Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 49 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»l« Wollte sie «ul» ihre» Grnndfrste» Hera»», und sich schankelt«, eich de» kleine» gebrrchttchen Fahrzeuge a»f sturmtobender *, »nb mir dam eil» Stimme, schrecklich, fürchterlich unb »jeder s« heilig süß, |n na» Sorte sprach dt« ri»e ganze t, i» fich7 schlossen." »Nicht doch Nabbi,' sagte Esther mit vor Schrecken bleiche» Antlitz. »Ober soll ich dir erzählen, wie wir mühsam und schwer, »rch den heißen Sand, unter de» brennenden Sonnenstrahlen, ^tzahinkeuchtr» durch die endlose Wüste, rnhelo«, «in ausgetrkhene» Volk eine neue Heimoth suchend, und sie in Ewigkeit nimmer findend. »Oder soll ich dir davon erzählen, wie gar bald überall hohe Feuerstammen zu« Himmel schlage» werden, und dies« Flammen die Leiber unserer unglücklichen Glaubenitgenoffen vergehren werden.' »Nein, nein» Rabbi l" — sagte Esther mit starrer Furcht den Srei» anschanend.' »Oh wo war ich jetzt,' begann der Rabbi plötzlich mit ganz andrrer Stimme, »Du hast recht mein Sind, ich habe ^vergessen, e» darf wohl nicht Wunder nehmen.' .Komm zu mir» mein Sind, erzähl« mir von der Welt, au» ‘tw du kommst, wie steht e» draußen au»? Sag' stehen dir \ Leinen Vänmchen, di« ich selbst pflanzt«, »och immer vor dem krause.' ,O Rabbi» wa» sprecht Ihr doch, diese kleinen Bäumchen »d alt geworden, ragen mit ihren stolzen Kronen weit über sta» Hau» hinüber und verbreiten Schatten ring»umh«r.' »Ja, ja, Du hast recht, «ein Stad, e» mögen ja doch St schon viele, viele Jahr« vorübergegangea sein. Wie hoch steht wohl die Sonne schon am Himmel heule?' »Seit sieben Stunden ist st« hereit» nach abwärt» gegangen und jetzt ist e» bereit» Abend.' »Abend, Abend, — sagst Du Sind, nicht doch, Du wirst Avich irren, läß sehen." Und der Rabbi nahm au» einem ledernen Säckchen einen altcheu eirunde» Gegenstand heran», und reicht« ihn de« „Sieh doch, mein Stad, die» ist mein Freund, der stet» tuen «blieben, »ad redlich mir gedient hat. Dieser »d wird am beste«, Anbkunft gebe», wie weit der Dag rückt ist. Und erbetrachtete den Gegenstand genau.! Auge» brenne» «ich. ich sehe nicht, schau du, mein Sind." „<M war eine plumpe eirund«-Uhr in einem mettallener as«, und eine« Ztsferblatte au» Pergament, auf welche« seltsame Zeichen, untermrngt mit Meruba»(Ouddrat-)Schrtft - schauen war, «elche er jetzt dem Mädchen reichte. ' „Weiß ich e» denn," entgegnet« st«, „ich Hab« ja solch' ei» »g niemal« gesehen." „Ach ja, e» ist wahr" lächelte der Srei» kaum merklich. „Sag' wie stehe» die Zeiger, stehe« fie nach link» od« : t«, etwa so wen» Du Deine Arm« «»»streckst, »der strecken ihre Spitzen in di« Höh«, in der Richtung deine» Sopfetz, ist e» Mittag, stehen, die Spitzen hinab zu Deine« Füßen, ist e» Mitternacht, doch da» kann'» nicht sein." „Seht, Rabbi, die»«al hat Euch euer Freund gar jämmer» betrogen »nd im Stiche gelaffen, denn dir Spitzen stehe r «ach abwärt» genau übereinander an eine« Punkte, fe also auf Mitternacht und doch ist e» erst Abend." »Nicht möglich Sind" sagte der Rabdi mit heiser« r ««, „steh nochmal» genau." ,^tch sehe genau, da» Zeichen dort versteh' ich nicht, doh selbst noch re zu sehen." »Hege Detq Ohr daran und horche." »Lch höre nicht«." Geräusch? nicht da» geringste? ich bitte Dtcz. Dein Gehör an." «Du sagst, «ei» Freund Hahr niich betrogen, Mädchen, aber D» bist i» Irrtum. Sein Schweige« ist für mich «in« gar verständliche Sprach«. Met» Lebe» geht heut« z» Ende, «ein Freund zeigt mir an, daß mit I«« letzte» Pul«schlage de» alten Dag«», mein letzter Her,schlag flch vereinen wird.' „Um Sott, Rabbi, wa» sprecht Ihn doch schon wieder so seltsam." ,,E» ist s», wie ich sage." Lautlose Stille herrschte'im Gemmhe. Da wurd: plötzlich die Thür von «mßen geöffnet und der Vorsteher Abraham venguala trat hastig ein. „Eure Verfolger find hier im Ort«/' saate er zu Esther» „Ihr seid keinen Augenblick mehr sicher hier. Roch heute Rächt müßt Ihr sott von hier." „Sohin aber?"» sagte Esther, „wohin allein? Gabriel ist noch nicht zurückgekehrt." ,,E» muß. dennoch sein, sonst fal.t Ihr in die Gewalt dieser rohen Mensche». Ich selbst will euch eine Strecke de» Wege» geleiten." „Wa» habe» wir diesen Elenden gethciu. Ist'» nicht schon genug, daß ste Judith» Vater gemorvet Habens"' „Dir möchten euch ja gern« hier behalten, glaubt e« mir. Doch diese Elenden, sie werden, da fie ich nicht getrauen Gewalt zu gebrauchen, mit List Vorgehen, und dagegen giebt e» keinen anderen Schutz, al» den von Gott. Darum ist e» bester, Ihr flieht, vielleicht gelingt e», dir Verfolger zu tausch«« und dann kehrt Ihr in wenigen Lagen tvieder hierher zurück.", „Ich will zu Judith gehen und ste vorbereiten", sagte Esther traurig und verließ da» Gearach. Abraham venguala hatte nicht die leiseste Ahnung, daß ihm aus dem Weg« zum Haus« de» Ra^bi der Fremd« gefolgt war» «nd jetzt stand er draußen unter dem offenen Fenster »nd konnte jede» Wott veruehmr«, da» drinnen in der Stube gesprochen wurde. . „Et war schlau von mir. dem Alten zu folge«, morgen wäre e» zu spät gewesen", sagte ertriumpbireud, „ste find mein. Doch wo ist der junge Mann? vah! Hab» ich nur dt« Mädchen in meiner Gewalt» er wird von selbst mir folgen/« Und drinnen ließen fich wieder Stimmen vernehineu «nd der Spion lauschte gierig. ,,E» ist gut, daß Du hier bist, Abraham venguala", sagte der Srei». „Ich will Dir eine Mitteilung machen. Heut« werde ich abberusen au» diesem Leben. Unterbrich mich nicht, sagt« er, att der Vorsteher sprechen wollte» e» ist so. Hör» l Wohl tausend Monde möge» e» sein, ich war damal» kaum sechzig Jahre alt, da hatte ich «inen Freund, «» war ein weiser hoc^ gelehrter Mann und gar manch' wichtige« Gehetmni» erforschte er mit Hilfe der Sabbala." „Rabbi Abraham Var Nathan hieß er, man nannte ihn aber, ob seine» tiefe» Wissen»» de» Sohn de» Lichte». „Eine» Lege» rief er mich zu fich. Mein Freund, sagt« er, wir müffen scheiden, scheiden für diese» L«b«»." „Ich erschrack, doch er lächelte." „Ich habe gelebt", sagte er. „ich habe kennen gelernt, wa» nur wenigen menschiischen Wesen kennen zu lernen, vergöuut ist. Ich Hab« geschaut, «a» vielleicht niewal» ein andere» menschliche« Auge schauen wird. Rinim diese Uhr zu» Andenken an «ich, sie ist von mir selbst gefertigt. St« zeigt dir nicht nur getreulich den Lauf der Stunde» an, st« deutet dem Lesttzer auch genau die Stunde, i» welcher er von dieser Erde Abschied zu nehure» hat. Doch verbirg fie vor jede» fremden Blick, denn nur Unglück und verderben bringt sta über denjenigen, in deffen unrechtmäßijM Best» fit gelangt." Habgierig funkelte» di« Auge» ded Lauscher», al» er Re Erzählung anhört«. „Solch' Wunden oerk", sagte er zu »Muß mein werde», dafür werde ich sorgen/' ,Hörst Da morgen, daß ich gestochen ttn, so »tgfrbff Uhr und. vernichte ste. versprich