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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 50 (1893) · p. Seite 192

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
50 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 192 (sequence 2)
Language
German
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bringen zu lassen, mittlerweile jedoch Surr bisherige» Gefängntß derart herzurichten, daß eine Flucht gänzlich an-geschloffe» sei. Und Don Heinttch ging in die Falle." .Ihr wurdet hierher gebracht, vor der Thür stehen Tag und Nacht ununterbrochen zehn SSldner, unter jedem Fenster stehen zwei SSldner und längs der ganzen Mauer entlang von fünf zu fünf Schritten eine Wache. Ihr seht ein HinauSkommen ist unmöglich." WaS jedoch Don Heinrich nicht wußte ist da»: „Dieses Gemach hier ist der Endpunkt jene» langen unterirdischen Ganges, au den ich mit Hilfe meiner Freunde seit vielen Monaten schon gearbeitet habe. Eure Flucht, mein König, ist von hier ein Kinderfpiel und nicht da» armseligste Leben wird dabei auf'» Spiel gefetzt. Durch diesen Gang gelangt Ihr bis außerhalb von Toro. Don werdet Ihr bereit» erwaNet. Ihr besteigt ein Pferd und reitet ohne Aufenthalt mit Eurem Gefolge nach Sevilla. Die Wachen am Toledothore gehören zu meines König» Anhängern. Ohne Widerstand zieht Ihr in die Stadt ein, und einmal drinnen, ist Krone und Reich in Euren Händen." Er trat jetzt an die Wand, schob einen dott befestigten Balken zurück, der Fußboden zeigte plötzlich eine Oefsuung. »Die Strickleiter ist gut befestigt, mein König steigt hinab." „Und Du, Joel?" fragten der König «od Do» Samuel gleichzeitig, „Du begleitest uns nicht?" „Ich werde später Nachfolgen," sagte Joel düster. „Ich habe hier noch Etwa» zu besorge»." „Kommt mit unS," sagte Don Samuel, „ich ahne was Ihr vorhabt, Ihr seid verloren, wenn Ihr zurückbleibt." „Oh, auf diese Stunde habe ich schon lange gewattet, und Don Heinrich soll heute zittern. Heute soll er empfinden, wa» Schimpf ist. Demüthigeuder Schimpf. Jetzt schnell fott. Lebt wohl, mein König, lebt wohl, Don Samuel. Sollte ich bi» Morgen nicht in Sevilla sein, so gedeutt de» HochzeitSuarren." Der König stieg jetzt über die Stttckleiter hinab, ihm folgte Don Samuel und dann schob fich der Bode» über ihnen wieder zu. „Armer Mann," sagte Don Samuel, „er wird nicht mehr wiederkehren." „Ein seltsamer Mann, wahrhaftig," sagte der König, „der mit so seltsamer Ausdauer unsere Flucht bewerkstelligte und fein Leben für nicht» achtete." „Doch wo find wir jetzt, wo ist vorwättS, wo ist rückwärts, gehen wir nur einen Schritt, so laufen wir Gefahr unsere Köpfe zu zerschellen oder Arm und Beine zu brechen." „Da plötzlich flammte ein Licht auf und nähette fich den Leiden. ES war eine Frau, die eine Fackel trug und weiter rückwärts sah man noch eine große Anzahl von Lichtern. Die Frau, in der Nähe deS Königs angelaagt, warf fich ihm zu Füßen, dieselben krampfhaft umschlingend. „Gerettet, mein König, gerettet l" schluchzte sie. „Maria, Du hier!" rief der König freudig überrascht und umschlang die zatte Frau mit beiden Armen. ,,3«, bei Dir Don Pedro, ich wollte die Erste sein. Dich in der Freiheit zu begrüßen." „Noch ist eS nicht so weit." „Oh, Du bist frei, mein König," rief Maria de Padtlla. 'Fünftausend Söldner -Hab« ich angeworben, sie haben sich heute Macht im Walde draußen vor Toro'S Mauer» versammelt, sie führe» Dich uach Sevilla zurück und Alles, Alle» ist wieder gut." „Joel, armer Joel," flüsterte Don Samuel, „er hat fich für un» geopfert, sein Leben ist »urettbar verloren. Don Heinrich war noch wach. Er saß in seinem Schlafgemache und starrtt in die bleiche Flamme der von der Deck «iederhängeuden Lichter. „Wmmm flieht mich der Schlaf, warum? Ist e« etwa da» Gewisse«, da» «ich immer wieder auftüttett. Ah bahl wa» tst Gewissen, schöne Worte, weiter nicht». Ich moß mit de» Beiden eia End« machen, warum Hab« ich bi» heute gezögert?^ Ich weiß e» nicht. Warum habe ich sie nicht gleich .damals vernichtet mit de« Andern, dann könnte ich vielleicht ruhiger schlafen und Eastilien» Thron hätte seinen Herrn. Vielleicht wiederholt fich der gestrige Fluchtversuch und wmn er gelänge l?E Lächerlich, er wird nicht gelingen und doch, besser ist besser.l... Sind sie beide todt, Hab' ich Ruh! Wo mag nur Abuer»H solange bleiben. Ob er Judith zurückbriugt? Sr wird wohl, er F ist in solchen Sachen geschittt, obwohl er Leah damal» ent- -- wischen ließ. Wo mag fie wohl hingekommen sein? Ist Judith hier, dann werd' ich rasch den mir angethanen Schimpf au»- ttlgen und dann werde ich diesem stolzen Don Smnuel sein« Tochter zuführen. Drum soll er noch am Leben bleiben bi» dahin. Bi» dahin und dann sollen die Köpfe Don Pedro'» E und Samuel» fallen und Judith soll dabei Zuschauertu ftin . und dann wird fie durch ganz Toro gepeitscht." „Sind die Beiden todt, daun erst verlaff« ich Toro und setze Eastilien» Krone mir auf» Haupt. Wer wird e» mir »ehren — wer?" „Ich!" ertönte plötzlich ein« tief« Stimme, und eine hohe Gestalt nähette fich dem Prinzen, der erschrocken aufgesprungen war und scheu auf den Besucher schaute. „Wer bist Du? WaS willst Du hier?" schtte Don Heinttch. ,Mnnr Ihr mich nicht?" ftagte der Eingetretene, „Schaut mich doch ganz genau an und er ttat in da» volle Licht. „Ich kenn« dich nicht!" „Schon lange steh' ich an der Thüre und lauschte Sure« Plänen, die Ihr Euch selbst mitgeteilt. Ihr zweifelt daran, ob e» ein Gewissen gibt, ja wohl e» giebt ttn», und ich, ich bin da» Eure. AufÄtteln will ich Tuch bi» Ihr vor Schande und Schmerz, ob de» Zerrinnen» all' Eurer stolzen Pläne, verzweifelt und in Schmach vergeht." „ES ist doch sonderbar, daß Jemand fich gettaut, solch« Wotte zu mir zu sprechen, und selbst wenn Irrsinn Dir Dein Hirn beschwett, nach dieser Stunde dürstest Du nicht mehr üben." „Ihr kennt mich noch immer nicht? - Thut nicht», Ihr sollt mich gar bald kennen. Ich kam hierher, und merket wohl wa» ich Such sage, nicht Irrsinn spricht au» mir. ich habe l»eut, vor wenig kurzen Augenblicke» all' da» vernichtet, woran seit Jahren Ihr rastlo» gearbeitet, wa» Euch bewog, Ströme unschuldigen Blute» zu vergießeu." „Wa» willst Du doch? so sprich!" fegte Don Heinrich mit kaum vernehmbarer Stimme. ,Lhr dachtet König von Eastilien zu sei», und seid von Morgen an doch nicht» weiter al» ein heimatloser Flüchtling." „Dachte ich'» doch," sagt« Don Heinttch, jetzt ruhiger geworden, „ein Jrrfiniger, doch wie kommt er hierher". „So denkt doch einen andere» Gedanken: Ihr ttöstet Euch, in mir den Träger einer Wahnidee zu schauen nick doch ist'» nur gesund« Wirklichkeit." Ruhig kreuzte er di« Arme übereinander und schaute hohnlachend auf Trastamare. „3ijr kanntet mich al» Jonathan und habt mich zu» Wächter de» König» und Don Samuel» bestellt. Heute -sticht -J ließ ich sie beide fliehe», jetzt find st« schon weit von Toro und morgen steht Sevilla seine» König wieder." Ein schrecklicher Schrei der Wuth drang au» Don Hei» ttch» Brust und eh« e» fich Joel versah, hatte er ihn au der Brust gepackt. „Du lügst" sagt« er, — „Du lügst!" schtte er. „Besudle mich nicht mit Deinen Härchen" sagte Joel und stieß de» Prinzen zurück. »Du lügst, Du lügst" schtte er, „Wachen herbei, „Beruhigt Euch Prinz, vorgeblich ist die» «nfen. Wachen sie tamuelu unten schlaftrunken umher. Wir tri Wein zusammen, viel Wein, und sie tranken uach echter knechtatt bi» ihr« Sinne schwanden, und um »och «in ft: z« thnu, Hab ich de» Wein gemengt «tt eine« Pulver, i i i s ■i JA

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