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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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war ih« bis zu» letzten Atemzuge treu gcbUctaL Pt he it ta stautlichea Lebe», Freiheit i» Klauben, der Lehre, Gewissensfreiheit; für die kämpfte tu alle« seinen Predigten, in alle» seinen Schriften, in Aeußrruugen seines reiche« und univesell gebildete» Bielleicht encsprang seine« demokratischen Charakter 'Zug von EttAkeit, de« »au ih« vorwarf, Er dünkte den Höchsten gleich und mochte sich von Niemand über» geu lassen, und in seinem Wirke« und Schaffe» auf theo» ischem Gebiet hat ihn auch Niemand überragt. Er war! allen Feldern der zeitgenössischen Cultur heimisch, in der dtschen Altertumskunde aber in der wisseuschastlichen Exegese in de. Homiletik ein unerreichter Meister. Ja der tlichen Behandlung der Kab bala war er ein Bahn» doch blieb er auf diesem Wege gänzlich vereinsamt, eine Sammlung von Midraschim aber gaben Bub er den ul* zu dessen epochemachenden Arbeiten. Da» ist übertzanpt Jellinek» unsterblicher Berdienst, daß er auf jüngere te befruchtend und anspornend wirkte. Wo er aber etwas htiges keimen sah, da half er »ach mit allen Kräften, und materiell. S* werden viele heiße Thränea dank, um ihn vergossen werden. Die Jude» Oestereich» einen unersetzlichen Verlust erlitten, die Wiener Se- Wetude hat einen ihrer glorreichsten Rabbiner, daS Judentum; ihrer vielseitigsten Gelehrten, einen Kämpfer für Wahrt, Gleichbere^tigung und Freiheit, verloren. Er ruhe in 11 ________ Caro »Lemberg. Jellinefs Letche»beGL«g«iS. Das Leichenbegängniß Jellinek'« am Sonntag, dem letzten ge de« Jahre»18S3, gestaltete sich zu einer imposante« Trauer» ' »ng. Obwohl der Beginn der Trauerfeier für '/,11 Uhr ags angesetzt war, strömten bereit» um S Uhr Hundette Personen au» allen Bezirken dem israelitischen Tempel der Seitenstettengasse »u. DaS Innere des Gotte»hause» düster, der Feier entsprechend, dekorirt. Die BundeSlade schwarz verhängt, schwarzer Flor ding von den Wachs» m der Luster herab, schwarzes Tuch deckte da« Betpult den Sitz, den der Verblichene drrrch die lange Reihe »Jahren inne gehabt hatte. Mit einem einfachen schwarzen Hittuch bedeckt stand der Holzsarg auf einer Estrade vor vuudeslade. Sirandolen mit bmnuenden Mndlichtem den den Katafalk zu beide» Seiten. Unter den Trauersah mau: Den Bürgermeister Dr. P r i x mit den iten Roske und Dr. Bögler und den Gemnnrälm jung, Ritter von Soldschmidt, Lang, Karei», Simon, lfred Stern. Taaleicht, dm Ministeralrat Earl Brunner, von Wattenwyl und dm Superintmdmtm Dr. Schack dm Vertreter der evangelischm Gemeinde, Albert Frei» v. Rochschild, Hermann Freiherr« v. Künigswarter, und David Ritter v. Guttmann, Hofrat Ritter v. r, die Reichstagsabgeordneten Baron Oppenheim und Noch, dm Obmann des Bezirkau»schufie« Innere Stadt r, Hofschauspieler Ritter von Sonnenthal, dm Direktor Böhmischen Westbahn Angelo Ritter v. Kuh, Bankier - 0 ®<ma, Bankdirektor Ritter v. Borkmau, Mitglieder de« KultuSvc Standes, Rabbiner Dr. ling aus Budapest, Rabbiner Dr. Kisch aus Prag, Rektor des i»raelitischm Seminar» Prof. Dr. Schwarz, d»e "«de und Rabbiner aller irraelittischm Bethäuser in dm Chacham der türkisch-itraelitischm Gemeinde in die Deputation«» aus vielm Städten derMonarchie rc. Söhne des Verblichene«, Professor Dr. Jellinek und Hermann lZelltnek, die Töchter Frau Charlotte Zels und Frau Paukne wech-Verg, sowie die übrigen Hinter» blieben«» hattm in der erfim Bantreihe des Mittelschiffes Platz genommen. Oberkaator Singer leitete di« Trauerfeier mit der ungemein ergreifende» Exrkutiruna des 4L. Psalmes (»Dem Meister «in Psalm') ein. worauf Oberrabbiner Dr. Südemann die Kennet bestieg, um seinem Amtskollegen einm von warmen Gefühle und innigster, ungehmchelter Trauer dtktirtm Nachruf zu halt«, der dem tieft» Schmerze uv» sprünglichstm Ausdruck gab. Redner sprach: „Andächtfte Lrauaverfammluna! Run ist der schmerzlich« Augenblick gekommm, dm wir fett Jahren immer näher rucken sahen, der Augenblick, mtt welchem Dr. Adolf Jellinek, der Hochverehrte Lehrer de» göttlichenworte», für immer Abschied nimmt von dieser Stätte, aus welcher als Präger zu wirken, schon der Ehrgeiz de» Jüngling« war. und auf welcher e» ihm auch vergönnt gewesen ist, mtt der zündenden Gewalt seiner Beredtsamkeit die Träume »einer Jugmd zu seinem Ruhme, zur Ehre der Gemeinde und de» Judenthum» dt» an da» Ende seine» Leben» zu verwtrllichm! Zwar lastete da» Alter schwer auf ihm; für ihn be» deutete e» nicht dm golden schimmernden Sonnenuntergang, mit welchem ein beweater Tag zur Rüste gebt, sondern sein Alter war ein beschwerlicher und mühevoller Abstieg. Mancherlei Gr» brechen, ost «tederkehrmde» SiechMm und nicht zuletzt der Ler» tust der treum Leden»sefährtin stürmten zerstörend auf ihn ein und beugten dir gedrungene Gestalt, so daß sie zuletzt nur ein Schatten ihrer selbst war. Aber sein Seist blieb trotz diesem Allen austecht und ungebeugt. Wie Sott dm Wunsch de» Jüna» ling« erfüllt Hane, so erhörte er auch die Bitte de» Greise», wie vergönnte ihm den Tod auf dem Felde der Ehre und er ersparte chm da« traurige Lo». in einem unthätigen Greise«a'ter die Blätter seine» Ruhme«kränze« welkm zu sehen und ste zu überleben. Bor wenigm Wochen noch lauschten wir voll Bewunderung, wie er er seinem Vorgänger und College» an dessm hunoerftm Geburtstage eine begeisterte Lobrede hielt, in ihm gleichsam sich srchst schildernd, und noch am Borabmd de» vor» letzten Sabbate» sprach er mtt gewehnter Beredtsamkeit über dm laufenden Wochmabschnttt vom Ende Jakob», von dem die Sage gebt, daß er nicht gestorben: auch hier gleichsam über dm eigmen, so nuheu Tod hinau» greifend, in Jakob» Unfterblichjeit die fei* nige vorausahnmd und vorau»verkundmd. So kann man von dem Anfang und dem Ende deiner Laufbahn sagen: ste warm Gnadenerweisungm Gotte». Früh ward ihm die Palme zuteil und sanft mtglitt ste zuletzt' dm müdm Händen. Schnell und ohne Kampf, auf dem Lehnstuhl sttzmd, hauchte er seinen Geist au». Mttm inne freilich zwischen dm natürlichen Grenzen seine» Dasein», da fehlm nicht die Kämpft und Enttäuschungen, denen, wie e» scheint, da» am meisten veranlagte Leben am reichstm autgesetzt Ist. Ihr werdet von mir nicht erwartm, meine Freund«, daß ich in dieser schmerzlichen Stunde ein Lebensbild von dem theuerm Heimgegangmen entwerfe, da» seiner würdig ist. E» fehlt mir die Ruhe, um mtt sicherer Hand dm Pinsel zu führm und auch die Ausmerksamkeit, um da» Bild zu betrachten und zu beurteilen. Denn man urteilt nicht, wo man fühlt. Nur da» Eine hafte ich für die Aufgabe dieser Stunde, diese» Orte» und dieser Feier, von hier, wo Alle» an ihn erinnert, wo sein Name gleichsam in Holz und Stein verewigt ist» von dieser Stätte soll er nicht scheiden, ohne daß er noch ernmalvor un» lebendig wird al» der Prediger und Verkünder der göttlichen Wahrheit, al» welcher zu gelten, er allzett vornehmlich besttebt war, und al» welcher er der Gemeind« unvergeßlich bleiben wttd- Ihm war e» vergönnt, daß man von ihm sagm konnte, wa» Gott von Ahron sagte, dessen Ramm er ttug: er verstand zu reden. Me fein Vorgänger und Kollege ein gefeierter Redner war, so war er e« nicht minder, aber in anderer Weise und seine Eigenheit bat eine bedeutsame Wmdung in der Geschichte der jüdischen Kanzelöeredsamkeit Angeführt. Er schuf Neue» auf diesem Gebiete, indem er an da» Alte ank lüvfte, um die Pre» dtgtwetft unserer alten Meister mit den Ansprüchen moderner Bildung und modemen Geschmackes zu vermählm. Wie ste ein ' ' ' Auge hatten, um nicht bloß in der Bibel, sondem gleich, chm dr« Zeiim der Bibel zu lesen, wie sie ein feine» fei, im Ol U HW VH» JCVUCP Zeit, für die Stimmen, die lotterhau» dringen, so warp tu» Auge hatten, um nicht bloß in der Bibel, sondem gleich^ am »wischen dr« Zeiim der Bibel zu lesen, wie ste ' hr besaßen für dm PulSschlag der “ " " au» dem öffentlichen Leben in da» Go er durch dir gleichm Borzüge der Mttbeyründer einer neu « Predigtweise, well er ein gelehrter Schüler her Aftm war. Mt Ker reichen Gelehrsamkeit und Belesenheit, mtt seinem scharfe» stände und seinem treymdm Witz formte er jme Red«, und ÄAnsprachen, die Alle» m ihrm Bereich zogen und dmnoch immer ischem Bodm oliebm und welche durch die Lebendigkeit »Feuer feine» Lortraae», wie nicht minder durch die ge» wählte Sprache die Zuhörer fesselte», begeisterten, entflammten und da» reltgiöie Empfinden in cham neu belebte«. So war er währmd nur» halben Jahrhundert» der vielgettthmte Prediger einer alten Zeit nnd doch hinwiederum einer neum, au» die Waffen holend, für diese gleich dem redekundtgea A .

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