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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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ס 7 — -Sezn Papp auSge arbeitet hat, enthält mancherlei intereffante Historische Date« und »och inttreffanter« von liberalem Seist» durchdrungene Aenßernngeu, so daß e», gerade augeficht» der aueuttntonische» Peftrebaageu inDeutschland, nicht überflüsstaerscheineu «agEiuzelne» hier wiederzugeben. Sa» der historische» Einleitung -ersehen mir, daß erst i« Jahre 1092 die Ehe zwischen Christen und Inden verboten wurde. Bi» dahin, also bi» zum End« -de» 11. Jahrhundert», .waren Mischehen in Ungarn nicht Seltene«. Sn» de« Jahre 1291 wird ei» Brief der Stadt Preßburg angeführt, welcher erklärt, daß die dortigen Juden all« Freiheiten der übrige» Bürger genießen. Unter König Mathias kam 1464 bei Hofe dt« sogen. ,Hudenpräfektur" zn Stand«, welche daselbst die Jntereffeu der J»raeliteu tu »ertreten hatte. Diese amtlich« Instanz hatte auch die Bestätigung der Mischen Siechte und Freiheiten bei Fällen von Thronwechsel zu erwirken. Unter den Habrburgern hatten dann die Inden am meiste» zu leide»; sie hatten Kopfsteuer zu zahlen, wurden gezwungen, ihre Häuser zu verkaufen u. s. w. Der Zeitraum bi» zum Jahre 1783 war der traurigste in der Geschichte der uugarläudischeu Israeliten. Der Perordnuua Josef« II. vom Jahre 1783 gestattete ihnen jedoch, die höheren Lehranstalten de» Lande« zu besuchen, eigene Religionsgemeinden zu bilde», auf ihre eigenen Kosten Schulen zu bauen, Bauerngüter zu pachten, Säbel zu trage» und sich Aärte wachsen zu lassen; ja untrr gewiffen Bedingungen wnrden sie auch zur Su»übungder bürgerlichen Rechte für fähig erklärt. Im Jahre 1839 arbeiteten daun Distriktdeputatiooev einni Entwurf au», laut welchem die jüdische Religion al» eine reztpirte erklärt und alle bürgerlichen Rechte auf die Juden «»»gedehnt werden sollte». Doch schetterte da» liberale Gesetz an dem Widerspruch der Magnateutafel. I« Jahre 1846 wurde die Toleranzsteuer auf Intervention de« Erz- Herzog» Josef für 1,200,000 Gulden abgelöst. Im Jahre 1848 arbeitete Edmund Kallay einen Gesetzentwurf au», welcher allen Forderungen der Gerechtigkett und de» Liberalismus genügt hatte; doch erlangt« weder dieser, noch ein ähnlicher, -von Berthold Szemere am 28. Juli 1849 vorgelegte, Ent- »urf Gesetzeskraft. Endlich im Jahre 1887 ist unter dem Etusluffe Franz Deal'» di« Gleichberechtigung der Juden au«- gesprochen, da» Recht der Eheschließung zwischen Lhristen und und Juden und die Srlaubuiß de» Ueberlritt» zum Juden- - tum jedoch immer noch nicht angenommen worden. Die gegen- »ärttg vorgelegteu Entwürfe sollen diese letzten, «ehr kränkenden al» drückende» Ungleichheiten beseitigen, der Rezeption»- antmurf die Ermächttguug zum Uebertritt und da« Ehegesetz die freie Eheschließungen erwirken. Der Bericht schließt seineu ersten Abschnitt mit de» wahrhaft erhebeudeeu kulturpolittschen Worten: »Dies« Vorlage besitzt vom staatSpolittscheu Sestcht»punkte au» Mchttgkeit, weil sie di« au» religiösen Lerschiedenrnheiteu errichteten Scheidewände niederreißt und un» wieder eine» Schritt jenem großen Ziele näher führt, »nsere Bürgerschaft immer «ehr zu verschmelze» uud die Rrast unserer Nation nicht auf gegenseitige Eifersüchteleien, soudern auf da» einheitliche Zusammenwirken für da» Sffeutliche Wohl zu vrrweuden." Wenn der Bericht von diesem Standpunkt an» fordert, daß die Regierung auch legislatorische Maßregeln tteffe, damit in Zukunft ״nur solch« Pfarrer, Kauzelredner uud Cooperatoren angestellt werden dürfen, welch« ungarische Staatsbürger und der ungarischen Sprache »tächtig find", so darf man da» nicht al» Verstoß gegen den' Liberalismus, sonder» nur al» Konzesfio» au die uattonale Sttömung in der ungarischen Gesellschaft betrachten. Besondere» Jutereffe verdienen die Schlußworte de» Bericht«: ״Der «»»schuß empfiehlt den Gesetzentwurf endlich auch deshalb weil er in demselben außer der fich kuudgebenden Idee der SewtffenSfreiheit die Erhebung de» Lande» über di« konfesfionelen Sestcht»puntte erblickt, gegenüber unsere» Staatsbürgern israelitischer Religion, welch« auf dem Gebiete de» PatriotiSmu», der Menschenliebe, der Wissenjchast, Literatur und Kunst, wie auch der Volkswirtschaft, dem vou un» Allen über Slle» geliebten Vaterland« nützliche Dienste geleistet Hab«»." tteeril«. SiprftMfttt Am Sonntag, den 17. December, verstarb hier, 64 I. alt, Dr Heinrich Zirndorf nach einem kurr zen Krankenlager, von semer Gattin, der einzigen Tochter und einigen weuigen Nachbarn umgeben. Unerwartet ereilte ihn der Tod. Er predigte noch am vorletzten Sabbath, war am Sonntag noch beim Ehanuccahfest in seiner Gemeinde Ahavath Achim und sandte am Montag »och seinen letzten Beittag an da- Bureau der ,Deborah." Die deutschen Leser der ״Debo.ah" haben seit zehn Jahre» die literarischen Arbeiten depoetisch begabten jüdischen Gelehrten Zirndorf gelesen und werden gleich un» seinen Hinttitt tief bedauern und betrauern. sie werden niit un» eine« Lorbeerkranz auf da» Grab de» ttefflichrn Schriftstellers legen und zugestehen, daß wir Einen der besten Stylisten verloren haben. *) Zirndorf, geboren 1829 in Fürth (Bayern), sder Sohn einer alten wohlbekannten Familie, wurde daselbst und auf der Hochschule in München zum Rabbiner herangebildet. Er wurde nach St.-Mi»kol»I in Ungarn al» Rabbiner berufen und ging später nach England, wo er mehrere Jahre al« Lehrer ftrngirte, bi» er nach Münster al- Rector »«*־ Lehrer-SemiuarS berufen wurde. Im Jahre 1876 wurde Zirndorf nach Dettoit berufen al- Rabbiner der dortigen Gemeinde. Er waltete feine» Amte» acht Jahre, bi» er als Profeffor der Geschichte nach dem hies. lledrew Union College kam. Vor vier Jahren übernahm er da» Rabbiuat in der Ahavatb Achim Gemeinde, da» er bi» zu seinem Tode gewifftnhast verwaltete. Dienstag Nachmittag wurde der vortreffliche Mann auf dem Begribnißplatze der Gemeinde beerdigt; der Vorstand der Gemeinde, viele Mitglied der derselben, zahlreiche Freunde und Bertteter verschiedener Gesellschaften und da» ganze lledrer׳ Union College folgten dem Sarge zur GrabeSstätte. Der Tod hat einen genialen Gelehrten, eifrigen uud pflichtgetteuen Mann allzufrüh abgerufen. Die Reihe» lichten sich immer mehr. __ . Neueste uud vermischte Nachrichte«. Berti«. Da» Moritz Mauuheimer'sche Ehepaar hat der Mischen Gemeiude ein großartige» Geschenk von einer halben Million Mark gemacht zum Bau eine» ,Siecheahause»' res» .HoSpital».' Bre-U»«1 ׳. Januar. (Or. Sor.j Gestern halt am Rabbiaer-Semiuar die rabbiaische Prüfung der am 27. Januar zu entlassenden Kandidaten stattaestmdene E» wann die» die Herrn Dr. Freund und Dr. Dobschütz. Beide Kandidatt» haben ihr Eraattn bestanden, beide auch bereit» Anstellungen in Gemeind«, der ersterr in Tzarnikau, der letztere in St. »otschau (Oester. Schief) WeieÄtze» o/S-, 1- Januar. Am 26. v. M hielt di« Bereinigung israelitischer Lchrer OberschlestenS ihre JabreSversammlung hier ab- Da» Referat über ,Zweck und Ziel de» ^brätschen Unterricht» an der jüdischen Volksschule' hielt Lehrer Katz au« Rattbor- Nach Erledigung der Tagesordnung bliebe»! die Tbeilnehmer zu einer Nachfeier »e» Jubiläum» de» Lehrer» Nosenbaum l. zusammen, welche Oberkautor Finkenstein durch GesangSvorttäge verschönte- -ürtttzor. 80. December. Heute früh starb hier nach löst», aeremschweren Leiden San!tät«rat Dr. Stmon.Rosenthal. Der ' Verstorbene der ein Atter vou 64 Jahren «reichte, entstammte einer angesehenen Rattborer Familie, er ließ sich al» prakttscher Arzt vor mehr al» drei Jahrzehnten hierselbst nieder. Durch sei» aewiunende» Wesen und seine Tüchtigkeit im Beruf erwarb er fich bald da« Berttauen der Bevölkerung ohne Unterschied de» Stande« und Range». Al« Stabsarzt machtt er di« Feldzüge gegen Oesterreich und Frauttetch mtt und wurde durch Ehrenzeichen ausgezeichnet. Sin Menschenfreund, ein vortrefflicher Gatte und Vater finkt mit ihm in» Grab. Esse«, 2. Januar. Da» Sermöaen de» UnterftützungS-Berein» für die iSrael- Lehre: Rbeiuläno» und Westfalen» ist in7 letzten Jahre ans 77000 M. gestiegen, so daß die Unterstützung», quott erhöht werde« konnte. (Nähere« in nächster Nr ) *׳) Er hatt« auch Beiträge für unser ,Predigt-Magazingeliefert.

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