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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-26 · 4 (26.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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unserer Schulen durchaus nicht vertraut istlegen wir ent» schieden Verwahrung ein. Die Lehrer Westfalens sind sich bewußt» auch auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes immer nach ״wohlerwogenen» aber auch den besonderen Verhält» nissen angepaßtem Plane" oerfahren zu haben. — Was die in dem ״Berichte" erwähnte,Lnspektion" betrifft, so erklären unr, daß wir eine ״Inspektion" überhaupt nicht scheuen, wohl aber die Art und Weise, wie die qu. zustande gekommen ist und auSgeführt werden soll, für gänzlich verfehlt halten. Im Auftrag: L. Baum-Rheine. A.Steinweg-Rheda (Ms jetzt haben bereits 32 westfälische Lehrer diesem Proteste »voll und ganz' zugestimmt. Red.) Aa» Weftprewtze», 22. Januar. Im ,Sprechsaal' d«S ,Graudeuzer Geselligen" vom 13. d. Mts. suchte ein Herr Robert kroll den Satz, daß die Juden in Deuschland ,Deutsche in de» Wortes bester Bedeutung seien" mit folgender Ausführung zu widerlegen: -Ist der Jude, der mit uns nicht au» einer Schüssel essen will, weil unsere noch deutscher Art zubereitete Speise unrein ist. der mit uns nicht am gleichen Tage arbeiten und auch am aleichen ruhen will, der unsere rein deutschen Feste, wie bas Weihnachtsfest, nicht mitfeiert, wirklich ein D rutsch er in des Wor- IrS bester Bedeutung? Ja was ist denn deutsch, wenn nicht deutsche Sitten und deutscher Brauch? Oder ist Deutschthum nur. daß man seiue Steuern regelmäßig bezahlt? Warum treten denn die Juden, und gerade die vornehmsten unter ibnen. der Ailianc• israelite bei? Würde man einen Herrn Szulcz, der einem Verein zur Ausbreitung des Polenthums ongehort, auch noch für einen Deutschen halten? Oder endlich zählen die Antisemiten nur den deutschen Mob zu den Ihrigen? dann müßte derselbe sehr groß seinu nd der deutsche Schulmerster, der Schlachten gewonnen hat, sich in letzter Zeit sehr verschlechtert haben. E» »st aber zur Genüge bekannt, oaß auch Höhergestellte sich zum Lntitemitismus bekennen." Gegen diese Einwendungen wandten sich in längeren Ausführen die Herren Georg Suttner aus Graudenz und Rabbiner Tr. Stiebe! aus Straßburg i. Westpr. Letzterer schreibt: ,' Herr Kroll findet das Kriterium eines deutschen, patriotisch gesinnten Juden in dem, was er ißt und trinkn Der Jude, welcher die im alten Testamente gebotenen Sveiscgesetze noch heute für sich für verbindlich erachtet, ist nach Anschauung des Herr» H. S. kein wahrhaft deutscher Jude. Und doch heißt es Römer 14,17 ,Da» Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Frieden." Vaterlandsliebe bezeigt man dort wohl nur durch Thaten, die das Heil und Wohl des Vaterlands fördein. Haben nun die Juden es je an patriotischer Hingebung, That und Ovserwilligkert fehlen laffen? Die Juden bezahlen nicht nur ihre Steuern, wie H- Ssagt, sie find vrelmedr stets, selbst in den Tagen, in welchem mau Hohn und Spott über sie ausgoft allen Pflichten gegen das Vaterland nachgekommcn. Ihr Pflichtgefühl zwang sie zu allen Zeiten zum Gehorsam und zur Treue für Sürst und Obrigkeit, ohne Rücksicht auf das gröbere oder geringere Maaß von Wohlwollen, defien sie sich inmitten der Bevölkerung zu erfteuen hatten. Die Wohlthättgkeit der Juden erstreckte sich nicht bloS auf ihre GlaubeuSgenosien, sie ist vollkommen interkonfessioneller Natur. Nach eiuem Verzeichniß der städtische», Behörden Berlins wurden dort in diesem Jahrhundert von Juden gestiftet für Christen allein 22000 Mark, für »driften und Juden 737090 und ohne SonlessionSbestimmung 3756545 Mark- Und was wurde von arischer Seite für Juden oder für Christen und Juden gemeinschaftlich gestiftet? Nicht», gar nichts- Diese Zahlen bedürfen wohl keines Kommentar». Fühlt nun der Jude nicht deutsch? Es ist eine durchaus falsche Snnähme, daß dem Juden die nach deutscher Art zuberetteten Speifen unrein seien. Auch der strenggläubige Jude kann am Tische de» Ehristen ohne Skrupel alle» genießen, wa» fein Religion»- aesetz ihm nicht verbietet, während er selbst bet seinen nächsten Blutverwandten, der die riruellen Gesetze nicht beobachtet, nicht immer mit ihm au» eine: Schüssel «ffen kann. Was hat nun die Entbehrung, die der strenggläubige Jude s i ch auferlegt, nsit der Vaterlandsliebe zu thun? Hat nicht auch Jesu» — nach «äi 3. 17-19 — das jüd. Gesetz noch hochgeschätzt? Dürr dann etwa auck einem OrdritSgeistlichen einen Vorwmf über die Beobachtung seiner Ordensregeln machen, oder ihm gar die Zugehörigkeit zur Notton absprechen, »veil er in Speise, Trank. Kleidung und in sonstiger LebenSan ton dem Volke sich absondert? Hat umn je vernommen, daß ei» Orden »vegev solcher Ord-ssregela au» dem Reiche verwiesen worden ist? Wa» ist denn heute da« Judeuthum ander», al» gewissermaßen «in rel— giöser Orden? Aber.Hand auf» Herz! würden die Jude״ wzpiaer angefeindet werden, wen» sie saonnt und sonder» vo" der Befolgung ihrer e&dfaKfcfe sich l «»sagen würden? Woherkäme e» denn dann, daß gerade in S tadten,. in welchen nur noch ein kleiner Bruchtheil der jüdischen Bevölkerung nach den rituellen Vorschriften lebt, der eigentliche Antisrmiteuherd sich befindet? Gilt denn der Kampf nur dem Glauben und nicht vielmehr der Rasse? Finde« denn selbst getaufte Juden Gnade vor den Herren Antisemiten? Wurde« nicht wahrhaft d e u t f <v e Männer, deren PatriottSum» über jeden Zweifel erhaben »st. wurden nicht Pros. Delitzsch, Prof. Wünsche, Drob Stra ck, unser Oberpräsident u. s. w. besudelt. weil mau fälschlich glaubte» e» fließe io ihren Adern jüdische« Bluttz. Kftägt weiter: -Ist denn der Jude, der unsere rei» deutschen Feste, wie da» Weihnachtrfest, nickst ntttseiert, wirklia, ein Deutscher?" Ruhen denn aber incht schon von Staatswegea alle jüdischen Geschäfte an christlichen Feiertagen? Soll denn der Jude etwa da» WeihnachtSfest auch nach seiner religiösen Be״ deutung feiern? Ist es denn war, daß da» WeihnachtSsest ein rein deutsches Fest sei? Wenn die» eine Jude behaupteu wolltet Ist e» H. Kunbekannt, daß vor Jahren auf einer Provinziale Synode in Berlin, die Nachahmung-sucht derjenigen Juden, die ihre Kinder mit einem Weihnacht»baum erfteuen, al» Blasphemie bezeichnet wurde? Aber e» ist eine alte Erfahrung, wie e» auch der Jude macht, er »Hut e« gewissen Leuten nie recht. Der Jude war stets der Sündendock für alle Uebel, für weiche die Beschränktheit eine erklärliche Ursache nicht finden konnte Im Mittelalter war e» die Pest, der schwarze Tod. für welche die Juden leiden mußten: heute ist dir unrthschastiiche Depression^ für welche sie verantwortlgemacht werden- —.Wie können aber die Juden gute Deutsche sein wollen, wenn sie Mitglieder der Alliance israelite find?“ — ftägt H. ft.? Tiit demselben Rechte könnte aber jemand fragen: »Wie kann ein Deutscher dem Gustav-Adolf-Berein. dem P»uS», Boui» faciuS-, BincenttuS-Berein augehörcn? Müßte nicht jeder Denkende eine solche Frage als Wahnwitz brandmarken? Die Alliance hat weiter keinen Zweck, als unter de» Glaubensgenossen, die in noch wenig zivilisirten Länder wohnen, Kultur zu verbreiten, Schulen zu gründen, Ackerbau zu befördern, denen, die in ihrer Eigenschuft als Juden leiden, Beistand zu leisten, au der Emau-,pa» tton der noch unter Ausnahmegesetzen schmachtenden Juden durchmoralischen Einfluß zu arbeiten und den sittliche» Fortschritt aller Juden zu fördern. Allen politischen und nattonalen Parteikämpfen dagegen steht die Alliance gänzlich fern- Dir» habe», ihre Leiter schon unzählige Male betont. Wenn ttotzdcm in dem' -Anttsemiten-KatechiSmuS" dieser Verein in der slymählichsteu Weise verleumdet und verlästert und in einem vollständig ge» fälschten Bilde doraepellt wird, so gehört die» zu dev KampfeSweise derjenigen Männer, welchen krt» Mittel »u schlecht, ist, da» zur Verunglimpfung de: Juden gebraucht werden kann. - Warum verschweigt man die erste Edelthat der Alliance? Sie sammelte im Jahre 1860 ca- 30000 Fr. für die damals verfolg» ■׳ ten Ehr ist e n de» Libanon, während ihr Kassenbestaad uoarführ 5406 Ist. betrug Und solche edle That schämt man sich nicht mit Hilfe von Fälschungen al» Äerrath de» Vaterlandes . zu denunziren? Ich habe noch manche» auf dem Herze», fürchte - aber, wollte ich demselben Ausdruck verleihen, den Rolhstift der ׳ Redaktion." 14. Januar. (Or.-Lor.) Die Namen»», änderung der hiesigen ,Lodenftraße" beschäftigt immer noch' unseren Magistrat und die Tagerblätter. In einer der letzte». Sitzungen begründete Gemeinderat Hasert durch Umtaufnitgder Straße mit den Worten: ,^Beinahe in allen Städten, wv-^' von alter Zeit her Judenstraßrn waren find diese Straßen nachdem solch« von den Israeliten verlass,» wurden, und diese s ihre Wohnungen nehmen konnten, wo sie wollten, von Leuten bewohnt werden, dir keinen guten Ruf hatten^ Daher haben die Iudenstraße» al» geringe und verachtete! Straßen gegolten, und daher kommt e», daß e» nur einen ungünstigem.^ Eindruck auswärt» macht, weun von Geschäft»leuten gesagt wird, daß sie in der Iudenstraße wohne«. In der Sitzpnä de» 1 Magistrat» vom 11. d. Mt», teilte Oberbürgmmeister Ri> melin mit: Mit Erlaß de» König!. Ministerin«» fecft i Inner» vom 8. d. M. ist dem Gemeinderat (Magistrat) unmittelbar an Sr. Maj. de» König Eingabe des Dr. Reinhold Kapf in Ul«, betrrssead Senderung de» Namen» Iudenstraße hier t»r Kenntniß zugegangen. Die Eingabe lautet: ״E». Kvnigl. Majrflftl ehre ich mich di« bäliegendr Abhandlung ״Brousart andere Namen", deren Schluß sich gegen di« vom 1

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