Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 2 (12.1.1894)
- Date
- 1894-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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«mer^großen Zunahine am Körper-Gewicht die Anstalt ver- - ließen: dn Durchschnitt war über 2 Agr., (2 Personen Hütten k Agr. und eine sogar 10'/, Aar. zugenomineiif. Die Anstalt war vom 28. Mai bi« zum 28. Septbr. im Betriebe. Möchten sich doch recht viele Menschenfreunde finden, die "dieses so segensreich wirkende Institut durch einmalige oder Ehrliche Beiträge unterstützen. Möge diese Bitte de« Bor- »Hptdes zum Schlüsse de« Jahresbericht« auch im künftigen pJahre einen Wiederhall in vielen Menschenherzen finde»! Aus Oberschleste«. Die freie Bereinigung jüd. Lehrer unserer Provinz erläßt soeben einen Ausruf zu einer ׳ Ehrengabe für den jüdischen Lehrer und Schriftsteller Menedict Hause in Eisenach, der am 20. Februar cr.s.G.w. י seinen 80. Geburtstag begeht. Hause hat sich nicht nur ' durch seine Predigtsammlungen, sondern haupifächilich durch selne vortrefflichen Jugendschriften — die zum größten Theil Huerst in Fenilleton der .Jsr. Wochenschrift" erschienen — «inen Namen in der jüdischen Lehrer- und Lesewelt gemacht. Beiträge zur Ehrengabe nimmt der Fabrikbesitzer«. Glaser in Ratibor entgegen. deipzig, 3. Januar. Idyllische Zustände scheiue» in der israelitischen Gemeinde Raboldshausen (Pr. Hessen) Hn herrschen. Der Lehrer und Borbeter St. ist in die Myfterien der hebräischen Sprache nicht allzu tief eingedrungen und macht deshalb häufig Fehler in der Aussprache, auch' b:- wirkt ein Halsleiden, daß manche von ihm gesprochenen Worte recht sonderbar klingen. Dadurch wurden schon oft Störungen des Gottesdienstes herbeigefuhrt» denn die Semeindemitglieder riefen ihm oft durcheinander die richtigen Wörter zu. Schließk lich einigte man sich dahin, daß immer nur einer (!) den Lorbeter korrigiren solle. Dem Handelsmanne Jakob Gold» ^'schtdt machte die ganze Sache ungeheuren Spaß. Er rief ־feem Borbeter statt der hebräischen Wörter deutsche zu, die ähnlich klangen und keine Lrrbesserungen, sondern Berdrehungeu enthielten. DasLandgericht Marburg verurtheilte ihn am IS.September wegen Störung des Gttesdtenstes zu Strafe. — Seine Rivifion wurde gestern als unbegründet vom Reichsgericht verworfen. (Warum hat der p. Goldschmidt sich nicht mit dem bekannlen Gutachten de» jetzigen Prager Oberrabbinrr» »ersehen, der, als er noch Rabbiner in Gnesen war, . sonderbarer Weise gutachtlich bezeugte, daß die Thoravorlesung * ich t zum Gottesdienst gehöre, wodurch eia wegen Störung des Gottesdienstes Angeklagter von jeder Strafe f r e i g esprachen wurde. Die Sache erregte damals in jüdischen Kressen große Sensation. Rabbiner Dr. Aohn in Jnowraz- 1a» wirs dem Garsener Rabbiner nach, wie sehr er fich geirrt habe» aber es blieb bei der Freisprechung.) Der Staats«nz. schreibt: Durch Berf des Kgl- MMerlum« des Kirchen un Schulwesen« vom 3. d. M. ist auf _ Vit Stelle de« Ersten Rabbiners an der israel. Gemeind Stuttu.' gut der Seminardirektor Rabbiner Dr. Sroner in Hannover *-׳ «ad auf die Stelle des zweiten Rabbiners in Stuttgart und zu» Gleich Brzirksrabbiaers für die auswärtigen israel. Lirchengemeiaden des Robbiaatsbezirtt Stuttgart der Rabbinat«oerwe»er tit Rabbiner Dr-Stößel ernannt worden. Der erster« führt 4M theologische» Mitglied des isr- Oberkirchenbehörde den Titel «tue» Kircpenrat« und ranairt auf der 7. Stufe der Rangcord- , »uug. Damit hat diese wichtige, noch in den letzten Wochen im --Beobachter" vielbesprochene Frage ihre endgült- Lösung gefunden. Me man hört, soll der Amtsantrtt nicht vor dem 1. April statt- Au» dem Areise VGe«h«ch 4. 9L, 8- Januar. (O»Lor.) Dieser Tag starb Herr Jos. Fürth zu Neu-Usenburg im Alter von nahezu 88 Jahre». Die Leich« desselben ward nach «inem Geburtsorte Heusenstamm, gebracht und daselbst MNter großem Gefolge zur ewigen Ruh« gebettet. Herr F. war «zu 60 Jahre, 1. Vorsteher gen. isral- Gemeinde H. und hat während dieser Zeit große Verdienst« um dieselbe erworben, .nächst ist es seiner Initiative und seinen persönliche» Opfern verdanken, daß die Gemeinde eia neue» Gotteshaus erhalten hat »aache milde Stiftung in» Lebe!! gerufen wurde. Am Grabe te ihm »«nächst Herr S. Levy eine» warmen Nachruf und : die Tugenden des Lerstorbeaen I« Hause hielt Herr Gckmaun die eigentliche Gedächtaißred« und wieauf den großen Verlust hin, de: die G«mr,..oe oetroffeu. Auch der Ge» meinderat Herr Joham! Oblig ließ er fich nicht nehmen, unter Tbränen zu bezeugen, welcher Hochachtung und Liebe der Entschlafene bet Juden »nd Christen fich iedel Zeit zu erfreuen hatte. F. vereinigte die Tugenden der Bescheidenheit, Einfachheit »nd Ansvruchslofi'keit in hohem Grade ln seiner Person. Deu Einsamen und verlafien Dastehenden war er ein treuer Berater, den Armen ein stiller Wohlthäter- Seine 3 Söhne, welche jetzt zu den größten und geachtetften Firmen in W i e n zählen, erzog er zu tugendhaften und braven Menschen. Sein Name wird stetin Ehren genannt werden! Okterretch»U»«ar». Wie». Der kürzlich verstorbene Baron Moritz Aöniaswarter bat in seinem Testamente den ältesten männliche» Nachkommen seiner zweitältesten Sohnes, de« Baron Heinrich AönigSwartcr, als Legat ein« große Herschaft in Ungarn im Werlhe von mehreren Millionen Gulden und eine Jahresrente von 20,000 fl. vermacht. Diese« Vermächtnis war jedoch an die Bedingung geknävft, daß weder der Legatar selbst, noch fein Rechtsnachfolger vom jüdischen Glauben absallen und eine Ehe nur mit einer Jüdin eingeben dürfen, widrigenfalls sie den Betrag von einer Million Gulden an verschiedene im Testamente bezeichnete jüdische Stiftungen herauSmbezahlen hätten- Die Rechtsgiltiakeit der eben erwähnten Beschränkungen bildete nun im Zuge der Lerlassenschasthabhaiidlung den Gegenstand einer Beratung de« Handelsgerichtet Wien, und, wie wir erfahren, bat dasselbe nach eingehender mebrstündiacr Beratung in einem jogenaunten großen, d. h. aus sieben Mitgliedern bestehenden Senate mit 4 gegen 3 Stimmen sich f ü r die Rechtsailtigkeit der obigen Bedingungen ausgesprochen. Die Rede, die Herr Rabbiner Kisch an der Bahre Jellinek« hielt, lautete ungefähr wie folgt: Als einst der letzte Recke eluer Riesengeneration auf dem Felde jüdischer Geistesarbeit, Rabbi Leo! den Sist, gestorben war, bediente sich der Prediger oer Gemeinde, in welcher dieser längere Zeit gelebt hatte, eine- Gleichnisse«, um seinem schmerz« Ausornck zu geben .In einem Weinberge", sagte er, ^standen zahlreiche Reben, die ein Gewächs von herrlichem Feuer reisten. Weit berühmt war darum dieser Weingarten. Tausende labten ein einziger letzter übrig blieb. Aber ein Wunder geschah, der gottgeseguete Boden verlieh dem letzten Sprossen die «rast so reich zu spenden. daß an seinen Früchten sich die Tausende laben konnten, die einst von dem ganzen Berge genossen." ,,Nun" fuhr er klagend fort, ,,ist auch der letzte der herrlichen Weinstücke adgestorben — Rabbi Levi den Srsi war sein Name". In ähnliche Klage möchte ich an dem Sarge diese« Geistesriesen ausbrechen. Ein herrlicher Weingarten jüdischen Geiste» und jüdischen Herzenwar einst die hochbecühmtr Prager Judengeineinde. auderen Mitte ich hierher geeilt bin, um meine Klage mit der Ihrigen ui vereinen Die herrltchsten Pflanzungen blühten und trugen jstncht in derselben, als vor fünf Jahrzehnten, dort als der Züngsten einer, Adolph Jellinek. lernend lehrte. Männer wie Z. Frankel, Juda Löb Rappoport, Leop. Zunz, Michael Sach», die damals unsere Gemeinde zierten, sind längst heimzegangen Nur Ein-.r der herrlichen Geistesrielen lebt« noch, wenn auch auf anderen Boden verpflanzt, Adolph Jellinek. Er spendete so reich, so Oed au» seinem Geistesborne, er erquickte und labte so viele Tausende mit seinen Gcistesfruchten. daß man die Verödung lar nicht merkte. Und nun ist auch er cingegangen in die ew ge Heimat. Was sterblich war an Adolph Jellinek, liegt in diesem sarge, und wir stehen wie verwaist um diesen Sarg. D>e Edlen Israels bat unser Schrifttum mlt Vorliebe die Weinrebe verglichen Auch Adolph Jellinek hatte an sich die vielen herrlichen Eigenschaften, die der Weinpflanze vom Talmud »achgerühmt werden Ich möchte aber als Fremder Euch, unter denen er nun fast vier Jahrzehnte gelebt und gewirkt, nicht wagen nach den Meistern de- Wortes, die vor mir gesprochen, ein Md von ihm zu entwerfen Nur ein» möchte ich nicht ungesagt lasten, ehe wir ihn für immer in die kalte Erede beiten, was von der Größe seine» Geiste» und seines Herzen« für uns schwache Diener des Körper» so hach jo unerreichbar erscheint. Der Talmud sagt, Israel gleiche auch darin dem Wcinftockr, der an den Stock an seiner Sette fest fich aoklammert, das es in allen Nöten seiner Geschichte fest zu seinem Stabe, seinem Gotte, gehalten habe, selbst wenn dleser ihn noch so derb züchtigte- So hat auch der von uns beweinte Priester Trost und Liebe reich au» seinem goldenen Herzen gespendet, wenn er selber schwer litt, hat er stch an seinen Glaube» immer fester gehalten, je mehr er auch geprüft und heimgesucht war in seiuem eigenen Hause, und ähnlich war es mit drc zweiten großen heiligen Pflicht, die un» da» Judentum an'» Her» legt, der Vaterlandsliebe, der tteuen Hin« gab« für unseren erhabenen Laodesvater. Einen begeistertere« Sohn unsere« Baterlandr«, einen ergeveaea Unterlyan unsere» allgeltebten Kaiser«, einen beredteren und begeistere» Verkünder