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Israelitische Wochenschrift · 1894-02-09 · 6 (9.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
6 (9.2.1894)
Date
1894-02-09
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Berichte und LorresponAeuze« , Dezttfchlawd. MeDdevurA. Der ,Lentral-Berein deutscher Staat»- , bürgn Jüb. Glauben«", der seinen Sitz in Berlin hat und dessen Programm, welche» in dem der vor. Nr. beigelegten Vorträge seine» Borfitzenden de» Herrn Dr. M. Mendelsohn klar dargelegt war, unsere ungeteilt« Zustimmung hat, ent- ■ faltet bereit» eine energische Tätigkeit, er prüft die durch die tsemicenprcssc laufenden gehässigen Mitteilungen über Juden ufttw Wahrheit und veröffentlicht da»Ergebni« der Prüfung. ' 1 hatte jüngst eine» jener Blätter, da« Stöckersche ״Volk,׳' der Epitzmarke: ״Einjüdische» GeschäftStaleat" eine Mit- Teilung gebracht, wonach der Reffe-de» jüdischen Profesior» Pappeubeim einen ..deutschen Kaufmann", welcher von dem Genannten Professor Loo׳e der Fichte-Kindergarten-Lotterie ׳ zu« Vertrieb erhalten, um da» Loo» g-prellt haben soll, auf weicht» der Hauptgewinn gefallen war. Der Schlußsatz lautet: ,Znteressant wäre e«, festzusiellen, wie der Judenjunge am ׳St. Dezember 1893 'wissen konnte,.daß auf Nr. 6280 der »ewinn gefallen sei, während die Liste erst am 22. er herauskam." Der genannte Central-Berein nahm sofort nach Erfchei» ^neif der Notiz genaue Ermittelungen vor und stellte folgende atsacken fest: 2) Professor Pappen beim ist nicht iüdischeu Glauben»! 2) Er hat überhavt keinen Reffen; 81 Der Hauptgewinn ist auf da» von einem Arbeiter er» »orbenr Loo« gefallen Da» find ,die giftgeiränften Waffen, mit welchen die -Autisemiien kämpfen — frivole Erfindungen müssen herhaltrn. um immer auf» Neue die Saat der Zwietracht, Haß und Erbitterung zu säen — Waffen, dieHch aber zuletzt gegen den, <Ä«r sie führt, selbst wenden müffen. — Allen antisemitischen Berlmmdungen nachzugehen, erfordert allerdings große Au»duuer, e» gehört eine Herkulr-kraft dazu, den antisemitischen Augiasstall zu reinigen, aber e» bleibt kein andere» Abwehrmittel übrig. Man hätte nur nicht so lange «it semer Auwendung warten solle». Wir hatten feit Jahren darauf hiugewiesen: Deo Lügen kann uurdurchErmittelungder ANahrbeir, den ehrabschneidendenBerlmmdungen nur durch Klage und Richterspruch bei gekommen werden. Verli«, d. Februar. Die ״Staat«b.-Ztg" sieht sich?oMimugen. nun in der Strafsache gegen Finanzmiaister Dr. Hkquet festzustellen, daß der Schriftsteller Plack nicht weniger al» fünfmal wegeii Unterschlagung und Urkundenitlschung mit Gefängni«, in einem Falle sogar mit 6 Sonaten und einjährigem Ehrverlust bestraft worden -ist; ebenso ist auch der Mitangeklagte Schriftsteller Schwein- /Lagen, gen. Schwennhagen, z weimal, emmal wegen Dieb- /stahl» mit einem Tage Sefängni», bestraft. Die Staat«- büraer-Ztg. unternimmt jetzt den mehr lächerlichen alschlauen Versuch, glauben zu machen, daß diese Personen ״rn die antisemitische Bewegung von einer aewiffen Seite׳ hineinge- /schoben worden find, die ein Interesse daran hat, di, anttsemttische Partei zu schädigen." ES ist aarnicht lanae her, Gaß auch Ahlward» von Blättern wie ״Volk", ״Reichsboie", /,Post", und ,^reuzrettung", verleugnet wurde. Wer weiß, ob «ucht auch der Ahlwardt-Moniteur bald die grausige Latcheckmig machen wird, daß sein Schützling sich in die anttse« Mittsch« Bewegung ״gedrängt" habe, um derselben zu schaden".?Ebenso gut könnte man behauben, daß di« ganze Anttsemiterei heimtückischer Weise zur höheren Ehre de» Judentumteil worden ist- Die Berlegenheit»au»rede der ״St.-Ztg." "tön so alberner, al» da» Blatt zugeben muß, ״daß Per- 1׳ mtt einer Änlichen schmutzigen Bergangenheit auch noch in der Bewegung stehen, und sich sogar darin hergen suchen". Wenn die St.-Ztg. nun fürchterliche ag Halter und di« Partei von jenen Elementen säu« will, so wünschen wir angenehme Verrichtung, 8. Glatte«-. (Vom antisemitischen Schauplatz.) Wer mag e« erküren, welche» Ursache und welche» Wirkung ist? Fand sich Herr Erwin Bauer de»halb nicht mehr ,im »ollem Linverstädni»" mit der Partei, weil sein« ,Neue deutsche Zeitung" an Abonennten - Schwindsucht dahinsiechte, oder umgekehrt? Jedenfalls läßt da» Zusammentreffen zwischen dem Eingehen dieser Zeitung und dem Mckttitt E. V». vom Schauplatz« seiner segeurarmen Thättgkeit einen Zusammen- Hang unter diesen beiden, die Weit nicht erschütternden Ereigmffe» nicht verkennen. Der sich daran knüpfende Herzen»- wnnsch eivat ssguen« hat auf seine Erfüllung auch nicht lange warten lassen: Der Dauphin de« Ahlwardtt»mu» — Dr. König — hat sich auf seinen Reisen ein Reißen zugezogm, da» ihn auch der Partei bald entreißen wird. Einem ou dit zufolge soll er sich wiederum mediciuischen Studien zuweaden, um sich heilen zu können. Spät kommt die alte Erkenntnis .Arzt, heile Dich selber", aber sie kommt, wann wir aber von allen eingebildeten Krankheiten, die er un« angedichtet — nach LubowSft sollen ja jährlich ca. 8 Krankbeiten neuersunden werden — genesen werden, da» entzieht sich unserer Beurteilung. Al» solche neue Krankheit der Zeit müssen wir auch die eigenartige Justtzpraxi» anseden, die leider immer weitere bedenkliche Fortschritte macht, daß das Wort ״jüdisch" in den Steckbriefen einen stet» größer» Raum einnimmt. Manchmal sinder man e» in wenigen Zeilen 2—3 Mal: ״Aursehen: jüdisch", ״Gang: jüdisch". ״Sprache: deilsch mit jüdischem Entlang" u. s. w.,Bemertungk», welche sonst in diesen Rubriken seltener anzutreffM sind; so z. B. hatte s. Z. der Steckbrief gegen Pastor Ha ׳.der in Weißensee nicht den Zusatz ״Sprache: pa st oral," eine Färbung, welche doch saj» bei allen Protestant. Geistlichen infolge Gewohnheit anzutreffen ist. Vielleicht achtet der Herr Justtzminister daraus, da er e« doch verstanden hat, den voü einem andern ״Organ" der Ai-tisemiten au» der Pleißestadt gegen die Behörden erhobenen Borwurf wegen angeblich unfreiwilliger Versetzung eine» Landrichter», noch der allen Erfahrung, daß Lügen kurze Beine haben, so rasch zu entkräften. Wenn der Herr Justtzminister auf seine Beamten nicht» Beleidigende» kommen läßt, so ist e< doch auch nur recht und billig, daß er auch von ihnen so Manchen Veletzendes nicht auSgehen läßt. Die deutsche Sprache, ..mit jüdischen Ankla׳׳g" kann überhaupt bald hoffähig werden, darüber belehrt un» folgende Notiz, welche jüngst durch alle Zeitungen ging, wobei un» nur der Name ״Bernstein" zu denken gab: ,Lm Jahre 1889 trat der in Rußland gebürtige Rabbinat«. kandidat P. Bernstein in Bonn zur evangelischen Kirche über und wandte sich dem theologischen Studium zu. Auf seine Vorstellung hin wurde er vom Kultusminister v. Soßler dem Sonstsrorium zu Loblenz zur theologischen Prüfung überwiesen. Die Predigerlauvai» wurde ihm jedoch von dieser Behörde trotz bestandenen Examen» pro vc eoo«. vorenthalten, btster naturolifirt sei Der Rmister de» Innern seinerseits mußte da» NaturalisattonSaesuch abschlägig bescheiden, so lange nicht der Nach« wei» der Zugehörigkeit zu einer politischen Gemeind: betgebracht würde. Diesen konnte der Kandidat nicht beibrinaen, da er zur Gewinnungseiac» Lebensunterhalte« durch Dortrage auf ein oe» ständige» Wanderleben angewiesen war Ferner weigerte sich da» rheinische Konsistorium, Herrn Bernstein zum »wetten Examen zuMaflcn, ehe er tie Naluroiisation erlangt hat" Bon der fast auSnahiuXoS vorhandenen Neigung der Russen, bi» an ihr Lebensende von ihrem ihnen lieb gewordenen Jargon sich nicht zu trennen, wird Herr Bernstein wohl auch nicht frei sein, und so kann hier eine ״mauschelnde" Leuchte sich entwickeln, deren erziehlichen Erfolge einst die künsten Erwartungen hinter sich lassen werden Er kann, fall» Sprache und Bewegungen sich nicht für die Kanzel eignen, der Regierung unschätzbare Dienste leisten. Diese soll nämlich der Petttton-kommisfion ״mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Sache" AuSkunst-darüber gebe», wie der Schulchan Aruch zu übersetzen sei. Der Referent Frh. v. Langen hat näm- Itch Klarheit in die Frage gebracht, «oa» unter den ״jüdischen

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