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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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jhm emporrankt«, braen nicht die Lectüre seiner trotz allgemeiner Verständlichkeit von rieferGelehrsamkeit dnrchdruageneu, und edlem feinen Humor fugenden Predigt« mit ihre» klasfische« Eatzbau »um unnachahmliche» Vorbild« gedient hätten. Diese Predigten, welche nicht auf Effekthascherei berechnet waren, der schablonenhafte,» Gliederung deshalb auch entkehrten, eignen sich darum vorzugsweise zu homiletischen Mustern, weil in ihnen der Scharfsinn der alte« Darschanim und die klasfische Form deeminenten GprachkünstlerS glücklich vereint find. So mancher Jünger, der eine von ihnen las, ließ wohl mutlos die Hände sticken, weil er die Kraft in sich vermißte. eS ihm nachzuthun; bald aber wußte Jellinek — wie ein tüchtiger Pädagoge — das Vertrauen des Lernbegierigen sich z a erzwingen, sein Selbstvertrauen »u stärken, und ihn den Versuch wagen zu kaffen, sein« — des Meisters -- Bahnen zu wandeln. Jellinek gehörte nicht Oesterreich allein an, sondern auch Deutschland mag sich rühmen, die Entwickelung diesegroßen Geiste» gefördert zu haben, denn er war schon in Leipzig weg« seiner Sanzelvorträge anerkannt, ehe er als Nachfolger Mannheimer» nach der Kaiserstadt an der Donau berufen wurde, woselbst diese begeisterte Gabe de» vielseitigen Gelehrten, der auf so vielen Gebieten glänzte, ihre Vollendung erhielt und auch in christlichen Kreis« bis zu dm oberst« Zehntausend« hinauf ihre herrlich« Triumphe feierte. Jellinek ist nicht mehr, er ist von den Leid« und Gebrechm seiner letzt« Lebensjahre erlöst Mag es seiner Gemeinde und sein« Angehörigen zum klein« Trost gereich«, daß der Verlust in allen Gemeind« Israel», bei allen Rabbinern und jüdisch« Gelehrt« mit tiefstem Schmerz mit- «mpfund« wird. Wir Alle Hab« chn verlor«, bran ein Großer in Israel ist gefall« und «eine Feder ist zu schwach, dem allgemein« Kummer gebührenden Ausdruck zu verleih«. Jellinek roird, solange «S eine jüdische Literatur und Kanzelrednrr geben wird, unvergeffm bleiben. משתכחין kVi חבל על Dr. L tuger-Eoblenz- Der Totz J-Mtrek's Eine L«chte Israel« ist erlosch«, eine Leuchte, die nicht gckleudet, sondem so viele Geister erhellt und so viele Herz« erwärmt hat. Adolph Jellinek ist nach kurzer Krankheit verschied«. Er hatte nicht Seine-gleich« und der einzige Trost, der un» bleibt, besteht darin, daß seine Werke ihre belehrmde Kraft auSüb« werden auch noch «ach Jahrhundertem Jellinek hat da» Feuerwerk de« Witze» und de» geistreich« Wort- und Gedankeuspiel» nicht verschmäht, aber in seinem Seme war er die Sonne, von der die klar« und warm« Gedanken und Eaipfindungm auSstrahltm. ZadokSahn, der Grsß-Rabbiner von Frankreich, hatte ihn in einem Briefe, den diese Zeitschrift in letzter Nr. veröffent. lichte, al« sein« .Meister' gepriesen. Da« ist er all« den« gewes«, die jetzt auf Wisch« Kanzeln das Wort der Religion verkünd«. ES giebt Predigt«, die insoweit ihr« Zweck erfüll«, als sie die M«ge erbau« und begeistem. Dieser Beifall veranlaßt dann die Redner, die Red« in d« Druck zu gebm, aber d»e Verfasser erfahr« eine schwere Enttänß der Beifall der Fachgmossen bleibt au«, der Kundige keine Anregung, e» find nur einige Gemeinplätze zus, gestellt, die durch «in« stürmisch« Bortrag vielleicht momentane Erregung erzielt Hab«, die aber, gedruckt, al« seicht und bedeutungslos erkannt worden. Druckwerke giebt e« in Menge, die ohne jed« Schadm die Literatur.de« JudmtumS verschwind« könnten. ( Oder e« werde» gar Red« gedmckt, diegaruicht dem gedacht find, die eigentlich nur altjüdisch« DeraschotSj sind, welche gleichsam nur au« Versetz« in deutscher Sp erschimen sind. Jellinek- Predigt war durchaus deutsch und Wisch. Die Wirkung auf den Leser war nicht minder haltig, al» auf die Hörer. Jüngst schilderte dem Referent« ein schlichter und ständiger Mann au» dem Bolle d« Eindruck, dm Reden vor vierzig Jahren in Leipzig auf ihn gema Hab«. Der Eindruck war noch h«t frisch, lebendig, sam, währmd, wie er hirrzufügte, die Theaterleiftungm! cher modern« Prediger, ihn völlig kalt ließen. Jellti Predigtsammluug« sind in unserer Zeit vielleicht die bestes Quelle für eine tiefere Erkenntnis de« Judentum«. Er rin fteisinniger Theologe und hat nie mst seiner Ueberzeu^- ung zurückgehalt«, um irgmd einer Tagesstimmung oder gar) um irgend einer mächtig« Persönlichkeit zu gefall«, aber er g hatte Liebe zu d« altjüdisch« Ueberltefemng« und BxrtJ treu bemüht sie nach ihren tiefer« Gründm zu versteh und zn würdig«, auch wenn er ihre gegmwärtige Geltung j ablehute. So bleibt Jellinek unser Lehrer und Meister jeder verständige jüdische Prediger wird au« de« Geg quell schöpfen, dem er un» gegraben hat. Z«r Lharwkterifttk Jelliwers. Jellinek war einer der getstvollst« M«sch« Jahrhundert». Ob er predigte, oder lehrte, ob er die schwierigsten Probleme der Wissmschast behandelte, in leichter Lanserie die Fehler der Zeit geißelte, immer er feffelnd, durch geistreiche Einfälle entzückend, durch Reiz feinst« Witze» bezaubernd. Ich kannte nur unser« verstorben« Lehrer JoSl, dessen Witz noch deffm SarkaSmuS noch liebenswürdiger war, al» der; Beide war« sie schwerhörig, Jcklinek in höherem als Joäl und vielleicht ist Taubhett eine cauanmoveo» wickelt« Geistreichtums. Die Taub« hör» nicht viel Plattheit« und Gemeinplätze, die d« hörend« venvirrm und ärgern, Hch lief vor Jahr» mit de« klärt« Meister stundenlang tu d« Wälde« umher, ich gab nur hie und da mit einem Worte Av aber von sein« Lippm sprudelte r» wie «in Quell voll! heit, voll Menschenkenntnis, voll feiner Satyr«, voll licher Laune, aber auch manchmal voll bitter« Er hatte nämlich eine Aebe i« Herz«, der hatte er geschworm bi» zu» Grabe, ater diese Licke verursachtes besonder» in dm letzt« Jahrzehnt« tief empfundene kungen. Jellinek» heißeste Lieb« galt der Freiheit^ Bruder Hermann hatte diese« Ideale da» Leb»

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