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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 51 (1893) · p. Seite 200

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
51 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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,Ma» bringst Du wir, Don Samuel," fragt« der ftBtrig den eben eintretenden Minister. „Gute Nachricht, mein König. Trastamare ist ans der Flucht." „Möge er zu Grunde gehen," knirschte der König. „Seine Anhänger, sein ganze» an» Frankreich mitgebrachte» Heer ist zerstreut. Fünfhundert Gefangene find tu unsere Hände gefallen, mehr denn zweitausend Feinde find todt und ebalsovieft verwundet." „Fünfhundert!" sagte Don Pedro, „nur fünfhundert, ich wollte, e» wären mehr, und ein grausamer» blutdürstiger Ausdruck legte fich über de» König» Antlitz. In Toro bestand mein Gefolge au» fünfzig Edelleute», kommen also -eh» ans jeden von ihnen, viel zu weuig, viel zu wenig!" Don Samuel erbleichte. „Ich lass« die Gefangenen nach ihrer Heimat briugeu." — „Du bürgst mir für jeden Änzelne« mit Deiuen Kopf," schrie Do» Pedro, während Schaum vor seine» Mund trat. „Erinnerst Du dich noch, Don Samuel, an Toro? Sahst Du mich dort weinen?" — „Ja!" „Dort hatte ich noch ein Herz, Don Heinrich hat r» mir gemordet. Seit damals habe ich keine Thräne mehr vergossen, und Blut flimmert mir in de» Augen. — Blut muß ich sehen, viel Blut! Mein Bruder überraschte mich damal», mit jenem schrecklichen Gemetzel au meinen Getreuen. Dafür bin ich ihm den Dank noch schuldig. Warum ward er nicht gefangen? Gr wird ein Schauspiel sehen können, wie er es so sehr liebt. Don Samuel, gieb Auftrag, daß man den Gefangenen noch heute die köpf abschlägt, und damit die Mauern unsrer Stadt Toledo krönt." „Mein König," rief Don Samuel, entsetzt über diesen Befehl. „Sei gütig und menschlich. Bedenke, fünfhundert Menschenleben!" „Nicht eine, darf übrig bleiben, hörst Du, nicht einer," und der König lief in seinem Gemach umher und rieb fich vergnügt die Hände. „Me müsse« fit fallen,?lll«l" „Mein König laß Dich besänftigen, viel größer, erhabener edler ist e», zu verzeihen i" .verzeihen?" gellte die Stimme de» König», „verzeiheul Morgen früh will ich sie schauen, fünfhundert Köpfe auf den Mauern oben. Hörst Du, fünfhundert, ich selbst will fie zähle», und wehe demjeuigen, der schuld darau, wenn einer fehlt" und er warf einen finsteren bösen Blick auf Don Samuel. „Ich selbst will dabei seiu, ich selbst und Du auch." »Mein König, laß mich fern von solchen Äreuelscenen, die meinem Herze» widerstreben." »Du bist dabei, ich will rt." Niedergeschlagen verließ Don Samuel de» königliche» Palast. Auf dem Wege begegnete er Rabbi Sautob Lüb. „War fehlt Euch, Don Samuels' fragte der Rabbi, ,Lhr seid so bleich, seht gar so düster drein, wa» ist geschehend »Ich habe in di« Zukunft geschaut" sagte er traurig, »vergeblich war do» Opfer Joel». Hört Rabbi, ich will Euch «in Geheimniß auvertrauen, doch hütet e» bei Enron Lebe»! Do» Pedro ist w hnsinnigl" »War sagt Ihr da!" »In Toro schon könnt' ich die erste« Zeichen dieser Krankheit sehe«. Der veberfall Don Heinrich« sowie dar schreckliche Hinmorde» de» königliche» Gefolge» übten auf den König einen unheilbringenden Eindruck an». Seit jener Zeit hat fich sein Auge umzogen «ft einem blutigen Schleier, und rH Wahnsinn» schreckliche Dtordgier hält sein Herz gefangen. Soeben gab er mir Befehl, die fünfhnndert Gefangene» noch halte „Entsetzlich l Don Samuel verhütet e«. E» wäre für nn» M« ei» schrecklich Unglück. Wir »erden dann al» Urheber Mef-I Massenmorde» bezeichnet." .Mrrhüte»! kan» öch'ü denn. Ich Hab'» versucht, doch er / . Zchr^nytft »ich einst, Rabbi, M» ich über Mt Sicherheit der Juden denk«. Ich gab Euch bernhige Antwort. Doch heute hört, heut rath ich Euch» «acht da» Schlimmste Euch gefaßt. Lastilien» Boden glüht, lasset diese» Land, sucht Euch ein« neu« Heimath, ve ' digt Eure Freund«, Enre Liebe». Ihr braucht nicht»»» stürzen» doch glaubet «ft, e» nimmt kein gute» Ende." ..Und Ihr. Don Samuel?" „Ich bleib« hier, di« Pflicht, gebietet e» «ft hier att»*j zuharre»." — — Wenige Stunden später begab fich der König mit Donl Samuel nach dem großen Gefängnißgebäude von Sevilla, »oht»^ mau sämmtlich« Gefangen« gebracht hatte. Dort augelangt stellft fich der König, genau so wft Tor», an da» geöffnete Fenster, «nd schante hinab in Hof, woselbst M« Henker ihr schreckliche» Tagewerk verrichte Unheimlich glühte« de» König» Xnae» und ei» digende» Lächeln zog über de» König» fahle» Gesicht, so ein Kopf fiel. »Schau doch Don Samuel!" rief er dann wird .welche Ehrfurcht st« vor ihrem König habe«, wie ttes fie Köpf« vor mft beugen." Schaudernd hatte fich Don Samuel abgewandt »nd tiefes Trostlosigkeit hatte fich seiner bemächtigt. „O, wären wft beide in Toro geblieben Zett unsere»^ Leben«", sägte er zu fich, ,^» wäre vftl besser gewesen, besser für Me, für da» ganze Land." 18. G er« ttet. Gabriel hatte tag«über da» Schiff nicht au» de» gelassen und wartete schon «ft Ungeduld bi» e» landen wür wa» zur Nachtzett bestinynt geschehe» mußte. Wohl sah er ein, daß er mit Gewalt nicht» an»zar vermochte, doch hoffte er vielleicht durch List in dft Nähe deri Mädcken zu kommen. Endlich sah er da» Schiff fich langsam dem Ufer Bier Männer fttegen au» demselben, während dft Uebrig« Schiff« zurückblftbe», da» jetzt wird r vom Ufer abstieß nach der Mitte de« Flusse» hi» fich bewegt«. ,Ma» ist da»?" fragte fich Gabriel erstaunt. „Ah, fie | vorsichtig, die Männer sollen wahrscheinlich erst ei» Obdach aufsucheu; ich will ihnen folgen." Er band seiu Pferd an einen Baumstamm fest, und den vier Männern, dft eben ei» dichte» Gehölz betraten, sichtigen Schritte», so daß er ihr laut geführte» Gespräch deutlich zu hören vermochte. .Letzt »ftd «ft dft Sache denn doch schon za brummft der Eine von ihnen. »Immer so wft dft herumziehe», nicht» Richtige» zum esse« »nd trinke», nicht «al ei» ordentliche» Obdach, wo mau dft müde» Glieder strecken könnte." „Mich wundert not, daß dft Mädchen so dabei find." „Wa» wollen fie de» mache». Können fie denn Sie müsse» wohl." „E» scheint, Adner» ist nicht ganz znfrftde» «ft Expeditio». Er hat fich große Rechnung darauf gemacht! junge» Mann z» fange». Er soll zlanb« ich viel Geid^ sich habe», vor kurzem erst sagt« er zu «ft: wen» junge» Mann in unsere Hände bekommen, dar» ist nnöi geholfen." „Aber wo ihn finden!" „$<&! Hast D» nicht» gehört, e» war al» sei auf eine» dürre» Ast getreten." LI» solltt jetzt Jemand hierherkouonen. Ist flucht finster hier. Und wft e» scheint, setzt e» »och ei» tüchtige» Gewitter ab. Wft müsse« trachten* ein« Unterkunft z» finden." Jetzt traten dft Männer an» de« Gehölze 1*tt Utf eim Wiese, auf deren ä«-«rst«» Rande s Häuvhe, stand»», „Ich glaub«, »ft habe» gef»»de», einer da Vdä»p-> n»d '

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