Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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jetzt die Herren Vertreter. Und später, vor den Dahlen, dedarf« nur einiger, durch Masse'» Tageblatt oder Judentum«- zeirung btnau-posaunter ,goldener Worte', und — der Fond» und sogar etliche geringere Dinge sind golden, und — Große Seelen dulden still. — — — Ich habe noch manche« l» porro, aber heut muß ich schließen. Wer daran schuld ist? Tine Dame. Sie wissen, verehrter Herr Redacteur, ich bin kein allzugroßer Weiberfeind; aber jener Dame werd' ich» gedenken. Kommt daher mit langer Schleppe und will ihren Gemahl, den Sie für einen Cicero hält, abholen, um schleunsamst zu hären, welche Lorbeeren er geerntet. Er reicht ihr draußen den Arm. beide ziehen hrimwärt». ich fatalerweise hinter ihnen, hinter — der Kehrseite der Damen. Wa» ich da alle» Hab' geschlackt — davon bin ich noch heut geduckt. Also hat Schiller doch recht: De» Leben» ungemischi« Freud« Ward teiae« Irdischen zu teü. Und wäre die Freude auch nur mit Staub und Aehnlichem gemischt worden! Doch hoffe ich, bald wieder zu sein Spree-«rben, Lhamissoplatz, am Dag« Ihr alleweil stdeler Rach de» Schlucken» und de» Ducken»Plage. Kleinstädter. Briefe a«K Galizie«. Pan ist tobt! Da»heißt der Beizer Wunderrabbi, der so Bielen geholfen, ist im Sisenbahukoupee gestorben nnd nun singt ihm sogar der Reich«tag«abgeordnete, der wider seinen Willen gewählt wurde, ein posthume« Loblied. Dieser Äelzer Rabbi war, nächst den! seligen Schreiber in Krakau, die festeste Säule der Fanatismus und de» ObscurantiSmu« in Galizien. Der Machsike-Daß-Berein steht heute führerlos da, führerlos, aber nicht einflußlos, denn die Finsterni» ist trotz aller Culturarbeit noch lange nicht gewichen. Da muß ich Ihnen denn ein nette« Seschichtchen erzählen, das sich in unserer Landeshauptstadt obspielte Seit drei Jahren forderttn die Orthodoxen, daß außer dem akademisch gebildeten Gemeinderabbiner, auch ein orthodoxer Rabbiner angestellt ,werde. Der Vorstand zögerte lange diesem Wunsche zu ent- 'sprechen, wa» freilich nicht recht war. denn 40000 Seelen können mit einem Rabbiner kein Auslangen finden. Da tauchte denn in einer Klause finsterster Schattiruug ein Radbiner auf, der schon in Amerika sein Glück versucht hatte und den sich nun die Machsike-Daß-Leure zu ihrem Haupte zu erküren im Begriff standen. Solchen Machenschaften entaegenzutteten, beschloß nun der Vorstand kurzer Hand, den Rabbiner SchmelkeS vonPrzemysl, eine anerkannte talmudische Autorität, zu berufen. Die Wahl wurde schnell durchgeführt und SchmelkeS wurde, wenn auch nicht einstimmig, so doch mit großer Majorität gewählt. WaS geschieht aber nun? Die Männer der Klau« reichen bet der Statthalterei einen Prolest gegen die Wahl ein! Ist ihnen Schmclke« nicht fromm genug, gelehrt genug, berühmt genug? Ei behüte, die Männer der Klau», die Feinde , jeder Schule, die Verächter der Wissenschaft, machen geltend, SchmelkeS besitze nicht die nach dem' Gesetze vom Jahre 1890 für einen Rabbiner vor» geschriebene weltliche Bildung!! Ist da» nicht charakteristisch? »aron Hirsch, dieser edle »Menschenfreund, hat vorläufig von feinen Stiftungen noch wenig Freude exlebt. Die galizrschen Schulen entwickeln sich ziemlich' günstig; aber »wisi^r Cubatorium und ExekutivkoünieS herrscht eine peinsiche Spannung. Auf der einen Seite natkonaler Ehanvini«- muS, auf der anderen Seite Mangel an Erfahrung, prüfen- und Umhertasten, verhindern die Entwicklung de» großgedachten Werkes. Hier könnte nur eiserne Energie und da» Abschütteln jede» Vorurteil» helfen. , Ick galizischen Landtage hat der Antisemitismus eine furchtbare Riederlage erlebt. Der bekannte Merunowic» hatte in einer wirren Art verschiedentliche Anttäge gestellt, die hinter der sozialen LammeSpsote die anttsemitische Bärenklaue versteckten. Da ttaten von die jüd. Abgeordneten Dr. G o l dmann» Mitglied deS Lemberger LultuSrathe (Schwiegersohn de« srl. Rabo. Löwenstein) und Dr. Fruchtmann aus Stryj auf und rissen dem Judenfeinde die Maske vom Antlitz. Der ganze Landtag acclamirte den Ausführungen der beiden jüd. Abgeordneten und bei der Abstiinmung er- Zu den Ballfesirn und Empfängen des Statthalters Grafen B adeni und deS Landtagmarschall» Fürsten Sangu»zko war der Rabbiner Dr. Caro stet» geladen und gleich den Bischöfen im HauSornat erschienen. Auch vielen lüdischen Rotabeln wurde die Ehre einer Einladung zu Theil. In der großen Landesausstellung, die ain 151 Mai d. I. in Lemberg eröffnet wird, sollen auch in der rettospectiven Abtheilung Gegenstände aus dem synagogalen Leben der Juden ihre« Platz finden. Bereit« haben 19 Genieinden ihre Betheiligung angemeldet und der Rabbiner Caro ist für diesen Zweck vom Mitglied der AuSstellungScommission ernannt worden. Das neue prachtvolle Waisenhaus in Lemberg ist im Rohbau fertig und soll bei der zu erhoffenden Anwesenheit des Kaisers im Sommer d. I. dem Gebrauche übergebeu werden. In litterarischer Beziehung niacht sich eine kleine Wendung zum Beffern gelten. Bei Herrn Fischer in Krakau wird endlich eine gute polnische Bibelübersetzung von dem gründlichen und gelehrten C y l k o w in Warschau erdrückt. Von dem gefeierten Midraschforscher Bub er erscheint demnächst ein Verzeichniß von 500 lemberger Gelehrten und Rabbinern und die Geschichte der Juden in Leniberg von Rabbiner Dr. Caro, ein umfangreiches, aus archivalischen Quellen bearbeitetes Werk ist ebenfalls unter der Presse. Stryj&eas. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg, 25. Februar. Die Sache der jüdischen Schlachtmethode hat einen großen Sieg zu verzeichnen. Vor einer aus etwa 500 Personen (Damen und Herren) — schreibt der hief. ״Amtliche Anzeiger" — sprach am Freitag Abend im Prunksaale de» ״Fürstenhofe»" auf Einladung des Magdekurzer ThierschutzvereiueS der bekannte Reichstagsabgeordnete für Reustettin Prof. Dr. Paul Förster über: ״Die Grundzöge des Tierschutzes mit blonderer Beziehung auf die wiffenschaftliche Tierfolter (Vivisektion)." In einem länger als zweistündigen Borttage verbreitete sich der Redner über die Besttebungen der verschiedenen Richtungen der Tierschutzvereine und gab einen Ueoerblick über die geschichtliche Entwicklung derselben in Deutschland und?am natürlich auch auf die jüd. Schächtfrage zu sprechen, die in Sachsen und in der Schweiz durch daS Verbot de» Schächtenohne vorherige Betäubung deS Tieres gelöst sei. Es sei Aufgabe der Vereine, dieser tierquälerischen jüd. Schlachtmethode auch im übrigen Deutschland durch die Herbeiführung eines gleichen Verbotes ein Ende zu machen. In einem civilisterten Staate dürfe da» barbarisch Schächten mit dem Qu alen und Schmerzen bereitenden Riederwersen de» Schlachttieres nicht geduldet werden, zumal auch aus den Reihen gebildeter hochstehender Juden (er verwies auf England?) stch bereits Stimmen dagegen erhoben hätte«. Rach diesem Excurs ging Redner näher auf die Bivlsektton ein, die er mit den grellsten Farben schilderte und auf Indien hinwie», woselbst die größsmögliche Schonung und Fürsorge der Tiere geübt werde. Auf diesen von großem Beifall begleiteten Borttag forderte der Vorsitzende die Versammlung zur freien Besprechung auf. Da meldete sich u. A. der anwesende Rabbiner Dr. Ra hm er zuin Worte. Er sei — bemerkte er einleitend — durch be-