Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 1 (5.1.1894)
- Date
- 1894-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Altertbum» bestrebt, dst Frfselnsttner GlanbenSgenoffen zu lösen, cta Stic ft er im Dienste der Freiheit mldder Erkemttniß, und ZrofteB, bald der Mäßigung, bald der ÄufmunterunL immer aber der Belehrung über den unerschöpflichen StgenSauell unserer Religion und unserer heiligrn Schrift predigte. Nun ist sein Mund für immer verstummt, und wenn Ihr letzt im Stillen ihm ein dankbare» Lebewohl nachrufet, so erlandtJhr wohl, daß auch fth von dem Lollegen Abschied nehme- Am nächsten Sabbath werden e» 28 Jahr«, daß ich ich zum ersten Male io dieser Gemeindr an geweihter Statt« da» Wort der Belehrung verkünden durste. Sendem stand ich an seiner Seite und wenn auch unsere Meinungen und Sofichten mitunter auSeinandergingen. so ist doch 1 *-*•*-״ tM V4« ... er wurde tenft zuschreibe. Denn nicht» lag ihm ferner, aliauf da» Borrecht de» Atter» «.der Grüße zu pochen, gemäß dem schünen Spruch unserer Alten ließ er auch die Meinung de» Jüngeren und Geringeren gelten, wenn Se dem Frieden der Gemeind« dienlicher zu sein schien. Dafür inke ich ihm mit jener Aufrichtigkeit, dir er, wie ich glaub« nie bezweifett hat. die da» Einzige ist, worin ich mit ihm zu wetteifern gewagt habe und dir ich auch in der letzter Stund« an dieser Bahre bekennen darf und bekennen will- ES waren 28 Jahre gemeinsamer Arbeit, die ich mit Dir durchlebt habe, darunter waren viele Stunden herzlichen, verstaulichen MemunaSauStauschek, darunter war auch manche Stunde aufwallender Heftigkeit. Ader wie dem sein mag, wir wuchsen im Laufe der Zeit doch immer fester zusammen, schwer lüft sich ei» solcher Verhältnis, und mit Dir geht ein große» Stück meiner eigenen Vergangenheit dahin. , _ Von Jakob s Tode hat er zuletzt au dieser Stätte gesprochen: von ihm sagen unsere Weisen: »Mn dem Tod« Jakob» brach die alte Hungersnot wieder hervor." Sk ist da» Beste, wa» man von einem Menschen an seiner Bahre sagen kann, daß man seiner nicht satt geworden. Man wird hungern und dürsten nach Deinem belebenden Worte, und dieser Hunger wird nicht gestillt. dieser Durst nicht gelöscht werden. Das wstd Dein Angedenken und Deinen Namen Namen erhalten für und für - Amen!" Selbst durch die vom Herzen kommenden Worte so tief ergriffen, daß er stellenweise die Thränen mit Mühe zurückstallend unterbrechen mußte, wirst« Dr. Güdemann auf seine Zuhörer bi» zu Thränen.- Besonders al» er seiner eigenen 28jährigen Wirsamkeit an der Seite des nun Berblichenen gedachst u. in Erinnerung an die Zeit gemeinsamer Thätigkeit schluchzte, konnte auch da« Publicum die Rührung nicht bemeistern. — Als Dr. Güdemann geendet hatte, hoben Mitglieder de» EultuSvorstandeS den Sarg, trugen ihn vor da- GotteShau» und stellten ihn auf den vierspän« nigen Tramrwaaen, der fich unmittelbar darauf nach der israelitischen Abtheilung de- Eenstalfriedhofe« in Bewegung setzte. In zahlreichen Wagen folgten die Leidstagenden. In den Gaffen, die der Eonduct passute, brannten die Gasflammen in de» Laternen. Um die Mittagsstunde langte der Zug auf dem Friedhofe an. Als der Sarg auf die Efstade in lerLeremonienhalle gestellt war, «xecutine Obercantor Goldstein rinen Trauerchoral. In d.r der Halle sprachen der Rabbiner Dr. Schmied!, Dr. Jonathan Wolf, der Seminardirector Prof. Dr.Schwarz, die auSwärttgen Rabbiner Layserling-Pest. Lisch-Prag tiefempfundene Rachrufe, die das Leben und wirken de» Verstorbenen nach verschiedenen Seiten beleuchteten. — Unter Trauergesäageu wurde dann der Sarg zur letzten Ruhestätte gestagen und in da« Grab gesenkt, das neben denen des Volksmannes Dr. Adolf Fischhof und de- Altmeisters d«S jüdischen Tempelgesanges Professor Sulßer gelegen ist. Am offenen Grab« widmete noch Rabbiner Dr. Sch or dem berühmten Lanzelredner iunige Worte de- Abschiedes. Um hollb zwei Uhr war die Trauerfeier in Wien zu End«, aber dieTrauer in ganz Israel wird noch lange nicht zu Ende sein. Berichte und Lorrespsuveuze». Leutschlemd. M«gdeb«rS. 30. Decbr. Die heutige »Magd. Ztg." schreibt: In der antis. .Deutschen Wacht" de« Abg. Zimme mann lesen wst: ׳; י' j »Die Zittauer Morgenzeituna" ist ein Blatt, da» in seiner SampfeSwnse die gemeinsten Jodenblätter noch übertnu» ־' Seit einiger Zeit befolgt da» vornehme Blättchen gegenüber anttsemitischeu Bewegung eine Methode, die geradezu einzh Öt. Sobald e» nämlich irgend ein Verbrechen, Meineid, tiguim und dergleichen zu berichten weiß, fügt e» rege! _ den Zusatz hinzu, daß betreffender Verbrecher vorher stark Antisemitismus »gemacht" habe, um bei seinem Lesern so s Schein zu erwecken, da» jeder Anttsemit unbedingt ein L» und Verbrecher sei. In den Spalten des antisemitischen Organ« nimmt sich! diese sittliche Entrüstung höchst sonderbar au«. Den» die« hier gegeißelte Methode ist eine specifisch antisemitische, welchoH gegen die Juden angewendet wird, um bei den Lesern oder bei be»J Zuhörern in Versammlungen den Schein zu erwecken, daßZ jeder Jude unbedingt ein Lump oder Verbrecher sei. Berit». 1 Januar. Eine Anklage wegen Beleidig« der ersten Sstafkammer de« Landgericht» II. hatst Dono tag deu Redasteur der »StaatSbürger-Zeituug", Dr. i Bachler, vor die II. Sstafkammer de« Landgericht« I. geführt.^ Diese« Blatt hatte nachstehenden Arttkel enthalten: : »Al« ein schlagendes Beispiel für die oft erwähnte^ Thatsache, daß die Juden im Land« der Michel mit andere« ' Maße gemessen werden» als die Deutschen, erlaub« ich mir,, Ihnen mitzutheilen, daß der jüdische Arzt F. gegen ein? Laut' von 20 000 Mk. au« der Haft entlaffen ist und wie seinem Beruf« obliegt." In den Worstn nun, »daß die Juden im Lande d«r<z Michel mit anderem Maß« gemeffen werden, al» di« Deutschen" - war der Vorwurf der Parteilichkeit erblickt nnd deshalb vom Präsidenten de« Landgericht« II. der Slrafanstag gestellt worden. Die Anklage behauptet nunmehr, daß der obiae'Artikrleine^ schwere Beleidigung der Mitglieder der I. Sstafkammer Landgericht« II. mthält, indem er gegen sie den unbearündc Vorwurf erhebe, daß sie zur strafrechtlichen Verfolgung zogene Juden absichtlich begünstigen und bewußt zu Gunsten parteiische Lntscheidungeu treffen. Im BerhandlungSstrmin bestritt der Angestagst' seine Schuld und erüärte, bei der Aufnahme de« in Arttkel» weder die Absicht, noch da« Bewußtsein einer leidigung gehabt zu habe«. Der Staatsanwalt hiest den in dem Artikel Borwurf!«Parteilichkeit für einenso schweren, beanstagte, diesmal von einer Geldstrafe abzusehen, »nd Monate Gefängnis in Vorschlag brachte. Nach kurzer Beratung erkannte der Gerichtshof 'auf Geldstrafe von 100 ,Mk. Außer dein wurde der 1. S kammer de« Landgericht« ft die PublikationSbefuguiS Tenor» de» rechtskräftigen Urstil« zugesprochm und die > ziehuug de« Artikel», sowie Bernrchturg der Vorhand Plätten verfügt. Au» der Begründung ist folgende» hervorzuheben: dem incriminirten Artikel ist eine Kritik enthalten und z> bezieht sich diese auf eiue richterliche Handlung, der Borwurf der Parteilichkeit gemacht worden ist. Niemand den Arttkel objekttv durchlieft, wstd ihn ander« aufs können. Und auch t«r Angeklagte ist fich dessen b wesen. Gerichte aber müffen gegen deu Borwurf der!. keit unter allen Umständen in Schutz genommen werden: sie s nicht parteiisch, niemandem gegenüber. Beritts 31. December. Bor J-ahreSschluß hielt ״Censtalverein deutscher Staatsbürger jüdische» Glau” seine erste Generalversammlung in dem Festsaal der 1 schast der Freunde ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Mendelsoh n, gab in längerer 'Rü>e eine Resumö Leistungen de« BereinS, der sich bereit« über ganz De' land erstreckt und über 3000 Mitglieder zählt. Redner | au«, daß viele der deutschen Juden, und gerade die