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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-12 · 2 (12.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
2 (12.1.1894)
Date
1894-01-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Personen im Augusta-Hospital über den offenbaren Irrtum aufgeklärt werden, alt könne die Anstellung einer tüchtigen und brauchbaren Krankrnwärterin, gegen die « i ch t » weiter vorliegt, als das sie weder evangelisch noch katholisch iir, an irgend einer höheren Stelle zu Rekriminationen Anlaß geben. Wenn man von Seiten de-Komitees für die ,Kaiser Wilhelm- Gedächtniskirche ״jüdisches" Geld sehr gern und je reichl'chrr, desto lieber, nimmt, sollte da in einem von Hause aus nicht einmal konfessionell zugeschnittenen großen Krankenhaus« einer jüdischen Krankenwärterin, die im vollsten Maße ihre Pflicht tun will, die Eingangspforte verschlossen bleiben?״_ Man ersieht hieraus, daß die Zeit für allgemeine interkonfessionelle Krankenhäuser noch lange nicht gekommen ist» und bedenkt man, daß gerade dem Kranken eine Rücksichtnähme auf seine religiösen Lebensgewohnheiten sehr erwünscht ist, daß er in seinem religiösen Empfinden und Thun durch nichts behelligt, ja daß er auch darüber beruhigt sein will, daß sich an sein Kranken» oder Sterbelager niemand mit Bekehrungsversuchen — dergleichen soll schon vorgekommen sein — heranwage, so wird man dem Herrn Mannheimer für s.ine großherzige Spende zur Errichtung eines besondern jüdischen Hospitals doppelt dankbar sein. Magdedurg» 10. Januar. Wir hatten bereitvor einigen Monaten in diesem Blatt gemeldet, daß ein jüdischer Kultusbeamter aus Schlesien eine neue Methode erfunden, wonach das Schlachttier vor dem rituellen Schlachten nicht erst niedergelegt zu werden braucht; eS bleibt während des Schlachtenstehen, nur wird ihm vermöge einer Borricht- »ng der Kopf etwanach rückwärts gebogen — etwa wie beim Geflügel — und dann der Schnitt vollzogen. Wir waren damal» nicht berechtigt, Namen zn nennen, jetzt nachdem wir erfahren, daß die Erfindung durch da« Patent-Amt gesichert ist und uns eine genaue Beschreibung derselben vorliegt, nennen wir di« Namen de» HerrReligionSlehrrrS M. Pulverman» und Ingenieur» D. Basch in Waldenburg in Schlesten. Wir werden in nächster Nr. da» Wichtigste au» der Beschreibung — mit Erlaubniß der Erfinder — Mitteilen. Eisenach Der Kaufmann Sal. Rothschild in BölkerSbau» sen wurde am 5. November 1893 vom Grobherzoglichen Schöffe attityt Bacha zu einer <T "" sämtlichen Kosten verurteilt. _ Lückerrscheu Gastwirtschaft zu Bölkerhausen de» Sasthalter ersuch! hatte, den dort anfliegendrn ,Thüringer Landbote zu ent» fernen, well in demselben ,Lügen stehen und der Redakteur de» genannten in Arnstadt erscheinenden Blatte» nicht aus dem Gefängnis herauSkomme." Der letztgenannte Redakteur, GotteSleben, hatte hierauf die Privatkloge wegen verleumderischer Beleidigung erhoben, worauf der Angeklagte Rothschild zu obengenannter Freiheitsstrafe oerurtellt wurde, obzwar er gebeten hatte, ihm den 8 196 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) zugute kommen zu lasten. In de» UrtellSgründen war auSgefüvrt, daß grobherzogliche Schöffengericht habe deshalb auf eine Freiheitsstrafe erkannt, weil eine Geldstrafe den Angeklagten Rotschild doch nicht treffe; denn diese würde »von der Gesamtheit der Juden gen werden. Gegen da» Urteil legte Roth- «io am 28. v. MS. stand zweitinstanzlicher hiesigen Landgerichte an Der!Gerichtshof velegte unter Aufhebung de» instanzlichen UrteÜS den Angellagteu nach 8 18k wegen übler Nachrede mit einer Geldstrafe von SO Mark «ud der Hälft« der Kosten der zweite» Instanz, «ährend die andrre Hält« derselben dem Privatkläger zur Last fiel. Die UrteilSgrüode führen au», daß dem Angeklagten, iobetracht de» gegen die Juden verletzenden Tone» der Zeitung GotteSleben», der 8 198 zugute komme und daß namentlich die Gründe der ersten Instanz, daß eine Seldsttaft von der Judenschaft tu ihrer G-samtheit getragen würde, vollständig baltlo» seien und die Berufungsinstanz sich denselben nicht anschließen könne. Da» Landgericht hat durch leine Entscheidung, wie allgemein anerkannt wird, eine sehr berechtige Remedur de» schösteagerichtlichen Urteil» eintteteo lassen. Wir würde«, nachdem so de« Suchte genüge geschehen -und insonderS die Begründung der dam Schöffengericht aufrrlea'en FrriheihellSsrraft al« »vollstSndi; haltlos״ -iagestellt ist, über den ganzen Fall ruhig hinweggehen, wenn nicht die antisemitischen Blfttter jetzt auf dem Plan erschienen und nun den Urtrllsspruch de» Landgericht» tu einer Weise kritisiertem die so recht geeignet ist, die Methode de» Antisrmllismu« zu Uustnreu, der darauf ausgeht, die Achtung 00* einem deutschen Gerichtshöfe im Volke immer mehr zu erschüttern. Allen voran die »Staatbürgerztg." Sie widmet dem Fall einen besonderen Leitartikel in der Abendausgabe vom S. Januar, worin sie «. Aschreibt: ״Sin« Zubilligung de» 8 196 dünkt un» in der That seltsam. Danach könnte ja jeder einzelne Jude, der gegen den Redakteur einer anttsemitqche» Zeitung Beleidigungen und Verleumdung«» ausstößt, darauf Anspruch erheben. Hoffentlich wird sich Herr GoteSleben bei diesem Erkenntniffe nicht beruhige». Da e» aber bekannt(?!) ist: daß eine Zentralstelle vesteht (Wo? Red. d I. W-), von der au» Juden, bei ihren Beschimpfungen von Annsemiten. unterstützt werden, so erscheint uns dir Begründung de» schöffengerichtlichen Urteil» durchaus nicht so »vollständig baltlo«", wie e» im Berufung»-Urtett heißt. Au» welchem Grunde dem Redafteur GotteSleben die Hälfte der Kosten zweiter Instanz auferlegt wurde, ist un» auch nicht ganz verständlich. Herr S. R o l h sch i l d kann doch un» möglich al» »eprSlentant de» gesamten Judentum» angesehen werden, so daß die Annahme ae>echtfertiat ware, die antisemitische Haltung de» ״Thüringer Landboten" sei schon eine Beleidigung seiner Person. Wir erwarten mit Bestimmtheit, baß Redakteur Gotte«» leben sich bei dieser Entscheidung nicht beruhigt, sondern die de« höchster. Gerichtshofes für diese Angelegenheit, de» zuständigen Obrrlandes-Gericht» herbeiführt. Denn nau, unserer, allerdings ja nur laienhaften Anschauungsweise, die wir aber» wie wir wissen, mit sehr vielen rechtlich denkenden deutschen Männern teilen, ent» spricht von den beiden Urteilen in dieser Sache da» erste dem allgemeinen deutschen RechtSgefüble mehr, al» da» letztere- Wir wissen ja -war, daß die höhere Instanz zunächst immer recht hat: aber vielleicht dentt die höchste doch wieder ander», al» die höhere; da» ist ja schon öfter dagewesen, und deshalb würden wir e» dedauern, wenn dies« Angelegenheit mit der Entscheidung der höheren Instanz schon beendet sein sollt«." (In solch heraus» fordernder Sprache wird das Bolk gegen richterliche Urteile aufgehetzt!) U»4 Westfale«, 2. Jan. (Or.-Lor.) Der Vorstand de» Vereines i»rael. Lehrer für Rheinland und Westfalen kam am 1. Jan. zu der stalutniäßig vorgeschriebenen Sitzung in Essen, bei dem Borfitzenden, Herrn Blunienfeld» zusammen. Mil Ausnahme de» ivegen Krankheit verhinderten- T r e u-Münster, waren die übrigen Vorstandsmitglieder erschienen. — ES stellte sich ttotz der Ungunst der Zeit in Be» treff der UnterstützungSkasse ein sehr erfreuliche» Resultat heraus. Im Laufe des JahreS ist das Vereinsvermögen (der Grundfonds) von 78000 M. auf stark 77000 M. stiegen. Bon den Eingängen an Mitgliederbeiträgen. Gemeindebeiirägen, Spende» und Zinsen kommen zwei Drittel, zur Verteilung, der Rest fließt in den eisernen Fond». Obgleich sieben UuterstützunaSquoten zugekommen sind, so konnte doch die Quote von 43 M. auf 46 M. erhöht werden. —si. Ein alleinstehender, pensionsberechtigter Lehrer bezieht für^ seine Person 6 Quoten, eine Lrhrerwittwe S Quoten Möchte doch dieses segensreich wirkende Institut sich feruer , warmer Förderung erfreuen, Mächten nanienllich jüngeren Lehrer in ihrem eigenen Interesse zahlreicher traten und in ihrem Kreise jede Gelegenheit zur Zuwendung^ von Beiträgen für die Kasse wahrnehmen. ■A W Stettin, S. Januar. Seit 20. Jahren besteht nun j da» ,Jüdische KurhoSpital in Tolbcrg und wie au» de« sorbeu veröffentlichten Jahresbericht zu ersehen, kann da» letzte! BerwaltungSjahr in doppelter Beziehung al» eia gute« toi zeichnet werden. ES war ersten» möglich, 11 Personen mehr] all im Vorjahre aufiunehuien und dann konnten dem Grund»1 verinögen 6200 Ml. zugeführt werden. Zur Aufnahme! kam« 137 Personen und zwar 47 männlichen und 90] weiblichen Geschlecht», darunter 83 schwächliche, abgezehrte,] scrophulöse Kinder. Von allen diesen kounten entlassen werden^ al» geheilt SO und al» gebessert 48 und nur beiz»»' war ein Erfolg nicht zu verzeichnen. Me Aufgenomme haben «!»»schließlich deu unbemittelten oder arme» Stän angehört, sie haben daher auch sämmllich ganz unentgelt lich Aufnahme gesunden und Alle» zu einer Tool» Seebadekur Erforderliche, also außer Obdach auch Bäd

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