Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 49 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 'SS - : 14. Auf der Flucht. So schnell ul» e» der leidend« Zustand Judiths gestattet«, war Gabriel mtt den beiden Mälrche» von Sevilla fortgeritten. Leine» von ihnen sprach ein Wort, und nur hin und da drehten sie ihre Köpfe nach rückwärt» my zu schaue», ob fich keine Verfolger zeigten. Gabriel hatte da» Kästchen mit den Edelsteine« mit sich genommen, »nftx er ja doch nicht wie lange diese Reise dauern würde, und ob er überhaupt wieder zurückkehrt«. Da» Tragen derselben war jedoch äußerst beschwerlich, namentlich wenn er in die Lage kommen sollte, sich veneidigen zu müssen, wa» nicht gar so unwahrscheinlich schien, außerdem muhte e« auch die Aufmerksamkeit erregen, und konnte womöglich noch weitere Gefahren heraufbeschwören. Schnell entschlossen leerte er den ganzen Inhalt in seinen Gurt und warf dann da» Kästchen auf die Straß«, während er gleichfall» «inen seitwärts führenden Leg eiafchlug. „verfolgt man un»;" sagte e, za den Mädchen, „und mau wird an» verfolgen» darüber ist kein Zweifel, dann wird inan die« Kästchen finden, und stcherlich die gerade Straße einschlageu. Dadurch gewinnen wir einen Vorsprung. Ich kennne den Weg nicht, doch bleibt e» an» gleich wohin wir kommen, wen« wir un» nur gleichzeitig soweit wie möglich von Sevilla entfernen." Die beiden Mädchen fügte» fich in alle gemachten Vorschläge gerne, und so waren fie bereit» acht Tage unterweg». Bei Tag halten fie gewöhnlich >« kleinen Ortschaften fich au»- geruht, mit Nahrungsmitteln versorgt, und bei Anbruch der Nacht waren fie immer wieder anfgebrochen, um ihre ziellose Flucht fortzusetzea. Sie glaubten hierdurch am fichersten ihren Verfolgern zu entgehen. In Tudela, einem kleinen Städtchen am Ebro gelegen, beschlossen sie endlich zu bleibe«, nachdem der Zustand Judith» durch di« fortwährenden Anfregr ngen und Strapazen der Reise sich derart verschlimmert hatte, »aß auf jede Gefahr hin, Ruh« und Schonung notwendig geworden war. Die ganz« kleine jüdische Gemeind« bestand nur an» wenigen Familien, und um so herzlicher, zuvorkommender wurde» die Fremden von ihnen ausgenommen. Gabriel hatte fich sofort nach ihrem Eintressen zu dem Gemeindeältesteu begeben und ihm mitgeteilt, wer fie seien und wie fie gezwnngen wurden. Sevilla zu verlaffe» und hier jetzt thu Zuflucht zn suchen. »Ich glaube nicht, daß man Euch bei uu» hier suche» wird,- sagte Abraham Benguala, der Vorsteher, .und gern find wir bereit, die Tochter Don Samuel» i» unsere» Schutz zu nehmen. Ob wir jedoch mächtig genug find, ist ein Andere». Ich glaub« e» wird am Besten sein, wenn ich euch bei Rabbi Zadik Meffulam eiüquartiere. Sei» Häu»ch«n steht ganz abseit» unmittelbar an de« Wald angrenzend. Im Falle der Gefahr könnt ihr am leichtesten von dort entfliehen, auch seid ihr dort vor ueugierige» Blicken eher geborgen, nur weiß ich nicht, ob fich mit dem Rabbi darüber sprechen läßt. Er ist gar wunderlich schon, denn sein Alter reicht weit iu da» Hundert hinein. Doch ich will» jedeufall» versuchen, da e« da» Beste für eure Lag« wäre." — — — Einen Monat schon wohnten fie im Hause de» Rabbi und Gabriel war mit fich selbst uneinig, wa» jetzt zu geschehen habe. vergeblich schon hatte er mehrmal» versucht, einen Voten zu finde», den er au den Rabbi Santob Löb absendeu wollt«, doch «te{. ib war einer für solch' einen langen Weg aufzotretde». Sie hatte» hier i» Tudela eine Zuflucht gefunden, doch war sie auch sicher, war »icht zu befürchten, daß ihre Verfolger ihre Spur hierher fände» uud bau, konnten sie diese friedlich gefiuaten Leut« nicht schütze», auderseit» durfte er vorläufig nicht daran deute», mit den beide» Mädchen wieder von hier tu'» Uu^wiffe fortzugeheu. Schließlich entichloß sich Gabriel, wen» auch schweren Heiz«»», selbst mutz Sevtta zu ßchr» »ud mit de« Wghht Sautob Lkt darüber zu iprech-u wa» zu begiuueu sei. vielleicht hatte» fich auch die Verhältnisse bereit» dort gebessert. Gabriel nzar ahgeretft, di« beiden Mädchen im Schutz« der Gemeind« laffead. Doch vierzehn Tag« wäre« bereit» verstrich«» und. weder eiue Nachricht war etugetrosfru, noch; war Gabriel wieder' erschiene». Da «ine» Abend» wurde di« klein« Gemrinv« tu gewaltige Aufregung versetzt. Fünf Männer wareu in da» Städtchen eingeritten uud hatte» iu einer armselig«» Schenke ihr Nachtlager aufgeschlagen. E» waren unheimlich« wüste Geselle« mit breite» Schwertern bewaffnet, wie fie die Kriegtkuechte zu tragen pflegten. Der eine von ihnen — e» schieu der Anführer der übrige» zu sein, — erkundigte fich sofort bet dem Vorsteher der Jnde»- gemeiud«, ob hier «icht vor längerer Zeit schon zwei Mädchen in -Begleitung eiue» junge» Manne» durchgekommeu seien. Der alte Mann konnte sich eine» heftige» Erschrecke«» nicht erwehren, doch schnell gefaßt entgeqnrte er, daß hier in diesem kleinen Orte nqr selten Fremde dürchznkommen pflegen, da ja Tudela zu abseit» vou der großen Straß« gelegeu sei. Nachdem fich der Fremde noch eingel-entlich um den Weg nach der nächsten Stadt erkundigte, eutfrrute er sich. Auf der Straße augekommen, trat er sofort hinter da» Hau« de» Borsteher» und lehnte fich a» einen dicke» Baumstamm. .Wir bleiben hier' sagte er, e» war der Spion» .ich glaub« ich habe die Flüchtlinge gefunden, wenn ich mir da» Erschrecken de» Alten recht au»lege. Jetzt heißt e» vorfichtig sei», damitL fie mir nicht entwsscheo. Wahrscheinlich wird jetzt der Alte hingchea, nm fie zu warnen und damit zeigt er mir gleich-, zeitig den richtigen Weg, wo sie zu finden find. — — —^ Wie bereit« erwähnt, hatten die Flüchtlinge rin Unterkommen i« Hans« de» Rabbi Zadick Meffulam gefnnde». Gar manche» Wunderbare ertählteu fich die Leute an») dem Leben de» alten Manne», und dt« meisten seiner kadba-s listische» Lorhersagungeu waren eiugetroffen» uud darum! sprachen auch selbst di« jüngeren Leute »ur mit scheuer Eh fnrcht de» Namen de» .Laalschem" (Wundermann) an». I» einem kleinen Gemach« im Hause de» Rabbi, faftl vor großen aufgeschlagrue» Folianten, eia alter Rann. Seinej kleine Gestalt, schien noch kleiner al» sie war» da da» Atter den Rücke» stark gekrümmt hatte. Nnr spärliche» fil weiße» Haar bedeckte seinen Scheitel und eine Pergau von Runzeln durchfurcht« Haut sei« Gesicht, seinen Da» Auge diese» alte» seltsame» Manne» allein ver Leben, der übrige Theil de» ganze» Körper» schie« tobt sei», und diese« Auge sah gar wnndersa« leuchtend ans seltsam geformte» Figuren, die in den Blättern anfgrzeiö waren, diese» Auge schie» dort zu lese» Gigantische», U« liche», für den gewöhnlichen Menschengeist unfaßbare». Der Eintritt Esther« in die Stube machte den atte Mann von seine» Büchern anftchauen. »Du hier, «rin Kind, Du hier?' sagte er mit kaum ver»^ uehmlicher Stimm«, »wo warft d« doch die ganz« lang« Zeit! »Wo ich gewesen? vor «entgea Augenblicke» war doch noch hier uud jetzt schaute ich «ur et» wenig zu Ind Don Samuel» Tochter, «eil fie noch trank ist. Ihr mich gar so seltsam an, e» scheint, Ihr kennt «ich nti mehr» Rabbi'? Ihr tvaret so gütig, un» arme Flüchtlinge 1 aufzunehme« in EurrHan». Erinnert Euch doch?" — Erti soll ich mich? Ja wohl mein Kind, doch um» du von s forderst, ist »icht so leicht, an wa» soll ich «ich erinue erst, in meinem Kopf« ist r» gar wirbelig, eiue ganze da drinnen. »Soll ich Dir etwa erzählen» wie ich «tt Mose» < de» Sknai stand, und »w der ganze Berg, di« ganz« N mit einem Mal« anfflammte, und nur al» eine hohe | .Feuersänl« zu schaue» war, di« hina» zum Fir wie flammend« gewaltig« Bitze da» ganz« Weltall n»d di« Erd« vom Rolle» und dröhnen ' Körper. *V--'