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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-26 · 4 (26.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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urttilutifl Don Snttscmittn bebitncn könnten, werden abgelehnt. Es bleibt also nur übrig, durch öffentlich« Sudscriptton einen Brei» zusammenzuschnonen behuf» Auffindung der <Se• hetmgesetze. welcher nur von Antisemiten.in deren Köpfen äl» lein diese Wahnidee schlummert, behauptet werden könnte, denn ׳,ander« wie in anderen Köpfen malt in diesen Köpfen sich die Welt!" Andere Menschen haben auch Bessere» »u thun, die müiscu sich selbst ihr Brod verdienen, da» sie effen. Wenn wir von dem frenetischen Jubel absehen, den die Antifemiteu hinaurheulten. daß nunmehr antisemitische Bücher auch den Lolttschülern zugänglich gemacht werden — in welcher An- Gelegenheit wohl noch nicht da« letzte Wort gesprochen ist, so auffällig schon die Zulaffung seiten» de» Regierung-Präsidenten ». Tiedemann ist, den wir für einen Lonservativen im alten, gutcn Sinne hielten — giebt e» im Lager der ״Jntriguen, Gemeinhetten. Lhtcanen und Niederträchtigketten," wie Böckel, der e» wiffen muß, feine Partei nennt, nicht» Bemerkenswerte». Die ..Gewählten de» BolkeS" ziehen e» vor, den Reichstag, wo ihre Unbedeutendheit, sobald sie den Mund aufthun, sich zu schnell »erräth, zu meiden, und von ihren AgitationSreisen bringen sie auch keine Lorbeeren heim, welche alle für Ahlwardt konserviert bleiben, besten Lerttttung Herrn Leuß in Minden so glücklich mißlungen ist- Ueber ihren hinterpommerschen GrfinuungSgenosseu, welcher au» kleinlichem Brodneid seinen Geschäst«1oncurrenten bet der Staat»anwaltschaft denuncirte, dürften sie nicht allzusehr erbaut sein, weil Bewohner »christlicher Eofession gegen diese verwerfliche Handlungsweise öffentlich protestiert haben, und der Erfolg bei ihnen die Hauptrolle spielt, ja über Moral und Sittlichkeit geht.-) Al» getteue Lhrouiften wollen wir auch registieren, daß Böckel doch einmal wieder im diitenlosen Reichstag erschien und eine Red« herunterleterte, in der er dir Börfenfteucr bei den Haaren herbetzog. um die Juden dabei berühren zu kvnneu. wa» er mtt einer sogar bei ihm beispiellosen Ungeschicklichfett that, er hätte anstatt ״Jude" ebenso gut Gutibefitzer, Hochadel und Edle der Nation sagen können, welche Alle ebensolche tägliche Erscheinungen an der Börse sind, wie die christl. und jüd. Börsianer. Beim Lesen der Rede bekam ich einen Gähnkrampf und bedauerte den armen Präsidenten, der den ganzen Schwall mit onhvren mußte — schon um dem Redner den üblichen Ordnungsruf erteilen zu müssen, der auch nicht ausblieb. Dr. Singer. Berit« 20. Januar. (Or.-Eor.) Am Sonntag, den 14. d. M. veranstalteten dir Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft de» Judentum« in der Aula der hiesigen jitdischeu Knabenschule eine Gedenkfeier für den im vorigen Jahre verstordenen Lehrer und Gelehrten. Dr. David Lasse l Unter den zahlreichen Verehrern und Freunden de» verewiglen, die zu dieser Feier erschienen waren, bemerkten wir Herrn Professor LazaruS, die Rabbinen Dr. Maybaum und Stier. Dr. Müller, SanitätSrat Dr. Lirstein, ferner die Drr. Hildesheimer sen. und jun., u. v. A Auch die Damen- Welt war zieml. reich vertreten. — Nachdem die Zögl. der Lehrerbildungsanstalt in trefflicher Wesse einen Thoral unter Harmoniumveqleitung vorgetragen hatten, legte zunächst Herr -tabb^Kand. Warschauer in einigen einleitenden Worten Zweck und Bedeutung dieser Gedenkfeier dar und dankte dem Vorstände der jüd. Gemeinde sowie Herrn Direktor Dr. - o l z m a n n für die gütige Ueberlassung der Aula. Hierauf betrat Herr Rabh.-Kand. Dr. Samuel die Rednertridüne und entwarf in großen Zügen ein Bild von dem Leben, Wirken und Schaffen de» Verewigten, der nicht nur als Mann der Wissenschaft und vorzüglicher Lehrer, sondern auch als edler, stet» hilfsbereiter Mensch und treuer, begeisterter Jude sich ein ewig unvergängliche» Denkmal in den Annalen der chte une in den Heiden vieler Tausende errichtet hat. in der That ersta»mlich, wo David Lasse! alle die **) XUbtx den Heegang stehe unter E t»l p. Zeit und Arbeitskraft hernahm, um auf den verschiedensten Gebieten wisseirschaftl. u. praktisch humanitärer Thätigkeit so segensreich und fördernd zu wirken und so Bedeutende» zu leisten wie e» der Fall war; und mit Recht betonte der Redner, daß men den Heinigegangen noch zu jenen ״allen Lehrern in Israel" zählen müsse, die der Wissenschaft und Humanität in gleich selbstloser und uneigennütziger Weise dienten, und zu allem Guten und Edlen Zeit fanden, weil sie wahre Liebe und Hingebung dazu im Herzen trugen. An solchen Männern wird leider da» Judentum immer ärmer. Die nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnete Rede zeugte von der rnnigen Verehrung de» Schüler» iür den ge» liebten Lehrer und Meister noch über da» Grab hinaus, und übte auf alle Anwesenden einen tiefen, nachhaltigen Eindruck. Ein Lhoralgesang beschloß die erhebende Feier. P. P. Stettin. 17. Januar. (Or.-Lorr.) Anläßlich einer Predigt dr» Herrn Rabbiner Dr. Bogelstein hat sich Hierselbst ein »Verein für jüdische Geschichte und Literatur" gebildet, in welchem seiten» de« Herrn Rabbiner» ein öffentlicher Borttag über ״S«aat»verfaffung im alten Israel" stattfinden wird. — Rach vieler Arbeit und Mühe ist auch eine Jüdische ״Alter»- versorgungSanstalk" vor einiger Zeit hier errichtet worden. Vorläufig ist dieselbe in gemietheten Räumen untergebracht, doch beabsichtigt ist. später zu diesem Zweck ein eigne» Grundstück zu erwerben. Hoffentlich finden sich unter den Begüierten unserer Gemeinde recht viele» die dazu beitragen, baß diese» ersttebenSwerthe Ziel in nicht allzuferner Zeit rrreigt wird. Stolz» 1. G., 13. Januar. Im Jnseratentheil einer hiefiaenLokalzeitunafvielen sich Au-rinandersetzungen zweier »old- und Silberwaa re n Händler ab. Beide, der christliche A. und der jüdische H.. lieferten nähmlich an den hiesiaen Schiebverein Silberlöffel. Der Schießverein rekla- «irte di« Löffel des christlichen F. al» zu theuer berechnet, worüber S. sich dahin äußerte, daß bei,.reellem" Geschäftsbetriebe er seine Löffel nicht billiger liefern könne. Au» Brodneid schickte F. zwei der von H. aelieftrten Löffel, die den gesetzlichen Stempel de» Feingehalt« von 800/1000 Theilen tragen, an die königliche Münze zur Untersuchung. Diese konstattrte allerdings bei beiden'. Löffeln einen Mindergeoalt von 7 bezw. 23/1000 der Siiber-Legiruns, mithin einen Minderwerth von 4 dezw S Vfg. F. denunzirt H. bet der Staatsanwaltschaft, da» hiesige Schöffengencbt erkannte auf Geldstrafe. --- Nachweislich der GerichtSakten hat H. stet« bei Bestellung von Silberlöffeln den gesetzlichen Silberaehalt von 800/1000 Theilen von seinen Fabrikanten verlangt Bekanntlich bezieht jeder Silbttwoarenhändler die Löffel in ferttg verkauf»- fähiger Form von Fabrikanten H sowie jeder Ander« können deshalb nicht feststellen, ob die gesetzmäßige Legierung wirklich vorhanden ist, e» müssen sich die Händler vielmehr aus dieReellität die Fabrikanten verlassen. Wa» demnach die dem jüdischen H. heute paffirt ist, kann morgen jeden anderen Sitberwaaren- Händler treffen, wa» auch drr chrift'ich gesinnte F. sehr wohl weiß. Die jüdische Firma H. besteht seit 66 Jahren am hiesigen Platze; der jetzige Inhaber L. H. betreibt feit Ä Jahren al» geprüftcr Gold- und Sllberschmieoemeister da» von seinem» Later begründete Geschäft und genießt die allgemeine Achtung de» hiesiaen Publikum» in Stadt und Land. Als Beweis hie-für ertaffen in der hiesigen Lokalzeitung Bewohner Stolp» ..christlicher Konfession" eine Erklärung, worin sie diese Denunziation al» unedel und verwerflich registriren, gleichzeitig aber Herrn H. ihre unveränderliche Hochachtung bezeugen. Schreiber diese» al» Lbrist schließt sich diesem Urteil durchaus an. Gegen da» Urteil de» künigl. SchöffenSgerichk hat H. Berufung eingelegt und wird sonach die ganze Sachlage nochmal» vor Gericht klargelegt werden- . 0*1 Weftfsle* (Protest!) In dem ״Bericht über die Thättgkeit de» Verbände» der Synagogengemeinden Westfa l en»während seine» «oeitenGeschSft»jahre»,April1892—93." werden di« Lehrer Westfalen» in ganz nnerhörter Weise vor der Oeffentlichkeit, vor ihre« Gemeinden und der Behörde, leichtfertig denunziert. E» wird ihnea vqrgeworfen, auf dem wichtigstru UuterrichtSaediete.de« Religionsunterrichte, bisher nach ,Zlanlofer Willkür" verfahren und dadurch einen ״trostlosen Zustand" geschaffen zu habe«. Gegen eine solche Deumtztatts«, die nur von einer Seite au»- gehen kann, welche mit den verschiedenartigen Berhäl kniffen

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