Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 10 (9.3.1894)
- Date
- 1894-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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teu, aat Schluß einer jeden der 106 Nummern .angegebenen Originalgesetze zum Theil erfunden, zum Theil wesentlich entstellt, zum Theil ohne Rücksicht auf Zusammenhang. Ort». Verhältnisse und Zeitgeist ihrer Entstehung tendenziös wieder» gegeben find; sie können durchweg schon deshalb unmög» lich einen solchen oder auch nur ähnlichen Wortlaut oder Kinn wie in der Uebersetzuog haben, bezw. fortdauernde BerbinvungSkraft für die Bürger de» modernen Staatbesitzen, weil sie dem allgemein recipirten loyalen Grundsätze de» Talmud, daß die Religion sich nicht in die Sphäre des Staates zu mischen Hab« (»Vinn äe-malodut» din»\ Staat» gesetz i st Gesetz) widersprächen. UebrigenS hegt für die Königliche Snflagebehörde die verfassungSmäßige Notwendigkeit vor, die Unwahrheit der Behauptung zu vermuten, daß Recht», und Morslwidrigfett im Verkehr mit Andersgläubigen ein in jenen 106 Ge» "setzen zum Ausdruck gelangendes jüdische« Religionsgebot sei, unb als wahr anzunehmen, daß die Religionsgesetze de» Judentum» mit den staatlichen Gesetzen im Einklang stehen, daß sie zum mindesten» den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen. Denn da» Gegenteil anzunehmen, wäre eine Verneinung der Weisheit de» Preußischen und de» Deutschen Gesetzgebers, der die Jüdische ReligionSgesellschast nicht nur geduldet, sondern auch emancipiert hat. Au» diesen Erwägungen dürfte ohne weiteres der ganze Inhalt de- Flugblatt«, nicht etwa nur die Stelle der Nr. 42 als strafbar, nämlich, um e» nochmal» zu wiederholen, als üble Nachrede. Beleidigung der jübischen ReligionSgesellschast, und angesichts der oben nachgewieselten roheren Form auch als Beschimpfung derselben zu gelten haben. Rach alledem wird beantragt, die öffentliche Klage gegen die beiden Beschuldigten zu erheben, auch die Unbrauchbarmachung aller Exemplare de« überreichten Flugblatt« sowie der Formen und Platten herbeizuführen. Dr. Philipp Kroner. A» di« »övigltche ktootUmwaltschaf» bei de« Landgrricht I Hterselbft. ״Autisemitischer Trödel." Ein treffliches Schlagwort in der schmachvollen Bewegung unserer Zeit, da» hoffentlich seine Mrkung nicht verfehlen wird! Den» weit mehr al» Gründen und Beweisen ist die große urtheilSlose Masse — und in der sog. Judenfrage um» faßt sie leider gar verschiedene Schichten de» deutschen Bolle» — jttui einmal Schlagworten zugänglich, mögen dieselben Heu Stempel der Lüge und Verleumdung noch so deutlich an der Stirn trägen. Da» haben die antisemitischen Agirawren. die ja an, LeschästSknifsrn und Schwindelküpsten ihre» Gleichen suchen, sehr bald herausgefunden,' und di« Erfolge,' die sie erzielt haben und vielleicht noch erzielen, beruhen hauptsächlich darauf, daß sie ihre erlogenen Anklagen gegen di« Gesammtheit der Ische» in solche Schlagworte zu kleiden wissen, die leicht von Mund 'zu Mund gehen pnd die Parole abgeb«» für den antisemitische» Heerbann, darum genügt H unsererseits durchaus nicht, daß wir u»S einzig und allein auf dir rein s a chl ich« Widerlegung und Bekämpfung der gegnerischen Angriffe be» schränk», wie dievon ängstlichen Naturen un» immer wieder in flehentlichstem Tone an» Herz gelegt wird; derarttge mehr wiffenschastliche Erörterungen werden zum großen Theil gar nicht verstanden, oder sie finden keine ernsten, aufmerksamen Zuhörer. Wir müffen vielmehr neben der sachlichen Wider» regung auch solcher Waffen uns bedienen, wie unsere Gegner fie allein und mit einer gewiffen Meisterschaft handhaben» und unsere Schlagworte werden um so mächtiger zünden, um so wirksanier sich erweisen, je mehr sie der Wahrheit entsprechen und je treffender fie die Richtigkeit und Verwerflichkeit d«S Antisemitismus undarthun. Jener herrliche Ausspruch aus erlauchtem Munde, die ״Schmach de» Jahrhundert-", hat ohne Ziveifel in gewissen Kreiseu seine Wirkung gethan, und so wird auch der ״antisemitische Trödel," diese« in seiner Einfachheit so vortreffliche, weil ungemein bezeichnende Wort de» ReichSlagS-Abgeordneten Payer sicherlich nicht ohne Eindruck und Einfluß aus solche bleiben, die nicht in irgend einer Geschäftsverbindung mit dem Antisemitismus stehen. Dem rabiaten Ahlwardt-Moniteur, der in letzter Zeit sich förmlich selbst überbietet, um die Concurrenz nicht auf. kommen zu lassen, scheint dieser Payer'sche Ausspruch gar gewaltig an die Nieren gegriffen zu haben. In einem 3 Spalten langen Leitartikel beschäftigt er sich fast ausschließlich mit demselben und jammert und winselt darüber, wie ein deutscher Mann so etwa» sagen kann. Doch fie mag sich drehen und wenden, die edle ״Staatsbürgerin," wie sie will, ihre öden Schimpfereien und Auflagen gegen da» Judentum, ihre schon so oft und so gründlich widerlegten, und doch immer wieder aus GeschäftSrücksichte» aufgestellten Behauptungen von ״staat-gefährlichen Geheimlehren de- Talmud und Schuichan» aruch" sind und bleiben mittelalterlicher längst »ertaubter und vermoderter Trödel au» derRumpelkammer der Geschichte, der auf dem ״Mühlendamm" de» Antisemitismus von de» bekannten Anreißern in schwindelhafter W.-ise> angepriesen wird. Und Solche, die nicht alle werden, hat eS ja zu allen Zeiten gegeben. Doch schließlich muß auch den Düiumsten ein Licht darüber aufgehen, wie schmählich sie betrogen werden, und dann wird da» antisemitische Trüdelgeschäft, dafür seine Inhaber eine Zeit lang recht angenehm und ertragreich gewesen, hoffentlich für immer von der Bildfläche verschwinden. ______ Adolf Pick. Berichte und Eorresporrvenzen Deutschland. Magdeburg b. März. Aus Berlin erhielten wir dieser Tage eine Abschrift der betr. Klausel iu dem vielbe» sprocheneu Testamente de» Medizilnalrat» Dr. Lohn, dieselbe lautet wörtlich wie folgt: ״Rach den, Tod« meiner Schwester sollen die verfüg, baren Zinsen meine» Bermögen» zur Ausbildung jüdischer Handwerker-Lehrlinge verwendet werden. Bewerber au« der Stadt und Provinz Pose» find vor andern zu bevorzugen und in erster Reihe die vom Vorstände derjüdischeu Watsenknaben-Anstalt daselbst angemeldeten Zöglinge. ^amtliche Bewerber haben da- Zeugnitz der Reife au» einer Mittelschule oder einer gleichartigen Lehranstalt beiz», bringe».