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Israelitische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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tonte Summm würden nicht auüreichen. In dieser Zeitschrift sind stet« die Kolonisationsversuch« skeptisch betrachtet worden; ein rechter reicher Segen ist nur au« der Auswanderung nach Nordamerika; alle« andere sind Aunstschöpfungen. jedenfalls nicht geeignet, den jüdisch-russischen Jammer aufzuheben. Errera ist der Anwalt der Juden vor Europa, und zumal /vor Rußland, er klagt, daß die Juden ausgeschlossen werden, und nachträglich beschuldigt werden, einen Staat im Staate zu bilden. Nur die Emancipation kann die Wunden heilen, die die Unterdrückung geschlagen hat; nur Rußland kann helfen, indem *« die Juden zu Bürgern erhebt. Wenn Bücher ein« Bresche schlagen können in die Bollwerke der Tyrannei und der Unduldsamkeit, so ist Errera'S Buch dazu vorzüglich geeignet. Mommsen hat dazu eine Borrede geschrieben und in mutigen Worten sein vernichtendes Urteil über den Judenhaß auf« Neue attSgesprochen. Mögen diese Worte nicht wirkungslos verhallen! __ B. ß. Der ״Antisemitenspiegel ^dZdle/^ ״Mitteilungen."^ In der vor einigen Monaten stattgehabten Versammlung de« Vereins zur Abwehr deS Antisemitismus beklagte der Abgeordnete Rickert die geringe Verbreitung des ״Antisemitenspiegel" im Verhältnis zum Antisemitenkatechismus. Während dieses bodenlos lügenhafte Machwerk bereits in 25 Auf» lagen verbreitet sei, ist von der Gegenschrift, dem Anlisemitenspiegel, kaum die erste allerdings sehr starke Auflage vergriffen. In gleicher Weise klagte er, daß die wöchentlich erscheinenden ״Mitteilungen" trotz de» geringen, Zuschüsse erfordernden, Abonnement-preiseS zu wenig, insbesondere von Juden, gelesen würden. Diese Klagen sind sehr beschämend für uns, denn wir stehen nicht an zu erklären, daß wir den ״Antisemitensptegel" für die beste» dauerndste, in der That wertvolle Leistung de« Vereins halten. Er ist ein ausgezeichnete» Handbuch der Apologetik des JudenthumS, welches in gedrängte! Kürze die landläufigen Voruneile gegen Juden und Judenthum widerlegt und den Lügen der Antisemiten Schritt für Schritt nachgeht. Ein ausführliches Register macht eine sofortige Orientierung möglich. Jeder Jude sollte diesei Buch besitzen. Eist unentbehrlich für jeden, der irgend einmal in die Lage kommen kann, im Gespräch antisemitischen Vorurteilen entgegenzutreten; es ist aber auch unentbehrlich für jeden Juden, der sich selbst Rechenschaft geben will. Dean die Unkenntnis der Juden über diese Dinge ist an der ganzen antisimitischen Bewegung vielleicht das traurigste. Aber freilich ist eebenso wichtig, daß da« Buch in christlichen insbesondere antisemitisch angehauchten Kreisen verbreitet werde. Wo noch ein Funken Wahrheitsliebe vor- Händen ist, da muß die ruhige leidenschaftslose und unwider- ^gliche Beweisführung überzeugen And zu besserer Einsicht bnngen. Eher ist die Sprache zu schlaff und matt, wie alle Productionen bei. Abwehrvereins. Ein frischerer, kräftigerer Ton würde nicht« schaden. . Da aber die Antisemiten täglich neue Lügen produzieren, so muß auch die Widerlegung eine permanente sein. Diesem Zwecke dienen die ״Mitteilungen auS dem Verein zur Abwehr des Anliseu1iti«muS" — eine Seeschlange von Namen. Wir möchten den, Verein den Rat geben, eine fatnc schlagende Bezeichnung zu ersinnen etwa: ״Der Lügenspiegel", ״Gleiche» Recht", oder dgl. DerJnhalt der allwöch. (für SVPfg. Viertels.) erscheinenden ״Mitteilungen" ist freilich oft recht burttscheckig und bei alledem doch wieder eintönig. Er würde wesentlich an Interesse und Wert gewinnen durch Ztg. de« 3b(«. und der jüdischen Presse*) darin gefunden, wa« ftkilich dadurch begreiflich wird, daß diese beiden Zeitungen gleichfalls in Berlin erscheinen. waS die Erlangung und Se» Währung gegenseitiger literarischer Gefälligkeiten erleichtert. Die ״Mitt." könnte» ferner mehr als bisher anregend wirken durch Mitteilungen von Abwehrbestrebungen, Maßregeln, Bereinigungen außerhalb Berlins. Denn da» beste geschieht ja auch hier in der Provinz. Aber trotz aller Ausstellungen bleiben die Mitteilungen eine schätzenswerte Fortsetzung de« AntisemitenspiegelS und eine Ergänzung spezifisch jüdischer Journale. — Möge sie jeder Jude halten und für ihre Verbreitung Sorge tragen. ' _ B. J. Berichte und Lorrespondenze«. Deutschland. Ma-dedarg, 26. Januar. Wir geben im Folgenden den zugesagten ^Bericht über den Bortrag der Fr. Dr. Nahida Remy über den Talmud und zwar nach dem Referate, dader nichtjüd. Berichterstatter der ״Magdeb. Zeit." veröffeutlicht hat, nur hier und da manches, was derselbe mißverstanden hat, berichtigend und ergänzend, dagegen manches AUzubekannte fortlassend. »WaS ist der Talmud?“ — also begann die gefeierte Redner!», — bald hier bald dort sei jetzt von dem Talmud die Rede. Leider fehle den meisten Beurteilern jede Sachkenntnis, aber je geringer diese sei, desto schärfer würde geu.verurieilt. Der Talmud fei für den Unkundigen ein undurchdringlicher Wald, in dem tausend und abertausend Stimmen zum Lobe de- Schöpfers sängen. Das Alte und Reue Testament, der Koran und der Talmud seien in ihrer Art gleich. Es sei daher nicht richtig, die relligionS-philosophlschen Allegorien des Alten und Neueu Testaments für religiöse Offenbarungen, dagegen die de» Talmuds einfach für Unsinn zu erklären. Der Gedankenschatz des Talmuds sei unbegrenzt, es sei ein Jahrhunderte währendes Geben und Empfangen. Dieser geistige AuSlausch solle betont werden, und nicht Ver« emzelteS und Veraltetes, daherzlich gleichgültig sei, hervorgezogen werden. Wie Rednerin bedauert, daß unter den Juden selbst viele Leute seien, die aus Bequemlichkeit mit Achselzucken sagten: ״Was geht uns der Talmud an?" Eine überzeugende Beweisführung würde bei manchen Angriffen, die meist aus Grund von Hörensagen auf den Talmud gerichtet würden, sehr oft zur Widerlegung führen. Man grabe Altertümer aus und freue sich über die Bereicherung, die die Volksbildung hieraus erfahre. Der Talmud enthalte eine solche Fülle von Wissenschaft de» Altertum», er sei eine solche Schatzkammer für Alle«, was des Menschen Herz und Geist bewegt, daß man auch ihn wohl beachten müffe. (Die ferneren Ausführungen brachten näheres über dieEntstehungderMischna.) Frau Dr. Nahida Reiuy, die sich die Erforschung deS Talmuds zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat» schildert dann in S' י׳י־ ~ ־, "״.- Hagada in begeisterter Weise. Dann folgte eine ׳Zerglieder« ung der Hauptgrundzüge des TalmndS, der Religion«- treue, de« allgemeinen Menschentums und der Liebe Leben und Weben im Talmud. Am Schluß wendete sich die Rednerinan die Teilnahsmlosen unter den Söhnen und Töchtern Israel« mit der Mahnung, treu zu ihrer Religion zu halten. Die Zeit sei ernst, fir ähnle der vor der Zeit der Wegführung der Kinder Israels au« Babylon. Ein neuer Aufschwung thut noth, dann werde die Zeit nicht auSbleiden, daß man dem Schrifttum de« Volkes, welche« der Welt die Propheten und *) Auch «ul Ctr L»r. Wochenschrift."

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