Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 8 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Kammer über die gleiche Petition fei festgestellt worden, daß im Seekreise eine israelitische Handelsschule bestehe, in der ein ,Auszug des bchulchan Aruch" als Lehrbuch benützt werde. Er bitte die Regierung, darüber Auskunft zu geben, welche Stellung die Regierung in dieser Sache einnehoie. Ministerialrat Becherer erklärt, daß Bücher, wie ste in jener Petition angeführt gewesen, nicht an den Elementarschulen im Gebrauch seien. Von der in Frage stehenden HändelSschule habe die Regierung das Buch einfordern lassen und ein Gutachten des Oberrats über daffelbe ein gefordert. Das Gutachten habe festgestellt, daß in dem Buche nichts zu beanstanden sei. Tie Regierung habe sich mit dem Gutachten nicht zufrieden gegeben und eine Prüfung des Buches durch einen hervorragenden Gelehrten veranlaßt. Diese Prüfung sei noch nicht beendet. v. Stockhorner dankt der Regierung für deren Auskunft und bittet dieselbe, das Ergebnis der Prüfung seiner Zeit bekannt zu geben; das würde viel zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen. Nach kurzen Ausführungen der Abgeordneten Strübe und Wacker wird diese Position ohne weitere Debatte angenommen. Lefsa», 19. Februar. (Or.-Cor.) Am letzten Mittwoch sprach hier Herr Tr. Seligmann aus Hamburg über ,Proselyten im Judentum." Redner wendete sich in der Einleitung polenlisch gegen Max Müller, der vor vielen Jahren in einen Vorträge in der Westminster-Abtei behauptete, das nur eine Religion, die Mision treibe, eine Zukunft Hobe, thue sie es nicht, so gleiche sie einem Sterbenden. Der Herr Vonragende suchte aus den Propheten nachzuweifen, daß es im Wesen des Judentums liege, eine Weltreligion zu werden (Jesoja, Cecharja), schilderte fenrer aus griechischen und römischen Schiiftstellern, welchen Einfluß das Judentum auf sie geübt, besprach das freundschaftliche Verhältnis, d»s zwischen gebildeten Röniern und Juden bestand und wie sehr jene mit den Lehren des Judentunis sympatisierte,., erklärte die Entstehung des Christentunis und erzählte von der lebhaften missionirenden Thätigkeit beim Untergang des Heidentums. Seit dem Aufhören der nationalen Selbstständigkeit habe sich das Judentum mit einer schützenden Mauer umgeben, den edlen Kern zu bewahren. Am Schlüsse wies Redner auf die modernen Bestrebungen innerhalb der christlichen Religion hin (Renan, Egidy), die nur eine Verherrlichung des Judentums seien. — Mit vielen! Jnterresse folgten die zahlreichen Zuhörer dem Vortrage und lohnten dem Redner mit lautem, anhaltenden Beifall. Rordhanse«, 16. Februar. (Or.-Cor.) Am 13. d. M. feierte die Chewra Gemillus Chaßodim wie alljährlich chr Stiflungsfest, dessen Verlauf wiederum bewies, wie diese Feier so recht geeignet ist, die Mitglieder aus allen Schichten der Gemeinde mit einander zu vereinigen. Nach dem Abendgebete und dem vom Synagogenchor gesungenen Liede: ,Geist der Wahrhei^Geist der Liebe", hielt Herr Rabbiner Tr. Schönberger die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machende Festrede, in der er die Thätigkeit des Vereins in Bezug auf die Lebenden und die Tobten beleuchtete, unter Anlehnung an den Text: Wajamand beo hachajim nwen hamessin. Zn Schluß gedachte er mit warmen Worten des seel Dr. Jellinek. An der darauf folgenden Festtafel wurde vom Borsitzenden Herrn Emil Hirsch ein Schreiben des früheren Gemeindevorstehers Herr Sonne ns eld, jetzt in Hannover, Ehrenmitglied des Vereins, verlesen, welcher demselben eine ansehnliche Schenkung machte. Sodann wurden die üblichen Toaste ausgebracht vom ersten Vorsteher der Gemeind« Herr» Herr mann auf den Vorstand des Vereins, die gut ausgefallene Bilanz dcsielben in humanvvller Weise erwähnend, vom Vorsitzenden des Vereins auf den Rabbiner, von diesen auf den Genieiudcvorstand. Der Vorsitzende der Repräsentanten Herr W. Oppenheimer verlas einen Teil derR«_ de» Herrn Dr. Mcndelsohn, die in Nr. 5 dies. Bl. beilaK! und brachte dem ,Centralverein der Staatsbürger jüdische»! Glauben-" ein Hoch. Herr Cantor Warenheim toastete! auf die Gemeinderepräsentant, Herr A C ol lin in Erwiderung! darauf auf die Mitglied.1 der Chewra resp. den Verein, derl Herr Rabbiner noch auf Herrn Cantor und Herr Ad. EiSner! auf die Damen. Gesellige Unterhaltung dielt die Festteil»! nehme! noch bis in die späte Nacht in der heitersten Sm»^ mung zusammen. W Königsberg (Ostpr.), IS. Februar. Dem soeben cr-H schienen«» 35. Jahresbericht de» ,isr. Waisenhauses für Stadt» und Provinz" entnehmen wir, daß die ZöglingSzahl zur Zeit-« 31 beträgt und zwar 18 schulpflichtige und 2 vorschu t«־J pflichtige Knaben, 4 schulpflichtige Mädchen, 5 Handwerk»«« lehrlinge (Schlaffer und Drechsler, Goldarbeiter, Buchbinder» und Lithograph) und 2 in ihrer beruflichen AuSbtlduagl begriffene Mädchen (Schneiderei und Wirthschaft). Die An-M statt entließ im Laufe des Jahres 4 Zöglinge, neu aufgc»j nommen wurde einer. An der Ausstellung von Knabe»«» Handarbeiten gelegentlich der Provinzial-Lehrerversammluug» in unsrer Stadt beteiligten sich auch die Zöglinge der Anstatt» mit den Erzeugniffen ihrer Handfertigkeit und fanden damit» freundliche Anerkennung.— Der Bericht enthält selbstverständ»! lich auch ein langes Verzeichnis der mannigfachen Zeichen liebe» J vollen JntrrcffcS für die Anstalt, die ihr im Laufe des« Jahres seitens der Behörden und verschiedener Vereine sowie« von Privaten zu teil geworden. Die verwendbaren Einnahme»» des vergangenen Jahres beliefen sich auf 19656,29 M., die Ä neu ausgefetzten Legate und Beiträge behufs Erwerbung derI immerwährenden Mitgliedschaft 11,200 Mk. Die JahresauS»Ä gäbe betrug 19225,76 Mk. Nach den beigefügten Erläuterungen g kommen 497 1° Pfg. Beköstigungsgeld pro Kopf und Tag, die^ Gesammrausgabe für das Jahr pro Kind i,t 610,75 M. DalS H Gesammtvermägen der Anstalt beträgt 302882,19 M., woz» ■1 noch das Grundstück, versichert mit 61200 M., ein Sparfond» 1 für entlassene Mädchen mit 1972,67 Mk. und eine Lrbensver» j sorgungungspolice über 325 Mk. zu rechnen find. DaS Mit» 3 gliederverzeichnis enthält drei Ehrenmitglieder, 17 imerwährenbe^ Mitglieder, 6 Mitglieder mit einmaligem Beitrage und 288 1 Mitglieder mit laufenden Beiträgen. Dazu mehrere Gemein- I den und der Vorstand der Synagogen Gemeinden Ostpreußen»-^ Die Leitung und Oekonomie der Anstalt liegt in den Hände»י! des Herrn Inspektors Adolf Peritz und seiner Frau. 1 8 Westfalen. (Or -Sr.) — Der,Jahresberichts 1893, der Unterstützungskasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" ist durch den Vorsitzenden im Vorstande,Herrn M. Blumenfeld- I Essen, zur Versendung gelangt. Der Herr Berichterstatter,^ nämlich der Vorsitzende, schließt das kurze Vorwort mit der j beherzigenswerten Mahnung: ,Unsere Aufgabe, die alt und J arbeitsunfähig gewordenen Lehrer, Lehrer-Wittwen und ׳! Waisen vor bittrer Not zu schützen, in gewiß der regste» J Theilnahme wert und würdig. ״O. laßt uns nicht vrr- Ä gebens pochen." — Ihr aber, verehrte College«, werdet (jj es auch in diesem Jahre an der nötigen Rührigkeit nicht ■j fehlen lassen, und jede passende Gelegenheit zur Stärkung 3 unserer Kaffe wahrnehmen." — Der Bericht führt 9 Ehren» 3 Mitglieder, an deren Spitze Protefsor Dr. Lazarus/Berlin, '3״ auf und 72 wirkliche, der Untersiützungskaffe beigetretene (Kasse) Mitglieder. — Es ist zu bedauern, daß noch sehrH viele Lehrer beider Provinzen, die zwar die allgemeinen Eonferenzen besuchen, nicht als Mitglieder der Unterstützung»- jj kaffe mitzählen. — Die JahreS-Einnahme betrug: an Mttglieder-Beiträgen 513; außerordentlichen Beiträgen von Ge-Ä meinder, Vereinen und Privatpersonen 4544,50; au Zinsen:4 2805.96, zusammen 7863,46; wovon 1000 Mk. al» Ge-H schenk der Frau Stadtrath Dr. Weigert-Berlin nicht zur M allgemeinen Verteilung gelangen, sondern die Zinsen einer M