Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 52 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Hrrau»gegeb«n von Dr. fl. »l,h««r in Magdeburg. Zur Uuterhsttuug uud Belelfruug für die israelitische Familie. Da, „ravu Weürv »avrfuolr >a Kr jffamUira»»l«tt" erscheint w hdvnck» an» dtrsrm »litte '* - h wöchentlich alB Vv«tt»-»eU»or zur ,.r»varltttfchen Mochrnschvtflist nntevf« at — Die Einzelnummer kostet 10 »fg. bei der Srveditton. I « r # ... _au _ * /« . r. i v ♦ , . / _ Do« Pedro uud sei« jüdischer Miuister. EtKertsch» «nicht»», «,» de» 14. 3«W«*»*rf. Bon >d. ». Zemlin»zkv- (yoetsetzung.) Gewitterwolken kamen langsam heraufaezogen uud ein »sen in den Wipfeln der Bäume verrieth den nahenden mu „Da, Wetter ist für meinen Plan günstig, doch nicht |U schnell darf «* lo»gehen, sonst wer wnß, wie r« auSfällt," sagte Gabriel in seinem verstecke. Sine Stund« mochte bereit, verstrichen sei«, daß sich dt, .Fremden zur Ruh« begeben hatten. Der Sturmwind wa, immer heftiger geworden «ad groß« Regentropfen fiele« bereit! Erde, alt fich endlich Gabriel vom Boden erhob. Zu, .-ficht lockerte er sein Schwert in der Scheide, verband de« rde mit einem Tuch« den Kvpf, damit e» nicht scheue, unt . zog er e« leise am Zügel mit fich fort. Bei der Brrtterhütte angelangt, in der fich die beider eingeschlossen befanden, schob er vorfichtig da» frühe, ,lüste Brett zur Seit« und trat, rin. Tiefe Dunkelheit herrschte in dem Raum« und zögern!, er stehen. Lom nächsten Augenblicke mußte jetzt Alle!! ,»gen; «in »nvorfichtiger Aufschrei der Mädchen, könnt: Wächter erwecken uud dann war Me» verloren. .Judith, Ester" rief er leise, .ich bin hier, Gabriel, bot) hi» kein Geräusch» draußen vor der Thür« liegt eine Wach«.-' Sofort hört« er ein Rascheln, dann näher kommende rhU uud — Judith lag an Gabriel» »rnst. »Kommt schnell, schnell, ich hoffe euch zu befreien" un, die Oesfnung trat er jetzt mit de» beiden Mädchen in'» rie. Schnell hob er jetzt di« Mädchen auf den Rücken de» », «ahm datzselbe ftst am Zügel «ud trotzdem sein Herz Aufregung stürmisch klopft«, fühtte er e« um kein G«. zu verursachen, langsam Schritt für Schritt vorwärt» ucchen Wald« zu. Einige Hundert Schritt waren fle so »orwätt» gekomme,, da» »evttter mit seiner ganzen Macht lo»brach. .Haltet euch jetzt ftst", sagte er, .wtt «üflen schneller kommen", und sofort begann er mit dem Pferle grauenhafter Blitz durchzuckte jetzt di« Lust und eia Donurrschlag machte die Erd« erbeben, rlich sahen fich die drei Fliehende» nach rüc!. (W, und wa» Gabriel befürchtet«, war ringetrete». Donner hatte die Männer an» de« Schlaft gestört; vor di« Hütte getreten, und sofort hatten sie in Beleuchtung der rasch aufeinanderfolgenden »li>»e taMtft, denen sie lant rufend »acheltten. Sie folgen uns", rief Gabriel, .jetzt hribt e, vorwärt» kommen", und er begann, da» Pferd am Zügel führend, noch rascher zu laufen. Jetzt hatten fie da» Ufer erreicht, schnell sprang er hinab, um da» Schiff vom Seile zu befteien, während die beide« Mädchen vom Pferd« absprangen. Einer der Verfolger war den andern weit vorangeeilt und faßte jetzt mit roher Faust Judith am Arme, welche einen Schrei au»sti«ß. Gabriel, der noch immer mit der Freimachung de« Schiffe» beschäftigt war, hatte kaum den Schrei gehött, al» er rasch herbeieilte. Sofort riß er da» Schwert au» der Scheide «nd schlug den Angreifer zu Boden, dann nötigte er die Mädchen zum Sinstetgen in da» Fahrzeug, durchschnitt da» Seil und fich selbst hinetnschwingend, stieß er e» vom Ufer ab. E» war die höchste Zeit. Schon waren die Verfolger herangekommen und einige von ihnen machten den versuch, dem Schiffe nachzuschwimmen, doch konnten fie den aufgeregte« Fluten nicht stand hatten, und mußten ftoh sein, wieder lebend da» Ufer zu erreichen. Bleich einer Nußschale wurde da» Schiff umhergeschleudert und jetzt erst bemertte Gabriel zu seinem Schrecken, da» sämmt» liche Ruder fehlten. Wahrscheinlich hatten fie die Männer vor dem Berlaffen de« Schiffe» am Ufer geborgen. — — Etwa zwei Tagereisen von Tudela entfernt befand fich ein kleine» au» 80— 40 Häusern bestehende» Dorf. Die Bewohner derselben, zumeist sephardtsche Juden, die einen kleinen Handel mit den nächstgelegenen Ortschaften betrieben, lebten armselig, doch herrschte Zufriedenheit unter ihnen, und selbst wenn, wa» freilich selten vorzukommen pflegte, eia Armer stch in da» Dorf verirrte, so fand er gastliche Aufnahme, und gerne gaben fie von dem Wenigen, da» fie besaßen. Da» Oberhaupt dieser kleinen Gemeind« war Rabbi Beu» jami» Misca, ein berett» alter Mann» den Alle wie einen Vater verrhtteu, und seinen Worten ohne Widerrede Folge leisteten. E» war ein schöner Morgen dem schrecklichen Ungewttter, da» in der Nacht getobt, aefolgt. Frühzeittg, kaum daß dir Sonne ihre ersten Strahle« «utsaudtr, waren All« schon in'» Freie geeilt, um zu schaue», wa» der Sturm von ihren Feldfrüchten vernichtet, wa» er übrig gelaffen. Der Rabbi war schon weit weg von seiner Wohnung uud zu ihrem Erstaunen fanden fie ihn auf einem vorspringenden Felsen amllfer stehen, ihnen schweigend mit der Hand-nach den Mute» de» Ebro zeigend. In der Ferne sahen fie einen Gegenstand ihnen entg«. gentreiben, ohne jedoch zu erkennen «a» e» war. .Wir müffen un» gedulden", sagte der Rabbi, «jedoch wolle« wir Vorkehrung tteffea, um «n» zn überzeugen, «a» «» ist."