Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seheimgesetzea" zu verstehen sei. »u den«, er «ich den Sch. S. zählt, welcher nach den ״Uebersetzungen" de» Eise«« menger und Rohling (?) zu schließen, für da» Judentum maßgebende besetze enthält, die ״in schneidende« Widerspruche zu mrserer heutige« Denkweise" stehen. Der Zweifel daran, ob der Referent dir Rohlii^sche Uebersetzuna de» Sch. A. gesehen bat, ist wohl berechtigt, den, dieser «nolick war außer chm noch kein«« Erdensohn beschießen. Da wäre ja Herr Bernstein am richtige« Platze, »umal mit den bi» jetzt verfügbaren christlichen ״Rabbinern" nicht viel Staat zu machen ist. Ihm dürste die Uebersetzung keine Schwierigkeiten bereiten, w«m e« die deutsche Sprach« nicht thut; die russischen ״RabbinatSkandidaten^' (zu deutsch: ״Bachurim") nehmen e» mit der Genauigkeit nicht so — genau, sie werfen sehr häufig in jugendlichem Leichtsinn Jugenderiunerungen, Traditionen, Glauben und sonstige ,Kleinigkeiten" über den Haufen, verkaufen e» für ein Linsengericht und werden dann solche Subjekte wie Paulu« Meyer. Ob Herr Bernstein von dieser letzte rnGqfflogenheit wenigsten»«ne «»»nähmemache« wird, da« wird die Zukunft lehren; für den Augenblick beschäftigt un» nur die Frage, welcher Art wohl die Bor träge sew mögen, durch die er sich auf seinen künftigen Beruf vorbereitet? ״Borträge, sind aus solchem Munde zumal heutzutage sehr verdächtig! 4. Februar. (Or.-Eor.) Nach einer Mt» cheilung de» ,Bromberger Unparteiischenhat die hiesige König!. Regierung verfügt, iraß da» jüngst den Schulbibliotheken zugesteüte Buch ״Da» Volk und seine Treiber von O. Glaubrecht-, worüber in einer der letzten Nummern der »J»r. Wochenschrrftberichtet worin!, einstweilen den Schülern nicht au»gehändigt werden soll. Wer mit den hiesigen Berhältnissen vertraut ist, war von Anfang an nicht im Zweifel darüber, daß genannte» Buch ohne Wissen und Willen der zu» ständigen Behörde zur Versendung gelaugt war, denn die die»sei>ige Regierung huldigt nicht» weniger, als antisemitischen Tendenzen, wir der erste Regierungsbeamte bereit« de» Oefteren selbst bekund« hat. א Ans Westfnle«. 3. Februar. (Or.-Eor.) Die Hochflut de» Antisemitismus, der sich auch in manchen Wests. Städten im geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben sehr fühlbar gemacht hat, ist bedeutend zurückgetreten. Lei» der hat er in einzelnen Orten bei der Schuljugend und der urteilslosen Masie seinen giftige» Sumpsschlamm nachwirkend abgesetzt. In anerkennenSwetther Weise haben aber manche Städte, wie Hamm, Lippstadt rc. die ,Schmach unseres Jahrhundertsverurtherlt und abgewiesen. Besonder» ist hervorzuheben da» gewerbreiche und freundlich« Lippstadt, wo die bestimmenden und leitenden Kreise jeder Störung de» konfessionellen Friedens en«gisch entgegenwirken; mehrmals haben auswärtige Hetzapostel vergebens versucht, dort Boden für ihre Gift- und Lügenfaat zu gewinnen. — Anläßlich der GeburtStagSferer Sr. Majestät uns«eS Kaiser» wurde vom Vorstande und vielen Mitgliedern deS Krieger» verein» zu Lippstadt der dortige Lehrer und Kantor, I. Rosenfeld, (auch Vorsteher eines Pensionat» für aurwär» N'ärttge, i»r. Schul«, welche die dortige, weichin berühmte Realschule I. Ordnung besuchen) dringend geb«en, die Festrede zu halten. Außer den Mitgliedern de» Kriegerverein» hatte sich auch ein zahlreiches Publikum au« behördlichem und Bürg«kreisen eingefunden. Die Rede erntete Begeisterung und Jubel und auch nach dem Festakte wurde dem Redn« vielseitig Dank und Anerkennung zum Ausdrucke ge» bracht. Dessau. (Or.^Lor.) Se. Hoheit uns« Herzog bleibt den Prinzipien d« Humanität und Gerechtigkeit treu und beweist es auch in unser« Zeit de» öfteren, daß et teiaen Unterschied bei feinen Unterthanen tn konfessionell« Beziehung kennt. Nachdem er b«eitS bei» Empfange uns«e» Lande»- rabbiner» Herrn Dr. Freudenthal sein« Gesinnung iu huldvollster «eise Ausdruck «gebe«, hat « dies« wiederum bethätigt, indem et nicht nur kürzlich dem hiej jüd. Arzt Dr. Lieb er schütz, sondern auch jetzt »ied« auch tu weiteren Kreisen bekannten Borsteh« »ns«er meinde Herrn Kommisstonsrat Ella» die Rittrriusignie, Klaffe de« herzogliche» HauSvrden» Albrecht de» Bären liehe« hat. An» de« neu auSgegrbenen Hof- und StaatS-Handbuch! ist e» interessant zu ersehen, daß uns« hiesig« Glaubensbrud« ^cellenz Baron von Lohn im Besitze folgend« Or-- denSautzeichnungen ist: »roßkreuz de» hcrzogl. Anhalt. HauE orden» mit Brillanten, Kgl. preuß. Rot« Adl« Orte» L Kl. mit Eichenlaub und Stern in Brillanten, »gl. preuß.' Kronen Orden 2, Kl. mit Stern, Kgl. pr HauSorden To«, mandeur, bair. B«dienstorden v. hlg. Michael Größt, bad. zähring« Löwen-Orden Großkreuz mit Kette in Bi anten, her,ogl. sächs^erueninische HauSorden Groß! Sette, fürstl. Hohenzollersche« Ehrenkreuz 1. Kl. Schwarzburg« Ehimckreu» I. Kl., Kgl. Italien. Orden ital. Krone Großkreuz. Portug. Orden det Empfäugni» Uns«._ lieben Frau von BÜla Bicosa Großkreoz, Kgl. spanisch« Orden Uabella d« Katholischen Großkreuz. türk. Redscht^ bilden. Die beiden vorletzten Orden im Besitz« eine» Juden da« ist gewiß eine eigenartige Füguna der Weltgeschichte! Q. He»««Od«. (Or.-Eor.) Durch die Großherzig keit ein« edlen Fra« sind jüngst viele hiesige wie auch au»?r wärtig« gemeinnützige Anstalten mit ansehnlichen, zum The" sehr reichen Zuwendungen bedacht worden. Der Name dies, Edlen ist Frau Georgine Jaeobsohn, früher in Stey«b«rg bei Liebenau, zuletzt inStolzenau wohnhaft»' wo sie am 10. Tebeth (IS. Dez. v. I.) etwa» über Jahre alt verschieden ist. Ueb«au» schlicht und einfach ihrem Wese» und Auftrtzen. hat sie in ihr« Frömnugkeft ihre höchste Befriediguug gefunden und nur ein Vergnüge» und einen Genuß gekannt, — da» Wohlthun. Wenig hat sie für ihre Person gebraucht, desto mehr Andern gegeben, Juden uud Richtjuden, Seiner hat jemal« vergeblich sich an sie gewendet. Ihre tiefe altjüdischr Frömmigk>it ließ sie aber ganz besond«S ihr Jnl«effe bethätigen an der religiösen Erziehung arm« Kind«. Für solche au» Gemeinden״ in denen e» an einem ReligionSlehr« fehlte, und die de», halb hierort» uiUergebracht und unterhalten wurden, hat sie regelmäßige Jahresstipendien gewährt von ein« Höhe, wie sie sonst besondere Stiftungen gewähren, vor einigen Mona-- ten sogar ein solches auf 6 Jahr im Voraus, dainit da» aufgenommene 8jährige Kind bi» zum Ablaufe de» schulpflichtigen Alter» jüdischen Religionsunterricht hi« «halt«, könnte. Manche dies« durch ihre reiche Förderung au» körperlich« und geistig« Verkümmerung herausgerissenen Knaben find spät« an dem hiesigen Seiainar zu Lehrern au»g«-- bildet worden, und daS war für ihr ftomme» jüdische« Herz emr ganz besondere Freude. Doch ihre Wohlchätigkeit war nicht auf ihre Heimathprovinz begrenzt; sie spendete überallhin. Ab« die höchste Sehnsucht ihres Herzen», man konntesagen da» höchste Ideal ihre« Leben» war e», daß ihr Bevmögen auch nach ihrem Tode zu denselben edlen Zwecke» verwendet w«de, wie während ihre» Leben». Dr» Kind«- segen» entbehrend, waren beide Gatten darin einig, ihr Bevmögen hauptsächlich wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken zu bestimmen und wurden die Grundzüge zu dem von, der überlebenden Gattin gemachten Testamente in üebereinftimaumg mit ihrem vor zwei Jah^ente» verstorbenen Gatten beveft» festgestellt. Rach dem jüngst gerichtlich geöffneten Testament« «halten die Verwandten nur einen kleinen Theil d«Him«- laffeuschast, d« weitaus größte Theil ist für wohlthätiße Anstalten bestimmt. E» «halten die Gynagog.-Gemeinde zu ׳ ‘;f! Sulzenau, die Thewra kadischa zu Hannover, ta»"' Waisenhaus zu Paderborn, (da» hiesige J»r. Siown sche darf stiftung-mäßig keine Schenkung anneymen) je