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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 48 (1893) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
48 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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«nf btt Straße", sagte der Spion. „Habt Ihr dem« keine ^Dienerin?" »War kümmert'« Such l Arme Leute habe» keine Dienet". „Ol Hütte ich nur nicht» Bessere« zu thuu. so würde ich «tr wohl da« Lergügen uiachen. Euch zu begleiten. Doch Ihr habt recht, wa« kümmert e« mich. Borvätt» Leute!" Di« Truppe setzte sich wieder in Bewegung und die beiden .geiingstigten Mädchen eilten, frohaufatmend, der Gefahr erkannt zu werden, entronnen zu sein, dem Stadtthor zu, um in'« Hreie zu gelangen. Gabriel harrte schon ungeduldig bei den Maultteren. Schnell half er den Mädchen fie zu besteigen, und so rasch al» möglich ging e« vorwärt« in die sternenhelle Nacht hinein.- Mitlerwcile war der Spion mit der Sbldnertruppe vor dem Palaste Don Samnel« angelangt. Er stellte vor dem Eingangithore einige Wachen auf, mit den übrigen eilte er in möglichster Stille um den Palast herum. Dort klttterte ei mit seinen Begleitern über die Einfriedigung de» Garten» und eilte jetzt dem Hause zu. Men voran, wie e« schien, de, kühnste und verwegeuste, ei» Krieg»knecht von hoher Gestal! mit roten struppigen Haaren. Erschrocken schauten die Diener auf die fremden Ankömm liuge, doch schon waren fie übermannt und einer von ihner wurde gezwungen, ihnen die Gemächer der Tochter Don Sa- «nid'» zu zeigen. Die Thüre war geschloffen und vergeben» ries der Spiok. «an solle öffnen. „Erbrecht die Thüre" rief er zornig, „wir haben »ich: viel Zeit und müffen die Stadt verlaffen, eh« die Thor« geschloffen werden. Leicht könnte einer der Diener au» den, Palaste entwischen und den Juden Mitteilung machen von dem, wa» hier geschieht und dann find wir verloren." Und jetzt wurde auf die Thür gehämmert, daß ganz: Stücke Holz au» derselben flogen, bi» fie endlich nachgab un> her ganze Trupp in Judith'» Zimmer stürmte. Dasselbe war len. Der Spion stieß einen grimmigen Fluch au». „Entflohen!" rief er. „Ich glaub«, Ihr habt einen dunimen Streich gemacht,' schrie der Rote, „die beiden Mädchen, die Ihr auf der Straße anhieltet, scheinen die Gesuchten gewesen zu sein." „Ich denke Ihr habt Recht, vorwärt» ihnen nach." „Ei ja doch, ihnen nach. Meint Ihr denn, fie haben fich dort hingestellt und warten bi» wir kommen?" „Wir müffen fie einfangen" schrie der Spion, „komn t schnell". „Finden wir fie", lachte der Rote, „so finden wir fie späti r auch, jetzt find wir in de» Juden Palast, und wollen un» aulh so einige kleine Angedenken mitnehmen von hier, glaubt Jlr nicht auch, Kameraden?" „Der Rote hat Recht", jubelten die Söldner, „schäm n wir un» rin wenig um." Vergeblich erklangen die Befehle und Drohrufe de» Spion», fie wurden gar nicht mehr gehött, denn schon waren sie im ganzen Palast« zerstreut, zertrümmerten wa» ihnen in die Hände fiel, schleppte» goldene und filberne Wettsachen zusammen, wa» fie nur habhaft werden konnten. Eine Stunde etwa hatte dieser Bandalidmu» gedaueit, al» der Rote endlich wieder da» Wort ergttff. „Jetzt ist'» ge- DMUg, Kameraden, ttef er, wir müffen ttachten von hier foit- Dck.^lmen, sonst werden wir hier wie in ttner Mausefalle ge- £agtg.» Lüthend, und doch machtlos, hatte der Spion dem Trttb:n Wgeschaut. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. „Der Rote «hat -MM", sagte er, „ich werde «» machen wie fie. Vielleicht find« -sch de» Ort, wo Don Samuel da» Kästchen mit den Edelstein:» Lwfieckt hat." p’r,. ,Ma» verdien' ich denn eigentlich. Den Galgen viel zu >M»ig! Hatte da» Kästchen in meinen Händen, ich Thor, könnte WAR reich sein, wie nicht viele auf dieser Erde und werfe e» so mir »lcht» dir nicht« »eg — dürfte» Kieselstein« gewesen sei». Aber e» war doch schauerlich, wa» e« nur war? War e» wirklich ei« Gespenst, e» muß wohl so geweseu sein, hatte ja kttnen Tropfen Blut im Gesichte, und die Augen so weit aufgettffen. Darf gar nicht t-aran denken, sonst laufe ich wieder davon." Im A:b«it»»immrr de« Minister» angelangt, war sein Erste« den Deckel de» Schreibtische« zu erbrechen. Plötzlich jubelte er auf. Er hatte da» verlorene Dolch- .meffer gefunden und schnell steckte er e» zu fich. Wo d a« ist, find die Steine auch nicht weit, ttef er. Alle Laden zog er hervor, suchte nach Geheimfächern, zertrümmette die Möbel in wahnfinniger Hast und Gier, zerschnitt Polster und Teppiche, klopfte die Mauern ab, um etwi einen hohlen Raum zu entdecken, alle« vergeblich. „Die Steine find nicht hier im Hause, aber wo, wo? Der Fremde weiß um da» Bersteck, wahrscheinlich begleitet er die Mädchen. OI ich werde fie finden, und er wird mir da» Geheimnis verraten und müßte ich ihm da» Blut tropfenweise abzapfen." Und ohne fich um seine Leute weiter zu bekümmern, stürmte er au» dem Palaste mit eiligen Schritten dem Toledothore zu. „Ein Pferd muß ich haben» sonst hole ich fie nimmer ein, doch wo ein solche» auftreibrn?" Er eilte zu dem am Thore wachhabenden Offizier. „Habt Ihr vor Kurzem hier zwei Mädchen da« Thor pasfircn gesehen?" rief er athemlo». „Ehe ich Euch antworte, wer seid Ihr?" fragte der Offizier. „Bin hier im Aufträge de» Regenten Don Heinrich, anworttt schnell " ' ,Za doch, zwei Mädchen in Kapuzen gehüllt, pasfitten so etwa um die achte Stunde da» Thor." „Ich habe Auftrag sie gefangen zu nehmen, «» find StaatSvrrbrecherinen. Ich muß den Flüchtlingen nach. Habt Ihr ein Pferd?" „Jawohl!" „So laßt e» vorführen, rasch, der Regent wird Euch hierfür Dank sagen." Der Offizier war unentschlossen. „Zögert nicht" rief der Spion, „wen»: Euch Euer Leben lieb ist." Da» Pferd wurde vorgeführt. Der Spion sprang in den Sattel und in donnerndem Galopp stürmte er davon. Eine halbe Stunde mochte er bereit» geritten sein, al» er auf der mondbeschienenen Landstraße ein schwarze» Kästchen liegen sah. Schnell sprang er vom Pferde, um e» aufzuheben. „Gefunden, gefunden l" „Sie haben e» in der Eile verloren. Doch eben so schnell stieß er einen fürchterlichen Fluch au» und schleuderte da» Kästchen weit von fich." E» war geöffnet, der Inhalt fehlte. „Sollte schon Jemand vor mir den Weg passiert und fich den Inhalt de» Kästchen» angeeignet haben?" „Ich muß ihn finden" heulte er, und wieder schwang er fich in den Sattel und wieder galoppitte er wie rasend »veiter. Doch nur eine kurze Strecke war er so geritten, al» er da» Pferd mit einem plötzlichen Rucke zügelte. ,,E» ist nutzlos so ganz allein die Verfolgung aufzunehmen. Ich muß die andern erwarren und einige mit mir nehinen, ohne Hilfe kann ich ihn nicht überwältigen." Und jetzt plötzlich ruhig geworden ritt er langsam zurück, und legt: fich unweit de» Stodtthore» in da» hohe Gra». — Al» die Söldner den Palast de» Don Samuel verlaffen hatten, waren fie vorsichtig, um ja kein Geräusch zu verursachen, durch die finstern, entlegensten Straßen Sevilla'« dahingezogen» nachdem fie vergeblich längere Zttt auf den Spion gewatttt hatten, und der Rote endlich zum verlaffen der Stadt genöttgt hatte. „Kameraden" sagte er plötzlich» .»artet ttue kleine Weile

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