Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 1 (5.1.1894)
- Date
- 1894-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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trit folgt: Am verflossen» Freitag Statt* erschien Dr. Iellinek «ch in Ausübung seiner Amte» t» Tempel der inneren Stadt tmd an demselben Wrnd hielt er seine letzte Predigt. Dar Thema derselben war die Erzählung vom Kraukeulag« und vom Tode der Patriarchen, der seine letzten Augenblicke im Kreise seiner SSHne verbrachte. Der Redner befand sich in voller geistiger Rüstigkeit und Frische und doch berührte e» die Znhörer weh. «Kthig, ihn gleichwie von einer Ahnung ergriffen, dar Thema lange und in uugewkhnlich weichen Tinen aurspinnen zu sehen. Samstag »och war Dr. Iellinek ganz wohl; erst am Sonntag Sagte er über Uebelbeftnden, da» sich nun von Tag -» Tag steigerte, bi» »ach Verlauf weiterer- 48 Stunden die Aerztr Dr>- Hertzka und Dr. Breuer eine Bauchfell» und Darmentzündung kvnstatirte». Rn« wnrden Professor Oser und, da nun zuletzt noch eine Overatio« wagen wollte, Dr. Gersunp beigezogen, doch war inzwischen der Schwächezustand der Patienten eia so bedenklicher gewordeu, dost sich schließlich die Overation als undurchführbar erwie». Indessen sah Niemand einen so rapiden Verlauf der Krankheit voraus und auch Dr- Iellinek ahnte noch nicht die Todernähe. Er war bei ungetrübtem Bewußtsein und trank im Lehnstuhl »och um halb 5 Uhr Rachmttag» seinen Kaffee. Mebreremale hatte er geäußert, er sei ihm bange um seine Kinder, insbesondere um seinen jüngsten Sohn Max, der sonst im Eltern» Hause weilte und nur jetzt seit einigen Tagen auf einer Ferienresse sich befindet, doch war etz ihm nicht vergönnt, von sein« Söhnen umgeben, zu sterben. Uw 6 Uhr noch — «S «eilte gerade Rabbiner Dr. Güdemaan bei dem Patienten --- wurden im Tempel Gebete für seine Wiederherstellung gesprochen. Iellinek «kannte noch seinen AmtSkollrgen, doch oerstel a plötzlich in eine so große Scknoäche, daß « nicht mehr zu sprechen vermochte. Er geriet in eine» schlnnuuerhaften Zustand und »m 7 Uhr Abends» all eben die Tempelfnaktionäre von dem Gebe» zurückkehrtcn und an den Lehnsessel traten, in welchem er lag, entschlummerte a sanft unter den Todtengebeten, dir" Oberkantor Sing« »er» ridfrftf. — Adolf Iellinek wurde am 28. Juni 1821 in DeSlowitz A Mähren) geboren- Im Alt« von fünf Jahren verlor « seine Mutt« und worbe deshalb nach Ung. Brod in da» Hau» fein« Großmutter gebracht. Hin blieb « hi» zum Jahre 1884, in welchem Jahre « die rabbinische Hochschule in Protztitz besticht«. Sr erregte durch seine geistigen Fähigkettem namentlich aber durch die seltenen GedächtniSgaben Aussehen. In wenigen Monaten «» lernte der Knabe die italienische und französische Sprache so vollkommen, daß « Andere darin zu unterrichten vermochte. Nach vierjährigem Aufenthalte in Protznitz ging Iellinek nach Prag. In ta böhmischen Hauptstadt, in welcher « als Erzieh« wirkte. widm«e « stch den Gymnafialstudien und dem Studium vernachlässigen. Im Jahre 1845 betrat « zu«st die Kanzel der Jrraelitenaemeinde in Leipzig und «hiell nach segensreichster Wirksamkeit einen Ruf nach Wien, wo « seit dem Jahre 1867 erfolgreich wirkte. Auch in den vaschiedeosten Gebieten der jüdischen Wischenschaft bethtttgte er sich, suchte in den Bibliotheken nach selleuen Manuskripten und vaiffentlichte diese Schätz« in in dem sehr gejuchten und schon selten gewordenen W«ke -veth Hamidrasch". Die jüdische Geheimlrhre und die jüdische Religion»» Philosophie behandelte a ebenfalls und schrieb unt« Anderem Beiträge zur Geschichte der Kabbala, lleba die Ethnographie ta Juden schrieb n: .Der jüdische Stamm", Wien 069: -SD« jüdische Stamm in nichssüd'schen Sprichwörtern", in zwei Theilen, (1882) -Die hebräische Sprache, ein Ehrenzeugniß de» jüdischen Geiste»", (1881). Ferner «schienen Abhandlungen au» Jrlliurk'S Fed« im »Orient von Fürst, im .l'uniren brMlite" von Bloch in Part», in G«Sdorf» .Repertorium" in Leipzig, im Literarischen Zentralblatt, io d« Halle'schen Literaturzeitung, m "Frankel'» .Monatsschrift," in R a h m er'S»J»r Wochenschrift" -und in aud«en jüdischen Fachblätteru. Seit mehr all zehn Iabreu redigirte er die Wochenschrift .Die Neuzeit" unentgeltlich, «m d« Wittwe und den Kindern de» ftüh«en Eigeuthllm«» da selben, die Etzistenz zu ermöglichen. Seit dem Jahre 1860 ver» tzeirathet, seit anderthalb Jahren verwitwet, hiuterläbt « drei Söl-ne: Dr- Georg Iellinek, Professor de» StaatSrechte» tu HeideltaL Emil Mlinek. Direktor ta ftaozüssscl tmgrgesellschast L^ligle und Dr. Mar Hermann i votdozent au da Wien« Universität, ferner zwei 2 Zels und Frau Dr. Wechsbag- Im Jahre 1870 hatte Dr- Iellinek tu Leipzig fei» 26jährige» Predigerjubiläum gefriert^ mnf Jahre spät« beging « unt« groß« Theilnahm« seine-' silberne Hochzeit, vor acht Jahre« sein »GLhrige« Predigennbt» läum und vor zwei Jahre» seinen 7V. GebmtStag. anläßlich, dessen a Gegenstand herzlich« Ovationen war. Er wirkt« vor» «st am Leopeldstädt« Tenwel Wd kam im Jahre 1884 in den Stadttempel. an dem «fest dem Ab lieben seine» Aallvorgitzga», de» Prediger» Raunet«« <18. Mär» 18N> al» erst« Predi» g« wirkte- Seine letzte größere Gcheukrede hielt « am hundert» neu Geburtstage seine» Smllveraänger» Mannheim« am 17. Oktob« d- Iim Staddttempetz ab« noch am verflossenen Freitag weit «die gewöhnlich« EingaugSpredtgt für tat Saboath wkjchl S» war, al» ob « eine Ahnung gehabt hätte» daß a zum letzten Male zu sein« Gemeinde sprechen werde. Da» Thema, da» « sich wählte, war au» den letzten Tagen de» Patriarchen Jakob entnommen. D« Gedankenaang dies« Rede war ungefähr: .Im'letzten Abschnitte de» ersten Thorabuche» sind«» wir Jakob, den dritten Patriarchen, auf dem Krankenlager.. D« Hochbetagte fühlt, daß seine Tage gezähü seien und ihrem Ablauf nahen. Er würde ruhig «geben au» dem Leben scheiden, wenn ihm nicht me Unverträglichkeit fein« Söhne da» Gemüt belasten würde. §war war sein Ange vom Alter nmnachtet und vermochte die «stchtSjüge derselben nicht zn erkennen und zu unterscheiden. Sb« welch« Bat« trägt nicht die Bild« sein« Kind« im Haren tief eiugeprägt und unverwischbar in sein« Erinnerung? Bor dem Erlöschen seine» Leben» will « di« Söhne in sein« Umgebung wissen- Er ruft sie zusammen «tritt ihnen ab« zu» E einen nachdruckSvollen Wink, daß sie fortan in Eintracht, ch und verträglich zusammenlebeu sollen, da sie doch alle ich« Herkunft haben, Kinder ein e» Bat«», data Brüd«. find. Sein Ruf geschcch nämlich mit den Worten: -Versammelt euch, »«einigt euch, Söhne Jakob», horcht auf Israel euer»; Bat«!" Wohlerwogen nennt sich Jakob auch Israel; denn im Namen ruht die Lebenraufgabe, die Bestimmung, der Beruf - all« fein« Sprossen aus Erde». Israel heißt Gotterkämpf«; für Gott, für Erkenntnis da Wahrheit, de» Rechtes und der- Mentcheuliebe zu kämpfen und zu Seiten, zu ttagen und zu dulden — dazu find die Söhne d« Patriarchen erkoren worden. Darum sollten sie sich imm« al» Brüd« fühlen, io ta Einheit ihre Stärke suchen und finden. Eine lange Zukuust dehnt sich vor ibuea au« und ha«« ihr«. .Bedenk« daher wa» euch taegnen kau» in späteren Tagen!" sprach da sterbende Lata. Einmal wird ja doch jene Zeit «scheinen, wo die LVlk«stä«me au» Nacht und Finsternis dem Lichte nachwandelu Waden, de« Lichte, da» ihnen au» da Mitte Israel» «glänzt und «strahlt. Dar»» sollen die Söhne Jakob» alle v«eint und vabrüdrrt sein, alle die Jakob ihren Bat« nennen, die sich zu Israel bekennen:" ' Prag 81. Dezember. Zur Berichtigung in vor. Nr. üb« tar »n Jugend-Gottesdienst gebrachten Mittheilung wollen Sie' davo'rRottr nehmen,daß derselbe ohne Orgelbeglettung stattfuud und auch f«n« stattstnben soll. E»geschah die», auf Grund eine» ganz besonderen Entgegenkommen» unsere»- Borstande» (der zugleich die Majorität in d« gefammten Prag« Kulturrepräsentanz bildet, um auch de» Söhnen von orthodox Eltnn die Möglichkett zu geben, tn unserem Tempel zu ha ttren- Ich. habe r» auch mit Rücksicht darauf tn meta« L öffnungr-Ansprache td« u. A. d« orthodoxe Obarabbio«, Dr. Ehren seid beigewohnt hat) au«drücklich heworgehoden daß um«e Tempelgemeind«» die seit ihr« Begründung e» sich zm Ausqäde gestellt, tu zeitgemäßer Hebung de« religiöseu Sinne» tnunhaw der Gesammtgemeinde voranzuschreiten, e» sich al» bo- L iondae Ehre anrechne, m unsacm GotteShause, dem größten und: chönsten in Prag, die gesammte stubft«.-Jugend, ohne, lnterschied der Partei, begrüßen zu können, und daß sie in ihrem ernsten Eifa und in ihr« Friedensliebe kein Opfer gescheut — auch nicht di« ausnahmsweise Abweichung von unser« ge-i wohnlichen Liturgie. — Uebrigen» konnte ich m derselben Woche bei mein« Lhanuka-Festpredigt ebensfall» — obwohl Orgel und | Ehor wie imm« mitwirkten, — mtt Genuathuung die ge» ( sammte Kullurrepräsentam (einschließlich ta nicht zum Tempel - gehörenden konservativen Mitglieder), sowie die Vorstände der andnen Bethäus«. die besoud«» etogeladen waren, unt« meine» Zuhörem sehen. SS herrscht hi« überhaupt ttotz da Lerschiel tat d« Anschauungen ein wahrhaft wohtthumd«, mustagtl Toleranz. Diese ist von früheren Zetten ererbt. Al» vor Jahren Dr. Michael Sach» im hiesigmTempelwttkte und seine rein deusschen Predigten mindesten» ebenso »neu" waren, wie heutzutage Orgel und gemischt« Ebor» pflegte da stockorthod Rapp o p ort nichtidestoweMga oft den Predigtenin Tempel llwohnm. Ebenso herrscht zwischen ObbaabiuaHtrsch und Mos. Kämpf da» beste Sinoeriwhmea. D- A. «ammka.: Budapest. D« Bericht de» UnterrichtSa»»schuffe» ü dm Gesetzmtwurf betreffmd die iSraelitssche Religio», ein zs lich umfangreiche« Afteustück, welche» ta jugmdlich« Li' (S