Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 7 (16.2.1894)
- Date
- 1894-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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aeistiqe und religiöse Leben von besonderer Bedeutung sind. Im Anschluß an den dreitheiligen Pflichtenkatechismus (Gott, Ich, Rebrnmenschen) wurden nun die drei entsprechenden lerwim זבזת ,תהלה und בב1<־ in geistvoller Aussührung nach ihrer ursprünglichen Bedeumng in philologischer Hinsicht behandelt. WaS Herr Dr. K. unter der höchsten Stufe der Lobpreisung Gottes versteht, hat derselbe, wie ich bemerke:! will, schon früher in diesem Blatte iin letzten Theile seines Aussatzes ״Gotteslästerung und Gottesverehrung״ behandelt. — כבוד aber, mit der Grundbedeutung des ,Schwerseins*, bedeute nicht äußere Auszeichnung, sondern das Bewußtsein von der Bedeumng des Einwirkens (eig. SchwerlastenS) auf Andere und den festen Entschluß deren geistige Empfanglichkeit heilsam und fördernd zu beeinflussen — ohne Scheu und ohne Geringschätzung von Hoch und Niedrig. — Bei der Feststellung des Begriffes ,־VCf, bei dem man gewöhnlich daran denke, daß das .Verdienst der Ahnen" nachwirke auf das Glück der Nachkonimen, müsse man, von der Bedeutung des Wortes ״Lauterkeit" ausgehend, eig. mehr an das Gesetz geistiger Vererbung und die fortgesetzte Läuterung der menschlichen Sittlichkeitsideen denken. Dabei kam der Redner auf das 2. Gebot zu sprechen, er verwarf die Bedeumng ,ahnden" (פקד) und trat für die Bedeutung ״setzen über, au! Jmd." ein; er deutete die betr. Worte in dem Sinne, daß Got! bei dem göttlichen Geistesleben, das den Menschen innewohne, ihre etwaige geistige Verkümmerung (עון) nur in wenigen Geschlechtern andauere, vielmehr bald von edleren Trieben übergießen lasse, den Hang zunr Edlen aber begreiflicherweise untilgbar mache und unerschütterlich forldauern lasse. — Reicher, lauter Beifall erschallte dem Redner als Dank für seine gediegene Ausführungen. Altona. Der Berliner ,Staatsbürgerzeit.* wird von hier in ,besonderer Mttheilung* Folgendes über die hiesige ,sonderbare Rabbiner-Wahl* berichtet: ,Nach einer neueren vreußischen Mnisterial-Verordnung soll die Wahl fremder Juden zu Rabbiner preußischer Judengemeinden behördlich nicht mehr bestätigt werden. Zum Erlaß einer solchen Verordnung sah sich das preußisch« Ministerium gedrängt, weil die Berufung fremder Juden durch preußische Judengemeinden sich auffallend vermehrte. Trotz jener Verordnung wählte im vorigen Jahre die hiesige Judengemeinde einen ungarischen Juden zum Rabbiner, und als die hiesige Regierung die Bestätigung versagte, wandte sich die Judengemeinde mit bekaunter Zudringlichkeit beschwerdeführend an das preußisch« Ministerium. Letzteres wteS in indeffen die Beschwerde ab, ei mußte eine Neuwahl stattfinden und da hat nun die Judenschaft einen gewissen Dr. Leroer aus London zum Ober- Rabbiner gewählt. Dieser Herr ist zur Abwechselung ein ruffischrr Jude, soll sich aber vor Jahren einmal in Deutschland haben naMralifiren lassen. Im Sinnne der preußischen Ministerialverordnung würde auch diese Wahl nicht zu bestätigen sein, da fremde Juden, und am allerwenigsten russische» geeignet erscheinen, erziehend auf die einheimischen Judengemeinden zu wirken." So wird gehetzt. Wie viele evangelische Pastören und katholische Geistliche mögen wohl russischer Abstammung sein! MLucheu, S. F-.bruar. In der heutigen Sitzung de» Petitionsausschusses verlas der Referent zwei Petitionen, ausgehend von zwei antisemstischen BolkS-Bersammlungen, die in der Bitte gipfeln, die Staatsregierung zu veranlassen, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß im Deutschen Reich da» Schächten gesetzlich verboten werde. Referent schildert nun, wie das Schächten vorgenommen wird und bemerkt dazu, daß diese Art de» Schlachteneinen religiösen Charakter habe. Der Referent ist nämlich der katholische Pfarrer Frank; er hebt hervor, der jüdische Gesetzgeber habe da» Schächten aus sanitären urd Humanitären Gründen angeordnet. Durch ha» Schächten soll da» Tier auf di« schmerzlosest« Weise getödtet werden, so behaupten nichf nur die orthodoxen Juden, sondern auch Christen; allerdings bestehen auch andere Meinuugen. Eine große Anzahl von medizinischen und tterärztlichen Professoren sind der Ansicht, daß da» Schächten keine Quälerei sei; unter diesen Männern befindet sich Professor Dr. Virchow. Im städtischen Schachwiehof zu Frankfurt an! Main werden mehr Stück Vieh geschachtet, als auf andere Weise geschlachtet. Oberregierungsrat Hörmann beleleuchtet die juridische Seite der Frage. Da» Schächten falle nicht unter den Strasparaaraphen. Ein Gesuch an den Reichstag, das Schächten zu verbieten, wurde schon von diesem abgelehnt. Die deutschen Regierungen haben sich mit dieser Frage einungen veranlaßten, daß Anordnungen getroffen wurden, Quälereien bei.11 Schächten hintanzuhalten, namentlich daß nur tüchtig geschulte Leute für den Schächterdienst angestellt werden — Korreferent Löwen stein glaubt nicht» daß da» Schächten ene Tierquälerei sei; wäre dies der Fall so würde er seine Stimme dagegen erheben. Wenn die Petenten Tierqnälereien verhüten wollen, dann sollen sie zunächst gegen die grausame Tödtung des Wildes durch Erlegung auf den Jagden auftreien: — Abg Seiner: Wenn Löwenstein, der gegen die Jagd zu sein scheine, ein Mittel anzugeben wisse, wie man die Hasen und Rehe anbiuden könne, um sie dann rodt zu schießen, werde er zu loben sein. Er möchte fast meine«, daß Löwenstein deshalb auf geschossene- Wild nicht gut zu splkchen sei, weil er nichtgeschächteie Hasen (?) nichtverspeisen dürfe. — OberlandeSiierarzt Göring: Da» Töten der Tiere durch Schächten werde von den tüchtigsten Fachtenneru als eine Schlachtart bezeichne», die nicht zu verwerfen ist; da» sei auch seine Anschauung. — Referent beantragt, die Petitton al» nicht geeignet zur Erörterung im Plenum ־״־׳' ’ ״ "‘ ‘ der Staatsregierung erklärte, daß Verordnungen zur Verhütung von Tierquälerei beim Schlachte» überhaupt und beim Schächten insbesondere «lass« worden feien. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. '4 'A DreS-e«. 11. Februar: (Or^Cor.) Da» hiesige Schöffengerichl beschäftigte sich am 7. d- M. mtt den aattsemittschea Redatteureu der »Dresdner Nachrichten" Dr- Lima» und Dr- Lohan. Li. gegen Lo. und Lo gegen Li. (Beide aber Lau lona.) Li wird von Lo al» -Lollblutjude" bezeichnet. Ferner habe er sich nicht gescheut. Briefe durch dritte Personen voll LöbeSer» Hebungen über seine poltttschen Arttkel an die Berleger der ״Dresdner 9L“ schreiben zu lassen in der Absicht, sich der« Gunst dauernd zu sichern. Li breche sein Mauoerwort, er Hab« wider die Wahrhett behauptet Audi«,, bei' S- Majestät de« König Albert bewilligt erhalt« zu haben- Bei der Verhandlung ist festgestellt ward«, daß der Urgroßvater Dr- Lima«'», der Kaufuuinn Isaak Rathaniel Lima», allerdings Jude war, aber IMS zum Lhristenthume übergrtret« ist- Gleichzeittg sei auch der damal« schon lebende Großvater ge» tauft worden. Ferner sei die Frau de» Großvater» cbenfaK» Jüdin gewesen. Der Rass«anttse«ttt Lima« erklärte, nicht gewußt zu haben, daß seine Vorfahr« jüdischer Abstammung waren. Die» wird von Lo bestritten. — Der Zeuge Hauptmann a. D. Lima» au» Berlin, Bruder de» Dr- Liman. bemertt um« d« Heiterkett de» Sudttorium». ,^» sei dm Zettgmoffm wohl all« nicht leicht nachzuweis«, daß ihre Vorfahr« tu grau« Zeit, besonder» ab« vor Ehr. Geburt, Juden war«". > Die übrig« Punkte, die Lo gegm Li vorbrachte, sind nicht klar «wies« worden- Wie auch da» Urteil, welche» am 14. d- Mt», verkündet wttd, aurfall« möge, ist un» ganz gleichgültig. Den» Beide spitz« ihre giftig« Geschosse geg« Zud« und Judentum. Wenn wir von diese« Prozesse Notiz nehmen, so geschieht