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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 52 (1893) · p. Seite 204

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
52 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
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schnell nmrbt et» Kehn ins Lasser gqogen, -dem bald »ach eisitzt andere folgte». .Um LotteMoilr»!' rief der Rabbi plötzlich „tt st»d Mieschen ia eine» strnerlose» Schiffe, öomärt» helft, vielleicht könne» wir fie retten!' Di« Sühne wurde» jetzt dem schwimmenden Schiff« entgegengerudert und gar bald waren die Insasse» delselbe», Gabriel mit de« beide» Mädchen, gerettet und au» Ufer gebracht, umringt von de« Dorfbewohner». Mehrere Lage verbliebe» die Gerettete» bet de» gastfreundlichen Dorfbewohner», um fich zu erhole». Zum Abschiede beschenkte Gabriel die Leute reichlich — di« fich dagegen vergeblich wehrten — undstt verliehe» da»» auf einem bequem hergerichtete« Fruchtwage« da« gastliche Dorf. Bald kamen fie auch in bewohntere Gegenden, woselbst st« bald zu ihrer «nanßsprechliche» Freud« die Nachricht mm de« König» unb Don Scanne!« Rückkehr erhielten, die so lauge al« todt betrauert wurde». Wer vermag da« Glück und die Seligkeit z» beschreibe», al» sie endlich wieder in Sevilla anlangten uud fich Judih vor Freude laut weinend au die Brust ihre« Bater« »arfl- 19. Man motbet mich! 3» ganz Sevilla herrschte heute ei« rege» Lebe». Festlich geschmückt waren die Straße», auf denen fich da« Soll versammelt hatte, um den König Do» Pedro zu schauen »nd «u begrüßen »ach dem über Do» Heinrich allerort» errungenen Siege. Juden und Christen bunt untereinander gemengt, stände» zu beide» Seite» der Straße und erwartete» die Ankunft de« König». Unter den Harrenden befand fich auch Santob Löw mit seinem älteste» Knabe», um auch ihn den König schaue» -» laffen nud war eben im Begriffe, ihn über di« Bedeutung der heutigen Festlichkeit zu belehre», al» fich ihm leise eine Hand aas die Schulter legte. . Erschrocken wandte fich der Rabbi um und blickte in die ehrliche» Auge»— Joel«. »Du, du hier?' rief er freudig, »Ol wie Hab' ich um Dich geträllert, Dich längst verloren gegeben. Dich längst todt geglaubt. Wo warst Du? warum gabst Du kein Lebenözeichen vo« Dir? Da» war unrecht." „Du hast recht Rabbi,' antwortete Joel, »und auch wieder nicht recht. Sieh, al» ich dort drüben in Toro glücklich entronnen war, da kam die kalte Ueberlegung. Wohin sollte tch, wa» sollte ich? Der Hochzeitknarr mußte für immer todt u»d begraben sei», zum Landsknecht taug' ich nicht, und der, der ich gewesen, lebt schon lange nicht. Ich komme mir vor wie et» Schatten» der in der Lust schwebt ohne Halt. E« war, so hielt ich «» für da« klügste, wohl am Beste», vom Schauplatz zu verschwinde«. Ihr hieltet mich gewiß für todt »nd damit au »l Ich trieb mich draußen im tzftich« ««her — ziello», ich hofft« eine Spur zu entdecke« vo» ihr. Und dann müde an Leib und Seele kehrte ich gestern zurück. Und sonderbar, e« zog mich wie mit Zauberkräften hinüber in da« Hänichen zu de» alte« Leute». Sie liebe« «ich so sehr und hättest Du di« Freude gesehen, al» ich zu ihnen kam, wie fie mich bevillkommueten, oh wie ganz ander» konnte e« heute fein, ganz ander»! Doch stille jetzt — dort kommt der König mit seine« Gefolge.' Et» glänzender Zug, in dessen Mitte der König, Do» Samuel und die übrigen Minister fich befanden, sowie die Zierde« der eastilischeu Ritterschaft, bewegte fich an« dem königliche» Palaste, um fich hinan» auf de» Festrlatz zu begeben, woselbst ans errichtete» Tribünen fich die vornehmste» uud schönsten Dame» etngefnnde» hatte», um de» König zu begrüße». Dortselbst hatten auch der Rabbi Santob Löw und Joel ihre Plätze und konnte» da» großartige Schauspiel bequem übersehen. Äanwr wieder erklangen Trompeten und Hörner, immer ' lijer Jnbelrnf de» Belle», dach Don Pedr», der die» alle» sah und hörte, ritt schweigend, vor fich' blickend. Urcheimlich leuchtete» seine Auge» »nd Zeit zu Zrtt umzog ei« eizrnthümliche» Lächeln Mundwinkel». Don Samuel war unruhig» nur.z« gut bemerkte er > König» Zustand und dennoch mußte er schweigen, nur da» Geringste in dt« Oeffentlichkett, so war e» frlhast, daß Don Heinrich sofort erschien, um di« Regentschaft s übernehmen. .Wa» meinst Du Rabbi»' flüsterte Joel, indem er anf I König zeigt« »sehen so gesund« ftöhltch« Mensche« an»?' „Schtoeige, Joel, um GotteSwille«, daß niemand dich f wir Werder, später darüber spreche», wen» wir allein st» Der König war jetzt in-ihre unmittelbare Nähe Plötzlich vernahmen sie über ihre« Köpfe» ein Sause» schon t« nächsten Augenblicke fuhr Don Pedro erschrockeni .Mar mordet mich!' schrie er laut auf »,d seine ficht wurde noch fahler, seine Auge rollte» unheimlich, währ« er einen Pfeil, der ihm in de» Ar« grdrnnge« war, «tt! heit an« der Wunde riß und ch» weit vo» fich schl. Sine unbefchreibliche Verwirrung entstand jetzt in Menge, und während Einige au» de« Gefolge de« KI beistomden, sprengten andere unter da» Volk, um wo de» Meuchelmörder» habhaft z» werde». ,E« war ei» Jude, ich Hab ihn geseh'«!' ließ sich eh Stimme dicht hinter Rabbi Löw «nd Joel vernehme» andere Stimnen wtederholteu: „£» war ei» Jude, e» ein Jude!' .Wir thäte» gut, von hier fortznkomme», da« wird immerärger,' meinte Joel, „und nachdem sie alle scs daß ein Jude bi Meuchler sei» müsse, so glaub« ich, fie gar bald auch handgemein werde«, wir aber habe» Besse z» thuu. Trachte den Kleine» «ach Hanse zu bringen», werde Dir bald folgen. Will »och »»sehe», wie diese mödie, di« vo» Don Heinrich angezettelt ist, autgeht.' Rur leicht war die Wnnde de» König», doch sein unbeschreiblich. „Greifet de» Elenden," schrie er „steift ihn auf, tert ihn zu Tode!" ,,S» war ei» Jude, e» war ein Jude!' riefen jetzt mal» viele Stimme». „Wer e» auch sei, er muß sterbe« l" schrie der wieder mit vor Wuth bebender Stimme, „greift ihn, ihn hierher." Don Samuel war nicht von der Seite de» König» ge .^Befiehlt mein König, daß wir »mkehreu?" „3urict? jawohl, doch den Mordbnbe», will ich heut« in «einer Gewalt haben, hörst Du, Don heut« »och, sonst, ich schwöre e«, solle» ganz Eastilien» büßen, wa» der Ein« mir gerhan." „DieS wär et» Unrecht, mein König", sagte Do» muel fest, „ein gewalttge» Unrecht! Wer will e» daß e» ein Jude war. Glaub' mir mein König, solch verbrechen» ist einer der Unfern nicht fähig, di« Dir anhänge» in großer Liebe und Treue." .^vrtng' mir de» Bube» heute noch!" entgegnet« der 1 finster, „wenn nicht, ich Hab'» geschworen, müsse« sie diese Schondthat büßen." „Höist Du", mein König, „die Sturmglocke« verabredet war der Plan, fie werde» jetzt morden, und plünteru." „Laß fie, vielleicht finde» fie de» Mörder," Pedro unheimlich. .Sie werde» chu nicht finden, den» er ist unter i selbst Willst Du «ein Lebe», mein König, so hin, e» ist mtt schon zur Last, doch Unrecht darf ich' dulden.' „Dein Lebe»? Wa» soll e» mtt? Schaff' Buben!" sagte der Sbnig mürrisch.

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