Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 4 (26.1.1894)
- Date
- 1894-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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«r es bei sich, 12« ויעש כל אשר und thut, was Sott ihm eingicbt. DaS ist auch die Ehre und der Glanz unsere» Kaisers. daß er sich mit weisen Räthen umgicbt, daß er die mannigfachsten Kreise aufsucht, scheinbar zu seinem Vergnügen, in Wirklichkeit aber um Meinung uud Stimmung des Bolkes in den verschiedensten Gegenden de- Landes zu erfahren, und daß er dann aus freier Entschließung lhut was ihm Recht dünkt. Wo immer unser Kaiser eingreift, da giebt er seine ganze Seele; oft meinen wir, er sei nichts andereL als ein Kriegsmann: so tief bewegt ihn die Entwicklung des Heeres, sei es zu Lande oder zu Wasser, aber nicht geringere Tyeilnähme beknnder er häufig der Bolkserziehung, die ihm viel verdankt: in künstle, ischen Fragen zeigt er einen Eifer, als lebte und webte er nur in der Kunst; stets setzt er seine ganze Persönlichkeit ein, giebt er seine eigenste Anschauung, aber stets hat er v.irher am Urtheil Anderer sein Urtheil geklärt und gebildet; wie unsere Alten von Mose sagen, er horcht auf Jethro und thut. was Gott ihn lehrt. Da» Zeitalter stellt in diesen» dunklen Stürmen und Wogen unserem Kaiser große Aufgaben, wie Großeauch seine Ahnen schon geschaffen, Größeres noch bleibt dem Sprossen zu vollführen; der Kaiser ist sich dieser Aufgaben voll bewußt; schon in seinem Antlitz ist der Ernst seine- SrrebeaS ausgeprägt. Möge es ihm gelingen den Stteit der Parteien zu bannen, der Roth zu steuern, וגם כל העם הזה על מקומו יבוא בשלום ,so daß das ganze deutsche Volk in Frieden zu seinem Ziele komme." Amen! 8. R. Die Abwehr gegen den Antisemitismus «. der Fortschritt im Jndentnm. Das Vaterland ist in Gefahr! — Mit diesem Rufe hat zu allen Zeiten die herrschende Klaffe eine- Landealle mit ihrer Herrschaft Unzufriedenen zum Schiveigen gebracht: der gemeinsame Feind zwang alle Begehren, sich zu vertagen und eS soll vorgekomnien sein, daß das Vaterland mit Absicht in Gefahr gebracht wurde, um den im Innern wankenden Geborsam zu erzwingen. Diejenigen aber, welche. schweigend ihre Rechte und Ideale begruben, um sich in die Reihen der Kämpfer gegen den Feind zu stellen, haben jedenfalls den größeren Opfermut bewiesen. Ein ähnliches Verhältnis herrscht seit einiger Zeit inner» halb des deutschen Judentum». Jeder Versuch wieder einmal einen wenn auch nur kleinen Schritt vorwärts zu thun, wird niedergedonnert durch das Geschrei: DaS Vaterland ist in Gefahr! Jetzt, wo unsere gemeinsamen Heiligümer angegriffen werden, muß jeder innere Zwist schweigen. Und bereitwillig hat das freis. Judentum über Talmud u. sogar Schulchan aruch, sowie neuerlich auch über die Schechitah den Schild mitgehalten. Aber es wäre sehr verhängnisvoll, damit den Wahn sich befestigen zu lassen, als hätte e» auf seine Forderunge» verzichtet, seine Ideale preiögegeben und erkenne willig an, daß das Heil allein ausgehe von ״Berlin 6. GypSstraße" uud das WortGotteS von.Mainz." ES ist wahr, das Vaterland ist in Gefahr, instfern unsere staatsbürgerlichen Rechte und vielleicht auch ine Freibeit unserer ReligiouSübung Bielen im deutschen Reich eia Dorn im Auge sind, aber eS ist verkehrt zu glauben, daß wir Juden im Stand« wären, diese Gefahr abzuwenden und den Feind allein zu besiegen. Hierfür haben wir nur «ine Hoffnung, die aber für den frommen gläubigen J-raeliten ein unerschütterliche trostreiche Gewißheit ist: ,Fürchtet euch nicht, bleibet standhast, so werdet ihr die Hilfe Gotteschaue«, Gott wird für euch streiten, ihr aber schweiget." Das ist ja eben dafortdauernde Wunder der jüdischen Geschichte, daß allemal wenn der erhobene Arm auf J-rael niederfalle» wollte, um eS zu zerschmettern, ein mächtigerer ,au-gcstteckter; Arm", ihn zur Seite schlug; oder, weltlicher gesprochen, in; den für Israel gefährlichsten Augenblicken hat die Weltgeschichte stets eine unerwartete Wendung genommen und es war gerettet. Aber niemals hat e» sich allein gerettet und 4 befreit. Also mögen wir immerhin ab wehren, aber vergeffen wir darum die Aufgaben des inneren Fortschritt» nicht, sintemalen dieser vielleicht die beste Abwehr ist. Hierin giebt eS eine überwältigende Zahl von Aufgabe». Anstalt der religiösen Aufklärung, d. i. einer freien, humane« Auffassung der religiösen Wahrheiten, der unerschrockenen Be-/ richligung religiösen Jrrtümer, der Wahrhaftigkeit de» re ligiösen Lcben» feiern die »instere Reaktion, die nich ein Titelchen preisgiebt, selbst nicht da» Schnupftuch als Leibbinde, unddergleißnerische Eomproiniß, der jeden.; Mißbrauch und Aberglauben, jeden Hinh&g und Dia zu verteidigen sich den Anschein giebt, indem er ein gelehrtes > Maul zieht, ungeahnte Triumphe. Anstatt in der bürget' lichen und sozialen Erziehung unserer SlaubeuSgenoffen die heiligste dringendste Aufgabe der Gegenwart zu sehen, halte» manche unserer Führer ganz andere Dinge für wichtig. Uud wehe uns, wenn sie gar mit obrigkeitlichen Befugnissen ausgerüstet sind. Dann sind sie der Schrecken der Gemeinde«.' Je heftiger sie z. B. auf Errichtung einer Mikwa dringen,! je mehr Thorarollen sie für ungülttg, Schächter für unquali-'; fizirt erklären, um so mehr bringen sie sich in den Geruchs der ,Frömmigkeit" uud Heiligkeit, wenn auch die Gemeinde»^ finanziell und innerlich zu Grunde gehen. An die leiseste s Verbesserung im Gottesdienst ist natürlich nicht zu ' denkeu, und wenn er auch noch auf dem Standpunkt de* siebzehnten Jahrhundert» steht, denn eine Berbefferung sst gegen den Din und freilich ,e» steht geschrieben", da» ist nicht zu leugnen. Zwar sie laffen mit sich handeln und sehe« die größten Umwälzungen *n der Nähe ruhig mit an,*! wenn sie nur in zwei Dingen nicht zu Schaden kommen: ihreu ״Befugnissen" (uud je mehr sie in Wirklii^ zu vollkommenen Nullen herabsinken, um so g pflegen sie auf ihre ״Befugnisse" zu poche«) und — nur ja nicht zu vergessen: in ihren Gebühren. Man glaube nicht, daß wir ein Phanwsiegemälde werfen. Es ist wahr, die Zügellosigkeit in de» jüdi Zuständen mancher LandeSteile, besonder» in Preußen,׳ unerträgliche Uebelftände gezeitigt, aber weit schlimmer der Zwang, die büreaukratijche Regulierung. E» gehört zu den Aufgaben de» Fortschritt», eine vernünftige Belass welche Freiheit und wohlthätige Nötigung verbände, schaffe» Aber höher als alle» fft der Fortschritt im giösen Denke» und mit diesem ficht es traurig genug . Wir habe« da- Gefühl, daß dade»tsche Indent seine führende Roll« au»gespielt hat. Seit Gr Joel. Jellinek kurz nacheinander hingeaange« sind, wir keinen Man«, auf den wir stolz sein können, der leben wird als ein paar Jahrzchate nach seinem Tode, habenSchönredner und Bücherwürme, aber keine P pheten, und darum leinen Fortschritt i» Indent»«. v. 5. Wortt, gesprochen «k der Bnhre Jellt Bo» Nettoe Dr. >. Schworz t» Stm. 1 ח »«*ר יברחx1 w»1 .Gut ist da» Sotteswort, das Du^j redet." Mt diese« kurze« «ad knappe» Zuruf, den einst Hi»üah an de« redegewältigen Jesajah gerichtet hat, trete