Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 12 (23.3.1894)
- Date
- 1894-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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selbst betreibt seit Jahren auSgedebate Gartenzucht. hat bereitS mehrfach auf Ausstellungen AuSzeichnungrn erfahren and ist auch i« Ausland durch eine» nicht unerheblichen Blumen» export bekannt. Reben seiner eigenen Sachkenntnis׳,wird et von den besten Hilfrkrästen unterstützt. Nichts kann einen Menschenfreund, einen Freund JSrael«, wehr erstellen, als das lebendige Treiben, die emsige Arbeit in dieser zukunft»-. reichen Lehrkolonie, wie wir sie nennen möchten. Diesem in jede»! Betracht zu rühmenden Unternehmen widuiet Herr Simon nicht nur seine Kraft und Zeit, sondern er hat, trotzdem er kein Baron Hirsch ist, sehr erhebliche Summen dafür aufgewendet, »der vielmehr .alles auS eigenen Mitteln ins Leben gerufen. Aber ׳es liegt hier ein Werk vor, welches nicht Sache eines etnzelnen Mannes bleiben darf, sm:d«rn ein Anliegen der weitesten jüdischen Kreise werden muß. Mit Bedauern indeffrn muß man hören, daß Herr Sinion noch immer fast allein gelaffen wird. Wir Juden entwickeln bekanntlich eine Wohlihätigkeit, welche mit Recht unser Stolz ist, aber welch« Unsumuien werden ailch lvieder völlig nutzlos vergeudet. Man denke an die Hunderttaufende, welchr alljährlich der auf die schamlose׳!« Weise betriebene Wanderbettel den Juden Deutschlands entzieht mit dein einzigen Erfolg, freche Müßiggänger noch arbeitsscheuer, Taugenichtse zu noch größeren Taugenichtsen zu machen! Welch' ein Segen könnte mit diesein Gelbe gestiftet Werder, wenn die bereits bestehende Anstalt damit unterstützt, und fernere er» richtet werden. Hier ist die beste Gelegenheit für wohlhabende Leute und Gesellschaften sich verdient zu machen. Hür wich eine Ari der Abwehr des Antisemitismus betrieben, die mehr wert ist, als manche kostspielige Veranstaltung mit fraglichem Erfolg. Allerdings, das Unternehmen bedeutet nicht die endgül» tige Lösung unserer Schwierigkeiten, aber ein Universalheilmittel giebt eS auch nicht dafür und so ist jede teilweise Förderung mit Freuden zu begrüßen. Wir stcuen uns die Anstalt des Herrn Simon auS eigner Anschauung thatkräftiger Förderung empfehlen zu können und werden gelegentlich wieder darüber berichten B. J. ״Große Passionen." «etrachtvngen von Tr. Singer- »obleiiz. Da sind nun alle Zeitungen über den edlen Grafen v. R oon hergefallen, weil ihin etwa« Menschliche« passirl ist mit seinen, großen Ausspruche über die mangelhafte ,große Passion" dn Juden für die «ruiee. Ja. du lieber Himmel. Ist eS denn den Redakteuren und Zeitungsschreibern noch nicht aufge» fallen, daß jeder gutkonservativ« Abgeordnete — ich weiß nicht genau ob in alphabetischer Reihenfolge oder nach der Ahnenzahl geordnet, das ist Fraktionsgeheimni»! - mindesten« einmal durch einen Hieb gegen die Juden an mehr oder weniger passenden Stellen (Bravo rechts imuier vorhanden) den Identitätsnachweis erbringen uiuß über seine Fortschritte im Katechismus d-S neuen Heil»? Daß der Herr Graf mit dein wolüklingenden Namen dies in einer etwas wenig schneidigen Weise gelhau hat, das ist sein gutes Recht und — er Hot ei nicht einmal so böse gemeint; seine eigenen mili» ISrischen Erfahrungen mögen ihn darüber belehrt haben, daß sie ,grrs.cn Passionen" seiner Gesinnungs- und StandeSgr- »»ffen, durch deren Brille er doch nur sieht, innerhalb und außerhalb der Armee nicht zu den nobelsten gehören, und wir sollten - et mit-ctwaS mehr Behaglichkeit auffaffen, daß-ein solcher Herr mal ouS der schule geplaudert und seinwenig. beneideä'werteS Vermögen offenbart, in'so viele Worte sch wenig Witz'unterbringen zu können. Seine Gesinnungsgenossen verrate» von Tag zu ׳Tag große Passionen, die keineswegs nachahmenswert sind, wa» durch einige Beispiele erhärtet werden joll: - . Gelegentlich der Beratung über das Rationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. haben' dre sozialdemokratischen Herren . Abgeordneten die Tattlosigkeit u»d Unklugheit begangen, die erste Regel der Weisheit - zur rechte» Zeis zu schweigen — ' zu übersehen. Unverzeihlich, ja eine große FraktiouSduniiNheit war eaber, Herrn Singer in« Bocdertreffen zu schicken. Dieser Abg., der au« den, Judentum schon längst ausgetreten ist, uns also viel ferner steht, als der geringste unserer christ> lichen Mitbürger, besitzt nur noch iusostrn feine Qualifikation als Jude, daß das Judentum auch noch für seine Worte und Fehler "verantwortlich gemacht wird, trenn-die sosial« denwkr. Fraettmi die Absicht gehabt hätte, uiu ihrer Gehäfsigkeit gegen das Denkmal da« Judentum zu treffen, dann war Herr Singer als ihr Sprachrohr auf seinem Plätze,, sonst aber nicht. Run kennt ja allerdings jeder. einsichtige Politistr die Anschauungen der Sozialdemokraten und ihm Widerstreben hat Niemanden überrascht, bi» auf den in de«, politischen Kioderschuhen noch steckenden Herrn Liebermanu von Ehrenschein, der natürlich seine große und jetzt einzige Passion — da cS die einzige Kuh ist, die ihn mit Butter - und Milch versorgt — sich nicht entgehen ließ, d e ebenso weise wie thörichie Bemerkung anrukuüpfen, daß seine jü- ׳ bischen Freuude Herrn S. Beifall gezollt hätten. Ja, ja, Herr Liebermonn ist nicht nur klug wie die Hinterlist׳ ge« Schlangen, sondern auch voller kindlicher Einfalt wie die ״Dntde«' — er hört nicht am, d. h. er hört nur wa» ihm paßt; da» ist seine ,große Passion" und in diesen, Zeiche» hofft er zu siegen. Verwunderlich ist eS, daß er noch nicht Heide wurde, da die christliche Religion int Grunde genommen stark verjuder ist; der JSlai» ist ja sür passionikte Herr««׳ interrffanier, aber auch Muhammed hat nur der jüdischen Religion ein für seine Zwecke paffendes andere» Kleid angezogen und hat selbst von der Christenheit gelernt, nämlich — die Juden zu verfolgen. Die Judenverfolgung ist nämli yeine von beiden Weltreligionen mit großem Erfolg inscenirte Passion der Dankbarkeit für die gelieferten Bausteine zu ihren ReligionSsystenien, insbesondere der Fundamentalsatze, . wie »liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" u s. w. Heda,. Wirt, ein anderes Omelett für die Herren Deutsch-Reformer,, da» alte Gericht ist abgestanden, macht da». Blut dick und hindert de freie Bewegung! Wenn die Herren nicht so dickfellig wäreu, könnte man annehuien, sie würden da- Wiederkommen vergessen nach der Abfertigung, die sie für ihr LiebeSwcrbe» bei den Katholikea vom Abg. Dr. Lieber bekommen haben: »Richt mitzuhassen,, ntttzulieben bin ich da. Die Menschenliebe gilt bei uns auch sürdiejüdischeuMitbürger — und neben der Liebe die Gerechtigkeit." Sie sind nicht zu kurieren, sie gleichen der Themis, aber nur in ihrer — Blindheit für ihre eigeuen Fehler, sie lügen, bis sie thatsächlich nicht mehr aus den Augen sehen können. Die Wahrheit sagen sie nur, wenn sie — ein ergötzliche» Schauspiel, da» durchschnittlich alle 8 Tage im anttsewitischen Lager vorkommt! — «inander die Wahrheit sagen. Und da e» unsere besonderes große Passion ist, diese katzenjämmerlich« Ausbrüche zu verewigen, so sei hier registriert, wa» vor einigen Tagen ei«, geschmackvoller Redner, der eS aber wissen muß, den ReltgionSanIisemiten nachsagte, sie seien voll von »Previlegien- und Geldbeutelintereffe«. Heuchelei, Autoritäleudusel, Talmuds sinn, FuttcrantiscmitiSmuS, ganz abscheulicher Kriecherei, vor Thron, Gewalt und lügenhafter Geschichte." Wir haben, diesem Herze»iSerguß nicht» hinzuzusügcu: mögen diese dunkle» Ehremnänner fortfahren, einander abzuthun.