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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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I — 5 — unter ihnen, H seit lange schon alt unerträglich empfunden, daß sie gegenüber de« empörendsten Angriffen das wichtige Geaennnttel, die Selbstvertheidigung, verabsäumten; diesem Uebelstande abzuhelfea, resp. da» Bersäumte nachzubolen, sei der Lentralverein entstanden, der autschließlich staatsbürgerliche Ziele verfolge: ״Die Wahrung der ge» währleisteren staatsbürgerlichen Jntereflen der Juden, und die Herbeiführung ihrer thatsächlichen und völligen Gleich« stellung in gesellschaftlicher und rechtlicher Hinsicht. Dabei Latte sich der Verein von Religion und Politik fern, und daher sei eS die Pflicht aller deutschen Staatsbürger jüdischen Glauben» ohne Ausnahme, aitf welchem religiösen oder politischen Standpunkt sie auch ständen, ihm anzugehören. Der Eentralverein verfolge in allen Fällen gekränkten Rechtes, überall da, wo Juden wegen ihrer Zugehörigkeit zum Ju» denthum eine Zurücksetzung erfahren, die Wahrnehmung de» Rechte» bi« in die höchsten Instanzen, um so Abhilfe zu erzielen, oder iestzu stellen, ob den Juden im deutschen Reiche wirklich der ihnen gebührende Rechtsschutz fehle. Gegen die Antisemiten wende sich der Verein nicht (?), nur da, wo sie beleidigen und verleumden, wird die Bestrafung solcher Personen mit allen Mitteln der Rechtspflege herbeiznführe« gesucht. ״Wir wenden uns," so schließt der Redner, ״an die maßgebenden Kreise, damit diese endlich die Judm in ihrer wahren Gestalt kennen lernen; denn bisher waren unsere GlaubenSgenoffen nur durch die Zerrbilder bekannt, welche -te Preffe de« einen oder de» anderen Lager» von ihnen ent» worfen hatte. Mögen nun die Juden durch den Rückhalt, welchen ihnen der Eentralverein gewährt, wieder lernen mit »er Würde der Gleichberechtigung aufzutreten und überall mrzulhun, daß die deutschen Juden gerade so gut und so chlech» find, wie die Deutschen anderer ReligionSgenossen- ׳ chaften" (Beifall.) Rach Ablegung de» Kassenberichte» entpaon sich eine längere Diskussion, an welcher sich die Herren Stadtverordneter Kalisch, Redakteur Steinitz, Dr. Mam» rotb, Pariser. Schneider, Kaufmann Hoffmann und Solomon betheiligten und in welcher namentlich die Absicht kundgethan wurde, eine Petition an den Herrn Kultusminister abzusen» den, behufs offizieller Einführung de» allgemeinen jüdischen Religionsunterricht» in den preußischen Staatsschulen bi» zur Reifeprüfung. (Wir bedauern, daß ua» von der Geschäftsstelle des Verein» lein authentischer Bericht zugegaagen ist, und wir auf die etwa» verschwommenen Zeitungsberichte angewiesen find. Deren Richtigkeit vorausgesetzt, begreifen wir manche Widersprüche nicht. Bon Religion will der Verein sich fernhalten, aber um Einführung deallgemeinen (?) jüd. Religionsunterrichts in den preuß. Staatsschulen petitioniren; gegen die Anti» semiten will der Verein sich nicht wenden, aber ihre Bestrafung herbeifübren, wo sie lügen und verleumden! Wie der Verein da» ouSführen will, ohne sich gegen die Antisemiten und ihre »eÄoaene Presse zu wenden, ist un» u-ierfindlich. Auch gegen die vielfachen Schmähungen unserer ReligionSbücher müßte der Verein energisch Vorgehen. Die hetl.Bücher deS Altm Testament» müssen doch denselben Rechtsschutz genießen, wie der ״hl. Rock" zu Trierl ES giebt gar viel für den Verein zu thun, wenn er nicht bei Worten und Bersprechnuaen stehen bleiben will. E» ist sehr Biele« bi»!jetzt gar nicht, oder nicht zur rechten Zeit geschehen.) Dresden. Die antisemitischen .Dresdener Nachr" bringen folgende Mittheilung: »Eine peinliche lleberraschung, die von Kennern der näheren verhällniffe freilich schon seit langer Zeit befürchtet wurde, ist der Dresdener ReichStagiwählerschaft von Dresden-Altstadt dadurch bereitet worden, daß fie ihren Vertreter t« Reichstag« in die schlimme Lage versetzt steht, stch gegen die denkbar fürchterüchftev Aallagen, die öffentlich mit Namen-unterschrist argen ihn erhoben werden, zu vertheidigen- Me Aallagen find von einer solchm Schwere und die politische und persönliche Ehre de« Herrn Z i mmermannso belastend, daß Herr Zimmermann dieselben angeficht» der Tausende von Wählern, die ihm ihr vertrauen gescheutt haben, nicht wird ohne Abwehr hinnehmen können- Ein Recht auf Rechtfertigung werden auch besonder» die engeren Parteigänger de» Herrn Zimmrrmann für stch in An» spruch nehmen dürfen, die ihre oft schwer erworbenen Ersparnisse in den Menst der lantisemitischen) Reformvartei gestellt haben." F. A»S Bade«, 28. Decbr. Kürzlich wurden Nacht» an viele Judenhäuser de» badischen Städtchen Mülheim große rote Zettel geklebt mit der grausigen Aufschrift: ״Schuldig I" — Die erschreckten Söhne Israel» fürchteten ein antisemitische- Attentat und suchten schleunigst bei der Polizei um Schutz nach. Die Sache llärte sich sehr ein- -fach auf: Eine Schauspielergesellschaft, die da« bekannte moderne SträflingSdrama ״Schuldig!" aufführen wollte, benutzte zu diesem Zwecke die genannte sehr — sonderbare Reklame. Mit dem besten Willen kann ich in die philisterhafte Heiterkeit, die allgemein durch da» drollige Vorkommnis entfesselt wurde, nicht einstimmen. Im Gegenteil! Je mehr ich über die Sache nachdente, desto ernster stimmt sie mich. Infolge der pöbelhaften antisemitischer« Agitation erwächst in vielen jüdischen Kreisen ein Gefühl der gesellschaftlichen Unsiche-r heit; man verliert da- Vertrauen zu den Mitbürgern und wittert hinter jedem Christen einen ״verkappten Ann". Wenn die übergroße, an Fergheit grenzende Aengstlichkeit zu eine« Charakteristikum de» modernen Juden werden sollte, so wissen wir, wem wir ein donnernde» ״Schuldig!" zurusen müssen. ״Jede» Volk hat die Juden, die e» verdient." **uter»Elsaß, im Dezember. (Or.-Corr.) Die öffeutlia, schulen Elsaß-Lothringenzählte am 1. November d. I. 6406 Schüler. Ihrer Konfession nach zerfallen diese 6406 Schüler: in 2644 — 39,7 pCt. Katholiken, 3145 49,1 pCt. Protestanten, 717 — 11,2 pCt. Israeliten. Die nichtöffentlichen, vdn kirchlichen Behörden unterhaltenen Schulen wurden am 1. November 1893 von 2105 Schülern besucht. Nach ihrer Konfession 1383 (-s- 67) Katholiken, 619 (-s-5) Protestanten und 103 (-j-) Israeliten. Bei Zusainmenrechnung de» Stande» der 26 öffentlichen und 6 nichtöffentlichen höher« Schulen ergiebt sich sonach ein Gesammtbestand von 85,11 Schülern, 3917 Katholiken, 3764 Protestanten und 820 Israeliten. Legt man die Zahlen zu Grunde, die sich bei der Volk»- zählung von 1890 ergeben haben (1,603,506 Einwohner, davon 1,227,225 Katholiken, 337,176 Protestanten, 34,645 Israeliten) so erhält man am 1. November 1893:1 katholischen Schüler der höheren Schulen auf 312 kathol. Einwohner, 1 protestantischer Schüler der höher« Schüler auf 89 protestantische Einwohner, 1 israelitischer Schüler der höheren Schnlen aus 49 israelitische Einwohner. Rach amtlichen Veröffentlichungen au» dem Jahre 1890 kam ein katholischer Schüler in Preußen auf 366, in Bayern auf 236, in Sachsen aus 435, in Würtemderg ans 187, in Baden auf 240 katholische Einwohner; ein protestantischer Schüler in Preußen auf 198, in Bayern auf ISO, in Sachsen 253, in Würtemderg auf!80 und in Baden aui 116protestantische Einwohner; eia israelitischer Schüler in Preuße« auf SO, in Bayern auf 27, in Sachsen aus 28, in Würtembergauf 17 und in Baden auf 24 israelitische Einwohner. An den elsaß-lothringischen Gymnasien bestanden im Schuljahr 1892/98 171 Obituren, darunter 82 Katholiken, 83 Protestanten und 6 Israeliten. Bon den 6 israelitischen Abiturienten wollen 2 Rabbiner «erden. In der gleichen Zeit bestanden an den elsaß-lothringischen Realschulen 176 Schüler die Reifeprüfung; davon 52 Katholiken, 101 Protestanten und 23 Jsraelititen. vftrrr<ich»V»,«r«. Wie«. SO. Dezember. Alle hiestgxn großen Tageblätter widmen dem vorgestern Abend verstorbenen Obberrabiaer Dr. Jellinek ausführliche Nekrologe und warme Nachrufe. Da» ״Neue Wiener Tagklatt" schildert den Verlauf der Krankheit

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