtt eingezwängte Strom nach allen Seiten hin abgelenkt und pertbeilt wird! Warum scheut sich der Berf-, auf dies,» naheliegende, sich fast bon selbst aufdrängende An«kunst«mlttel hinzuweisen, wenn er deu übermäßigen Hindrang der Juden zur Justiz al« einen Uebelstand empfindet? . Statt deffen schlägt er vor, daenge Bett noch, mehr einzuengen! Da» ist mindesten« unlogisch und nnvraknsch ' Aber auch ungerecht! Tenn wie werden die Lorschtäge des Lerfaffer» mvtivirt? Mit denselben fadenscheinigen Ar, gumcnten, die in antisemitischen Versammluüge» bis znm Ueberdruß abgedroschen sind, bier und da mit etwas buntem Flitter aufgeputzt! »Nur wer dem Bolle, in dem er Richter sein soll, völlig angehört, kauf da« Recht dieser Volke» ganz verstehen und anwenden.' Ab« wo besteht denn, diese» urgermanisLe BolkSrecht, Herr Landrichter? Wissen Sie nicht» daß da» in Deutschland geltende Civilrecht, abgesehen von wenigen Bestandthetlen. rezipirteS römische» Recht ist? Und da» sollen die Juden nicht so gut verstehen und anwenden können, wie die Christen? Wa» batten denn die klassischen römischen Juristen, die großen Meister und feinen Meißler de» Civilrecht». auf deren Gedankenarbeit noch heute da» geltende.Privatrecht in Deutschland zumeist deruht, mit dem Christentbum zu schaffen? Aber, selbst da» eigent-!ich germanische Recht ist vogt Lbristentbum wenig od« gar nicht beeinflußt. Da» sollten. Juden nicht begreifen Innen, nicht anwenden können? Dafür sollte e» ihnen an Sinn nnd Verstandnib fehlen? Da» erinnert wieder an Atta Troll: ,Den« der Siiu! für Stil, für st, enge Plafilk der Bewegung fehlt Jener Nass׳, sie verdürben Den gtrschmaä de« Publikum«.-! Ab«, sagt der Brfoffer, die Juden find in gewissem Maße noch ein ftemde» Ei.-r.1ent unter de« Deutschen, denn ihre reitgiösen und etbischea Anschauungen haben andere Wurzeln, ihre speziellen, geisttget, und körperlichen Eigenschaften und ihr-inter» nationaler Zusammenhang al» Glauben-genoffen trennen sie von . dem innersten g er nra nt scheu BolkSgeist dermaßen, daß ein vollständige» gegenseitige» Ergründen׳und Begreifen d« innersten Tiefen'und Empfindungen für.Christen und Juden nur selten möglich «scheint! Bei dies« ganzen Phraseologie ist zunächst nicht zu «kennen, worauf denn der Verfass« da» Gewicht de« Gegensätze» legt, auf die Ab sta mm nag ober auf den Glaube n, beifn er spricht bald von jener, bald von diesem. Legt er ab« auf beide» dasselbe Gewicht, wie. es den Anschein hat, so muß « auch in dem Christen jüdischer Abstammung den gleichen Gegensatz gelten lassen und in gewissem Maße auch dann, wenn e» sich um einen Christen gemischter Abstammung handelt. Ob « biete» von den reinen Antisemiten freilich längst gezogene Konsequenzen billigt, darüber läßt er den Leser im UnNareu. Doch mag »ie» dahin gestellt sei«. ' . . . Die ganze Begründung wimmelt von Jrrthümern und Aedlschi-ffen- Die Juden in Deutschland sind'Deutsche. Kind« de», selben Batcrlander, wie die Germanen, nicht bloß nach de» Gesetz, sondern auch nach ihrer Gesinnung. Die Assimilation«- - ־ .... «