Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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fonbtre Zuschrift 03ל Vereinsvorstandes zu diesem Bortrage eingeladen worden, er sei der Einladung gefolgt, weil er, wenn auch bis jetzt noch nicht Mitglied des Vereins, doch durch seine Religion gewissermaßen ein geborener Tierschützler. Denn nicht nur das alte Testament, sondern viel mehr noch das große Werk, das leider für die meisten Mensche,! ein Geheimbuch sei, der Talmud, enthalte eine Reihe von Vorschristen über die rücksichtsvolle zarte Behandlung der Tiere — ja sogar auch der Pflanzen — daß alle Tierschutzvereine darau« noch recht Vieles für ihre Bestrebungen lernen könnten. Redner führte einige Stellen an. Er habe in seinem .Jüd. Litteraturblatt" (Jahrg. 1892), bereits eine Serie vou Artikeln über die mosaisch-talmudischen Lehren gegen die Tierquälerei veröffentlicht. Darum müsse er es auf das lebhafteste bedauern, daß die Trerschutzvereine in eine Agitation gegen eine Schlachtmethode eingelreten seien, die unter allen andern den größten Vorzug verdiene, weil sie dem Tiere die geringsten Schmerzen bereite (Oho-Rufe!) und in hygienischer Beziehung das gesündeste Fleisch liefere. ,Was ich hier gesagt, — fuhr Redner fort — will ich Ihnen beweisen und zeigen, wie durch das Verlangen der Tierschutzvereine die größte Tierquälcrei gefördert wird. Herr Prof. Förster hat Ihnen soeben gesagt: es muß von den Juden gefordert werden, daß dem Schlachtakte die Betäubung des Tieres vorangehen müsse. Sie haben durch Ihren Beifall ihm zugestimmt. Wissen Sie aber auch, worin die Betäubung besteht, die von uns gefordert wird? Der Herr Professor scheint sie auch nicht zu kennen» er erklärte ja, daß sein Gefühl sich stets oavor gesträubt habe, einen solchen barbarischen Akte beizuwohnen. Run ich bin als Stadtverordneter und Rabbiner gar oft in der Lage gewesen, in unserem neuen städtischen Schlachthause die verschiedenem Schlachtmethoden zu beobachten. Sie, meine Damen, denken sich unter Betäubung, daß man etwa dem Thiere ein chloroformirtes Taschentuch (wie beim Zahnarzt) unter die Rase hält, bis es bewußtlos wird' Was würden Sie dazu sagen, wenn Sie sehen würde, daß man dem angebundenen und mit einer Ledermaske versehenen Tier einen großen Nagel oder stählernen Stist mit schwerem Hammer durch wiederholte Schläge in'S Gehirn treibt, und womöglich mit einem Rohr nachhilft un> im Gehirn und Rückenmark herumwühlt, bis das Thier zusa,.,menbricht? Das ist die vorhergehende Betäubung! Dann erst soll der jüd. Schächter herantreten dürfen und den Scylachtact vollziehen, den blitzartigen Schnitt mit dem scharfen schartenlosen Messer. Wo liegt denn nun die eigentliche Thierquälerei? Im Schächten oder nicht vielmehr in der sogen. Betäubung? Ich glaube, jeder Tierschützler, der sich der Mühe unterziehen wollte, die verschiedenen Lchlachtmethoden einmal in Augenschein zu nehmen, wird der Wahrheit die Ehre geben und der jüd. rituellen den Vorzug geben müssen. Kommen Sie mir aber nicht mit dem Riederwerfen, denn dieses gehört nicht zuin Schlachtakt, das besorgen meist die rohen Metzgergesellen: daraus richten Sie Ihr Augenmerk, daß durch eine mechanische Vorrichrune das Thier sanft niedergelegt werde. Es sind in letzter Zeit viele derartige Apparate bereits in praktischer Anwendung, mir liegt jetzt einer vor, wonach das Thier gar nicht vorher niedergelegt wird, sondern stehend geschachtet werden kann. Daß das Fleisch der gesch ächte len Thiere durch die außerordentliche Blutentleerung in hygieni» scher Beziehung auch am gesündesten, weil vor Uulniß am längsten geschützt ist, daS hat jüngst der Herr Hoftat Dr. Demb o, Ai^t am Petersburger Kranken» -ause, in seiner neuesten Schrift: »DaS Schächten im Bergleich mit anderen Schlachtmethoden, vom Standpunkte der Humanität und Hygiene" in streng wissenschaftlicher Wesse durch vergleichende Beobachtungen und Experimeute im Laboratorium und in den verschiedensten Schlachthäusern gründlich lachgewirsen, uue ihm dies der berühmte Physiologe an der ieäiner Univ., Prof. Preyer, bezeugt hat. (Redner verliest au» dem Borwort de» gen. Buches den Brief df» Brofessor» -' an den Hoftat Dr. Dembo, worin jener wörtlich sagt: ,daß - da» von den Israeliten mst bemerkenswertem Erfolge grüble ,Schächter" allen andern TödtungSarten vorzuziehen sei, weil e» von allen die sicherste tut» schnellste ist, die Tiere dabei am tneninsten Schmerz empfinden und die Entblutung am »ollstiinNi-sie« vor sich geht, und daß festgestellt ist, daß in hygienischer Hinsicht das Fleisch der geschlichteten Tiere das andere weit übertrifft." — F ür diese jüdische Schlachtmethode müßten die Tierschutzvereine allenthalben eintreten, wenn sie ihre Aufgabe richtig verstehen, und; nicht unter der falschen Angabe, die Tiere schützen za wollen,, eine große Anzahl ihrer Mitbürger durch Entziehung des ■ Fleischgenusses quälen. ,Ich bin gern bereit, in Ihrem Vereine einen Bortrag über die beste schmerzloseste Art des Tierschlachtens zu halten : und Sie werden dann davon überzeugt sein, daß dies jüdischrituelle Schächten die allgemeine Schlachtmethode der Zukunf 3 sein wird" — so schloß der Rabbiner. Vielfacher Beifall folgte diesen Ausführungen und selbst Prof. Dr. Förster wußte in seiner Entgegnung nicht» dagegen vorzubringen, ja er hob es als danken»- und anerkennenswert hervor, daß der Rabbiner der hiesigen Gemeinde erschienen sei, und für die Lehren seiner Religion daS Wort . hier geführt habe. Wenn in diesem Sinne in den verschiedenen Tierschutzvereinen belehrend und aufklärend gewirkt wird — und auf *־ Grund der Dembosschen Schrift, die jeder jüd. LultuSbeamte, \; jeder Gemeindevorstand baldigst anschaffen müßte, kann die» . mit Leichtigkeit in überzeugender Weise geschehen, — dann '1 dürfte ein Umschlag der öffentlichen Meinung zu Gunsten der ■t, jüd. Schechita sich bald bemerkbar machen. . Berlin» 22. Februar. Die Petitionskommisson des' Reichstag» beschäftigte sich gestern mit der Petition betreffs Uebeissetzung der ״jnd. deheimgesetze" von Staatswegen. Ref. v. Laugen beantragte, dem Plenum vorzuschlagen, die Petition an den Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Derselbe citierte eine Reche von Stellen aus i dem Talmud uud dem Schulchan Aruch (wahrscheinlich nach Rohling, JustuS, Eisenmenger u. dal.) Wäre diese "lieberj setzung richtig, so würden diese Bücher gegen unsere Heutigen Gesetze verstoßen, und das Judentum würde sich als ein .Geheimbuud" darstellen, dem gegenüber sich der Staat nicht gleichgiltig verhalten könne. In jeden Falle wäre aber eine Uebersetzung des Talmud von SlaatSwegen dringend zu . empfehlen, denn wären die vorliegenden Uebnsetzongen falsch, 1 so würde eS nur stn Interesse der Juden liegen, wenn dies ׳,s amtlich konstatirt uud damit die Behauptung widerlegt würde, J al» ob Talmud und Schulchan Aruch gegen unsere Heutige 4 Gesetzgebung verstoßen. Der Regierunaskommissar v. Le n r h e .'J gab-folgende Erklärung ab: ״Das Bedürfnis einer staatliche» .J Urbersetzung von Talmuh und'Schulchan Aruch Hab« sich || bisher nicht herausgestellt, eS sei der Justizverwaltung nicht?3 bekannt, daß durch den Talmud« eine zweifache Gesetzgebung •1׳ b« uns hervortrete. Gegen Gesetzwidrigkeiten reiche das :1צ Strafgesetzbuch vollständig au»; die jüdischen Gesetzbücher^ hätten überhaupt nur Gültigkeit für den rein jüdischen Kultus,. 'jl 1 B, für die rein jüdischen Ehen, aber nicht bei der Be- 'V thätigung staatlicher Pflichten. — ES sei auch nicht einza- M sehen, welchen Nutzen eine solch« offizielle Uebersetzung des ׳J Talmud haben würde. Uebeydie« gebe es für die Reichs-. M regieruna keinen Reichs-EultuSminister. den sie veranlaffen. M könnte, sachvAsständige Professoren hierbei zu Rache zu ziehen. ־’S■ Die Regierung kann nicht wünsch«-!, daß der Petition eine U weitere Folge gegeben werde." Nach dem Reaiennngskomwiffar sprach der Korreferent Ab-vW Bogtherr (sozd.): Ich steh« nicht auf dem Bode» der Petitiotv^D verwahre mich aber auch dagegen, daß ich in meinem Bokum et»^I