Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 4 (26.1.1894)
- Date
- 1894-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 - «,sterblicher Meister. 01» Rektor der iSr^theol. Lehranstalt, an Lein« Bahre, um mit einem letzten Worte für die Worte, welche an geweihetrr Stätte Deine letzten gewesen. Dir herzinnigen Dank zu sagen. Und mit demselben Worte, da» ich wehmuter- Mt Dir in» Grab nachruft, ufird man Dich oben in den lichtesten Höhen auf» freudigste begrüßen. Denn während wir Dein/ entstelle Hülle trauernd umstehen, erscheint vor dem von Seraphim «>d Ovbanim umringten ÄotteSthrone eine hehre Lichtgestalt, um den Achtgrborenen Dein Nahen zu melden. Wer diese Licht- Gestalt ist. da» brauche ich Dir am allerwenigsten zu sagen, Du weißt, es ist die dem Lolke Israel auf besten Gang durch dir. Weltgeschichte al» Trostcsengel zur Seite stehende Aga da h, oder richtiger, dieruhmreiche. Jahrtausende alt« jüd.Homiletik. Diese hehre Lichtgestali, fie tritt al» Dein Lorbote hin vor Gotte» heil Richterthron und spricht: Herr de« Weltall», un» folgt hierher die Seele eine» Manne», dem ich, alt er noch ein Jüngling gewesen, zugrrufen w, H ״ <*תןgieb mir da» Leven!" SS ist die Seele Adolf Jellinek'«, der mir durch die volle Hingabe seiner ganzen Seele neue« Leben eingehaucht hat: denn seine auf tiefeiudriogender Denkkrast. auf dichterischer Phantasie und zündender Begeifteruug wie auf drei mächtigen Säulen ruhenden schöpferischen Leistungen belebten mich derart, daß ich gleich der Stammmutter de« immer wieder von neuem sich verjüngenden Israel sprechen mußte: wix •*> ״ ,(*אחרי ניאותי חיתחnachdem ich alt geworden, erfüllte »ich wieder Jugendlust." Adolf Jellinek hat mir zu einer Herrschermacht verholfen, wie ich fie seit der klassischen Glanzzeit Spanien» nicht mehr innegehabt, er hat meine in den Schachten de» Midrasch ruhenden Schätze der Welt erschlaffen, er hat da» in diesen Schachten verborgene Sold flüssig gemacht «td indem er dieses alte Edelmetall in moderne Formen gegoffen. hat er der Predigt ihre ehemalige Anziehungskraft auf Geist und Gemüt in einer Weise zurülkerobert, die seinen Namen zu einem her gefeiertsten in Israel erhoben. S» gab eine Zrtt, da man in der alten und neuen Welt sagen mußte ״יייי׳י ״ין *נ׳*), e» gtebt auf dem Gebiete modern-jüdischer Kanzelberedsamkeit nur einen Einzigen, dem man in Bezug ans die klassische Berbindung he» Modernen und Antiken keinen Zwetten an die Seite stellen kann, und dieser Eine ist Adolf Jellinek. Neid- und rückhaltlos rief ihm Jeder, dem da» volle Berständni» für die Schönheit der «nch in moderner Form wahrhaft jüdischen Predigt aufgegangen »ar, zu: rn-1 סיב ינוח'«ור ,gut und schön ist da» GotteSwort", , wie Du e» verkündest- Dieser Adolf Jellinek, so fährt die Licht- Gestalt oben vor Gotte» Weltenthron in ihrer Rede fort, er ist her Lehrer und Meister von Taufenden und Tausenden geworden, ' Hst da« Gotterwort zu künden berufen waren, er hat auch Jene. , die seiner Richtung nicht folgen konnten oder folgen wollten, ’ mächtig und nachhalti» augeregt, und — auch da» bleibe vor Dir o Gott nicht unaurgesprochen — seine veröffentlichten Predigten ' haben gor Manchen die Arbeit leicht gemacht, indem Jeder, ^Welcher ohne Mühe zur Höhe emporkommen zn können glaubte. Hstch gesagt mh i> יזז׳ mn חעס וחית b» ״ (*ודבר חוא א־dieser Aaron, er jov für Dich zum Volke reden u. er soll Dir zum Munde sein." aft ein halbes Jahrhundert hat dieser Hohepriester der moderndstchenSanzelberedsamkeit seine» erhabenen heiligen Amte« gealtet, er hat Tausenden und abermals Tausende» Belehrung Erbauung, Labung und Erquickung gespendet, und er hat : rednerische Wirksamkeit in der würdevollsten Weise beschloffen, 'indem er ohne zu ahnen, daß eS da« letzte Mal sei, gleich dem sterbenden Pattiarchen Segen spendend seine Stimme erhoben H» die irr^theologische Lehranstalt dem Wohlwollen de» groß- Herzigen Wien auf» wärmste zu empfehlen- Darum, so schließt di« Lichtgestalt oben vor Gott ihre Rede, darum befiehl Du önig Deinen Engelschören, da« fie jetzt die Seel« Adolf > begrüßen mit dem Ruf: man ■m» •n •an סוג .Gut und schön ist da» GotteSwort. da» Du verkündet hast." Ja. Du unsterblicher Meister, Dein letzte» Wort hat u n» ge, zßBsteu: da» erfüllt un» mit freudiger Dankbarkeit, aber zugleich ch«ch mit wehnmtrvoller Trauer. Denn wahrlich west, weit mehr > stgeud Jemand müssen gerade wst, die Lehrer und Hörer der iSrael. theolog. Lehranstalt, r» beklagen, daß jene Worte Detne letzten auf der Kanzel geweieu- Dir Kanzel in Wien, fie hat seit vielen Dezennien schon «ine über die Marken Oesterreich» weit s hinausgehende Bedeutung, aber diese Bedeutung wurde eine mannig- { fach erhöhte in dem Augenblick, in welchem hier eine Lehranftall 5 eröffnet wurde, welch« berufen ist, Bolkslehrer auSzubilden, denen ' die Macht de« gesprochene« Worte« zu Gebote stehen muß wenn fie in den Gemeinden segensreich wirken sollen. Me Kanzel in Wien fie muß!m engsten Zusammenhang stehen mit der Lehrkanzel. auf welcher in unserer Lehranstalt Homilrstk al» Wissen schaft vorgettagen wird, fie muß gleichsam eine Ergänzung dieser Lehrkanzel, fie. muß in gewisser,« Sinne selber eine solche Lehrkanzel fein- Und darum. Du unsterblicher Meister, beklagen wir Deinen Hintritt um so tiefer, al» Du nicht allein ein Lurator unserer Anstalt, sondern auch deren Hörern ein gottbegnadeter Prediger gewesen, dessen Worten sie in ehrfurchtsvoller Andacht gelauscht. Jndeß wenn auch Deine Lippen für immer sich geschloffen haben, wirst Du uns doch al» Homiletiker ein Lehrer sein und bleiben. Deine schöpferischen Leistungen aus diesem Gebiete werden auf lange, lange Zeit ihren bleibenden Wert behalten, Deine klassischen Reden, sie werden nicht altera. Du wirst als Kanzelredner glänzen und leuchten am Himmel unsere» Volkslebens, solange die Predigt in unserem Kultus die ihr gebührende Stellung einiiehmen wird. Hab Dank für Alles wa» gleich vielen Dausenden auch ich von Dir gelernt und nimm die Versicherung in'» Jenseits mit. daß ich nicht aufhören werde, meine Jünger dem Wesen noch in Deinem Geiste predigen zn lebren- Auf der homiletischen Lehrkanzel der iSr^theolog- Lehranstalt wirst Du »ft, sehr oft das Wort haben, und so rufe ich Mr in meinem und im Namen unser Lehranstalt als Scheidegruß zu: סוב וכר ת ««י ״ רכותGut und schön ist und bleibt da» GotteSwort, da» Duver» kündet, gut und schön ist und bleibt das Gotteswort, wie Du e» verkündet hast. Amen."_ Btttchte ttutf Korrespondenzen. Deutschland. Magdedar«. Man schreibt uns aus Jerusalem: Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, wunde« sich gar nicht über das Vorgehen der hiesigen Rabbiner gegen den Redakteur de» seit U) Jahren hier erscheinenden hebr. Blatte» ״Zewi." E« muß öffentlich ausgesprochen werden, obwohl e» die Blätter in Deutschland und Rußland zu verheimlichen suchen: Die ganze jüdisch-nationale zijonistische Bewegung hat hier seit ihrem Beginne in den leitenden jüdischen «reisen die größten Gegner; freilich nicht aus türkisch-patriotischen Beweggründen, sondern weil die Einkünfte der ״Ehalukck" (daist der große Sammelkasten der aus allen Weltgegenden hierherströmeaden Spenden zur Verteilung an die brotlosen Familien) dadurch vermiude« werden, was sich durch die in» Wert gesetzte Kolonisation, die alle Gelder absorbirt, in progressiver Weis« spürbar machte. Die Herren Oberradb. und der unkontrolierte Hauptverteilrr der unkontrolierbaren Ehalukaspenden, der unrühmlichst bekannte Herr Ri bl in, kämpfen also pro domo, wenn sie den ZijoniSmuS bekämpfen. Was Wunder, wenn fie gegen den Redafteur desjenigen hiesigen Blattes, da» unausgesetzt für die Eolonisation und die damit zusaminenhängende national-jüdische Idee eintritt, loSgingen u. ihn (respe ») mundtodt zu machen suchten. Sie benutzten einige sehr unvorsichtige und zweideutige Stellen im Chanukaartikel diese» Blattes, worin Juda Makkabi al- Vorbild eine» Kämpfer» für den jüdischen Nationalismus hingestellt und Palästina ״unser Land" genannt wurde, da» wiederzuge- «innen dir Ausgabe der Zqonisten sei, kleideten sich in den Mantel de» türkischen Patriotismus und der Loyalität und ') Jes. SV. S» veröl, z. St. den tommentat 6. D. Luzatt»'«. «)}.».«. 14,a1. 1h,18. <) »vhelech 4.8 ») 1L B ». M».