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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-12 · 2 (12.1.1894) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
2 (12.1.1894)
Date
1894-01-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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14 btt Treue fltfltn Herrscher und Saterland, konnte er nicht aeberu So gilt denn auch vom Heimgegangenen das Wort jenes Predigers an bei Leiche Rabbi Levi ben SissS: .Denn da« war ein ganzer Mann'- Me Lücke, die sein Tod gerissen, bleibt leer. Die Juden kemren keine Wallfahrt nach dem Grabe ihrer verstorbenen Größen, darum wird eS auch nicht dieser Platz, wo die Reste de» tobten Sellinek liegen, fein, wohin wir wallfahrten werden. Aber die tätte, wo Jellinek lebt und ewig leben wird, wo auf Kanzel und Lehrstuhl sem Andenken fort schaffen und bilden wird in seinen Schüler» und Nachfolgern, daß laßt uns mit,vereinen in seinem Sinne, in seinem Geiste. Dort werden ihm Denkmäler errichtet werden unvergänglicher denu Erz und Marmor!" Meraa, 31. Decembcr. (Or.-Eorr.) In meinen letzten Berichte konnte ich dem hiesen Bet- und Krankenhause gerecht werden, heute am Schlußtage des bürgerlichen Iahres, will ich meinen Blick dem Schlußstein des menschlichea Lebens, dem jüd. Friedhose, zuwenden. Da muß ich denn zunächst die heutzutage fast allgemein herrschende Gewohnheit des übertriebenen Luxus übers Grab hinaus auch hier constatiren. Die meisten Grabsteine sind nämlich vom schönsten und feinsten Marmor, was auf die Wohlhabenheit der daselbst Ruhenden schließen läßt. Ob auch auf die enlsprechende Wohlthätigkeit — ist eine andere Frage, die schwer zu beantworten ist. So viel ist gewiß, daß sicherlich mehr gute Werke für die Lebenden geübt werden könnten, wenn weniger Werth gelegt werden würde aus die Ausschmückung der Grabstätten, und das Judenthum ist doch in erster Linie eine Lehre des Lebens, oder sollte es 1ui1ü)«stenS sein. Was die Inschriften betrifft, so findet uian viele in correctem, oft classischem Hebräisch, einzelne sind in Eursivschrist — andere lassen überhaupt das Hebräisch« ganz vermissen, dafür finde« sich hier die Unsitte, das Porträt des Verstordenen auf Porzellan anzubringen! Der Grabstein des im v. I. hier verstorbenen Schriftstellers Daniel Spitzer enthält boß diesen Nainen und die Worte: Wiener Sparzierzang 1873. (Wahrscheinlich das Dalum des ersten unter diesem Titel in der ״Presse" erschienenen Feuilletons des Verstorbenen.) Im Uebrigen gilt auch von den hiesigen Grabschristen das bekannte Wort: ״^odre wauss kedaaschim“, nach dem Tode sind'S alle Heilige, (Fromme und Tugendhafte), eutsprecheud dem lateinischen ״de wortm8 nil nisi bene!“ Die Lobeserhebungen sollten aber angesichts des BibrlverseS: .Wahrheit sprieße aus der Erde" doch einige Mäßigung erfahren. Die Ccrmonie bei Bestattungen ist hier uiöglichst einfach, zu Trägern der Leiche sind besoldete Richtjuden bestimmt und in Verhinderung des Religionslehrers Vogel «heilen sich die beiden Vorsteher in den Religions-Functionen, — indeui der eine das hebr. Hazur tomim recitirt — so gut er es eben vermag — und der zweite ein von dem gleichfalls hier verstorbenen Rabbiner Dr. BarkLny verfaßtes deutsches Gebet vorträgt. Das Merkwürdige ist, daß dieses Grabgebet zum erste Male ain Sarge des Dr. B. selbst in Anwendung kam. Es erinnerte mich *icä lebhaft an eine ähnliche eigenthümliche Fügung in nieiner Heimathgemeinde Ung.-Brod. wo der Stifter des Friedhofes, der kinderlose Vorsteher Reb Chaim Pollak der erste war, der auf demselben bestattet wurde. 6. Lzegedin. Der XXU.isr. Distrikt hielt ain 25. Dezember seine Jahresversammlung unter Vorsitz des Dr. Isidor Rosa. Vor Erledigung der auf d«r Tagesordnung stehenden laufenden Angelegenheiten richtete die Versammlung a:׳° Antrag des Szegediner Ober-Rabbiners Immanuel Löw folgendes Telegramm an den Minifter-Präsidenten: Der xxu. isr. Distrikt, welcher heute seine JahreSversammin Sregedin hält, ergreift mit Freuden die Gelegenheit, um Ew. cllenz und der hohen Regierung seinen Dank für die liberalen «politischen Vorlagen auSzudruckcn, mit welchen Sie eine > •t und glänzende Epoche der Nation niaugurirt haben. Der >rik begrüßt in den Vorlagen über die Religionsfreiheit, die eption der jüdischen Religion, die staatliche Mattikrlführung und über die Regelung detz Eherechtes daS mächtige Werk der l auf der Höhe der höchsten Pflichten stehenden Regierung und er--- blickt in ihnen eine glückliche Lösung der Anforderungen und- Wünsche der liberalen ungarischen Geftllschaft. Al» Berttetunr der jüdischen Bürger de» ungarischen Älfold wünscht die Siege» diner DistriktSvmammlung diesen Vorlagen vollen Erfolg undersucht Ew. Exzellenz sreundlichst den Dank dieser bescheidene« DistrikSversammulng für die edle und muthige Aktion anzunehm«» welch« unser anaebeteteS Vaterland auf den ruhmreichen Pfade« des liberalen Fortschrittes vorwärts zum Siege führt. R««S«ie«. Bvkareft. Hier bat sich zum JahreSschluß ein Komitee zur Gründung eines »rumänisch-jüdischen Landschulverein»" gebildet» welches einen »Auftuf an die Glaubensgenossen" erläßt, folgenden JnhallS: .ES ist Euch wohl bekannt, daß durch das neue Schulgesetz unsere Kinder von dem Besuche der öffentlich« Ele» mentarfchulen des Staates thatsächlich ausgeschlossen find, tellS well sie zur Entrichtung einer bisher unbekannten Schulgebühr verpflichtet werden, vorzüglich aher weil sie nur insoweit zu den öffentlichen Lehranstalten Zutritt haben, als in denselben »eriügbare Plätze vorhanden sind. Von dem Augenblicke an, wo der Schulzwang bezüglich der Kinder der rumänischen. Bürger ernstlich in Anwendung kommen wird, kann es solche verfügbare Plätze für uns« re Kinder nicht mehr geben, da, wie amtlich fest» gestellt ist, fast 400.000 Kinder im schulpflichtigen Alter wegen Mangels an Elementarschulen bis jetzt keinen Unterricht genießen. Die unausbleibliche, wenn nicht jeradezu beabsichtigte Folge diese» Gesetzes kann keine andere sein, als unsere Kinder in den Abgrund der Unwissenheit zu stürzen, sie zu ewigen Analphabet« zu verdammen. Angesichts dieser ernsten Gefahr glaubt Ihr etwa, daß wir unserer Pflicht Genüge gethan haben, wenn wir verzweifelnd die Hände ringen und im Namen der Gerechttgkeit, Civilisotion und- Humanität laut Verwahrung einleg-n? Rettung vermag uns nur die mutige und zielbewußte Th a t zu bringen. Sind wir wirklich von dem Willen durchdrung eu unsere Kinder vor dem schrecklichen Lose der Verwilderung und Verrohung zu bewahren, so tritt an uns die unabweisbare Pflicht heran, uns eng aneinander zu schließen, uns Alle, ob Groß oder Klein, ob Zung oder Alt, lob Reich oder Arm, aufzuraffen und der Gründung von Elementarschulen in allen Teilen de» Land« unsere besten Kräfte zu widmen. Wir haben deshalb den »rumänisch-jüdischen Landes-Tchul» verein" gegründet und find überzeugt, daß Alle, denen daS Wohl unserer Jugend am Herzen liegt, demselben unverzüglich beittetm werden. Jeder «,u Unterzeichneten ist bereit, etwaige Beitritts» erklärungen entgegenzunehmen und Euch die provisorischen Statut« auf Wunsch einzuschicken. Um aber die Gründung dieses Vereine», dem sich sicherlich alle unsere Glaubcnsgenoffen im Lande anschließen werden, zu. beschleunigen und zu erleichtern, haben wir den Orden der Bnat Brith in Rumänien um Uebcrlaffung seiner »Peixotto-Schulstiftung" im Betrage von 10.000 Frc». ersucht, was uns auch bereitwillig gewährt wurde. Die jährlichen Jntereffen dieser Sttftung wie dir Spenden und Beiträge, die uns zweifellos von allen Seit« im reichen Maße zufließen werden, wollen wir zur Neugründung von Schulen oder zur Unterstützung bereits vorhandener Anstalten für uusere Kinder verwenden. Glaubensgenossen! Der Anfang ist gemacht, die Bahn, die wir beschreittn müssen, um die Zukunft unserer Kinder zu rette» ist vorgezeichnet, von Euch hängt eS nun ab, daß wir da» vorgesteckte Ziel erreichen. Je nachdrücklicher Ihr uns unterstützen in je gröberer Anzahl Ihr dem Schulverein beitteten werdet, desto schneller und sicherer wird unser heißer Wunsch, daß all« unsere Kinder sich einer guten und zeitgemäßen Elementarbildung erfreuen sollen, erfüllt werden. Da wir nichts anderes anstrcben, als Bildung zu verbreiten «. , dem Vaterl. treuergebene Bürger zu erziehen, die sich ihr« Pflicht« wie ihrer Rechte wohl bewußt sind, so erwarten wir zuversichtlich^ daß Jbr Alle, Männer und Frauen, ohne Unterschied un» kräftig “ unterstützen und ohne Zögern als Mitglieder beitteten we dem »rumänisch-jüdischen LandeS-Schulverei»".

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